In Charlotte fielen am ersten Spieltag 96 Punkte, so viele wie in keinem Saisonauftakt der NFL zuvor. 59 davon erzielten die Chicago Bears, die dabei selbst 478 Yards zuließen. Am selben Nachmittag schlugen die Minnesota Vikings die Green Bay Packers mit 39:22 und kamen dabei auf 239 Yards, weil sie ihre Punkte zum großen Teil nach Ballgewinnen holten. Beide Mannschaften stehen bei 1-0, beide führen die NFC North an, und am Sonntag treffen sie im Soldier Field aufeinander.
Chicago Bears: 552 Yards in Carolina und 37 kassierte Punkte
Der Auftaktsieg in Charlotte war das offensivste Spiel, das die Bears seit langem gezeigt haben. 552 Yards, 7,9 Yards pro Spielzug, 26 First Downs und 34:03 Minuten Ballbesitz stehen in der Bilanz. Zehn von 14 Versuchen im Third Down brachten ein neues First Down, und alle vier Angriffe in der Red Zone endeten mit einem Touchdown. Caleb Williams brachte 21 von 29 Pässen für 269 Yards an, warf zwei Touchdownpässe und keine Interception; dazu kamen 65 Yards und zwei weitere Touchdowns über eigene Läufe.
Am deutlichsten war die Überlegenheit über Läufe. 291 Yards bei 39 Versuchen ergeben 7,5 Yards pro Versuch, und das über mehrere Spieler verteilt: D'Andre Swift kam auf 124 Yards und drei Touchdowns, Kyle Monangai auf 100 Yards und einen Touchdown, darunter ein Lauf über 61 Yards. Swift hat kurz vor dem Saisonstart einen neuen Vertrag über drei Jahre und 33,75 Millionen Dollar mit 27,5 Millionen Dollar Garantiesumme unterschrieben. Ben Johnson geht in seine zweite Saison als Head Coach und hat den Angriff inzwischen mit eigenem Personal besetzt.
Die andere Hälfte des Spiels sah anders aus. Chicago ließ 478 Yards und 37 Punkte zu, Bryce Young warf für 361 Yards und drei Touchdowns, Jalen Coker fing acht Bälle für 138 Yards. Zwei Sacks in 62 gegnerischen Spielzügen sind wenig Druck auf den Quarterback. Dass die Partie trotzdem klar ausging, lag an drei erzwungenen Ballverlusten und daran, dass Carolina seinerseits nur vier von neun Versuchen im Third Down verwandelte. Zur Einordnung gehört der Gegner: Carolina schloss 2025 mit 8-9 ab, gewann damit die NFC South und kassierte in dieser Saison 380 Punkte.
Ein einzelnes Spiel bleibt eine kleine Stichprobe, und ein Auftaktwochenende sagt wenig über eine ganze Saison. Die Werte aus dem Vorjahr zeigen aber in dieselbe Richtung: Chicago beendete 2025 mit 11-6 als Sieger der NFC North, erzielte 441 Punkte und kassierte 415. Die Mannschaft gewann ihre Spiele über den Ball in eigener Hand und über Ballgewinne, nicht über eine dominante Verteidigung.
Minnesota Vikings: 39 Punkte aus 239 Yards
Das Ergebnis gegen Green Bay liest sich besser als das Spiel. Minnesota kam auf 239 Yards und 3,9 Yards pro Spielzug, davon 132 Netto-Yards durch Pässe. Green Bay erreichte 419 Yards und 6,3 Yards pro Spielzug. Nach drei Vierteln lagen die Vikings mit 17:22 zurück und erzielten danach 29 Punkte in Folge, 22 davon im Schlussviertel.
