Frankreich kam mit dem perfekten Punktestand durch die Gruppe, Schweden mit einer 1:5-Niederlage gegen die Niederlande im Gepäck. Vor dem Sechzehntelfinale zwischen Frankreich und Schweden wirkt die Rollenverteilung eindeutig: der Gruppensieger gegen einen Gruppendritten, Topform gegen die Mühe ums Weiterkommen.
Ganz so eindeutig ist es vor solchen Spielen aber selten. Schweden zieht sich gegen bessere Gegner tief zurück und lauert auf Konter, vorne stehen mit Alexander Isak, Viktor Gyökeres und Anthony Elanga drei schnelle Spieler. Bleibt die Frage, wie klar Frankreich wirklich vorne liegt und worauf sich vor dem Anpfiff überhaupt ein Tipp stützen lässt.
Frankreich in einer überragenden Form
Frankreich hat die Gruppe I ohne Punktverlust gewonnen und steht als Gruppenerster im Sechzehntelfinale. Drei Spiele, drei Siege, ein Torverhältnis von 10:2 und neun Punkte. Auf den 3:1-Auftaktsieg gegen Senegal folgte ein 3:0 gegen Irak, zum Abschluss gewannen die Franzosen 4:1 in Norwegen. So souverän kam kein anderes Team der Gruppe durch.
Die Tore verteilen sich breiter, als es ein einzelner Name vermuten lässt. Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé trafen je viermal: Mbappé zweimal gegen Senegal und zweimal gegen Irak, Dembélé einmal gegen Irak und mit drei Treffern beim Spiel in Norwegen. Die Partie dort zeigt, wie wenig die Offensive von einem einzelnen Spieler abhängt. Mbappé blieb in Norwegen ohne Tor, trotzdem schoss Frankreich vier Treffer, weil Dembélé dreifach traf und Désiré Doué den vierten nachlegte. Fällt der eine Stürmer aus dem Rhythmus, übernimmt der nächste.
Hinten stand die Mannschaft ähnlich stabil. Torhüter Mike Maignan kassierte in drei Spielen nur zwei Gegentore, davor verteidigten William Saliba und Dayot Upamecano das Zentrum.
Am dritten Spieltag testete Frankreich seine Tiefe. Das Weiterkommen war längst gesichert, also rotierte das Trainerteam kräftig, Saliba und Adrien Rabiot bekamen eine Pause, und an der Seitenlinie stand Co-Trainer Guy Stéphan statt Didier Deschamps. Am Ergebnis änderte das wenig: 4:1 in Norwegen, mit Dembélé als überragendem Mann. Für das Sechzehntelfinale spricht also nicht nur die erste Elf, sondern auch das, was von der Bank kommt.
Die drei Gruppenspiele im Überblick:
Spieltag | Gegner | Ergebnis | Frankreichs Torschützen |
|---|---|---|---|
1. | Senegal | 3:1 | Mbappé (2), Barcola |
2. | Irak | 3:0 | Mbappé (2), Dembélé |
3. | Norwegen (auswärts) | 4:1 | Dembélé (3), Doué |
Schweden steht als Gruppendritter im Sechzehntelfinale
Schweden steht zwar im Sechzehntelfinale, der Weg dahin war aber alles andere als souverän. In der Gruppe F reichte es nur zu Platz drei: ein Sieg, ein Remis, eine Niederlage, dazu ein ausgeglichenes Torverhältnis von 7:7 und vier Punkte. Damit gehörte das Team zu den acht besten Gruppendritten, die bei diesem Turnier zusätzlich weiterkommen. Der einzige Sieg gelang gegen das punktlose Tunesien (5:1), gegen die Niederlande setzte es ein klares 1:5, gegen Japan ein 1:1.
