Zwei Mannschaften, die in der AFC South um den Titel spielen wollten, stehen nach zwei Wochen ohne Sieg da. Die Colts haben neun Spiele in Folge verloren, gezählt seit November 2025, und ihre Verteidigung hat in dieser Saison mehr Punkte zugelassen als jede andere der Liga. Houston hat mit einer Defense, die 2025 die zweitwenigsten Punkte kassierte, zweimal zu Hause verloren und gegen Cincinnati nur sechs Punkte erzielt. Dazu kommen neue Guards bei den Texans, zwei Rookies in der Startformation der Colts und mehrere angeschlagene Receiver auf beiden Seiten.
Die Ausgangslage vor dem Spiel in Indianapolis
Die Texans gastieren am Sonntag, 27.09.2026, um 19:00 Uhr deutscher Zeit im Lucas Oil Stadium. Es ist für beide Mannschaften das erste Spiel innerhalb der Division, und beide gehen mit 0-2 hinein. Houston hatte eine volle Woche Pause, die Colts spielten am späten Sonntagabend in Kansas City und verloren dort erst in der Verlängerung.
Die Vorsaison erklärt, warum dieses Spiel für Houston anders aussieht als für Indianapolis. Die Texans gewannen 2025 zwölf von 17 Spielen, ließen nur 295 Punkte zu und kamen bis in die Divisional Round, wo sie in New England ausschieden. Die Colts starteten mit 8-2, verloren danach die restlichen sieben Spiele und beendeten die Saison mit 8-9. Ein Teil dieser Serie fiel in die Zeit ohne Starting Quarterback Daniel Jones, der sich am 07.12.2025 gegen Jacksonville die Achillessehne riss. Zwei Spiele der neuen Saison sind eine kleine Stichprobe: Houston traf auf Buffalo und Cincinnati, Indianapolis auf Baltimore und Kansas City. Die Zahlen aus diesen Spielen zeigen deshalb Tendenzen, keine gefestigte Form.
Indianapolis Colts: Stärken und Schwächen
Der Angriff der Colts läuft vor allem über Running Back Jonathan Taylor. Er kam gegen Baltimore auf 98 und gegen Kansas City auf 92 Rushing Yards und erzielte in beiden Spielen je zwei Touchdowns. Mit 26,5 Punkten pro Spiel liegt Indianapolis ligaweit auf Rang 10, und gegen die Chiefs führten die Colts zur Halbzeit mit 20:17, ehe Harrison Butker das Spiel in der Verlängerung mit einem Field Goal aus 40 Yards entschied.
Daniel Jones ist nach seinem Achillessehnenriss zurück und hat im März einen neuen Vertrag über zwei Jahre und 88 Millionen Dollar unterschrieben. Sein Passspiel ist bislang aber der schwächere Teil: 166 Passing Yards gegen Baltimore, 210 in Kansas City, im Schnitt 188,0 Yards pro Spiel und damit Rang 26. Es wird nicht leichter, denn Alec Pierce, in Woche 1 mit 61 Yards sein bester Receiver, verletzte sich in Kansas City an der Ferse und fällt mehrere Wochen aus. Die Colts haben am 21.09.2026 Darius Slayton verpflichtet und führen ihn in ihrer Aufstellung bereits direkt hinter Pierce.
Die größere Baustelle ist jedoch die Verteidigung. Baltimore kam in Indianapolis auf 506 Yards, Kansas City eine Woche später auf 523. Lamar Jackson warf für 324 Yards, Patrick Mahomes für 382, und am Boden liefen Derrick Henry 144 und Kenneth Walker III 117 Yards. Nach zwei Spielen stehen 74 zugelassene Punkte, der höchste Wert der Liga, dazu nur vier Sacks und keine Interception. Die Colts haben die Defense über den Winter verändert: Arden Key startet als Defensive End, Jerry Tillery kam als Defensive Tackle dazu, und mit Safety A.J. Haulcy aus der dritten Runde und Linebacker Bryce Boettcher aus der vierten Runde stehen zwei Rookies in der Startformation. Einen Pick in der ersten Runde hatten die Colts nicht, er ging an die Jets. Als Cornerbacks starten Sauce Gardner und Charvarius Ward.
