Jürgen Klopp wartet nach zwei Länderspielen noch auf seinen ersten Sieg als Bundestrainer. Auf das 1:1 in Amsterdam folgte in Augsburg ein 0:1 gegen Griechenland, und für das Heimspiel gegen Serbien am 01.10.2026 in der Allianz Arena hat er einen fast vollständig ausgetauschten Kader nominiert, in dem neun Spieler noch nie für Deutschland gespielt haben. Serbien reist mit vier Niederlagen hintereinander an und muss dabei auf seinen verletzten Stürmer Dušan Vlahović verzichten. Offen ist vor allem, wie schnell die neu zusammengestellte deutsche Elf in München zu ihrem Spiel findet.

Deutschland: viele Chancen, wenige Tore seit dem WM-Aus

Die WM begann vielversprechend mit einem 7:1 gegen Curaçao und einem 2:1 gegen die Elfenbeinküste, dann verlor Deutschland 1:2 gegen Ecuador. Im Sechzehntelfinale gegen Paraguay stand es in Foxborough nach 120 Minuten 1:1, das Elfmeterschießen ging mit 4:5 verloren. Dabei war Deutschland klar überlegen: 21 Schüsse gegen 7, 76 Prozent Ballbesitz und erwartete Tore von 2,75 gegen 0,94. Seit dem Sieg gegen die Elfenbeinküste hat die Nationalmannschaft kein Pflichtspiel mehr nach 90 Minuten gewonnen, das sind inzwischen vier.

Unter Klopp zeigten die ersten beiden Spiele zwei sehr verschiedene Bilder. In Amsterdam ging Deutschland in der 32. Minute in Führung, war danach aber die schwächere Mannschaft: Die Niederlande kamen auf 22 Schüsse, davon 10 aufs Tor, Deutschland auf 10 Schüsse und nur 2 aufs Tor, bei den Ecken stand es 12 zu 1. Der Ausgleich fiel in der 90.+2 Minute. In Augsburg war es umgekehrt. Deutschland hatte 76 Prozent Ballbesitz, schoss 16-mal gegen 8 griechische Versuche und kam auf ein xG von 1,91 gegen 0,78, verlor aber durch ein Tor in der 74. Minute.

Die Stärke dieser Mannschaft zeigt sich gegen Gegner, die tief verteidigen und ihr den Ball überlassen, wie Paraguay und Griechenland: Deutschland spielt dann viele Chancen heraus. Die Schwäche liegt im Abschluss. Aus den beiden Spielen in der Nations League entstand bei einem xG von zusammen 3,01 ein einziges Tor, und beide Gegentore fielen spät. Die Chancenverwertung war deshalb eines der größten Probleme der deutschen Nationalmannschaft.

Serbien: vier Niederlagen in Folge und ständig unter Druck

Serbien hat 2026 ein einziges Länderspiel gewonnen, ein 2:1 gegen Saudi-Arabien im März. Die Testspiele im Frühsommer gingen 0:3 in Kap Verde und 1:5 in Mexiko verloren, in der Nations League folgten zwei 1:2 im eigenen Stadion in Belgrad. Aus den vier Spielen dieser Serie stehen 3:12 Tore.

Die Zahlen aus den beiden Heimspielen sind deutlicher als die knappen Ergebnisse. Griechenland gab 26 Schüsse ab, die Niederlande 25, das xG der Gegner lag bei 2,73 und 2,61. Serbien kam trotz des eigenen Publikums nur auf 39 und 33 Prozent Ballbesitz. Gegen Griechenland führte die Mannschaft ab der 4. Minute, kassierte dann aber in der 74. Minute und in der 90.+4 Minute noch zwei Tore. Gegen die Niederlande lag sie nach einem Elfmeter in der 30. Minute zur Pause zurück, glich direkt nach dem Wiederanpfiff aus und verlor durch ein Tor in der 69. Minute.

Auffällig ist, wie früh Serbien in Rückstand gerät. In den beiden Spielen der Nations League, in Mexiko und in den vier Spielen der WM-Qualifikation gegen Albanien, Andorra, England und Lettland kassierte die Mannschaft sechsmal ein Tor vor der Pause und lag fünfmal zur Halbzeit hinten. Nur gegen Griechenland ging sie mit einer Führung in die Kabine. Würde man nur die ersten Halbzeiten werten, hätte Serbien aus den letzten fünf Auswärtsspielen im Schnitt 0,2 Punkte geholt. Vorne trifft die Mannschaft, aber selten mehrfach: In beiden Spielen der Nations League gelang genau ein Tor.

Klopps zweiter Kader und Serbiens enger Spielplan

Klopp hat für die vier Spiele in diesen zehn Tagen zwei getrennte Kader berufen. Gegen Serbien und danach in Griechenland spielt „Kader 2“. Aus dem ersten Aufgebot bleiben Finn Dahmen, Nico Schlotterbeck, Philipp Treu, Yannik Engelhardt, Bambasé Conté und Serge Gnabry. Florian Wirtz und Jonathan Burkardt waren ursprünglich für den zweiten Kader vorgesehen, kamen aber schon für Augsburg hinzu, weil sich Jamal Musiala und Kai Havertz nach dem Spiel in Amsterdam verletzt hatten. Neu dabei sind unter anderem Waldemar Anton, David Raum, Malick Thiaw, Aleksandar Pavlovic und Nick Woltemade, die schon bei der WM im Aufgebot standen, sowie Lennart Karl. Neun Spieler haben noch kein Länderspiel bestritten: die Torhüter Noah Atubolu, Dahmen und Jonas Urbig sowie Finn Jeltsch, Mika Baur, Said El Mala, Vitaly Janelt, Felix Keidel und Derry Scherhant.

