Dass England das Sechzehntelfinale der WM 2026 gegen die DR Kongo gewinnt, halten die meisten für ausgemacht. Genau darin liegt die Schwierigkeit für jeden, der einen Tipp zu England gegen DR Kongo sucht: Der schlichte Sieg des Favoriten ist die naheliegendste, aber auch die reizloseste Wahl. Interessanter ist die Frage, wie England gewinnt und ob die DR Kongo wirklich so harmlos ist, wie es die Rollenverteilung vermuten lässt.

Die Antwort steckt in zwei Bildern aus der Gruppenphase. Beim 4:2 gegen Kroatien zeigte England, wie viele Tore in dieser Offensive stecken, doch gegen ein tief stehendes Ghana blieb es beim 0:0. Die DR Kongo wiederum hielt zum Auftakt sogar Portugal in Schach und zog als bester Gruppendritter weiter. Ein Favorit, der an dichten Abwehrreihen schon gescheitert ist, trifft also auf einen Außenseiter, der genau das am besten beherrscht.

Damit verschiebt sich der Blick weg vom reinen Ausgang hin zu den Wetten drumherum. Wer auf England gegen DR Kongo tippen will, sollte vorher beide Mannschaften, ihre Form und die wahrscheinliche Spielanlage kennen.

England gegen DR Kongo: die Ausgangslage im Sechzehntelfinale

Die Rollen sind in diesem Spiel klar verteilt. England führt die Gruppe L mit sieben Punkten als Sieger an und trifft am 1. Juli um 18:00 Uhr MESZ im Mercedes-Benz Stadium von Atlanta auf die DR Kongo, den bestplatzierten der acht Gruppendritten. Schon diese Konstellation sagt viel über das Kräfteverhältnis: Gruppensieger gegen Nachrücker, Titelkandidat gegen einen Außenseiter, der zum ersten Mal überhaupt in der K.-o.-Runde einer WM steht.

England kam ordentlich durch die Gruppe, ohne durchweg zu überzeugen. Dem 4:2 zum Auftakt gegen Kroatien folgte ein zähes 0:0 gegen Ghana, ehe das 2:0 gegen Panama den ersten Platz sicherte. Sieben Punkte, sechs eigene Tore, zwei Gegentore: solide, aber kein Sturmlauf.

Die DR Kongo nahm den schwierigeren Weg. In der starken Gruppe K mit Kolumbien und Portugal holten die Leoparden vier Punkte, verloren das zentrale Spiel gegen Kolumbien mit 0:1 und drehten zum Abschluss einen 0:1-Rückstand gegen Usbekistan noch zum 3:1. Das reichte als Gruppendritter und als bester aller Dritten.

Ein gemeinsames Kapitel haben beide Nationen nicht. England und die DR Kongo sind in einem Pflichtspiel noch nie aufeinandergetroffen, eine direkte Bilanz gibt es nicht. Einordnen lässt sich das Duell deshalb nur über die Form aus der Gruppenphase und über die eine Frage, die der hohe Favoritenstatus aufwirft: Wie kommt ein klarer Favorit gegen einen tief stehenden Gegner zu seinen Toren?

England: Gruppensieger mit Schwächen gegen tiefe Blöcke

Souverän war der Auftakt, danach wurde es zäh. Beim 4:2 gegen Kroatien zeigte England, was seine Offensive kann, ehe ein tief gestaffeltes Ghana die Three Lions beim 0:0 über 90 Minuten ausbremste. Erst das 2:0 gegen Panama brachte den Gruppensieg ohne Zittern. Genau dieses Muster ist für das Sechzehntelfinale wichtig: Gegen offene Gegner trifft England nach Belieben, gegen einen dichten Block tut sich die Mannschaft schwer.

Die Ergebnisse der Gruppe L im Überblick:

Spieltag

Gegner

Ergebnis

1 (17.06.)

Kroatien

4:2

2 (23.06.)

Ghana

0:0

3 (27.06.)

Panama

2:0

Vorne führt Harry Kane die Mannschaft an, und er ist nach den Gruppenspielen in starker Form. Sein Kopfballtor gegen Panama nach Flanke von Jude Bellingham war sein elfter WM-Treffer und schob ihn an Gary Lineker (zehn Tore) vorbei zum englischen WM-Rekordtorschützen. Den Doppelpack gegen Kroatien hatte er zuvor schon erzielt, macht drei Tore in drei Gruppenspielen. Kane ist Kapitän, Englands Rekordtorschütze über alle Länderspiele hinweg und der gesetzte Elfmeterschütze. Schon bei der WM 2018 war er mit sechs Treffern Torschützenkönig. Dahinter sorgen Bellingham, Bukayo Saka und Marcus Rashford für die Kreativität, Bellingham traf gegen Panama selbst.

