Am Sonntag um 19:00 Uhr deutscher Zeit empfangen die New England Patriots die Pittsburgh Steelers im Gillette Stadium zum zweiten Spieltag der NFL. Der Vizemeister der Vorsaison hat sein erstes Spiel verloren und seinen prominentesten Neuzugang für Wochen an die Verletztenliste abgegeben; der Gast hat sein erstes Spiel gewonnen, ohne dass seine Offensive dabei glänzte. Vor einem Jahr standen sich beide an derselben Stelle gegenüber, und damals nahm Pittsburgh den Sieg aus Foxborough mit. Wer die Partie einschätzen will, muss die Zahlen von 2025 gegen das abwägen, was der erste Spieltag und der Sommer an beiden Kadern verändert haben.

New Englands bittere Niederlage zum Saisonauftakt

New England eröffnete die Saison am Mittwoch in Seattle, in der Neuauflage des Super Bowl LX, und verlor 10:13. Die Patriots führten Anfang des dritten Viertels 10:0 und ließen danach 13 Punkte in Folge zu. Drake Maye brachte 23 von 33 Pässen für 178 Yards an, warf einen Touchdownpass und drei Interceptions; sein Passer Rating lag bei 54,9. Die Offensive gewann 277 Yards bei 4,1 Yards je Spielzug, verwandelte 5 von 16 dritten Versuchen und kam in der Red Zone einmal in zwei Anläufen zu Punkten. Seattle spielte ab dem ersten Angriff ohne Sam Darnold und brauchte trotzdem nur 48 Spielzüge, um das Spiel zu drehen. Es war die erste Auswärtsniederlage unter Mike Vrabel nach zuvor neun Auswärtssiegen in Folge einschließlich der Playoffs. Zu hoch hängen sollte man das Spiel trotzdem nicht: Die Patriots hatten mehr Yards, mehr erste Downs und fast neun Minuten mehr Ballbesitz. Die vielen Fehler haben den Patriots am Ende jedoch das Spiel gekostet.

Was diese Mannschaft kann, hat sie 2025 gezeigt: 14 Siege, 3 Niederlagen, der erste Titel in der AFC East seit 2019 und der Einzug in den Super Bowl LX. Die Offensive erzielte 490 Punkte, 28,8 je Spiel und damit Rang 2 der Liga, kam auf 8,8 Yards je Passversuch (Rang 1) und 71,9 Prozent angekommene Pässe (Rang 1). Maye warf in seiner zweiten Saison 4.394 Yards und 31 Touchdownpässe bei 8 Interceptions, Passer Rating 113,5, und wurde in die zweite All-Pro-Mannschaft gewählt. Die Kehrseite gab es schon damals: Maye kassierte 47 Sacks, und New England gab 16 Bälle her, Rang 23 der Liga. Die drei Interceptions in Seattle waren also kein Bruch mit 2025, sondern die Verschärfung eines bekannten Problems. Die Verteidigung ließ 18,8 Punkte je Spiel zu und verlor keine Partie mit mehr als 7 Punkten Abstand, lag bei den Sacks aber nur auf Rang 22. Harold Landry III, 2025 mit 8,5 Sacks der Spieler mit den meisten Sacks der Mannschaft, steht bis Mitte Oktober auf der Liste der körperlich nicht einsatzfähigen Spieler.

Im Sommer hat New England die Offensive umgebaut. Stefon Diggs, mit 1.013 Yards der beste Passempfänger der Vorsaison, wurde im März freigestellt; Kayshon Boutte, mit 551 Yards und 6 Touchdowns Dritter dieser Wertung, ging im August im Tausch nach Houston. Dafür kam Romeo Doubs aus Green Bay für vier Jahre und 68 Millionen Dollar, und am 1. Juni holten die Patriots A.J. Brown aus Philadelphia gegen einen First Round Pick 2028 und einen aus der fünften Runde 2027. Brown hatte 2025 in 15 Spielen 78 Bälle für 1.003 Yards und 7 Touchdowns gefangen, ist dreimaliger Pro-Bowl-Spieler und Sieger des Super Bowl LIX. Sein Debüt für New England dauerte gut zwei Viertel: drei Fänge für 26 Yards, dann die Knöchelverletzung, die sich als Verstauchung des oberen Sprunggelenks herausstellte. Am Samstag wurde er auf die Verletztenliste gesetzt und fehlt damit mindestens vier Spiele.

