Am kommenden Mittwoch empfängt der Hamburger SV Bayer Leverkusen zum Nachholspiel des 17. Spieltags. Anstoß im Volksparkstadion ist um 20:30 Uhr. Das Flutlichtspiel unter der Woche bringt zwei Teams zusammen, die aus unterschiedlichen Tabellenregionen kommen und trotzdem beide zuletzt Federn lassen mussten. Der HSV kämpft im Mittelfeld gegen den Anschluss nach oben, Leverkusen will den Kontakt zu den internationalen Plätzen halten. In diesem Artikel findest du eine detaillierte Formanalyse beider Mannschaften, den direkten Vergleich und zwei Tipps für die Partie.
Der Hamburger SV zwischen Lichtblicken und Rückschlägen
26 Punkte aus 23 Spielen, Platz 11 – die nackte Bilanz des HSV liest sich für einen Aufsteiger durchaus solide. 6 Siege, 8 Unentschieden und 9 Niederlagen bei einem Torverhältnis von 26:34 zeigen ein Team, das defensiv stabil steht, aber offensiv nicht immer mithalten kann. Minus 8 in der Tordifferenz spricht eine deutliche Sprache.
Die letzten fünf Pflichtspiele erzählen aber eine etwas differenziertere Geschichte. Gegen RB Leipzig gab es am vergangenen Wochenende eine 1:2-Heimniederlage, bei der Fabio Vieira den HSV in Führung brachte, bevor Romulo per Hacke ausglich und Diomande nach der Pause das Spiel drehte. Besonders die zweite Halbzeit gehörte klar den Sachsen – der HSV kam kaum noch in gefährliche Zonen. Davor stand ein 1:1 in Mainz, was auswärts durchaus vertretbar ist, auch wenn in so einem Spiel mehr drin gewesen wäre.
Richtig stark präsentierte sich die Polzin-Elf Mitte Februar. Das 3:2 gegen Union Berlin zeigte Offensivpower, das 2:0 in Heidenheim war der einzige Zu-Null-Sieg in dieser Fünf-Spiele-Phase. Und das 2:2 gegen Bayern München? Kein schlechtes Ergebnis gegen den Rekordmeister.
Unterm Strich stehen 2 Siege, 2 Unentschieden und 1 Niederlage. Das klingt ordentlich, relativiert sich aber, wenn man genauer hinschaut: In allen fünf Partien kassierte der HSV Gegentore – mit Ausnahme des Heidenheim-Spiels. Die Defensive bleibt das Sorgenkind. 9 erzielte Tore in fünf Spielen zeigen, dass vorne durchaus was geht. 7 Gegentore in derselben Phase zeigen, dass hinten zu oft der Riegel fehlt. Gegen Leverkusen wird das zum Problem.
Bayer Leverkusen in der Formkrise? Die Werkself unter der Lupe
40 Punkte, Platz 6 – Leverkusen hat eine solide Saison gespielt, steht aber weit entfernt von der Dominanz vergangener Jahre. 12 Siege, 4 Unentschieden und 7 Niederlagen ergeben eine Tordifferenz von plus 15 (44:29). Klingt nach einer Mannschaft, die ihre Spiele in der Regel kontrolliert. Die jüngste Entwicklung erzählt allerdings eine andere Geschichte.
Fünf Pflichtspiele, nur ein Sieg in der Bundesliga – das muss man erstmal sacken lassen. Gegen Mainz rettete Verteidiger Quansah in der 88. Minute per Kopf den Ausgleich zum 1:1. Davor war Leverkusen über weite Strecken ideenlos, ließ kaum Chancen zu, schaffte es aber genauso wenig, die tief stehenden Mainzer zu knacken. Erst nach dem Rückstand durch Becker kam so etwas wie Dringlichkeit auf. Das 0:0 gegen Olympiakos in der Champions League bestätigte den Trend: viel Ballbesitz, wenig Ertrag. In der Liga setzte es bei Union Berlin eine 0:1-Niederlage – die dritte Pflichtspielpleite in den letzten sieben Partien.
Positiv: Auswärts bei Olympiakos gewann Leverkusen souverän mit 2:0, und das 4:0 gegen St. Pauli war ein ungefährdeter Erfolg. Aber gut – St. Pauli steht am Tabellenende und ist kaum der Maßstab für ein Team mit europäischen Ambitionen.
Was auffällt: Leverkusen tut sich gegen Mannschaften, die tief stehen und kompakt verteidigen, extrem schwer. Gegen Mainz fehlten Ideen im letzten Drittel, die Torschussstatistik von 12:8 klingt besser als das Spiel tatsächlich war – die Expected Goals lagen bei 1,28 für Bayer. Trainer Kasper Hjulmand muss zudem den Ausfall von Arthur verkraften, der sich gegen Mainz das Knie verdrehte und womöglich länger fehlt.