Die offene Frage betrifft die Abwehr und die Aufstellung. Auf der rechten Abwehrseite fehlt Reece James verletzt, und Jarell Quansah trug gegen Panama eine Blessur davon, sodass Djed Spence dort in die Startelf rücken dürfte. Im Mittelfeld kehrt Declan Rice nach einer Pause zurück. Thomas Tuchel hat die Aufstellung noch nicht bestätigt und muss vor allem auf den Flügeln entscheiden, ob er auf Saka und Rashford setzt oder auf Anthony Gordon und Noni Madueke, die in den ersten beiden Spielen begonnen hatten. Die Innenverteidigung mit Ezri Konsa und Marc Guéhi dürfte er in einem K.-o.-Spiel dagegen kaum anrühren.

DR Kongo: der Außenseiter, der England gefährlich werden kann

Ein Statist ist die DR Kongo nicht. Trainer Sébastien Desabre hat aus der Mannschaft eine disziplinierte Einheit geformt, die in den vergangenen Jahren in 57 Spielen 29-mal ohne Gegentor blieb. Für die großen Gegner stellte er die frühere Viererkette auf eine kompakte Fünferkette um, und genau dieser tiefe Block hielt zum Auftakt Portugal samt Cristiano Ronaldo beim 1:1 in Schach. Wer die DR Kongo vorschnell abschreibt, unterschätzt, wie schwer sich auch ein Favorit an einer eng gestaffelten Abwehr tut.

Der Weg durch die Gruppe K war kein Selbstläufer:

Spieltag

Gegner

Ergebnis

1 (17.06.)

Portugal

1:1

2 (23.06.)

Kolumbien

0:1

3 (28.06.)

Usbekistan

3:1

Nach dem Punktgewinn gegen Portugal und der knappen 0:1-Niederlage gegen Kolumbien musste im letzten Spiel ein Sieg her. Gegen Usbekistan geriet die DR Kongo früh in Rückstand, drehte die Partie aber noch zum 3:1 und zog als bester Gruppendritter weiter. Das zeigt zweierlei: Die Leoparden können hinten dicht stehen, und sie können nach vorne umschalten, wenn es sein muss.

Die Gefahr kommt fast immer über Yoane Wissa. Der Stürmer von Newcastle erzielte drei der vier kongolesischen Gruppentore, darunter einen Doppelpack gegen Usbekistan mit einem verwandelten Foulelfmeter. Neben ihm stürmt der 35-jährige Cédric Bakambu, bei dieser WM zwar noch ohne Torbeteiligung, als langjähriger Nationalspieler aber nur ein Tor vom kongolesischen Torrekord entfernt. Auch der eingewechselte Fiston Mayele traf beim 3:1 und bietet sich damit für die Startelf an.

Kapitän Chancel Mbemba hält die Abwehr zusammen, flankiert von Premier-League-erfahrenen Spielern wie Aaron Wan-Bissaka, Axel Tuanzebe und Arthur Masuaku. Diese Abwehr verliert selten hoch. Englands Aufgabe ist deshalb weniger, viele Lücken zu finden, als die wenigen Gelegenheiten konsequent zu nutzen.

Welche Duelle entscheiden England gegen DR Kongo?

Das Spiel wird an einer Stelle entschieden: an Englands Geduld gegen den tiefen Block der DR Kongo. Die Leoparden werden nicht mitspielen, sondern sich hinten in einer Fünferkette einigeln und auf Konter lauern, so wie sie es gegen Portugal getan haben. England wird über weite Strecken den Ball haben, hoch stehen und versuchen, die Abwehr mit Tempo und Kombinationen zu öffnen. Wie das ausgehen kann, hat die Gruppenphase bereits gezeigt: gegen das offene Kroatien fielen sechs Tore, gegen das tief stehende Ghana keines. Bekommt England die Räume eng zugestellt, hängt viel von der Tagesform der Flügelspieler und von Bellinghams Läufen aus der Tiefe ab.

Im Zentrum treffen Kane und Bellingham auf Mbemba und Tuanzebe. Kane lässt sich gern fallen, um Bälle zu verteilen, und schafft so Platz für die nachstoßenden Mittelfeldspieler. Die zentrale kongolesische Abwehr ist auf genau solche Bewegungen eingestellt und hat schon Ronaldo wenig erlaubt. Ein ruhender Ball kann hier den Unterschied machen, und bei Standards ist Kane mit seiner Kopfballstärke die größte Gefahr.

Die zweite Schlüsselstelle liegt im Umschaltspiel. Rückt England weit auf, lädt das die schnellen Kongolesen zum Konter ein. Yoane Wissa und Cédric Bakambu brauchen nicht viele Bälle, um gefährlich zu werden, und Englands Außenverteidiger müssen nach jedem Ballverlust sofort zurück. Genau dort, im Tempo gegen Tempo, kann der Außenseiter zu seinen Gelegenheiten kommen.

Den Takt im Mittelfeld gibt Declan Rice vor. Gewinnt England die zweiten Bälle und hält das Tempo hoch, erstickt es die kongolesischen Konter früh. Verliert es die Mitte, wird es ein langer Nachmittag.