Wer auf die beiden Stürmer Viktor Gyökeres und Alexander Isak als Hauptgefahr schaut, sollte die Gruppenphase genauer ansehen. Beide trafen exakt einmal, und zwar im selben Spiel gegen Tunesien. In den beiden Partien gegen die stärkeren Gegner Niederlande und Japan blieben sie ohne Tor. Gerade gegen die Niederlande, das einzige echte Spitzenteam der Gruppe, lief bei beiden vorne nichts zusammen. Die Treffer verteilten sich anders, als es die großen Namen erwarten lassen: Yasin Ayari traf zweimal gegen Tunesien, Anthony Elanga ebenfalls zweimal, einmal als Ehrentreffer beim 1:5 gegen die Niederlande und einmal zum 1:1-Ausgleich gegen Japan. Die Gefahr geht also nicht allein von den beiden Stars aus, dafür war deren Ausbeute zu mager.
Die größere Baustelle ist die Abwehr. Sieben Gegentore in drei Spielen sind viel, und fünf davon fielen allein gegen die Niederlande.
Trainer Graham Potter ließ zuletzt mit einer Dreierkette vor Torhüter Jacob Widell Zetterström verteidigen, Kapitän Victor Lindelöf bildete sie zusammen mit Gustaf Lagerbielke und Isak Hien. Hien musste gegen Japan schon in der 37. Minute verletzt vom Platz, sein Einsatz im Sechzehntelfinale ist offen. Schwedens Idee gegen einen Favoriten dürfte klar sein: tief stehen, kompakt verteidigen und über schnelle Konter mit Isak, Gyökeres und Elanga zustechen.
Schwedens Gruppenphase in Zahlen:
Spieltag | Gegner | Ergebnis | Schwedens Torschützen |
|---|---|---|---|
1. | Tunesien | 5:1 | Ayari (2), Isak, Gyökeres, Svanberg |
2. | Niederlande | 1:5 | Elanga |
3. | Japan | 1:1 | Elanga |
Wie könnten Frankreich und Schweden aufstellen?
Beide Trainer haben ihre Stammelf längst gezeigt, von der Gruppenphase lässt sich die wahrscheinliche Aufstellung gut ableiten. Bei Frankreich war die erste Elf gegen Senegal die klarste Ansage: Maignan im Tor, davor Koundé, Upamecano, Saliba und Théo Hernández, im Mittelfeld Tchouaméni und Rabiot, in der Offensive Olise, Doué und Dembélé hinter Mbappé. Für ein Sechzehntelfinale dürfte Frankreich genau zu dieser Besetzung zurückkehren, nachdem am dritten Spieltag großzügig rotiert wurde und Saliba wie Rabiot pausierten. Manu Koné und Bradley Barcola stehen als gleichwertige Alternativen bereit.
Schweden ist schwerer einzuschätzen, weil Potter zuletzt einiges umgestellt hat. Gegen Japan verteidigte das Team mit einer Dreierkette vor Jacob Widell Zetterström, der in dieser Partie im Tor stand. Ob Potter im Sechzehntelfinale wieder ihn oder Kristoffer Nordfeldt bringt, ist offen. Die größere Frage betrifft die Abwehr: Isak Hien verließ das Japan-Spiel schon nach 37 Minuten verletzt, sein Einsatz hängt an der Fitness, sonst muss Potter die Kette umbauen. Vorne ist das Trio Elanga, Gyökeres und Isak gesetzt.
Die Vorzeichen sind damit klar verteilt. Frankreich kann auf seine beste Elf bauen, bei Schweden hängen Torwart und Innenverteidigung noch in der Schwebe.
Frankreich, voraussichtliche Aufstellung (4-2-3-1):
- Tor: Mike Maignan
- Abwehr: Jules Koundé, Dayot Upamecano, William Saliba, Théo Hernández
- Mittelfeld: Aurélien Tchouaméni, Adrien Rabiot
- Offensive: Michael Olise, Désiré Doué, Ousmane Dembélé
- Sturm: Kylian Mbappé
Schweden, voraussichtliche Aufstellung (3-4-3):
- Tor: Jacob Widell Zetterström
- Abwehr: Gustaf Lagerbielke, Isak Hien, Victor Lindelöf
- Mittelfeld: Alexander Bernhardsson, Yasin Ayari, Elliot Stroud, Gabriel Gudmundsson
- Sturm: Anthony Elanga, Viktor Gyökeres, Alexander Isak
Personell ist der Abstand zwischen beiden Mannschaften groß, und er beginnt nicht erst in der Offensive.
