Eine Woche nach ihrem ersten Sieg der Saison empfangen die Tennessee Titans die Cleveland Browns in Nashville. Den Erfolg in Indianapolis holten Defense und Special Teams, der Angriff um Cam Ward gehört weiter zu den schwächsten der NFL. Cleveland steht an der Spitze der AFC North, obwohl auch die Browns selten viele Punkte erzielen und jedes ihrer gewonnenen Spiele erst in den letzten Minuten entschieden haben. Wer auf dieses Spiel wettet, muss deshalb vor allem einschätzen, welcher der beiden Angriffe gegen die gegnerische Defense überhaupt vorankommt und wie lange Tennessee den Ball halten kann.
Die Ausgangslage vor dem Spiel in Nashville
Der Kickoff ist am Sonntag, 25. Oktober 2026, um 18:00 Uhr deutscher Zeit im Nissan Stadium in Nashville, gespielt wird auf Kunstrasen. Weil in Deutschland in der Nacht zum Sonntag die Winterzeit beginnt, in den USA aber erst eine Woche später, liegt der Kickoff eine Stunde früher als an den bisherigen Sonntagen. Für beide Teams ist es das siebte Spiel der Saison. Tennessee steht bei 1-5 auf dem letzten Platz der AFC South, Cleveland bei 4-2 und teilt sich die Spitze der AFC North mit Baltimore und Pittsburgh. Beide spielten am vergangenen Sonntag zur selben Uhrzeit und hatten damit gleich viel Zeit zur Erholung.
Bei den erzielten Punkten liegen beide Angriffe im hinteren Viertel der Liga. Der Unterschied zwischen den Teams zeigt sich beim Ballbesitz und bei der Defense: Cleveland lässt weniger zu und hält den Ball deutlich länger.
Saison 2026 (6 Spiele) | Tennessee Titans | Cleveland Browns |
|---|---|---|
Bilanz | 1-5 | 4-2 |
Punkte je Spiel | 14,0 (Rang 31) | 17,7 (Rang 28) |
Zugelassene Punkte je Spiel | 21,5 (Rang 13) | 20,3 (Rang 7) |
Yards je Spiel | 236,3 | 267,5 |
Zugelassene Yards je Spiel | 343,0 | 317,5 |
Red Zone: Touchdowns je Besuch | 7 von 15 | 6 von 13 |
Eigene Ballverluste | 8 | 7 |
Sacks gegen den eigenen Quarterback | 10 | 24 |
Sacks der eigenen Defense | 16 | 19 |
Ballbesitz je Spiel | 24:01 Minuten | 29:09 Minuten |
Tennessee Titans: kaum Raumgewinn, viel Zeit ohne Ball
Robert Saleh hat Tennessee im Januar übernommen, Offensive Coordinator ist Brian Daboll. Der Angriff kam unter ihnen bisher kaum vom Fleck, vor dem Spiel in Indianapolis lag Tennessee bei Raumgewinn und Punkten auf dem letzten Platz der Liga. Das Grundproblem sind die langen Pässe. Ward wurde im Draft 2025 als erster Spieler ausgewählt und hat seitdem nur 39,6 Prozent seiner Pässe über zehn oder mehr Yards angebracht, kein Quarterback der NFL verzeichnet in diesem Zeitraum einen schlechteren Wert. In dieser Saison steht er bei 998 Yards, vier Touchdowns und vier Interceptions. Die meisten Yards in einem Spiel fing Rookie Carnell Tate, Pick 4 im Draft 2026, beim 18:24 in Baltimore, neun Pässe für 145 Yards. Tony Pollard kommt auf 349 Yards bei 4,01 Yards pro Lauf.
Weil die Drives so früh enden, steht die eigene Defense lange auf dem Feld. In allen sechs Spielen hatte der Gegner länger den Ball, zwischen 33:08 und 38:46 Minuten. Auch der erste Sieg passt in dieses Bild. In Indianapolis lag Tennessee zur Pause 0:13 zurück, bei 64 Yards Raumgewinn gegen 232 der Colts, und Ward warf in der ersten Halbzeit nur einen Pass, der weiter als fünf Yards durch die Luft ging. Die Wende brachten andere: Jeffery Simmons erzwang im ersten Spielzug der zweiten Halbzeit einen Fumble und sicherte den Ball selbst, Chimere Dike bereitete mit einem Punt Return über 58 Yards den einzigen Touchdown des Angriffs vor, ein geblockter Punt brachte die erste Führung, und Joey Slye traf vier Field Goals. Mit dem 26:20 endete zugleich eine Serie von elf Niederlagen gegen Teams der AFC South.
