Die Colts und die Commanders reisen beide mit einer Bilanz von 1-2 nach London, und beide haben ihren ersten Sieg erst am vergangenen Sonntag geholt. Indianapolis beendete mit einem Field Goal 16 Sekunden vor Schluss eine Serie von neun Niederlagen. Washington schlug den Titelverteidiger Seattle mit Marcus Mariota als Quarterback, weil Jayden Daniels mit einem ausgekugelten Ellbogen fehlte. In der Verteidigung sieht es bei beiden weniger gut aus: Die Colts haben in drei Spielen 91 Punkte zugelassen, Washington 92. Dazu kommt ein Spielort, an dem keine der beiden Mannschaften wirklich zu Hause ist.
Indianapolis Colts: Taylor und die Ballverluste
Der Angriff der Colts beginnt beim Laufspiel mit Jonathan Taylor. Gegen Baltimore kam er auf 98 Yards, in Kansas City auf 92, und in beiden Spielen erzielte er zwei Touchdowns. Gegen Houston wurde es zäher: 23 Läufe, 68 Yards, kein Touchdown. Daniel Jones ist nach seinem Achillessehnenriss wieder Starter und unterschrieb im März einen Vertrag über zwei Jahre und 88 Millionen Dollar. Er wirft im Schnitt 203,7 Yards pro Spiel, und seine Anspielstationen haben sich verschoben. Alec Pierce liegt mit einer Verletzung an der Ferse auf der Verletztenliste, seitdem ist Josh Downs mit 14 Catches für 186 Yards die erste Wahl. Tyler Warren fing gegen Houston neun der zehn Pässe, die für ihn bestimmt waren, Keenan Allen erzielte dort seinen ersten Touchdown für die Colts. Darius Slayton, am 21.09.2026 verpflichtet, stand in diesem Spiel noch nicht im Aufgebot.
Die Schwachstelle im Angriff ist der Umgang mit dem Ball. Die Colts haben in drei Spielen sechs Ballverluste, je drei Interceptions und verlorene Fumbles. Gegen Houston verlor Jones zwei Fumbles, der zweite ermöglichte den Texans kurz vor Schluss den Touchdown zur 17:16-Führung. Dass die Colts trotzdem gewannen, lag an Spencer Shrader. Er verletzte sich beim Aufwärmen an der Leiste, traf danach aber alle vier Field Goals, zwei davon aus mehr als 50 Yards. Dass es vier Field Goals brauchte, zeigt allerdings auch, wo es hakte: Aus drei Besuchen in der Red Zone, also den letzten 20 Yards vor der Endzone, holte Indianapolis nur einen Touchdown. In der Vorsaison erzielten die Colts 466 Punkte, den achtbesten Wert der Liga, davon 321 in den ersten zehn Spielen.
In der Verteidigung liegen die ersten beiden Spiele und das dritte weit auseinander. Baltimore kam in Indianapolis auf 506 Yards, Kansas City auf 523; Lamar Jackson warf für 324 Yards, Patrick Mahomes für 382. Gegen Houston ließ die Defense dann nur 223 Yards und 17 Punkte zu, DeForest Buckner kam auf 1,5 Sacks. Die Colts haben die Verteidigung über den Winter verändert, allerdings ohne Pick in der ersten Runde, denn der ging an die Jets. Mit Safety A.J. Haulcy aus der dritten und Linebacker Bryce Boettcher aus der vierten Runde spielen zwei Rookies von Beginn an, dazu kamen Defensive End Arden Key und Defensive Tackle Jerry Tillery. Ballgewinne sind bisher die Ausnahme: Die Defense der Colts hat in drei Spielen einen einzigen erzwungen. Trotzdem hat sich die Defense im Vergleich zu den ersten beiden Spielen verbessert.
Commanders: Der Sieg gegen den Super-Bowl-Champion
Bei Washington hängt vieles an der Frage, wer in London wirft. Jayden Daniels kugelte sich im letzten Spielzug der ersten Halbzeit in Dallas zum zweiten Mal den linken Ellbogen aus; es ist nicht sein Wurfarm. Er braucht keine Operation und steht nicht auf der Verletztenliste, trägt aber eine Schiene, und ob er spielt, wird von Woche zu Woche entschieden. Bis dahin hatte er in sechs Vierteln 260 Passing Yards, drei Touchdowns und keine Interception gesammelt, dazu 100 Yards bei zwölf Läufen. Marcus Mariota vertrat ihn gegen Seattle, brachte 19 von 31 Pässen für 183 Yards an, warf drei Touchdowns ohne Interception und sicherte den Sieg mit einem Lauf im dritten Versuch. In der Vorsaison hatte er acht Spiele als Starter begonnen, Washington gewann davon nur zwei.
Getragen wird Washingtons Angriff vom Laufspiel mit 132,0 Rushing Yards pro Spiel, in Dallas waren es 182. Gegen Seattle stockte es: 82 Yards bei 32 Läufen, 258 Yards insgesamt und nur drei verwandelte von 13 dritten Versuchen. Die 33 Punkte kamen deshalb auch von der Defense. Washington erzwang drei Ballverluste, aus zwei davon machte Mariota Touchdowns, und Linebacker Kain Medrano trug eine Interception 50 Yards weit selbst in die Endzone. Kicker Drew Stevens, der ohne Draft von Iowa kam, traf ein Field Goal aus 57 Yards.
