Zwei Ergebnisse bestimmen den Blick auf Norwegen gegen Senegal: das 4:1 der Norweger gegen Irak und das 1:3 der Senegalesen gegen Frankreich. Wer einen Norwegen Senegal Tipp sucht, hält den Sieger nach diesen Zahlen schnell für ausgemacht. Nur trügt dieses Bild gleich von zwei Seiten.
Norwegens 4:1 fiel schmeichelhafter aus, als die Höhe verrät, und Senegal ist besser, als ein 1:3 gegen den Mitfavoriten vermuten lässt. Damit steht die eigentliche Frage im Raum: Ist Norwegen wirklich so überlegen, wie der Auftakt suggeriert, oder läuft das auf ein enges Spiel auf Augenhöhe hinaus?
Beantworten lässt sich das nur über die beiden Auftaktleistungen. Wer wissen will, wie dieses Spiel ausgeht, schaut weniger auf die nackten Ergebnisse als darauf, wie sie zustande kamen, wo beide Mannschaften stark waren und wo sie gewackelt haben.
Norwegens Auftakt: das 4:1 gegen Irak
Auf dem Papier liest sich der norwegische Auftakt wie eine Machtdemonstration: 4:1 gegen Irak, Doppelpack vom Stürmerstar Haaland, drei Punkte ohne Zittern. Der Spielverlauf war eine andere Geschichte. Eine knappe Stunde lang hielt Irak voll mit, lag nur deshalb hinten, weil ein Torwartfehler Norwegen das zweite Tor schenkte. Wer die Höhe des Ergebnisses für bare Münze nimmt, überschätzt diese norwegische Mannschaft.
Norwegen ging früh in Führung: In der 29. Minute drückte Erling Haaland eine harte Hereingabe von der linken Seite über den Innenpfosten ins Tor. Doch Irak antwortete prompt. Aymen Hussein köpfte in der 39. Minute nach einer Flanke zum 1:1 ein und bewies, dass die Außenseiter keineswegs nur zum Zuschauen gekommen waren. Den Bruch brachte erst ein individueller Fehler: Iraks Torhüter Jalal Hassan ließ einen zu kurz geratenen Rückpass liegen, statt herauszulaufen, und Haaland nutzte die Unentschlossenheit zum 2:1 kurz vor der Pause. Erst in der Schlussphase machten Leo Østigård in der 76. Minute und ein irakisches Eigentor in der 90.+6 das deutliche Ergebnis perfekt. Mit seinem Doppelpack wurde Haaland der erste Norweger, der bei einer WM zwei Tore in einem Spiel erzielte.
Offensive mit Wucht, Abwehr mit Fragezeichen
Vorne hat Norwegen mehr als nur Haaland. Martin Ødegaard zieht als Kapitän von Arsenal die Fäden im Mittelfeld, Alexander Sørloth bietet einen zweiten echten Strafraumstürmer, und über die Flügel sorgt Antonio Nusa für Tempo. Diese Mischung aus Wucht im Zentrum und Geschwindigkeit außen ist für jede Abwehr unangenehm. Die einzige offene Frage sitzt eine Etage tiefer. Schon Irak kam zu seinem Treffer durch eine simple Flanke und einen freien Kopfball. In der Qualifikation blieb Norwegen über acht Spiele bei nur fünf Gegentoren, doch gerade bei hohen Bällen gilt die Abwehr als das größte Fragezeichen einer sonst überragenden Mannschaft. Gegen Senegals laufstarke Angreifer könnte sich das schneller rächen als gegen den Irak.
Senegals Auftaktpleite gegen Frankreich und ihre Folgen
Eine 1:3-Niederlage gegen den Mitfavoriten Frankreich ist kein Beinbruch, das Ergebnis allein sagt wenig über Senegals Form aus. Entscheidend ist, wie es zustande kam. Die Mannschaft von Trainer Pape Thiaw spielte eine ordentliche erste Halbzeit, ging aber mit leeren Händen in die Pause und brach in der Schlussphase ein. Genau daraus ergibt sich der Druck fürs nächste Spiel.
Bis zur Pause hielt Senegal das Spiel offen und hatte sogar die besseren Gelegenheiten, ohne sie zu nutzen. Beim Stand von 0:0 nahm Frankreich nach der Pause Fahrt auf: Kylian Mbappé traf in der 66. Minute, Bradley Barcola erhöhte in der 82. Minute auf 2:0. Der einzige senegalesische Treffer fiel spät, sehr spät. Ibrahim Mbaye verkürzte erst in der fünften Minute der Nachspielzeit auf 1:2, ehe Mbappé eine Minute später den 3:1-Endstand herstellte. Heißt im Klartext: Bis tief in die Nachspielzeit hinein brachte Senegal keinen Ball im gegnerischen Tor unter. Wer dieses eine späte Tor als Beleg für eine brandgefährliche Offensive nimmt, zieht die falschen Schlüsse. Über 90 Minuten war von der senegalesischen Angriffswucht wenig zu sehen.
