Im Februar wurde Kenneth Walker III zum wertvollsten Spieler des Super Bowl gewählt, den Seattle gegen New England gewann. Am Sonntagabend kehrt er ins Lumen Field zurück, allerdings im Trikot der Kansas City Chiefs, die bisher jedes Spiel für sich entschieden haben. Die Seahawks gehen dagegen mit zwei Niederlagen in Folge in dieses Duell, beide knapp und beide mit Fehlern der eigenen Offensive. Ob der Titelverteidiger diese Fehler abstellt und ob seine Defense auch dem Laufspiel der Chiefs standhält, entscheidet über die Wetten auf diese Partie.
Ausgangslage: Seattle unter Druck, Kansas City ohne Niederlage
Die Partie ist das Sunday Night Football der Woche 7, Anstoß ist in Deutschland in der Nacht auf Montag um 01:20 Uhr. Seattle hat drei seiner sechs Spiele gewonnen und liegt in der NFC West bereits drei Spiele hinter den ungeschlagenen 49ers. Kansas City hatte in Woche 5 spielfrei und bestreitet erst sein sechstes Spiel; die ersten fünf haben die Chiefs alle gewonnen. Bei der Vorbereitung hat Seattle einen kleinen Vorteil: Nach dem Spiel am Donnerstag in Denver hatten die Seahawks zehn Tage Zeit, Kansas City spielte am vergangenen Sonntag gegen die Chargers.
Wert | Seahawks (6 Spiele) | Chiefs (5 Spiele) |
|---|---|---|
Bilanz | 3-3 | 5-0 |
Punkte je Spiel | 24,7 | 28,0 |
Zugelassene Punkte je Spiel | 20,3 | 16,6 |
Raumgewinn je Spiel (Yards) | 332,2 | 414,0 |
Rushing Yards je Spiel | 107,2 | 159,8 |
Zugelassene Passing Yards je Spiel | 141,3 | 217,2 |
Ballverluste | 12 | 4 |
Seattle Seahawks: starke Defense, zu viele Ballverluste
Getragen wird Seattle in dieser Saison von der Defense. Jeder der sechs bisherigen Gegner kam gegen die Seahawks auf weniger Passing Yards als in seinen übrigen Spielen, obwohl diese Teams sonst im Schnitt 219 Yards je Spiel erreichen. Am deutlichsten war das gegen New England: Drake Maye und die Patriots kommen ansonsten auf mehr als 267 Yards je Spiel, in Seattle waren es 168. Auch gegen den Lauf hält die Defense: Seit 35 Spielen hat sie keinem Läufer 100 Yards erlaubt, die längste laufende Serie der Liga.
Verloren hat Seattle seine Spiele in der Offensive. Sam Darnold verletzte sich im ersten Spiel nach fünf Spielzügen am Gesäßmuskel, und Drew Lock führte das Team in Woche 1 und 2 zu zwei Siegen, ohne eine Interception zu werfen. Seit Darnolds Rückkehr in Woche 3 stehen sieben Touchdowns ebenso vielen Interceptions gegenüber. Die drei Niederlagen gingen mit zusammen acht Punkten Abstand verloren, in diesen drei Spielen verlor Seattle zehnmal den Ball, und die Gegner machten daraus 44 Punkte. In Denver holte die Offensive im letzten Viertel noch einen Rückstand von 3:14 auf und verlor nach Darnolds zweiter Interception in der Verlängerung 14:17. Gegen San Francisco und Denver musste er außerdem je fünf Sacks hinnehmen.
Im Laufspiel fehlt Walker sichtbar. Seattle kommt auf 3,9 Yards je Lauf, bei 22 Prozent der Läufe wird der Ballträger schon hinter der Line of Scrimmage berührt, und Jadarian Price, Emanuel Wilson und George Holani haben zusammen vier Fumbles verloren. Verlässlich ist dagegen Jaxon Smith-Njigba: Mit 717 Receiving Yards und sieben Touchdowns führt er die Liga in beiden Werten an und kam schon in fünf Spielen auf mindestens 100 Yards. Hinter ihm ist Cooper Kupp der zweite Wide Receiver im Passspiel von Brian Fleury, der in Seattle als Offensive Coordinator zum ersten Mal die Spielzüge ansagt.