Eine Mannschaft aus Ersatzspielern ist das nicht. Mit Wirtz, Gnabry, Pavlovic, Schlotterbeck, Raum, Anton, Thiaw und Woltemade stehen genug Spieler mit Erfahrung auf diesem Niveau zur Verfügung, um die wichtigen Positionen mit bekannten Kräften zu besetzen. Die meisten von ihnen haben die ersten beiden Spiele nicht bestritten und gehen ausgeruht in dieses Spiel. In dieser Zusammensetzung hat die Mannschaft allerdings noch nie gespielt.

Serbien hat diesen Spielraum nicht. Paunović muss mit einem Kader durch alle vier Spiele, und nach dem Spiel am Sonntag in Belgrad folgt am Donnerstag München, drei Tage später das Gastspiel in Eindhoven. Vlahović fehlt verletzt für alle vier Spiele, Aleksandar Mitrović ist schon länger verletzt. Im Sturm bleiben Luka Jović, Mihajlo Cvetković und Jovan Milošević. Vladimir Lučić knickte vor dem Spiel gegen die Niederlande im Training um und stand dort nicht im Aufgebot.

Die Wett-Tipps zu Deutschland gegen Serbien

Wett-Tipps Deutschland - Serbien
Nations League
01
Sieg Deutschland in der 1. Halbzeit 1,60
02
Unter 3,5 Tore 1,78

1. Tipp: Sieg Deutschland in der 1. Halbzeit

Der Tipp Sieg Deutschland in der 1. Halbzeit gewinnt, wenn Deutschland zur Pause führt; ein Unentschieden oder eine serbische Führung nach 45 Minuten verliert ihn.

Der stärkste Grund liegt auf der serbischen Seite. Sechsmal in sieben Spielen kassierte sie ein Tor vor der Pause, fünfmal ging sie mit einem Rückstand in die Kabine. Auswärts war die Bilanz zur Halbzeit zuletzt noch schlechter als zu Hause. Dazu fehlen mit Vlahović und Mitrović die beiden Stürmer, die einer tief stehenden Mannschaft mit einem langen Ball Entlastung verschaffen könnten, und die Serben gehen zum dritten Mal innerhalb von acht Tagen auf den Platz.

Auf deutscher Seite passt der erwartete Spielverlauf dazu. Gegen Mannschaften, die sich zurückziehen, hatte Deutschland zuletzt fast immer den Ball und die Chancen, und Serbien überließ schon in Belgrad beiden Gegnern den größeren Teil des Ballbesitzes. Der zweite Kader bringt ausgeruhte Spieler in dieses Spiel, dazu mit Wirtz und Gnabry zwei erfahrene Offensivspieler. Wie früh Deutschland treffen kann, zeigten Amsterdam und das 3:1 zur Pause gegen Curaçao. Gegen Griechenland blieb es zur Pause zwar beim 0:0, und eine neu zusammengesetzte Elf braucht womöglich ein paar Minuten, bis die Abläufe stimmen. Die serbische Abwehr hat in den vergangenen Monaten aber fast immer schon vor der Pause nachgegeben, und genau dort setzt dieser Tipp an.

Mein Tipp lautet deshalb Sieg Deutschland in der 1. Halbzeit.

2. Tipp: Unter 3,5 Tore

In fünf der sechs letzten Pflichtspiele von Deutschland fielen höchstens drei Tore, nur das 7:1 gegen Curaçao lag darüber. In den beiden Spielen der Nations League erzielte Deutschland ein Tor, gegen Paraguay eines in 120 Minuten. Die Mannschaft kommt zu ihren Chancen, macht aber zu wenig daraus, und das begrenzt die Zahl der Tore auch in einem Spiel, das sie klar bestimmt.

Serbiens Ergebnisse sprechen ebenfalls für den Tipp. Auch dort fielen in fünf der letzten sechs Pflichtspiele höchstens drei Tore, nur beim 3:1 in Andorra waren es vier. Die serbische Offensive kam in der Nations League auf ein Tor pro Spiel, und ohne Vlahović und Mitrović ist kaum zu erwarten, dass sie in München mehr als einen Treffer beisteuert. Beide bisherigen Duelle mit Deutschland endeten mit einem und zwei Toren.

Dazu kommt die neue deutsche Besetzung. Burkardt und Woltemade haben im Sturm noch nicht zusammengespielt, und gegen Griechenland, das ähnlich tief stand, blieben 16 deutsche Schüsse ohne Treffer. Das 1:5 in Mexiko zeigt zwar, dass die serbische Abwehr auch hoch verlieren kann. Für vier Tore müsste Deutschland aber so treffen wie seit dem Spiel gegen Curaçao nicht mehr. Deshalb ist der zweite Tipp eine Unter-Wette auf weniger als vier Tore.

Fazit und Spielprognose zu Deutschland gegen Serbien

Das Spiel in München dürfte so beginnen, wie die meisten serbischen Spiele dieser Monate begonnen haben: Der Gegner hat den Ball, Serbien zieht sich zurück und muss viele Schüsse verteidigen. Wenn Deutschland diesmal die Chancen nutzt, sollte der erste Treffer diesmal früh fallen.

Bleibt ein frühes Tor aus, wächst mit jeder Minute die Gefahr, dass wie in Amsterdam und Augsburg eine einzige Aktion des Gegners den Abend verändert. Gerade deshalb denke ich, dass die deutsche Nationalmannschaft sofort auf die Führung drängen wird, um nicht erneut denselben Fehler zu machen. Fällt das 1:0 vor der Pause, muss Serbien aufmachen, und ohne Vlahović und Mitrović fehlen dem Gegner die Mittel, um daraus selbst viel zu machen.

Meine Prognose ist ein 2:0 für Deutschland, mit einer Führung zur Pause.