Jürgen Klopp beginnt seine Amtszeit als Bundestrainer auswärts gegen eine Mannschaft, die ebenfalls unter einem neuen Trainer antritt. Xavi Hernández betreut die Niederlande beim Auftakt der Nations League am 24. September 2026 in Amsterdam. Anstoß ist um 20:45 Uhr. Wie viel lässt sich unter diesen Umständen aus den letzten Länderspielen ableiten? Beide Teams brachten im Sommer klare Siege zustande, ließen aber auch Schwächen erkennen, die für dieses Duell relevant bleiben: Deutschland schwankte im Abschluss, Oranje erlaubte selbst bei hohen Siegen zahlreiche gegnerische Chancen.

Deutschland: viele Abschlüsse, wechselhafte Ausbeute

Deutschlands jüngste Pflichtspiele stammen von der Weltmeisterschaft im Juni. Auf das 7:1 gegen Curaçao und das 2:1 gegen die Elfenbeinküste folgten ein 1:2 gegen Ecuador und ein 1:1 gegen Paraguay. Der hohe Auftaktsieg beeinflusst die Bewertung erheblich: Ohne ihn erzielte Deutschland in den anderen drei Begegnungen zusammen vier Tore.

Datum

Partie

Torstand*

29.06.2026

Deutschland – Paraguay

1:1

25.06.2026

Ecuador – Deutschland

2:1

20.06.2026

Deutschland – Elfenbeinküste

2:1

14.06.2026

Deutschland – Curaçao

7:1

Gegen die Elfenbeinküste erarbeitete sich Deutschland ein deutliches Übergewicht im Abschluss. Die Mannschaft kam auf 16 Schüsse, davon sieben aufs Tor; der Gegner auf neun beziehungsweise zwei. Die erwarteten Tore, kurz xG, lagen bei 2,03 zu 1,08. Diese Kennzahl bewertet die Qualität der Torchancen. Das Ergebnis passte damit zu einer Partie, in der Deutschland offensiv mehr zustande brachte.

Gegen Ecuador blieb von dieser Überlegenheit weniger übrig. Bei elf deutschen Schüssen gingen nur drei aufs Tor, genauso viele wie beim Gegner. Auch 61 Prozent Ballbesitz führten zu keiner vergleichbar großen Zahl gefährlicher Abschlüsse. Für Amsterdam ergibt sich daraus eine konkrete Aufgabe: Deutschland muss seine Angriffe häufiger bis zu guten Torchancen ausspielen. Mehr Ballbesitz allein würde das Problem nicht lösen.

In den letzten fünf Länderspielen einschließlich des Testspiels gegen die USA erreichte Deutschland durchschnittlich 17,2 Schüsse und 6,4 Abschlüsse aufs Tor. Das spricht für die Fähigkeit, wiederholt zum Abschluss zu kommen. Defensiv blieb die Mannschaft in keiner dieser Begegnungen ohne Gegentor. Die Stärke im Angriff ging also nicht mit verlässlicher Absicherung einher. Sämtliche Spiele liegen vor Klopps Debüt; wie schnell seine Mannschaft diese Schwäche behebt, ist noch offen.

Niederlande: torgefährlich, aber auch bei Siegen verwundbar

Oranje erzielte in seinen letzten vier Pflichtspielen ebenfalls elf Tore und kassierte fünf. Das 5:1 gegen Schweden und das 3:1 gegen Tunesien belegen, wie erfolgreich die Niederlande ihre Möglichkeiten nutzen konnten. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Auftritten sind für die Einschätzung gegen Deutschland jedoch erheblich.

Datum

Partie

Torstand*

30.06.2026

Niederlande – Marokko

1:1

26.06.2026

Tunesien – Niederlande

1:3

20.06.2026

Niederlande – Schweden

5:1

14.06.2026

Niederlande – Japan

2:2

Schweden hatte trotz der deutlichen Niederlage mehr Schüsse als Oranje: 16 zu zehn. Acht schwedische Abschlüsse gingen aufs Tor, auf niederländischer Seite waren es sieben. Auch die xG lagen mit 1,91 zu 1,49 zugunsten der Schweden. Die Niederlande nutzten ihre Chancen außerordentlich gut, gewährten dem Gegner aber selbst reichlich Möglichkeiten. Aus dem hohen Sieg lässt sich deshalb keine ähnlich deutliche Überlegenheit im Spiel ableiten.

Gegen Tunesien bestimmte Oranje das Geschehen wesentlich stärker. Bei 71 Prozent Ballbesitz kamen die Niederlande auf 20 Schüsse und sieben Abschlüsse aufs Tor. Die xG von 2,35 zu 1,08 stützen den Eindruck eines verdienten Erfolgs. Beim anschließenden 1:1 gegen Marokko blieb die Torausbeute dann wieder kleiner.

Über die letzten fünf Länderspiele einschließlich des Tests gegen Usbekistan stehen 13 eigene Tore und sechs Gegentore. Oranje traf in jeder dieser Partien, hielt aber ebenso wenig wie Deutschland einmal die Null. Die gemeinsame Schwäche liegt damit in der Defensive.

Ausfälle und Aufstellung: Was sich unter den neuen Trainern ändert

Die Niederlande müssen Donyell Malen und Justin Kluivert verletzungsbedingt ersetzen. Xavi hat Guus Til und Mexx Meerdink nachnominiert. Damit ändern sich seine Möglichkeiten im Angriff bereits vor dem ersten Spiel. Mit Cody Gakpo und Brian Brobbey stehen weitere nominierte Angreifer zur Verfügung; wie Xavi sie einsetzt, ist noch offen. Jurriën Timber absolvierte das erste Training am Montag individuell. Sein Einsatz gegen Deutschland ist bislang unklar, ein bestätigter Ausfall ist das nicht.

