Ein Tabellenführer nach zwei Wochen Pause empfängt ein Team, das dreimal in Folge verloren und gerade zwei Stammspieler abgegeben hat. Für eine NFL Wette auf dieses Spiel in Jacksonville kommt es darauf an, wie zwei Stärken aufeinandertreffen: Der Angriff der Colts läuft über Jonathan Taylor, die Defense der Jaguars stoppt Läufe wie keine andere in der NFL. Wo Indianapolis trotzdem zu Punkten kommen kann und wo Jacksonville verwundbar ist, entscheidet über die Wetten auf dieses Spiel. Offen ist außerdem, wer nach den Verletzungen der vergangenen Wochen rechtzeitig fit wird.
Ausgangslage: Jaguars ausgeruht, Colts im Umbau
Angepfiffen wird am Sonntag, 1. November 2026, um 19 Uhr deutscher Zeit im EverBank Stadium in Jacksonville, unter freiem Himmel auf Naturrasen. Die Jaguars hatten in Woche 7 spielfrei und haben seit der Niederlage gegen Houston in London zwei Wochen Pause hinter sich. Es ist ihr erstes Spiel in Jacksonville seit Ende September, die beiden Heimspiele dort haben sie deutlich gewonnen. Jacksonville führt die AFC South mit 4-2 an, zwei Siege vor Indianapolis und Houston.
Die Colts stehen nach drei Niederlagen in Folge bei 2-5, und die Führung des Vereins hat reagiert. General Manager Chris Ballard wurde entlassen, am Dienstag vor dem Spiel gab Indianapolis Guard Quenton Nelson an Seattle und Defensive Tackle DeForest Buckner an San Francisco ab. ESPN-Reporter Stephen Holder beschreibt das als Beginn eines kompletten Neuaufbaus. Bis zur Trade Deadline am 10. November können weitere Spieler folgen, auch für Jonathan Taylor interessieren sich mehrere Teams. Nach Informationen von ESPN sieht Besitzerin Carlie Irsay-Gordon ihn aber als festen Teil des Umbaus, ein Trade wäre für ein anderes Team entsprechend teuer.
Woche | Jacksonville Jaguars | Indianapolis Colts |
|---|---|---|
1 | 34:10 gegen Cleveland | 23:41 gegen Baltimore |
2 | 13:20 in Denver | 30:33 nach Overtime in Kansas City |
3 | 35:6 gegen New England | 19:17 gegen Houston |
4 | 22:17 in Cincinnati | 30:13 gegen Washington in London |
5 | 19:17 gegen Philadelphia in London | 22:34 in Pittsburgh |
6 | 31:34 gegen Houston in London | 20:26 gegen Tennessee |
7 | spielfrei | 10:16 in Minnesota |
Jacksonville hat in sechs Spielen genauso viele Punkte und genauso viele Yards erzielt wie Indianapolis in sieben. Beide Defenses geben ähnlich viel Raum ab, die Jaguars lassen dabei aber deutlich weniger Punkte zu: Sie nehmen den Gegnern das Laufspiel, erzwingen Ballverluste und halten vor der eigenen Endzone. Die Colts verlieren den Ball häufiger, als sie ihn gewinnen.
Saison 2026 | Jacksonville Jaguars (6 Spiele) | Indianapolis Colts (7 Spiele) |
|---|---|---|
Punkte je Spiel | 25,7 | 22,0 |
Zugelassene Punkte je Spiel | 17,3 | 25,7 |
Yards je Spiel | 347,7 | 298,0 |
Zugelassene Yards je Spiel | 346,0 | 340,3 |
Third Down geschafft | 35 von 73 | 39 von 98 |
Red Zone: Touchdowns je Besuch | 12 von 18 | 12 von 20 |
Erzwungene Ballverluste | 9 | 3 |
Sacks gegen den eigenen Quarterback | 10 | 19 |
Jacksonville Jaguars: Lawrence in Form, kaum Raum für Läufe
Nur Minnesota und Kansas City lassen weniger Punkte zu als Jacksonville. Fünf der sechs Gegner blieben gegen die Jaguars unter dem Wert, den sie in ihren übrigen Spielen erzielen: New England kam auf 6 Punkte statt sonst 25,7, Cincinnati auf 17 statt 29,2. Den Kern bildet die Defense gegen den Lauf. Jacksonville war darin schon 2025 das beste Team der NFL, und seit 24 Spielen hat kein Gegenspieler gegen die Jaguars mehr 75 Rushing Yards erreicht. Cincinnati und Philadelphia kamen mit allen Läufen zusammen auf 23 und 22 Yards.