Im Trainerstab hat Dan Quinn nach der Saison 2025 beide Coordinators ausgetauscht. David Blough stieg vom Assistenten für die Quarterbacks zum Offensive Coordinator auf, Daronte Jones kam aus Minnesota als neuer Defensive Coordinator. Die Veränderungen im Kader zielten vor allem auf die Defense: Linebacker Sonny Styles kam als siebter Pick im Draft und fing gegen Seattle eine Interception, als Free Agents kamen unter anderem Odafe Oweh, K'Lavon Chaisson, Charles Omenihu, Leo Chenal und Cornerback Amik Robertson. Im Angriff stehen Running Back Rachaad White und Wide Receiver Antonio Williams aus der dritten Runde neu im Kader; Williams war in Philadelphia mit 64 Yards gleich der beste Passempfänger seines Teams.
Die neue Verteidigung lässt bisher zu viel zu. Nur Detroit hat mehr Punkte zugelassen als Washingtons 92, und in drei Spielen warfen die gegnerischen Quarterbacks elf Touchdowns gegen diese Defense: Jalen Hurts drei, Dak Prescott bei 26 von 31 angekommenen Pässen vier und Sam Darnold bei 379 Yards ebenfalls vier. John Keim von ESPN beschrieb nach den ersten beiden Spielen, dass Cornerbacks und Safeties sich in der neuen Coverage mehrfach nicht abgestimmt hatten. Gegen Seattle erzwang die Defense zwar drei Ballverluste, ließ aber erneut 437 Yards zu.
Colts vs. Commanders Tipp
Die Über-Wette auf mehr als 47,5 Gesamtpunkte gewinnt, wenn beide Mannschaften zusammen mindestens 48 Punkte erzielen, eine mögliche Verlängerung eingeschlossen. Der erste Grund dafür steht in den bisherigen Spielen beider Teams. In Spielen der Colts fielen 2026 im Schnitt 54,3 Punkte, in Spielen der Commanders 55,7, der Schnitt der gesamten Liga liegt bei 46,0. Vier der sechs Spiele lagen über der Marke: Indianapolis gegen Baltimore mit 64 und in Kansas City mit 63 Punkten, Washington in Dallas mit 57 und gegen Seattle mit 64. Beide Mannschaften kommen dabei auf ähnliche Werte im Angriff, die Colts auf 24,0 Punkte pro Spiel, Washington auf 25,0.
Der zweite Grund sind die beiden Verteidigungen. Washington hat die zweitmeisten Punkte der Liga zugelassen, die Colts teilen sich mit Green Bay Rang drei, und beide Defenses geben mehr als 30 Punkte pro Spiel ab. Gegen Washington fielen in drei Spielen elf Touchdowns nach Pässen, und die Defense spielt ein neues System, in dem die Abstimmung in der Coverage noch nicht sitzt. Dazu fehlen in der Mitte der Defense Luvu und Magee, und hinter Chenal steht ein Fragezeichen. Genau dort läuft Taylor, der in zwei der drei Spiele zweimal in die Endzone kam. Die Colts wiederum ließen Baltimore und Kansas City jeweils mehr als 500 Yards erzielen.
Der dritte Grund liegt darin, wie beide Angriffe zu ihren Punkten kommen. Washington hat auch ohne Daniels 33 Punkte gegen den Titelverteidiger erzielt und läuft im Schnitt für 132,0 Yards pro Spiel; sollte Daniels zurückkehren, bekommt der Angriff einen Quarterback, der in sechs Vierteln drei Touchdowns warf und 100 Yards lief. In der Vorsaison kamen die Spiele der Colts im Schnitt auf 51,6 Punkte, den vierthöchsten Wert aller 32 Mannschaften. Hinzu kommen die Ballverluste. Indianapolis hat den Ball in drei Spielen sechsmal hergegeben, und Washington hat gegen Seattle alle drei Ballgewinne in Touchdowns verwandelt. Kurze Wege zur Endzone bedeuten in diesem Duell zusätzliche Punkte auf beiden Seiten, und mit Shrader und Stevens stehen zwei Kicker bereit, die auch aus mehr als 50 Yards treffen können.
Fazit und Prognose zum Spiel in London
Beide Mannschaften stehen nach drei Spielen an einem ähnlichen Punkt, aber aus unterschiedlichen Gründen. Die Colts haben die vollständigere Mannschaft und mit Taylor einen Angriff, der gegen eine ausgedünnte Mitte der Defense seine Stärke ausspielen kann. Washington hat den Sieg gegen Seattle mit einem Ersatzmann als Quarterback und drei Ballgewinnen geholt, muss in London aber auf mehrere Stammspieler in Defense und Offensive Line verzichten.
Zu erwarten ist ein Spiel, in dem Indianapolis über Taylor den Ball kontrollieren will und Washington über das Laufspiel und kurze Pässe antwortet. Kippen kann die Partie an den Ballverlusten: Hält Jones den Ball sicher, fehlt Washington der Weg, über den es gegen Seattle einen großen Teil seiner Punkte holte. Die Prognose lautet auf einen knappen Sieg der Colts in einem Spiel, in dem beide Angriffe gegen zwei der drei Verteidigungen, die ligaweit die meisten Punkte zulassen, regelmäßig punkten.