Woher diese Punkte kamen, ist für die Einschätzung der Partie in Chicago wichtiger als ihre Summe. Drei der fünf Touchdownserien begannen in gegnerischer Hälfte: eine an der 28-Yard-Linie von Green Bay, eine an der 1-Yard-Linie nach einem Strip-Sack von Andrew Van Ginkel und eine an der 14-Yard-Linie nach einer Interception von James Pierre. Die beiden Serien, die der Angriff selbst über das Feld trug, brachten zusammen 168 Yards. Dazu kam eine Entscheidung der Packers beim Stand von 17:22: Nach einem Abseitsvergehen Minnesotas verzichteten sie auf ein bereits verwandeltes Field Goal aus 40 Yards und gingen bei 4th & 1 auf das First Down, wobei Jordan Love beim eigenen Lauf gestoppt wurde. Diese Entscheidung drehte die Partie, die die Packers bis zu diesem Zeitpunkt kontrolliert hatten.
Die Verteidigung war der überzeugendere Teil. Vier Sacks, zwei erzwungene Ballverluste und sieben Quarterback-Hits allein durch Dallas Turner sind belastbare Werte, und Brian Flores arbeitet weiter als Defensive Coordinator. Der Angriff dagegen knüpft an ein schwaches Vorjahr an: 2025 verwandelte Minnesota 31,80 Prozent seiner Third Downs, der schlechteste Wert der Liga, warf mit 21 die meisten Interceptions und ließ 60 Sacks zu. 20,2 Punkte pro Spiel und 275,0 Netto-Yards reichten nicht für die Playoffs.
Wer wirft für Minnesota in Chicago?
Kyler Murray unterschrieb im März für ein Jahr und 1,3 Millionen Dollar und gewann im Sommer den Wettbewerb um die Startposition. Sein Debüt dauerte allerdings nur elf Spielzüge. Nach einer Interception auf seinen ersten Pass und drei angebrachten von vier weiteren Würfen rutschte er bei einem Lauf an der eigenen 35-Yard-Linie ins Aus, wurde dabei von Lukas Van Ness am Helm und von Javon Bullard mit der Schulter getroffen und erlitt eine Gehirnerschütterung. Bullard wurde für unnötige Härte bestraft. Murray steht seither im Protokoll der NFL für Gehirnerschütterungen, und eine Rückkehr schon am Sonntag ist unwahrscheinlich.
Damit beginnt wahrscheinlich Carson Wentz. Er warf nach seiner Einwechslung 12 von 19 Pässen für 133 Yards und drei Touchdowns, zwei davon zu Justin Jefferson, und bestritt in der Vorsaison bereits fünf Spiele als Starter für Minnesota. J.J. McCarthy ging als dritter Quarterback in die Saison und war gegen Green Bay gar nicht aktiviert; in der Saison 2025 lag er im ESPN-QBR auf Rang 36 von 40 gewerteten Quarterbacks.
Auf Chicagos Seite fallen Cornerback Kyler Gordon mit einer Wadenverletzung, Defensive Tackle Shemar Turner nach einer Kreuzbandoperation und Linebacker Noah Sewell mit einem Achillessehnenriss aus. Rome Odunze galt vor dem Auftaktspiel wegen einer Wadenverletzung als fraglich, spielte jedoch und fing zwei Pässe für 52 Yards. Beide Mannschaften spielten am Sonntag und spielen wieder am Sonntag, keine kommt aus einer verkürzten Woche, und Minnesota reist ohne Wechsel der Zeitzone an. Für Chicago ist es das erste Heimspiel der Saison.
Chicago Bears vs. Minnesota Vikings im direkten Vergleich
Seit Herbst 2023 haben beide Mannschaften sechs Pflichtspiele gegeneinander bestritten.
Datum | Ort | Ergebnis |
|---|---|---|
15.10.2023 | Chicago | Minnesota 19:13 |
27.11.2023 | Minneapolis | Chicago 12:10 |
24.11.2024 | Chicago | Minnesota 30:27 |
16.12.2024 | Minneapolis | Minnesota 30:12 |
08.09.2025 | Chicago | Minnesota 27:24 |
16.11.2025 | Minneapolis | Chicago 19:17 |
Minnesota gewann vier dieser sechs Partien, und beide Erfolge Chicagos kamen in Minneapolis zustande. fünf der sechs Duelle endeten mit sieben Punkten Abstand oder weniger, darunter die beiden Begegnungen der vergangenen Saison mit 27:24 und 19:17. Nur eine Partie fiel deutlicher aus, zugunsten Minnesotas.