Mehr Raum lassen die Jaguars gegen den Pass, und zwar auch Running Backs, die kurze Pässe fangen. Gegnerische Running Backs kommen gegen Jacksonville im Schnitt auf 38,0 Receiving Yards, in ihren übrigen Spielen auf 30,7. Chase Brown schaffte in Cincinnati mit neun Läufen nur 10 Yards, fing aber 11 Pässe für 71 Yards. Houston erzielte in London 34 Punkte, mehr als jeder andere Gegner der Jaguars. Kurz vor der Endzone steht die Defense allerdings meist sicher, Gegner kamen dort in weniger als der Hälfte ihrer Besuche zum Touchdown.
Trevor Lawrence wirft so genau wie nie in seiner Karriere. Er hat 14 Touchdown-Pässe und nur 4 Interceptions geworfen und kommt auf 8,0 Yards je Pass, so viele wie in keiner Saison zuvor. Gegen Philadelphia und Houston warf er jeweils mehr als 300 Yards. Die Bälle verteilt er breit: Parker Washington fing gegen Philadelphia zwei Touchdowns bei 124 Yards, Jakobi Meyers und Tight End Brenton Strange sind feste Anspielstationen, und Travis Hunter, der auch als Cornerback spielt, fing gegen Houston einen Touchdown. Brian Thomas Jr. hat seit zwei Spielen keinen Pass gefangen und gilt als Kandidat für einen Trade. Die Läufe teilen sich Bhayshul Tuten, der in sechs Spielen 388 Yards erlief, und Chris Rodriguez.
Indianapolis Colts: Taylor trägt, Jones verliert zu oft den Ball
Jonathan Taylor ist der Angriff der Colts. Er hat 587 Rushing Yards und 8 Touchdowns nach Läufen erzielt, mehr Touchdowns hat kein Spieler der Liga. Mit Läufen und Catches kommt er auf 109,3 Yards je Spiel. Selbst in Minnesota, gegen die Defense mit den wenigsten zugelassenen Punkten, lief er für 95 Yards und erzielte mit einem Lauf über 38 Yards den einzigen Touchdown seines Teams.
Schwächer ist das Passspiel. Daniel Jones bringt nur 59,6 Prozent seiner Pässe an, so wenige wie nie in seiner Karriere, und hat 4 Touchdown-Pässe und 7 Interceptions geworfen. In Minnesota kam er auf 108 Yards und warf im letzten Drive die Interception, die das Spiel entschied. Trainer Shane Steichen sagte danach, er habe nicht über einen Wechsel auf der Position des Quarterbacks nachgedacht; Backup Anthony Richardson hat seit 2024 kein Spiel begonnen. Viele Punkte holt Indianapolis deshalb über Kicker Spencer Shrader. Er hat 19 von 21 Field Goals verwandelt, sechs davon aus 50 Yards und mehr, sein längstes ging über 58 Yards. Seine beiden Fehlschüsse fielen erst in Minnesota. Am vierten Down geht Indianapolis oft ins Risiko und hat 10 von 15 Versuchen geschafft.
Die Defense gehört zu den schwächeren der Liga, nur neun Teams lassen mehr Punkte zu. Baltimore lief zum Auftakt für 202 Yards. Mit Buckner ist einer der beiden Spieler mit den meisten Sacks weg; Adetomiwa Adebawore hat ebenfalls 4, zwei davon gegen Kyler Murray in Minnesota.