In der Offensivlinie kam Alijah Vera-Tucker von den Jets für drei Jahre und 42 Millionen Dollar, in der Verteidigung Dre'Mont Jones aus Baltimore und Safety Kevin Byard aus Chicago. Aus dem Draft steht der Erstrundenspieler Caleb Lomu als zweiter Right Tackle in der Aufstellungsliste, Linebacker Gabe Jacas erzielte in Seattle bereits einen Sack, und Tight End Eli Raridon fing den einzigen Touchdown der Patriots.

Die Steelers gewinnen durch ihre Defensive

Pittsburgh gewann am Sonntag 20:13 gegen Atlanta, und das Ergebnis liest sich klarer als das Spiel. Der einzige Touchdown der Offensive war ein 6-Yard-Pass von Aaron Rodgers auf Pat Freiermuth im zweiten Viertel; den zweiten Touchdown erzielte die Verteidigung, als T.J. Watt eine Interception über 35 Yards zurücktrug. Rodgers kam auf 24 von 40 Pässen für 221 Yards, 5,5 Yards je Passversuch und ein Passer Rating von 83,4. Das Laufspiel brachte nur 58 Yards bei 21 Versuchen, das sind 2,8 Yards je Lauf, und Pittsburgh verwandelte 3 von 13 dritten Versuchen. Die Verteidigung dagegen setzte Cooper Rush, der den verletzten Tua Tagovailoa vertrat, vier Mal zu Boden, fing zwei seiner Pässe ab und hielt Atlanta bei lediglich 238 Yards. Zwei Dinge gehören zu diesem Sieg dazu: Er kam gegen einen Gegner ohne dessen Starting Quarterback, und Pittsburgh spielte ohne Joey Porter Jr., der wegen einer Rückenverletzung und mitten in einem Vertragsstreit fehlte. Was das Spiel mit dem der Patriots gemeinsam hat, ist die Punktzahl: 33 Gesamtpunkte in Pittsburgh, 23 in Seattle.

Es war das erste Spiel unter Mike McCarthy. Mike Tomlin war am Tag nach der 6:30-Niederlage in der Wild-Card-Runde gegen Houston zurückgetreten, nach 19 Spielzeiten und der siebten Playoff-Niederlage in Folge seit 2016; 2025 hatte Pittsburgh zum dritten Mal nacheinander mit 10 Siegen und 7 Niederlagen abgeschlossen und die AFC North gewonnen. McCarthy kommt mit 174 Siegen, 112 Niederlagen und 2 Unentschieden aus 19 Jahren als Cheftrainer in Green Bay und Dallas zurück in seine Heimatstadt; dass er mit Green Bay den Super Bowl XLV gegen Pittsburgh gewann, gehört zu den Kuriositäten dieser Personalie. Beide Koordinatoren sind ebenfalls neu: Brian Angelichio führt die Offensive, Patrick Graham die Verteidigung. Rodgers geht in seine 22. Saison, ist 42 Jahre alt und warf 2025 in 16 Spielen 3.322 Yards und 24 Touchdownpässe bei 7 Interceptions.

Die Verteidigung ist das Kapital dieser Mannschaft, und Woche 1 hat das bestätigt. 2025 kam sie auf 48 Sacks (Rang 6), 15 Interceptions (Rang 8) und 27 Ballgewinne (Rang 4); mit 15 eigenen Ballverlusten ergab das eine Differenz von +12, Rang 4 der Liga. Alex Highsmith führte mit 9,5 Sacks, Nick Herbig kam auf 7,5, T.J. Watt trotz drei verpasster Spiele auf 7 Sacks, 2 Interceptions und 3 Forced Fumbles. Der Verein hat diese Gruppe im Sommer gebunden: Herbig verlängerte über vier Jahre und 100 Millionen Dollar, Keeanu Benton über vier Jahre und 72 Millionen. Dazu kamen Cornerback Jamel Dean aus Tampa Bay für drei Jahre und 36,75 Millionen Dollar und Safety Jaquan Brisker aus Chicago. Die Offensive war 2025 das Gegenstück: 316,9 Yards je Spiel (Rang 25), 6,6 Yards je Passversuch (Rang 26) und mit 28 Minuten und 25 Sekunden Ballbesitz je Spiel Rang 29. Die 23,4 Punkte je Spiel (Rang 15) kamen zu einem guten Teil über die kurzen Wege, die die Ballgewinne der Verteidigung öffneten. Gegen Atlanta war es wieder so.

