Belgien hat die Gruppenphase der WM 2026 als Gruppensieger abgeschlossen und in zwei von drei Spielen trotzdem kein eigenes Tor erzielt. Vor dem Sechzehntelfinale gegen Senegal in Seattle steht diese Zahl quer zum Favoritenstatus.

Senegal kommt von der anderen Seite: zwei Niederlagen gegen Frankreich und Norwegen, dann ein 5:0 gegen Irak, und in jedem dieser Spiele mindestens ein eigener Treffer. Ein Gruppendritter, der zuverlässig trifft, gegen einen Gruppensieger, der gegen kompakte Gegner kein Mittel fand: Das ergibt eine andere Partie, als der Tabellenplatz nahelegt.

Vor dem Anpfiff bleibt damit die eigentliche Frage offen. Wie klar ist Belgien wirklich Favorit, und welcher Tipp passt zu einem Spiel, in dem der Favorit gegen tiefe Gegner kein eigenes Tor zustande brachte und ausgerechnet der Gruppendritte insgesamt acht Tore erzielt hat?

Belgien gegen Senegal: die Ausgangslage vor dem Sechzehntelfinale

Am 1. Juli um 22:00 Uhr MESZ treffen im Lumen Field von Seattle zwei Mannschaften aufeinander, die sich in einem Pflichtspiel noch nie gegenüberstanden. Für Belgien ist die Arena vertrautes Terrain: Hier bestritt das Team von Rudi Garcia schon das Auftaktspiel gegen Ägypten, jetzt kehrt es an denselben Ort zurück. Senegal unter Pape Thiaw reist nach drei Gruppenspielen quer durch die USA zum ersten Mal nach Seattle. Ein direkter Vergleich der beiden Nationen existiert nicht, beide treffen zum ersten Mal überhaupt aufeinander.

Die Wege ins Sechzehntelfinale könnten unterschiedlicher kaum sein. Belgien gewann Gruppe G mit fünf Punkten, blieb dabei aber zweimal ohne Sieg: ein 1:1 gegen Ägypten, ein 0:0 gegen Iran, erst zum Abschluss das 5:1 gegen Neuseeland. Senegal verlor seine ersten beiden Spiele gegen Frankreich und Norwegen und rettete sich erst mit dem 5:0 gegen Irak als einer der besten Gruppendritten weiter. Gruppensieger gegen Gruppendritter, fünf Punkte gegen drei, zwei Gegentore gegen sechs: Auf dem Papier ist die Sache klar.

Die FIFA-Weltrangliste stützt das, aber weniger deutlich, als die Tabelle vermuten lässt. Belgien steht auf Platz neun, Senegal auf Platz 15. Sechs Plätze trennen zwei Mannschaften, die beide zur erweiterten Spitze gehören. Das ist nicht der Abstand zwischen einem Topteam und einem Außenseiter, sondern der zwischen einem Favoriten und einem unbequemen Gegner.

Der zweite Blick lohnt sich trotzdem. Belgien ist Favorit, daran gibt es nichts zu rütteln, doch der Auftritt in der Gruppe war alles andere als souverän.

Belgiens Gruppenphase: viel Klasse, wenig Tore gegen kompakte Gegner

Der belgische Kader liest sich wie eine Aufstellung aus lauter Champions-League-Stammkräften. Im Tor steht Thibaut Courtois, davor lenkt Kevin De Bruyne das Spiel und Jérémy Doku die linke Seite, vorne warten Leandro Trossard und Romelu Lukaku auf ihre Bälle. Auf dem Papier ist das eine der stärkeren Offensiven des Turniers. Auf dem Platz war davon zwei Spiele lang fast nichts zu sehen.

Gegen Ägypten lief Belgien einem Rückstand hinterher. Emam Ashour traf in der 20. Minute, und bis weit in die zweite Hälfte fiel der Mannschaft von Rudi Garcia nichts ein. Erst die Einwechslung von Lukaku brachte den Ausgleich, und auch der kam kurios: Sekunden nach seinem Eintreffen fälschte Mohamed Hany eine Hereingabe ins eigene Tor ab (66.). Der einzige belgische Treffer in diesem Spiel war ein Eigentor des Gegners.