Ausfälle: Harrison fehlt, Warren und Gardner sind fraglich
Bei den Colts wird es bei den Cornerbacks eng. Sauce Gardner fehlte in Minnesota mit einer Wadenverletzung und ist fraglich, Cam Taylor-Britt verletzte sich dort an der Leiste und steht auf der Injured Reserve, Justin Walley schied mit einer Knieverletzung aus und ist ebenfalls fraglich. Das trifft Indianapolis gegen Lawrence, der seine Pässe auf viele Receiver verteilt. Im Angriff fehlte Tight End Tyler Warren zuletzt zweimal mit einer Leistenverletzung, vor seinem Ausfall hatte er 30 Pässe gefangen und zählte zu den wichtigsten Spielern in der Offensive der Colts. Receiver Alec Pierce darf frühestens eine Woche später von der Injured Reserve zurückkehren.
Jacksonville hat Left Tackle Anton Harrison für den Rest der Saison verloren, er erlitt in Woche 5 gegen Philadelphia einen Kreuzbandriss. Im ersten Spiel ohne ihn kamen die Jaguars gegen Houston trotzdem auf 412 Yards, und Lawrence wurde kein einziges Mal gesackt. Cornerback Montaric Brown ist nach zwei verpassten Spielen mit einer Verletzung am hinteren Oberschenkel fraglich, ohne ihn spielte Travis Hunter jeden Snap in der Defense. Safety Antonio Johnson schied gegen Houston mit einer Knöchelverletzung aus. Wie es um die fraglichen Spieler steht, zeigt der erste offizielle Injury Report am Mittwoch.
Direkte Duelle: Jacksonville gewann fünf der letzten sechs
Datum | Spielort | Ergebnis |
|---|---|---|
28.12.2025 | Indianapolis | Colts 17:23 Jaguars |
07.12.2025 | Jacksonville | Jaguars 36:19 Colts |
05.01.2025 | Indianapolis | Colts 26:23 Jaguars nach Overtime |
06.10.2024 | Jacksonville | Jaguars 37:34 Colts |
15.10.2023 | Jacksonville | Jaguars 37:20 Colts |
10.09.2023 | Indianapolis | Colts 21:31 Jaguars |
In Jacksonville haben die Colts seit 2014 nicht mehr gewonnen. Bei den Jaguars warf in fünf dieser sechs Duelle Trevor Lawrence, bei den Colts wechselte der Quarterback fast jedes Mal: Philip Rivers, Riley Leonard, zweimal Joe Flacco, Gardner Minshew und Anthony Richardson. Daniel Jones warf im Dezember 2025 nur sieben Pässe. Wie sich der jetzige Angriff der Colts gegen diese Defense schlägt, zeigen die alten Ergebnisse deshalb nur begrenzt.
Jacksonville Jaguars vs. Indianapolis Colts Tipps
1. Tipp: Jonathan Taylor über 19,5 Receiving Yards
Mein erster Tipp lautet Jonathan Taylor über 19,5 Receiving Yards. Taylor muss dafür mit gefangenen Pässen auf mindestens 20 Yards kommen. Der wichtigste Grund ist der Gegner. Gegen Jacksonville kommt kaum ein Lauf durch, Taylor selbst erlief in den beiden Duellen 2025 nur 74 und 70 Yards. Was Running Backs gegen die Jaguars am Boden nicht schaffen, holen sie sich oft über kurze Pässe, und genau dort lässt Jacksonville mehr zu, als die Gegner sonst erreichen. Der Running Back des Gegners mit den meisten Receiving Yards kam gegen die Jaguars in vier von sechs Spielen über 19,5 Yards.