Klopp orientierte den ersten deutschen Kader bewusst stark an der WM-Auswahl, weil vor dem Auftakt wenig gemeinsame Trainingszeit bleibt. Der größere Wechsel innerhalb des Aufgebots ist erst nach den ersten beiden Begegnungen vorgesehen. Für Amsterdam rückt allerdings Karim Adeyemi anstelle von Lennart Karl in den Kader; der Tausch dient der Belastungssteuerung. Marc-André ter Stegen hat Klopp als Torwart für das erste Spiel angekündigt, Joshua Kimmich sieht er im Mittelfeld.

Klopp nennt defensive Stabilität als Voraussetzung für besseren Fußball. Das ist zunächst ein Arbeitsziel. Die zurückliegenden Ergebnisse beschreiben noch die Mannschaft unter Julian Nagelsmann, während auch Oranje seine letzten Spiele unter Ronald Koeman bestritt. Die bisherigen Stärken und Schwächen bleiben Anhaltspunkte, eine bereits erfolgreiche Umstellung lässt sich keinem der neuen Trainer zuschreiben.

Direkter Vergleich: Deutschland zuletzt ungeschlagen

In den vier jüngsten direkten Begegnungen blieb Deutschland ungeschlagen. Zwei deutsche Siege stehen zwei Unentschieden gegenüber. Beide Mannschaften trafen dreimal, Deutschland gelangen zweimal mindestens zwei Tore.

Datum

Partie

Ergebnis

14.10.2024

Deutschland – Niederlande

1:0

10.09.2024

Niederlande – Deutschland

2:2

26.03.2024

Deutschland – Niederlande

2:1

29.03.2022

Niederlande – Deutschland

1:1

Das jüngste Duell war zugleich das einzige dieser vier Spiele, in dem die Niederlande torlos blieben. Beim vorherigen Aufeinandertreffen in Amsterdam erzielten dagegen beide Teams zwei Treffer. Seit diesen Duellen haben beide Mannschaften den Trainer gewechselt.

Deutschland - Niederlande Tipps

Wett-Tipps Deutschland - Niederlande
Nations League
01
Deutschland über 1,5 Tore 1,90
02
Beide Teams treffen 1,43

1. Tipp: Deutschland über 1,5 Tore

Der Tipp lautet Deutschland über 1,5 Tore und benötigt mindestens zwei deutsche Treffer. Für die Über-Wette sprechen die regelmäßig erarbeiteten Abschlüsse und die niederländischen Probleme, gegnerische Torchancen zu begrenzen. Besonders das Duell mit Schweden zeigt, dass Oranje trotz eines deutlichen Sieges viele Abschlüsse aufs eigene Tor zuließ.

Deutschland brachte gegen die Elfenbeinküste sieben Schüsse aufs Tor zustande und erzielte zwei Treffer; eine vergleichbare Leistung würde die Prognose stützen. Auch beim letzten Gastspiel in den Niederlanden gelangen Deutschland zwei Tore. Die Gegenargumente sind allerdings deutlich: Gegen Ecuador und Paraguay blieb es jeweils bei einem Treffer, und das 7:1 gegen Curaçao hebt den jüngsten Torschnitt erheblich an. Ich halte mindestens zwei deutsche Tore deshalb für sehr wahrscheinlich.

2. Tipp: Beide Teams treffen

Die Beide Teams treffen Wette ist sportlich stärker begründet: In sämtlichen vier jüngsten Pflichtspielen beider Mannschaften fielen Tore auf beiden Seiten. Beide Teams zeigten damit sowohl die Fähigkeit zum eigenen Treffer als auch eine wiederkehrende defensive Schwäche. Für einen niederländischen Treffer spricht insbesondere die gegen Tunesien gezeigte Fähigkeit, zahlreiche Torchancen herauszuspielen.

Deutschlands offensives Potenzial begründet die andere Hälfte der Wette, ohne dass dafür bereits zwei deutsche Tore nötig wären. Die Ausfälle von Malen und Kluivert schränken Oranjes Auswahl ein und schwächen das Argument. Gakpo und Brobbey bleiben jedoch im Aufgebot, sodass die Niederlande weiterhin Alternativen im Angriff haben. Insgesamt überwiegen für mich deshalb die Argumente für mindestens einen Treffer auf jeder Seite.

Fazit und Spielprognose

Meine Ergebnisprognose lautet 2:1 für Deutschland. Den knappen Vorteil gebe ich der deutschen Mannschaft wegen ihrer häufiger erarbeiteten Abschlüsse und der Chancen, die Oranje zuletzt selbst bei deutlichen Siegen zuließ. Die Ausfälle von Malen und Kluivert schränken die niederländischen Möglichkeiten im Angriff zusätzlich ein. Einen Treffer traue ich den Gastgebern dennoch zu: Deutschland kassierte in seinen jüngsten fünf Länderspielen jeweils mindestens ein Gegentor. Für den Auswärtssieg muss die deutsche Mannschaft vor allem ihre Chancen besser nutzen als gegen Ecuador und Paraguay. Die zuletzt wechselhafte Torausbeute bleibt das stärkste Gegenargument zu dieser Prognose.