Für die Defense war Indianapolis das erste Spiel, in dem sie zeigte, was Saleh von ihr erwartet. Tennessee steckte im Frühjahr 71 Millionen Dollar in Free Agents für die Defensive Line, nach fünf Spielen standen trotzdem erst zehn Sacks zu Buche. Gegnerische Quarterbacks hatten im Schnitt 2,99 Sekunden Zeit bis zum Pass, nur zwei Teams ließen ihnen mehr. Simmons wird bei 81,1 Prozent der Spielzüge gedoppelt, und die übrigen Spieler der Defensive Line gewinnen ihre Duelle zu selten. In Indianapolis kamen dann sechs Sacks und drei erzwungene Ballverluste zusammen, in den fünf Spielen davor waren es zwei Ballverluste gewesen. Bei den zugelassenen Punkten liegt Tennessee im Mittelfeld der Liga, doch fünf der sechs Gegner kamen auf mindestens 20 Punkte.
Cleveland Browns: vier knappe Siege trotz schwachen Laufspiels
Todd Monken trainiert Cleveland in seiner ersten Saison, zuvor war er Offensive Coordinator in Baltimore. Sein Angriff ist bisher die Schwäche der Browns. Deshaun Watson steht nach sechs Spielen bei 1.174 Yards, sieben Touchdowns und zwei Interceptions, er wirft also selten Fehler, musste aber 24 Sacks hinnehmen, acht davon beim 12:17 bei den Jets. Das Laufspiel, mit dem Monken in Baltimore Erfolg hatte, kommt in Cleveland nicht in Gang. Quinshon Judkins schafft 3,03 Yards pro Lauf, 76,2 Prozent der Spielzüge beginnen aus der Shotgun, so viele wie bei keinem anderen Team, und nach den ersten Versuchen fehlen im Schnitt 9 Yards bis zum First Down. Das führt zu vielen langen Third Downs, von denen Cleveland weniger als ein Drittel schafft.
Gewonnen hat Cleveland trotzdem viermal, und jedes Mal fiel die Entscheidung in den letzten Minuten. Die Punkte kommen spät: 43 in den ersten Halbzeiten, 63 in den zweiten, 47 davon im letzten Viertel. Gegen Baltimore stand es nach den ersten beiden Drives der Ravens 0:10, und der Angriff kam in der ersten Halbzeit auf 46 Yards. Ein Fumble von Derrick Henry an der eigenen 35-Yard-Linie leitete das 10:10 ein, danach führte Watson den Angriff ab 1:59 Minuten vor Schluss über 62 Yards, darunter ein Pass auf Jerry Jeudy über 33 Yards. Andre Szmyt traf beim letzten Spielzug aus 37 Yards zum 13:10. Er hat 12 von 13 Field Goals verwandelt, das längste aus 56 Yards.
Getragen wird die Bilanz von der Defense. Seit Woche 2 hat Cleveland in keinem Spiel mehr als 24 Punkte zugelassen. Das gelingt ohne Myles Garrett, den Cleveland im Juni an die Rams abgegeben hat, und in den letzten beiden Spielen auch ohne Mason Graham, der in drei Spielen vier Sacks hatte. Maliek Collins kam in den letzten drei Spielen jeweils zu mindestens einem Sack und steht bei 3,5. Gegen Baltimore erzwang Linebacker Carson Schwesinger trotz einer Verletzung am Sprunggelenk den Fumble, der das Spiel drehte.
Wer fehlt am Sonntag? Die Ausfälle bei Browns und Titans
Bei Cleveland ist der Status mehrerer Spieler offen. Judkins fehlte gegen Baltimore mit einer Verletzung am Sprunggelenk. Viel verloren hat der Angriff dadurch nicht: Ohne ihn lief Cleveland 93 Yards, fast genauso viel wie im Schnitt der Saison, Jaleel McLaughlin und der neu verpflichtete Audric Estime teilten sich die Läufe. Graham hat die letzten beiden Spiele verpasst. Safety Grant Delpit schied gegen Baltimore im ersten Viertel mit einer Gehirnerschütterung aus, Linebacker Justin Jefferson verletzte sich an der Hüfte. Receiver KC Concepcion ist nach seiner Gehirnerschütterung zurück.