McCarthy und General Manager Omar Khan haben um Rodgers herum nachgelegt. Michael Pittman Jr. kam im Tausch aus Indianapolis, wo er 2025 80 Bälle für 784 Yards und 7 Touchdowns fing; gegen Atlanta war er mit 58 Yards aus drei Fängen der beste Passempfänger. Rico Dowdle, 2025 in Carolina bei 1.076 Laufyards, teilt sich die Läufe mit Jaylen Warren (958 Yards, 4,5 je Versuch); in Woche 1 kam Dowdle bei acht Läufen auf 15 Yards. DK Metcalf bleibt die erste Anspielstation, wurde gegen Atlanta zehn Mal angespielt und fing dabei nur vier Bälle für 40 Yards. Er hatte einen besonders bitteren NFL-Auftakt, da er viele einfache Bälle fallengelassen hat, was die Partie für die Falcons lange offen gehalten hat.

Patriots vs. Steelers im direkten Vergleich

Seit 2018 haben beide fünf Mal gegeneinander gespielt, drei Siege New England, zwei Pittsburgh. Vier dieser fünf Spiele endeten mit höchstens 7 Punkten Abstand; nur das 33:3 der Patriots zum Saisonauftakt 2019 fiel aus dem Rahmen. Keines der fünf Spiele brachte mehr als 39 Gesamtpunkte.

Datum

Spielort

Ergebnis

Gesamtpunkte

21.09.2025

Foxborough

Pittsburgh 21:14

35

07.12.2023

Pittsburgh

New England 21:18

39

18.09.2022

Pittsburgh

New England 17:14

31

08.09.2019

Foxborough

New England 33:3

36

16.12.2018

Pittsburgh

Pittsburgh 17:10

27

Das Duell vom vergangenen September ist die beste Vorlage, weil beide heutigen Spielmacher auf dem Feld standen. Pittsburgh führte durch einen 1-Yard-Lauf von Kenny Gainwell und einen 12-Yard-Pass auf DK Metcalf 14:0, New England glich durch zwei Touchdownpässe von Maye auf Hunter Henry aus, und Calvin Austin III fing gut zwei Minuten vor Schluss den Siegtreffer über 17 Yards. Die Patriots hatten 369 Yards gegen 203, fast sieben Minuten mehr Ballbesitz und verloren trotzdem, weil sie fünf Mal den Ball hergaben und Maye fünf Sacks nahm, zwei davon durch T.J. Watt. Rodgers brauchte für seine 21 Punkte 139 Passyards. Genau dieses Muster, wenig Raumgewinn, aber Ballgewinne der Verteidigung und ein Spielmacher, der die kurzen Wege nutzt, ist die Art, wie Pittsburgh gegen bessere Offensiven gewinnt.

Patriots vs. Steelers Tipps

Wett-Tipps New England Patriots - Pittsburgh Steelers
NFL
01
Sieg Pittsburgh Steelers +8,5 1,50
02
Unter 42,5 Gesamtpunkte 1,58

1. Tipp: Sieg Pittsburgh Steelers mit Handicap +8,5

Mein erster Tipp für diese Partie ist eine Handicap Wette auf die Pittsburgh Steelers +8,5. Der erste Grund für die Vorgabe sind die direkten Duelle: Vier der letzten fünf endeten mit höchstens 7 Punkten Abstand, alle drei seit 2022 mit 3, 3 und 7. Vor einem Jahr gewann Pittsburgh in Foxborough, obwohl New England 166 Yards mehr Raumgewinn hatte; Pittsburghs Verteidigung zwang Maye zu fünf Ballverlusten und fünf Sacks. Diese Verteidigung ist weitgehend dieselbe geblieben und hat in Woche 1 vier Sacks und zwei Interceptions geliefert.

Der zweite Grund ist Pittsburghs Verhalten auswärts. 2025 blieben die Steelers in 7 von 8 Auswärtsspielen innerhalb von 8 Punkten, gewannen vier davon und verloren nur in Los Angeles mit 10:25 deutlicher. Diese Mannschaft verliert selten hoch, weil ihre Verteidigung selten zusammenbricht und die Offensive das Spiel mit dem Ballbesitz kurz hält. Der dritte Grund liegt bei den Patriots: Sie spielen ohne A.J. Brown, mit einer Gruppe von Passempfängern, auf die in Seattle 178 Passyards entfielen, und mit einem Spielmacher, der gerade drei Interceptions geworfen hat. Ob Henderson zurückkehrt, ist offen. Dass New England 2025 daheim fünf seiner neun Spiele mit mindestens 9 Punkten Abstand gewann, ist der Einwand gegen die Wette; gegen Pittsburgh gelang das seit 2019 nie mehr, und die Offensive, die diese Siege einfuhr, tritt am Sonntag ohne ihren besten Passempfänger und womöglich ohne ihren besten Ballträger an.