Noch zäher wurde es gegen Iran: ein 0:0 ohne ernsthaften Zugriff auf einen tief stehenden Gegner. Nach zwei Spielen stand kein einziger eigener Treffer zu Buche.

Dann kam Neuseeland, und auf einmal lief alles. 5:1, Trossard mit einem Doppelpack (28., 50.), dazu De Bruyne (66.), Lukaku (86.) und Saelemaekers in der Nachspielzeit (90.+4). Der höchste WM-Sieg der belgischen Geschichte, aber eben gegen den schwächsten Gegner der Gruppe.

Gegner

Ergebnis

Belgiens Tore

Ägypten

1:1

Eigentor Hany (66.)

Iran

0:0

kein Tor

Neuseeland

5:1

Trossard (28., 50.), De Bruyne (66.), Lukaku (86.), Saelemaekers (90.+4)

Unterm Strich stehen 6:2 Tore, und fünf davon fielen an einem einzigen Nachmittag gegen Neuseeland. Was bleibt, ist ein zwiespältiges Bild. Die Defensive ließ in drei Spielen nur zwei Gegentore zu und musste Courtois kaum einmal ernsthaft prüfen. Die Offensive dagegen fand gegen kompakte Gegner keine Lösung und lebte gegen Ägypten und Iran von der eigenen Kontrolle, nicht von Toren. Zweimal reichte das nur zu einem Punkt aus drei möglichen. Und genau diese Sorte Gegner steht jetzt wieder auf der anderen Seite.

Senegals Gruppenphase: zwei Niederlagen und ein 5:0 gegen zehn Mann

Wer nur auf das Torverhältnis von 8:6 und das 5:0 zum Abschluss schaut, hält Senegal für eine Offensivmacht. Die ersten beiden Spiele erzählen eine andere Geschichte.

Gegen Frankreich hielt die Mannschaft von Pape Thiaw 65 Minuten lang ein 0:0 und hatte vor der Pause sogar zwei gute Gelegenheiten zur Führung. Dann schlug die individuelle Klasse durch: Kylian Mbappé traf in der 66. Minute, Bradley Barcola erhöhte (82.), und auch wenn Ibrahim Mbaye in der Nachspielzeit verkürzte (90.+5), setzte Mbappé mit dem Treffer zum 3:1 sofort den Schlusspunkt (90.+6). Eine ordentliche Leistung, am Ende aber eine Niederlage.

Im zweiten Spiel gegen Norwegen lief es ähnlich. Marcus Pedersen und ein Doppelpack von Erling Haaland brachten die Skandinavier mit 3:1 in Front, ehe Senegal überhaupt herankam. Beide senegalesischen Tore erzielte Ismaïla Sarr (53., 90.+3), das zweite fiel erst in der Nachspielzeit zum 2:3-Endstand. Die zweite Niederlage, und das Weiterkommen stand auf der Kippe.

Das 5:0 gegen Irak gehört in diesen Zusammenhang. Habib Diarra traf schon in der 4. Minute, kurz darauf sah Rebin Sulaka die Rote Karte, weil er Sadio Mané eine klare Tormöglichkeit nahm (zunächst Gelb, nach Videobeweis Rot). Den Rest der Partie spielte Senegal gegen zehn Mann, die weiteren Tore fielen erst nach der Pause: Sarr (56.), zwei Treffer von Pape Gueye (59., 71.) und Iliman Ndiaye (82.). Ein klarer Sieg, aber gegen einen schon ausgeschiedenen Gegner in Unterzahl.

Gegner

Ergebnis

Senegals Tore

Frankreich

1:3

Mbaye (90.+5)

Norwegen

2:3

Sarr (53., 90.+3)

Irak

5:0

Diarra (4.), Sarr (56.), Pape Gueye (59., 71.), Ndiaye (82.)

Zwei Dinge fallen auf. Erstens trifft Senegal in jedem Spiel, die Torgefahr ist echt, vor allem über Sarr, der mit drei Treffern der einzige verlässliche Schütze ist. Sadio Mané und Nicolas Jackson warten dagegen noch auf ihr erstes Turniertor. Zweitens kassiert die Mannschaft gegen stärkere Gegner zuverlässig Gegentore, je drei gegen Frankreich und Norwegen. Dazu kommt ein offenes Thema im Tor: Stammtorwart Édouard Mendy fehlt seit dem Norwegen-Spiel verletzt, gegen Irak stand Mory Diaw zwischen den Pfosten.