Bei Tennessee betrifft es vor allem die Safeties. Tony Adams verletzte sich in Indianapolis am Sprunggelenk, spielte aber zu Ende, Kevin Winston Jr. fehlte dort mit einer Verletzung am Oberschenkel. Cornerback Alontae Taylor stand auf Entscheidung des Trainers nicht im Kader. In der Offensive Line fehlen die Guards Jackson Slater und Fernando Carmona, beide stehen auf der Injured Reserve und können frühestens im November zurückkehren.
Tennessee Titans - Cleveland Browns Tipp
Tennessee schafft nur gut jedes dritte Third Down und hatte in keinem seiner sechs Spiele mehr Ballbesitz als der Gegner. Für Cleveland heißt das mehr Drives als in einem gewöhnlichen Spiel und damit mehr Anläufe für einen Angriff, der in den meisten Spielen erst spät in Fahrt kam. Wie sehr das die Defense der Titans belastet, zeigen ihre Gegner: Fünf von sechs erzielten mindestens 20 Punkte, darunter die Jets und die Eagles, die im Schnitt der Saison unter 20 Punkten bleiben und in Nashville 23 und 24 Punkte schafften.
Cleveland bringt dafür die Mittel mit, die gegen diese Defense reichen. Kommen die Browns in die Red Zone, treffen sie auf eine Defense, die dort bei 12 von 20 Besuchen einen Touchdown zuließ. Bleibt ein Drive vorher stehen, hat Cleveland mit Szmyt einen Kicker, der 12 von 13 Field Goals verwandelt hat, auch aus 56 Yards, und damit werden auch stockende Drives zu Punkten. Watson gibt den Ball selten her, zwei Interceptions in sechs Spielen, während Tennessee schon acht Ballverluste begangen hat und Cleveland sieben erzwungen hat; jeder davon verkürzt den Weg zur Endzone. Und der Pass Rush der Titans, der Clevelands größte Schwäche, die vielen Sacks, ausnutzen müsste, brachte es in den ersten fünf Spielen auf zehn Sacks; die sechs in Indianapolis waren der erste Ausreißer nach oben.
In drei seiner sechs Spiele kam Cleveland auf mindestens 17 Punkte, gegen Tampa Bay, Carolina und Pittsburgh. Gegen Jacksonville, die Jets und Baltimore blieben die Browns darunter; zwei dieser drei Defenses lassen weniger Punkte zu als Tennessee, und gegen Baltimore fehlte Judkins und Szmyt vergab aus 48 Yards. Keiner dieser drei Gegner hielt den Ball aber so kurz wie Tennessee in jedem seiner Spiele, und in den letzten drei Duellen mit den Titans kam Cleveland jedes Mal deutlich über diese Marke.
Mein Tipp für diese Partie ist deshalb eine Over-Wette auf mehr als 16,5 Punkte der Cleveland Browns. Tennessee überlässt jedem Gegner deutlich mehr Zeit am Ball, lässt in der Red Zone bei mehr als der Hälfte der Besuche einen Touchdown zu, und Cleveland hat mit Szmyt einen Kicker, der auch aus stehen gebliebenen Drives verlässlich Punkte macht.
Fazit und Prognose zum Spiel in Nashville
Ich erwarte ein Spiel mit wenigen großen Spielzügen, in dem Clevelands Defense den Angriff der Titans immer wieder nach wenigen Versuchen vom Feld holt. Tennessee hat in sechs Spielen nur 23 Punkte vor der Pause erzielt, und gegen eine Defense, die seit Woche 2 höchstens 24 Punkte zuließ, wird das kaum leichter. Die Browns dürften wie zuletzt langsam beginnen und ihre Punkte vor allem nach der Pause sammeln, über lange Drives und Field Goals von Szmyt. Kippen könnte das Spiel, wenn Tennessees Defense wie in Indianapolis Ballverluste erzwingt und die Special Teams Punkte beisteuern; darauf kann sich ein Team, das in sechs Spielen 84 Punkte erzielt hat, aber nicht jede Woche verlassen. Meine Prognose: Cleveland setzt sich knapp gegen die Tennessee Titans durch.