Unsere Tipps zu Frankreich gegen Schweden
1. Tipp: Über 1,5 Tore in der ersten Halbzeit
Frankreich kann früh zuschlagen, das hat die Gruppenphase gezeigt. Im Spiel in Norwegen stand es zur Pause schon 1:3 aus Sicht der Gastgeber, allein drei Tore davon gingen auf das Konto der Franzosen. Trifft ein Favorit dieser Wucht auf eine Abwehr, die gegen die Niederlande bis zur Halbzeit zweimal hinten lag, sind Tore vor der Pause realistisch.
Schwedens Defensive gerät gegen Tempo früh ins Wanken. Beim 1:5 gegen die Niederlande fielen zwei Treffer bis zur Pause, gegen Tunesien stand es zur Halbzeit 2:1, also drei Tore im ersten Durchgang. Über 1,5 Tore in der ersten Halbzeit kamen in der Gruppenphase bei drei der sechs Spiele beider Mannschaften zustande.
Ehrlich bleibt: ein Selbstläufer ist das nicht. Frankreich ließ es gegen Senegal (0:0 zur Pause) und gegen Irak (1:0) auch mal langsam angehen, und Schwedens torloser erster Durchgang gegen Japan zeigt, dass ein tiefer Block die Pause überstehen kann. Trotzdem überwiegt für uns das Argument für frühe Tore: Frankreich greift breiter und schneller an als alles, was Schwedens Abwehr bislang standgehalten hat. Daher ist der erste Tipp eine Over-Wette auf über 1,5 Treffer in der ersten Spielhälfte.
2. Tipp: Kylian Mbappé erzielt ein Tor
Mbappé hat in der Gruppenphase viermal getroffen, zweimal gegen Senegal und zweimal gegen Irak. In zwei von drei Spielen stand sein Name auf der Torliste, und jetzt wartet eine Abwehr, die in drei Partien sieben Gegentore zugelassen hat. Bessere Voraussetzungen für einen Torjäger gibt es selten.
Ein Vorbehalt gehört dazu. Ausgerechnet im letzten Spiel in Norwegen blieb Mbappé ohne Tor, dort übernahm Dembélé mit drei eigenen Treffern. Dazu kommt: Führt Frankreich früh klar, nimmt der Trainer seinen Kapitän gern vom Feld, gegen Irak ging das erst in der Nachspielzeit, gegen Norwegen in der 86. Minute. Beides wiegt aber leicht, denn Mbappé steht in aller Regel weit über eine Stunde auf dem Platz und wird diese Zeit gegen eine löchrige Abwehr nutzen wollen.
Unterm Strich passt wenig so gut zusammen wie ein treffsicherer Mbappé und eine Abwehr mit sieben Gegentoren. Genau darauf zielt dieser Tipp.
Fazit und Prognose: Frankreich gegen Schweden
Frankreich geht als klarer Favorit ins Sechzehntelfinale. Zehn Tore in drei Spielen, nur zwei Gegentore, dazu eine Bank, die auch ohne mehrere Stammkräfte ein 4:1 in Norwegen holt. Schweden steht dem als Gruppendritter gegenüber, der gegen das einzige Spitzenteam seiner Gruppe mit 1:5 unterging.
Der Spielverlauf dürfte einem klaren Muster folgen. Frankreich übernimmt den Ball, Schweden zieht sich zurück und verteidigt mit einer tiefen Kette. Die erste gute Phase entscheidet viel: Geht Frankreich früh in Führung, kippt Schwedens Plan, weil das Team dann aufmachen und mehr Risiko nehmen muss. Hält die schwedische Abwehr die Anfangsviertelstunde, wird es zäher, doch über 90 Minuten fehlt vorne die Durchschlagskraft, um mit Frankreich Schritt zu halten.
Ohne Gegentor wird Frankreich aber kaum durchkommen. Schweden hat in jedem Gruppenspiel getroffen, und mit Isak, Gyökeres und Elanga reicht ein einziger Konter für den Anschluss. Am Ende steht ein verdienter französischer Sieg, der einen schwedischen Treffer einschließt. Unsere Prognose: 3:1 für Frankreich.