England - DR Kongo Tipps

Wett-Tipps England - DR Kongo
WM 2026
01
Harry Kane erzielt ein Tor 1,70
02
Über 2,5 Tore 1,89

1. Tipp: Harry Kane erzielt ein Tor

Kane kommt mit drei Toren aus drei Gruppenspielen und als frischgebackener englischer WM-Rekordtorschütze nach Atlanta. Wichtiger als die Zahl ist, wie vielseitig er trifft: per Kopf nach einer Flanke gegen Panama, im Doppelpack aus dem Spiel heraus gegen Kroatien. Genau diese Bandbreite passt zu einem Spiel gegen einen tiefen Block, in dem Tore selten aus der schönen Kombination fallen, sondern aus Standards, zweiten Bällen und einzelnen Momenten.

Gegen eine eng gestaffelte Abwehr sammelt England zwangsläufig viele Ecken und Freistöße, und bei diesen ruhenden Bällen ist Kane der mit Abstand gefährlichste Abnehmer im Strafraum. Sein Kopfballtreffer gegen Panama war kein Zufall, sondern seine typische Art, gegen kompakte Gegner doch noch zum Abschluss zu kommen.

Dazu kommt seine Rolle als gesetzter Elfmeterschütze. Wer eine tief verteidigende Mannschaft über 90 Minuten so unter Druck setzt wie England, provoziert im gegnerischen Sechzehner früher oder später ein Foul oder ein Handspiel, und den Strafstoß übernimmt Kane. Damit hat er einen zweiten Weg zum Tor, der vom Spielverlauf unabhängig ist und den die meisten Stürmer nicht haben.

Hinzu kommt die Spielanlage. England bündelt sein Angriffsspiel über Kane, der sich fallen lässt, die Bälle verteilt und danach wieder in den Strafraum stößt. Er ist also nicht nur Abschlussspieler, sondern auch Anspielstation, was seine Ballkontakte in den gefährlichen Zonen erhöht und ihm mehr Gelegenheiten verschafft als einem reinen Mittelstürmer. Daher ist die erste Empfehlung eine Torschützen Wette auf einen Treffer von Harry Kane.

2. Tipp: Über 2,5 Tore

Der zweite Tipp ist eine Over-Wette auf über 2,5 Tore in der Partie. Das Argument liegt hierbei weniger in der nackten Statistik als in der Spielanlage und im Personal. England bringt mit Kane, Bellingham, Saka und Rashford eine Offensive auf den Platz, in der jeder Einzelne für sich eine kompakte Abwehr knacken kann, dazu kommen von der Bank Optionen wie Eberechi Eze, Anthony Gordon oder Noni Madueke. Diese Breite sorgt dafür, dass England auch dann noch Lösungen hat, wenn der erste Plan nicht aufgeht.

Der Knackpunkt ist das erste Tor. Fällt es früh, kippt die Partie: Die DR Kongo kann sich dann nicht mehr nur einigeln, sondern muss aus dem Block heraus und selbst etwas riskieren. Genau in diesem Zustand entstand ihr eigenes 3:1 gegen Usbekistan, als sie einem Rückstand nachlief und das Spiel sich öffnete. Ein offenes Spiel mit Räumen auf beiden Seiten ist die beste Voraussetzung für mehrere Tore.

Hinzu kommt, was die DR Kongo selbst beisteuert. Mit Yoane Wissa, der drei der vier kongolesischen Gruppentore erzielte, ist immer ein Treffer aus dem Konter drin. Trifft jede Mannschaft einmal und legt England wie zu erwarten nach, ist die Marke schnell erreicht. Den Ausschlag gibt der Unterschied zum Gruppenspiel: Im Sechzehntelfinale steht die DR Kongo unter K.-o.-Zwang. Bei einem Rückstand reicht ihr kein Remis, sie muss nach vorne und Räume öffnen. Ein Favorit mit Englands Personal trifft gegen einen Gegner, der sich öffnen muss, über 90 Minuten meist mehr als einmal.

Fazit

England ist der klare Favorit, und das aus gutem Grund. Die individuelle Qualität ist auf jeder Position größer, und über 90 Minuten gegen einen Gegner, der vor allem verteidigt, setzt sich diese Klasse meistens durch. Die Frage ist nicht, ob England gewinnt, sondern wie lange die DR Kongo ihren Block geschlossen hält.

Wahrscheinlich verläuft die Partie nach einem bekannten Muster. England hat den Ball, die DR Kongo steht tief, und die erste halbe Stunde bleibt zäh, so wie gegen Ghana. Je länger das Spiel dauert, desto stärker wächst der Druck auf die kongolesische Abwehr, bis sie irgendwann nachgibt. Danach muss die DR Kongo mehr riskieren, und dann öffnen sich die Räume, die England vorher vermisst hat.

Der Außenseiter ist dabei nicht chancenlos. Mit Wissa vorne und einer abgezockten Abwehr kann die DR Kongo lästig bleiben und im Konter einen Treffer setzen, so wie ihr das schon gegen stärkere Gegner gelungen ist. Für die echte Überraschung reicht es aber nur, wenn England früh in Rückstand gerät oder vor dem Tor fahrlässig bleibt.

Die Prognose lautet 3:1 für England: ein über die Distanz verdienter Sieg, bei dem die DR Kongo zwischendurch ihr Tor und ihre Momente bekommt.