Chicago Bears - Minnesota Vikings Tipps
Der Tipp für diese Partie ist eine Handicap Wette auf Sieg Chicago Bears -5,5. Dafür spricht zuerst der Abstand zwischen dem, was beide Angriffe am ersten Spieltag tatsächlich produziert haben. 552 gegen 239 Yards und 7,9 gegen 3,9 Yards pro Spielzug sind keine Nuancen. Chicago hielt den Ball 34:03 Minuten, verwandelte zehn von 14 Third Downs und traf in allen vier Angriffen in der Red Zone. Minnesota brauchte für drei seiner fünf Touchdowns Serien, die bereits in gegnerischer Hälfte begannen.
Gegen den Tipp spricht die Vergangenheit dieser Paarung: In Chicago hat Minnesota die letzten vier Begegnungen gewonnen, und die Bears holten 2025 nur fünf ihrer elf Siege mit mehr als 5,5 Punkten Abstand. Anders liegt diesmal die Besetzung auf beiden Seiten des Balls. Minnesota tritt mit Carson Wentz an, dessen Mannschaft im Vorjahr 60 Sacks zuließ und den schlechtesten Anteil verwandelter Third Downs der gesamten Liga hatte. Gleichzeitig fehlen mit Allen, Hargrave, Greenard und Phillips vier Stammkräfte der Defensive Line, und zwar gegen einen Gegner, der gerade 291 Yards über Läufe bei 7,5 Yards pro Versuch erzielt hat. An dieser Stelle entscheidet sich, ob Chicago den Ball so lange behält wie in Charlotte.
Der Heimvorteil stützt die Vorgabe zusätzlich. Chicago gewann 2025 sechs seiner acht Heimspiele bei einem durchschnittlichen Abstand von 8,0 Punkten, schlug im Januar Green Bay im Soldier Field mit 31:27 und verlor erst in der nächsten Runde knapp mit 17:20 gegen die Los Angeles Rams. Dazu kommt das Profil, mit dem diese Mannschaft ihre Siege holt: 33 Ballgewinne bei elf eigenen Ballverlusten und 23 Interceptions waren 2025 der beste Wert der Liga, und in Carolina erzwang die Verteidigung erneut drei Ballverluste. Minnesota gewann im selben Zeitraum 21 Bälle und verlor 30. Setzt Chicago diesen Unterschied auch nur zweimal in kurze Wege zum Touchdown um, erwarte ich einen deutlichen Sieg.
Spielprognose für Sonntag
Chicago wird versuchen, das Spiel über Läufe zu kontrollieren und die Serien lang zu halten, weil das gegen eine neu zusammengesetzte Defensive Line die naheliegende Wahl ist und weil Caleb Williams aus dieser Ausgangslage heraus seine besten Würfe hatte. Minnesota kommt gegen diese Verteidigung zu Punkten, vor allem über Justin Jefferson und T.J. Hockenson, muss dafür aber deutlich mehr eigene Yards erarbeiten als gegen Green Bay. Ohne kurze Wege nach einem Ballgewinn wird das schwer: 3,9 Yards pro Spielzug tragen kein Spiel gegen eine Mannschaft, die in Charlotte acht Touchdowns erzielte.
Der wahrscheinlichste Verlauf ist ein Sieg Chicagos mit einem Touchdown Abstand, in dem die Bears früh führen und Minnesota im Schlussviertel verkürzt. Sollte Kyler Murray wider Erwarten freigegeben werden, verschiebt sich die Lage spürbar, weil seine Beweglichkeit die Verteidigung zu anderen Entscheidungen zwingt als Wentz. Allerdings ist das nach einer Gehirnerschütterung sehr unwahrscheinlich, weshalb ich denke, dass sich Bears sich hier souverän durchsetzen.