Der zweite Grund ist Taylors Rolle im Passspiel. Er wurde in jedem Spiel dieser Saison drei- oder viermal angespielt und hat 17 Pässe für 178 Yards gefangen, das sind 25,4 Yards je Spiel und 10,5 Yards je Catch. Ihm reichen also zwei Catches, wie gegen Tennessee, als zwei Pässe 57 Yards brachten. Am meisten fing Taylor, wenn Indianapolis viel werfen musste: In Pittsburgh und gegen Tennessee warf Jones 44 und 42 Pässe, Taylor kam auf 37 und 57 Receiving Yards. Ein solches Spiel ist in Jacksonville zu erwarten, weil die Colts gegen diese Defense kaum über Läufe vorankommen und gegen Lawrence Punkte aufholen müssen. Fällt Warren erneut aus, fehlen Jones mit ihm und Pierce zudem zwei Anspielstationen.
Gegen den Tipp spricht Taylors Bilanz gegen Jacksonville: In den letzten drei Duellen fing er 0, 14 und 3 Yards. In keinem dieser Spiele stand aber Jones über die volle Zeit auf dem Feld, und im Dezember 2025 bekam Taylor keinen einzigen Pass zugeworfen, während er in dieser Saison in jedem Spiel mindestens dreimal angespielt wurde. Für Jonathan Taylor über 19,5 Receiving Yards gibt den Ausschlag, dass Jacksonville den Colts das Laufspiel nimmt und Taylor gerade in Spielen mit vielen Pässen seine meisten Yards nach Catches gesammelt hat.
2. Tipp: Indianapolis Colts über 17,5 Punkte
Mein zweiter Tipp ist eine Over-Wette auf mehr als 17,5 Punkte von den Indianapolis Colts. Es zählen allein die Punkte der Colts, die Wette geht auf, sobald Indianapolis 18 Punkte erzielt. Der wichtigste Grund ist die Verlässlichkeit dieses Angriffs. In sechs von sieben Spielen kamen die Colts auf mindestens 19 Punkte, zur Pause hatten sie in jedem Spiel mindestens 10, und alle Punkte erzielten Angriff und Kicker, keiner kam von der Defense oder aus einem Return. Unter der Grenze blieben sie nur in Minnesota, gegen die Defense, die mit Abstand die wenigsten Punkte der Liga zulässt.
Der zweite Grund ist der Raum, den Jacksonville bis zur eigenen Red Zone lässt. Die Jaguars geben sogar etwas mehr Yards ab als die Colts, vor allem gegen den Pass, und Indianapolis hält seine Drives auch am vierten Down am Leben. Dazu kommen die direkten Duelle: In fünf der letzten sechs Spiele gegen Jacksonville erzielten die Colts mehr als 17,5 Punkte, mit wechselnden Quarterbacks und damit unabhängig davon, wer gerade warf.
Gegen den Tipp spricht, dass Jacksonville fünf von sechs Gegnern unter dem Wert gehalten hat, den sie sonst erzielen. Die Jaguars stoppen Drives aber vor allem kurz vor der Endzone, und aus dieser Entfernung trifft Shrader bisher fast immer: Schon ein Touchdown und vier Field Goals ergeben 19 Punkte, und mindestens vier Field Goals hat er in dieser Saison bereits zweimal in einem Spiel verwandelt. Indianapolis Colts über 17,5 Punkte passt zu einem Angriff, der in fast jedem Spiel so weit gekommen ist, und zu einem Kicker, der aus der Hälfte der Jaguars verlässlich trifft.
Fazit und Prognose zum Spiel in Jacksonville
Jacksonville geht ausgeruht und zu Hause in dieses Spiel, mit einem Quarterback in Form gegen eine Defense, der Buckner fehlt und deren Cornerbacks angeschlagen sind. Ich erwarte, dass Lawrence früh punktet und die Colts damit zwingt, mehr zu werfen, als ihnen lieb ist. Taylor wird über Läufe wenig Raum finden und dafür häufiger als kurze Anspielstation gesucht. Den größten Unsicherheitsfaktor bringt Jones mit, denn jede Interception in der eigenen Hälfte verkürzt Lawrence den Weg zur Endzone. Ich erwarte einen knappen Sieg der Jaguars, bei dem die Colts dank Taylor und Shrader lange mithalten können.