Gegen den HSV könnte sich die Situation aber ändern. Hamburg wird nicht wie Mainz mit einer Fünferkette auf Konter lauern, sondern selbst aktiv nach vorne spielen. Das gibt Leverkusen Räume, die gegen tiefstehende Gegner schlicht nicht vorhanden waren. Die Frage ist eher, ob die Werkself die nötige Effizienz mitbringt, um ihre Chancen auch zu verwerten. Gegen St. Pauli funktionierte das noch einwandfrei, gegen stärkere Gegner haperte es zuletzt an der Durchschlagskraft im letzten Drittel.
Wett-Tipps für HSV gegen Leverkusen
1. Tipp: Beide Teams treffen
Der HSV hat in seinen letzten fünf Pflichtspielen ausnahmslos getroffen – 1 Tor gegen Leipzig, 1 in Mainz, 3 gegen Union Berlin, 2 in Heidenheim und 2 gegen Bayern. Offensiv hat die Polzin-Elf kein Problem, auch gegen stärkere Gegner Tore zu erzielen. Gegen die Bayern und gegen Leipzig traf der HSV jeweils, obwohl beide Teams qualitativ über den Hamburgern stehen. Zu Hause im Volksparkstadion vor ausverkauftem Haus kommt eine zusätzliche Energie dazu, die gerade in Flutlichtspielen unter der Woche oft den Unterschied macht.
Leverkusen auf der anderen Seite wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls treffen. 44 Saisontore sprechen für eine Mannschaft, die trotz ihrer aktuellen Schwächephase über genug individuelle Qualität verfügt, um gegen die HSV-Defensive ein Tor zu erzielen. 34 Gegentore in 23 Spielen – der HSV lässt pro Partie im Schnitt fast 1,5 Gegentreffer zu. Selbst gegen Mainz, wo Leverkusen lange ideenlos war, fiel am Ende der Ausgleich durch Quansah. Das 4:0 gegen St. Pauli zeigte, was die Werkself offensiv kann, wenn der Gegner Räume öffnet.
Der HSV wird sich gegen Leverkusen nicht hinten reinstellen. Merlin Polzin lässt sein Team nach vorne spielen, was zwangsläufig Räume für Leverkusens schnelle Offensive öffnet. Gleichzeitig hat der HSV bewiesen, dass er gegen jeden Gegner trifft.
2. Tipp: Über 2,5 Tore
Der zweite Tipp ist eine Over-Wette auf über 2,5 Tore. In vier der letzten fünf HSV-Spiele fielen mindestens 3 Tore. Gegen Union Berlin endete es 3:2, gegen Bayern 2:2, gegen Leipzig 1:2, in Heidenheim 0:2. Nur das 1:1 in Mainz blieb unter dieser Marke. Hamburg ist schlicht kein Team für torlose Abende. 9 eigene Treffer und 7 Gegentore in fünf Spielen – das sind 3,2 Tore pro Partie.
Leverkusens Spiele in der Bundesliga waren zuletzt zwar torarmer, das liegt aber vor allem an der Art der Gegner. Mainz stand extrem tief und ließ kaum Räume, Union Berlin verteidigte mit allem was sie hatten. Der HSV spielt anders. Polzin will mit seiner Mannschaft aktiv nach vorne spielen und presst hoch – das öffnet Räume auf beiden Seiten. In einem Spiel, in dem beide Teams nach vorne spielen wollen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Tore automatisch.
Rechne mit einem offenen Schlagabtausch. Der HSV muss punkten, um nicht weiter in Richtung Abstiegsplätze zu rutschen. Leverkusen braucht drei Punkte, um den Anschluss an die Champions-League-Plätze nicht zu verlieren. Keine der beiden Mannschaften kann es sich leisten, auf Ergebnisverwaltung zu setzen. Wenn der HSV wie gewohnt mit Tempo nach vorne spielt und Leverkusen nach den torärmen Wochen die Offensive ankurbelt, sind 3 oder mehr Tore realistisch.
Prognose zum Nachholspiel HSV gegen Bayer Leverkusen
Leverkusen geht als Favorit in dieses Spiel – zu Recht. Der direkte Vergleich, die Tabellenposition und die individuelle Qualität sprechen für die Werkself. Trotzdem ist das kein Selbstläufer. Leverkusen hat in der Bundesliga seit Wochen nicht mehr gewonnen und tut sich gegen engagierte Gegner schwer. Der HSV ist zu Hause eine andere Mannschaft als auswärts und wird vor ausverkauftem Haus alles reinwerfen.
Meine Prognose: Ein Spiel mit Toren auf beiden Seiten, das Leverkusen am Ende knapp für sich entscheidet. Ein 2:2 oder 2:3 aus Hamburger Sicht wäre ein realistisches Ergebnis. Der HSV wird treffen, aber defensiv nicht über 90 Minuten dichthalten können. Leverkusen hat trotz der Schwächephase genug Qualität, um in Hamburg zu bestehen.