Ich erwarte ein enges Spiel, in dem Pittsburghs Verteidigung mindestens einen Turnover erzwingt und New England seine Yards nicht in Touchdowns übersetzt bekommt. Der Heimsieg der Patriots ist möglich, ein Heimsieg mit zwei Touchdowns Abstand gegen diese Verteidigung ist es aus meiner Sicht nicht. Deshalb setze ich auf Pittsburgh mit dem Handicap.

2. Tipp: Unter 42,5 Gesamtpunkte

Der stärkste Grund für wenig Punkte sind die Duelle selbst: 27, 36, 31, 39 und 35 Gesamtpunkte in den letzten fünf Begegnungen, kein einziges Mal mehr als 39. Pittsburghs Verteidigung hat New Englands Offensive in dieser Reihe auf 10, 33, 17, 21 und 14 Punkte gehalten; die 33 kamen 2019 gegen eine ganz andere Mannschaft. Beide Verteidigungen haben Woche 1 geprägt: 23 Gesamtpunkte im Spiel der Patriots, 33 im Spiel der Steelers, und in beiden Spielen kam eine Offensive nicht über einen Touchdown hinaus.

Der zweite Grund ist Pittsburghs Offensive. 316,9 Yards je Spiel und der zweitniedrigste Ballbesitz der Liga 2025 beschreiben eine Mannschaft, die wenige Angriffe spielt und ihre Punkte oft aus kurzen Wegen nach Ballgewinnen holt. Gegen Atlanta kam sie auf 264 Yards, einen Touchdown und 2,8 Yards je Lauf; gegen New Englands Verteidigung, die 2025 nur 18,8 Punkte je Spiel zuließ und im Duell des Vorjahres 203 Yards, wird es nicht leichter. Der dritte Grund ist die Lücke bei New England: Ohne Brown, mit Doubs ohne Catch in Woche 1 und einem Spielmacher, der gegen diese Verteidigung im letzten Jahr fünf Bälle hergab, braucht die Offensive lange Angriffe für ihre Punkte. New England erzielte 2025 28,8 Punkte je Spiel und blieb mit dem Gegner zusammen nur in 3 von 17 Spielen bei höchstens 42 Punkten; das ist der Einwand, und er wiegt. Nur galt er 2025 gegen jede Verteidigung außer der von Pittsburgh, die die Patriots im selben Jahr bei 14 Punkten hielt.

Ich rechne mit einer Partie, in der Field Goals einen großen Teil der Punkte ausmachen und beide Offensiven Zeit brauchen, bis sie in Rhythmus kommen. Ein Ergebnis in der Größenordnung der letzten drei Duelle, also irgendwo zwischen 31 und 39 Gesamtpunkten, halte ich für das wahrscheinlichste Szenario. Deshalb setze ich auf Unter 42,5 Gesamtpunkte.

Fazit und Spielprognose

New England hat den besseren Kader, das Heimrecht und vier Tage mehr Vorbereitung. Pittsburgh hat die Verteidigung, die diesen Kader vor einem Jahr an derselben Stelle zu fünf Ballverlusten gezwungen hat, und ein Ergebnis in Woche 1, das die Verteidigung bestätigt und die Offensive nicht. Die Frage der Partie ist, ob Maye ohne Brown gegen die Verteidigung um Watt, Highsmith, Herbig und Ramsey lange Angriffe zu Ende bringt oder ob Pittsburgh ihn wieder zu Fehlern zwingt. Die Vorsaison und das Duell des Vorjahres geben darauf zwei verschiedene Antworten, Woche 1 gibt eher die zweite.

Ich erwarte einen knappen Sieg der Pittsburgh Steelers. Ich denke, die Partie könnte am Ende in beide Richtungen kippen, allerdings sehe ich den Vorteil leicht bei den Steelers, da sie defensiv eine sehr starke Leistung gezeigt haben. Abseits des Siegers erwarte ich eine Partie, die von beiden Defensivreihen dominiert wird, da beide in der ersten Woche lediglich 13 Punkte zugelassen haben.