Belgien - Senegal Tipps

Wett-Tipps Belgien - Senegal
WM 2026
01
Sieg Belgien 2,15
02
Beide Teams treffen 1,84

1. Tipp: Sieg Belgien

Die Gründe für einen belgischen Sieg liegen offen. Platz neun gegen Platz 15 der Weltrangliste, Gruppensieger mit fünf Punkten gegen einen Gruppendritten mit zwei Niederlagen, dazu die individuelle Klasse von De Bruyne, Doku, Trossard und Lukaku. Über die volle Distanz ist Belgien in fast jedem Bereich etwas besser besetzt.

Dazu kommt die Defensive. Belgien ließ in der Gruppe nur zwei Gegentore zu, mit Courtois steht einer der besten Torhüter der Welt im Kasten, und auf der Gegenseite fehlt mit Mendy ausgerechnet Senegals Nummer eins. In einem knappen Spiel ist das ein Vorteil, der zählt.

Der ehrliche Einwand bleibt: Gegen tief stehende Gegner wie Ägypten und Iran hat Belgien kein eigenes Tor erzielt, und Senegal kann kompakt verteidigen, das war gegen Frankreich eine Stunde lang zu sehen. Zwei Dinge sprechen trotzdem für Belgien. Senegal ist defensiv längst nicht so sattelfest, wie das lange 0:0 gegen Frankreich vermuten lässt, denn am Ende kassierte die Mannschaft gegen Frankreich und Norwegen je drei Tore. Und Belgien hat mit De Bruyne und Doku die Spieler, um einen kompakten Block auch über einen einzelnen Moment aufzubrechen. Daher ist der erste Tipp eine Siegwette auf Belgien.

2. Tipp: Beide Teams treffen

Der zweite Tipp lebt von zwei Beobachtungen. Senegal hat in jedem einzelnen Gruppenspiel getroffen, gegen Frankreich, gegen Norwegen, gegen Irak, und besitzt mit Sarr einen Schützen in Form. Belgien wiederum hat in der Gruppe selbst zweimal die Null nicht gehalten, gegen Ägypten und gegen Neuseeland.

Senegals Weg zum Tor führt über das Umschalten. Sarr ist schnell genug, um Belgiens Innenverteidigung nach einem Ballverlust zu erwischen, und die Torgefahr zog sich durch alle drei Spiele, nicht nur durch das 5:0. Auch ein tief stehendes Senegal kommt über Konter zu Abschlüssen.

Dass Belgien trifft, ist der wahrscheinlichere Teil und zugleich der eigentliche Haken. Gegen kompakte Gegner stand am Ende eben doch einmal kein eigener Treffer, und wenn Senegal das Spiel früh zumacht, kann Belgien wieder an der eigenen Geduld scheitern. Dagegen steht ein einfacher Gedanke: Senegal kann nicht 90 Minuten nur verteidigen, ohne selbst nach vorne zu spielen, und sobald sich Lücken auftun, schlägt Belgiens Qualität vor dem Tor durch.

Fazit und Prognose

Belgien wird dieses Spiel über weite Strecken bestimmen. Mit Courtois im Rücken und De Bruyne, Doku und Trossard davor kontrolliert die Mannschaft den Ball, drückt Senegal in die eigene Hälfte und sucht geduldig die Lücke. Schnell muss das nicht gehen: Wie gegen Ägypten und Iran kann es dauern, bis der erste Treffer fällt.

Senegals Hoffnung liegt im Umschalten. Mit Sarrs Tempo und Jacksons Tiefe bleibt die Mannschaft bei jedem belgischen Ballverlust gefährlich, und mindestens eine gute Gelegenheit dürfte dabei herausspringen. Ohne Mendy im Tor wird es allerdings schwerer, ein knappes Ergebnis über die Zeit zu retten.

Am Ende setzt sich die größere individuelle Klasse durch, ohne dass daraus ein Spaziergang wird. Ein 2:1 für Belgien passt zu dieser Partie: ein Favorit, der seine Chancen nutzt, und ein Senegal, das einmal zurückschlägt, aber nicht ganz herankommt.