Houston Texans: viel Raumgewinn und wenige Punkte
Die Texans haben im Frühjahr ihre Offensive Line umgebaut. Keylan Rutledge, Pick Nummer 26 der ersten Runde, spielt als Left Guard, Evan Brown als Center, Wyatt Teller kam als weiterer Guard dazu. Im Backfield steht David Montgomery. Gegen Buffalo trug das: 124 Rushing Yards, vier Touchdowns aus fünf Besuchen in der Red Zone und 31 Punkte. Eine Woche später gegen Cincinnati lief fast nichts mehr am Boden, 60 Yards bei 18 Läufen, Montgomery kam auf 10 Yards. Die Texans erreichten viermal die Red Zone und holten dort keinen einzigen Touchdown heraus, dazu scheiterten sie viermal im Fourth Down. Die sechs Punkte kamen aus zwei Field Goals von Ka'imi Fairbairn.
Weil das Laufspiel stockte, lag die Offense auf C.J. Stroud. Houston hat nach zwei Spielen 94 Pässe geworfen, mehr als jede andere Mannschaft, und steht mit 313,5 Passing Yards pro Spiel auf Rang 3. Stroud hat noch keine Interception geworfen. Gegen Cincinnati fehlte Nico Collins mit einer Verletzung am Oberschenkel, und Dalton Schultz wurde zur ersten Anspielstation: 12 Catches bei 14 Zuspielen, 140 Yards. Die Tiefe hinter Collins ist dünn, denn Jayden Higgins fällt mit einem Kreuzbandriss für die Saison aus und Tank Dell ist bis mindestens Mitte Oktober auf der Verletztenliste. Dass sie trotz so viel Raumgewinn kaum Punkte erzielen konnten, liegt auch am schwachen Laufspiel und den eingeschränkten Optionen im Passspiel.
Die Verteidigung ist weiter die Stärke der Texans, auch wenn der Saisonstart sie anders aussehen ließ. Buffalo erzielte 36 Punkte, aber gegen Cincinnati ließ Houston nur 267 Yards und 20 Punkte zu und brachte Joe Burrow fünfmal zu Fall. Was fehlt, sind die Ballgewinne: 2025 holte diese Defense 19 Interceptions, und Houston beendete die Saison mit plus 17 bei der Differenz aus Ballgewinnen und Ballverlusten. In dieser Saison steht die Defense noch bei null Ballgewinnen. Neu ist Safety Reed Blankenship, der im März einen Vertrag über drei Jahre unterschrieb. Mit Henry To'oTo'o fehlt ein Linebacker der Startformation bis mindestens Mitte Oktober, und Kayden McDonald, Pick der zweiten Runde, steht ebenfalls auf der Verletztenliste.
Indianapolis Colts vs. Houston Texans H2H
Seit C.J. Stroud 2023 in die Liga kam, trafen beide Mannschaften sechsmal aufeinander, und Houston gewann fünf dieser Spiele. Die einzige Niederlage war Strouds zweites Spiel in der NFL.
Datum | Ort | Ergebnis |
|---|---|---|
17.09.2023 | Houston | Texans 20, Colts 31 |
07.01.2024 | Indianapolis | Colts 19, Texans 23 |
08.09.2024 | Indianapolis | Colts 27, Texans 29 |
27.10.2024 | Houston | Texans 23, Colts 20 |
30.11.2025 | Indianapolis | Colts 16, Texans 20 |
04.01.2026 | Houston | Texans 38, Colts 30 |
Vier der sechs Spiele endeten mit höchstens vier Punkten Unterschied. Das Duell in Indianapolis im November 2025 ist das aussagekräftigste für Sonntag, weil dort Jones spielte und Houston seine Defense von 2025 auf dem Feld hatte: Die Texans hatten 34:58 Minuten Ballbesitz und gewannen 20:16. Im letzten Spiel der Saison 2025 stand bei den Colts Riley Leonard, damit taugt dieses 38:30 nur bedingt als Vergleich.