Senegals Offensive und Abwehr unter Druck
Das Personal ist da, keine Frage. Vorne kann Senegal mit Nicolas Jackson, Ismaïla Sarr und Iliman Ndiaye gleich mehrere schnelle Angreifer aufbieten, und Kapitän Sadio Mané bringt die Erfahrung aus unzähligen großen Spielen mit. Auf dem Platz wollte das gegen Frankreich nur nicht zusammenpassen. Hinten steht mit Kalidou Koulibaly und Moussa Niakhaté eine Innenverteidigung, die nach drei Gegentoren in einem Spiel Selbstvertrauen tanken muss, abgesichert von Torhüter Édouard Mendy. Nach dem Fehlstart ist ein Sieg gegen Norwegen für Senegal fast schon Pflicht, und dieser Zwang kann zweierlei bewirken: mehr Mut nach vorne oder mehr Räume hinten. Beides spielt in die Hände einer norwegischen Mannschaft, die von Kontern lebt.
Tipps zu Norwegen vs. Senegal
1. Tipp: Erling Haaland erzielt ein Tor
Mein erster Tipp ist eine Spielerwette auf Erling Haaland als Torschütze. Dafür spricht fast alles. In der WM-Qualifikation traf Haaland 16-mal in acht Spielen, der weltweite Bestwert und der geteilte europäische Rekord aus dem Jahr 2018. Er traf in jedem einzelnen dieser Spiele und knackte dabei die Marke von 50 Länderspieltoren in weniger als 50 Einsätzen, ein Wert, den vor ihm über fünf Jahrzehnte lang niemand erreicht hatte. Beim WM-Auftakt gegen Irak knüpfte er direkt daran an und schnürte mit Treffern in der 29. und 43. Minute einen Doppelpack.
Vor ihm steht nun ausgerechnet eine senegalesische Innenverteidigung, die gegen Frankreich drei Gegentore kassierte und vor allem in der Schlussphase sichtlich wackelte. Haaland braucht selten viele Chancen, und er ist der klare Bezugspunkt im norwegischen Angriff: Die Mannschaft sucht ihn, er bekommt die meisten Abschlüsse. Genau das macht ihn den Alternativen vorzuziehen.
2. Tipp: Beide Teams treffen
Mein zweiter Tipp lautet beide Teams treffen, und auch dafür liefert der erste Spieltag die Vorlage. In beiden Auftaktspielen trafen jeweils beide Mannschaften: Norwegen gewann 4:1 gegen Irak und kassierte trotzdem einen freien Kopfball, Senegal unterlag Frankreich mit 1:3 und traf wenigstens noch.
Dass Senegal nur einmal traf, täuscht über die Gefährlichkeit der Offensive hinweg. Gegen Frankreich spielte sich die Mannschaft mehrere Hochkaräter heraus: Nicolas Jackson scheiterte am Pfosten, Ismaïla Sarr vergab aus sechs Metern völlig frei. Die Qualität vorne ist da, es haperte allein an der Verwertung, und unter dem Zwang zum Sieg wird Senegal erneut nach vorne spielen müssen. Hinzu kommt, dass selbst der Irak gegen Norwegens Abwehr per Kopf zum Torerfolg kam. Eine Mannschaft mit Jackson, Sarr, Iliman Ndiaye und Sadio Mané sollte gegen dieselbe Hintermannschaft mindestens einen Weg ins Tor finden.
Das Restrisiko liegt auf der Hand. Norwegens Abwehr ließ in der Qualifikation in acht Spielen nur fünf Gegentore zu, und Senegals Abschlussschwäche gegen Frankreich war kein reiner Ausrutscher. Trifft Senegal wieder nicht, platzt diese Wette. Die Menge der herausgespielten Chancen und der Riss, den schon Irak in die norwegische Abwehr schlug, sprechen aber dafür, dass diesmal auf beiden Seiten der Ball im Netz landet.
Fazit und Prognose zu Norwegen gegen Senegal
Sportlich treffen zwei Mannschaften mit gegensätzlicher Ausgangslage aufeinander. Norwegen kann mit drei Punkten im Rücken befreit aufspielen und muss kein Risiko erzwingen. Senegal steht nach dem Fehlstart unter Zugzwang, braucht den Sieg und wird mehr investieren müssen, als der Mannschaft lieb sein dürfte. Wer früh und mutig nach vorne spielt, öffnet hinten Räume, und darin liegt die zentrale Frage des Abends: Hält Senegals Abwehr dem eigenen Vorwärtsdrang stand?
Vieles spricht für einen knappen norwegischen Sieg in einem offenen Spiel. Norwegen reist mit dem besseren Gefühl an und hat die Mittel, eine unter Druck verteidigende Mannschaft auszuspielen, während Senegal über 90 Minuten konzentrierter stehen müsste als gegen Frankreich. Aber auch ein Unentschieden würde mich nicht überraschen, da beide Mannschaften qualitativ auf einem ähnlichen Level sind, nur musste Norwegen am ersten Spieltag gegen den Irak ran und nicht gegen die Nummer drei der FIFA-Weltrangliste in Frankreich.