Wett-Tipp: C.J. Stroud über 249,5 Passing Yards
Die Über-Wette gewinnt, wenn Stroud in Indianapolis mindestens 250 Passing Yards erzielt, eine mögliche Verlängerung eingeschlossen. Der erste Grund liegt in Houstons eigener Lage. Stroud hat die Marke in beiden Spielen dieser Saison übertroffen, mit 274 Yards gegen Buffalo und 353 gegen Cincinnati, seinem höchsten Wert seit Woche 10 seiner ersten NFL-Saison 2023. Die 353 Yards warf er ohne Nico Collins, verteilt auf acht verschiedene Anspielstationen. Das zeigt, dass seine Yards nicht an einem einzelnen Receiver hängen. Kehrt Collins zurück, hat Stroud seine beste Anspielstation wieder; fehlt er erneut, hat Houston schon vorgemacht, wie der Weg über Schultz aussieht. Dazu kommt ein Laufspiel, das in Woche 2 auf 60 Yards kam. Solange Montgomery keine Räume findet, führt Houstons Angriff über das Passspiel, und die 94 Pässe aus zwei Spielen zeigen, dass das Trainerteam diesen Weg auch geht.
Der zweite Grund ist die Verteidigung der Colts gegen das Passspiel. Jackson und Mahomes kamen gegen sie auf 324 und 382 Passing Yards. Das passt zu dem, was 2025 schon galt: 9 von 17 gegnerischen Quarterbacks übertrafen gegen Indianapolis 249,5 Yards, seit Woche 12 der Vorsaison waren es 7 von 9. Dazu kommt der Spielverlauf. Die Colts erzielen selbst 26,5 Punkte pro Spiel, und ein Gegner, der mit Taylor Punkte macht, zwingt Houston dazu, selbst weiter zu werfen. Ist Ward nicht fit, fehlt den Colts zudem einer ihrer beiden Cornerbacks aus der Startformation.
Der dritte Grund ist Strouds Bilanz gegen genau diesen Gegner. In vier von sechs Duellen lag er über der Marke: 384 Yards im September 2023, 264 im Januar 2024, 285 im Oktober 2024 und 276 im November 2025 in Indianapolis. Das schwächste Spiel dieser Reihe, 169 Yards im Januar 2026, fiel in eine Partie, in der auch Davis Mills als Quarterback eingesetzt wurde. In den übrigen fünf Duellen blieb Stroud nur einmal darunter, mit 234 Yards im September 2024.
Fazit und Prognose zum Spiel in Indianapolis
Beide Mannschaften kommen mit 0-2, aber mit unterschiedlichen Problemen. Houston fehlt es im Moment an der Verwertung in der Red Zone, nicht an Yards. Indianapolis erzielt Punkte, lässt aber auf der anderen Seite so viel zu wie keine andere Mannschaft der Liga. Für Sonntag spricht das eher für die Texans, deren Verteidigung gegen Cincinnati gezeigt hat, dass sie einen Angriff wieder kontrollieren kann, und die auf einen Angriff der Colts ohne Pierce trifft, dessen Passspiel bisher auf 188,0 Yards pro Spiel kommt.
Zu erwarten ist ein Spiel, in dem die Colts über Taylor den Ball kontrollieren wollen und Houston über Stroud antwortet. Findet Montgomery erneut keine Räume, liegt noch mehr Last auf Stroud; läuft das Spiel am Boden besser, bleibt Houston länger im Angriff und hat mehr Gelegenheiten für Pässe auf Collins oder Schultz. Kippen kann die Partie an der Red Zone: Holt Houston dort wie gegen Buffalo Touchdowns statt Field Goals, sollte es für den ersten Sieg reichen. Die Prognose lautet deshalb auf einen knappen Sieg der Texans, und der Weg dorthin führt in beiden Varianten über das Passspiel von Stroud.