Kansas City Chiefs: Walker läuft, die Defense lässt wenig zu
Seit seinem Wechsel aus Seattle im März hat Walker 665 Rushing Yards gesammelt, mehr als jeder andere Spieler der Liga. Das sind 133 Yards je Spiel, viermal kam er auf mehr als 100 Yards, dazu kommen acht Touchdowns. Kansas City hat damit ein Laufspiel, das in der Vorsaison fehlte: Damals war Kareem Hunt mit 611 Yards aus 17 Spielen der beste Läufer des Teams.
Patrick Mahomes ergänzt das Laufspiel mit 1.309 Passing Yards, neun Touchdowns und drei Interceptions. Zwei der fünf Siege waren knapp. Gegen Indianapolis stand es nach der regulären Spielzeit 27:27, in der Verlängerung setzte sich Kansas City mit 33:30 durch. In Las Vegas lagen die Chiefs nach drei Vierteln 10:13 zurück und gewannen mit 20 Punkten im letzten Viertel noch 30:27.
Weniger Punkte je Spiel als die Chiefs lässt nur Minnesota zu. Gegen das Passspiel ist diese Defense aber verwundbarer, als der Wert vermuten lässt: Vier der fünf Gegner kamen gegen Kansas City auf mehr Passing Yards als in ihren übrigen Spielen, und Las Vegas warf bei 52 Versuchen für 365 Yards. Der Pass Rush blieb von Woche 2 bis Woche 4 dreimal in Folge ohne Sack, gegen die Chargers kam er dann auf vier.
Ausfälle und Rückkehrer vor dem Spiel in Seattle
Bei Kansas City betreffen die offenen Personalfragen vor allem das Passspiel und die Offensive Line, bei Seattle das Laufspiel. Endgültig melden beide Teams ihren Status erst kurz vor dem Spiel.
Spieler (Position) | Team | Lage |
|---|---|---|
Rashee Rice (Wide Receiver) | Chiefs | fraglich, seit Woche 4 ohne Training |
Travis Kelce (Tight End) | Chiefs | fraglich, verletzte sich gegen die Chargers |
Jaylon Moore (Right Tackle) | Chiefs | Gehirnerschütterung, Joshua Ezeudu soll beginnen |
Zach Charbonnet (Running Back) | Seahawks | wieder im Kader, Rückkehr offen |
DeMarcus Lawrence, Uchenna Nwosu (Linebacker) | Seahawks | fraglich |
Für Kansas City wiegt diese Lage leichter, als die Namen vermuten lassen. Rice fehlte schon gegen die Chargers, ebenso Tyquan Thornton, der nach einer Operation am Knöchel frühestens im Januar zurückkehrt. Ohne beide gewann Kansas City 22:6, und Xavier Worthy fing sieben Pässe für 73 Yards. Kelce verletzte sich in diesem Spiel im ersten Viertel am Knöchel, spielte aber weiter und kam auf vier Fänge für 53 Yards. An der Offensive Line beginnt seit Woche 1 der nicht gedraftete Rookie Kahlil Benson als Left Tackle, weil Josh Simmons nach einem Bandscheibenvorfall in dieser Saison noch kein Spiel bestritten hat.
Seattle kann im Laufspiel auf Charbonnet hoffen, der 2025 neben Walker auf 730 Yards und 12 Touchdowns kam und sich im Januar in den Playoffs das Kreuzband riss. Jadarian Price fehlt dagegen noch dieses Spiel, und Tight End Elijah Arroyo fällt für den Rest der Saison aus, hatte aber bisher nur einen Fang. Fraglich sind mit Lawrence und Nwosu zwei der Spieler, die bei Seattle von außen Druck auf den Quarterback machen; Linebacker Drake Thomas hat seit Woche 5 nicht trainiert.
Seahawks vs. Chiefs Wett-Tipps
1. Tipp: Cooper Kupp über 25,5 Receiving Yards
Für diese Over-Wette braucht Cooper Kupp mindestens 26 Receiving Yards. Wie viele er sammelt, hing seit Darnolds Rückkehr deutlich davon ab, wie oft Seattle wirft. In Washington und Denver lagen die Seahawks zur Halbzeit zurück, Darnold passte 45- und 51-mal, und Kupp kam auf 46 Yards samt Touchdown und auf 50 Yards. In Denver wurde er zehnmal angespielt, so oft wie seit Woche 12 der Saison 2024 nicht mehr, und nur Smith-Njigba bekam im Team mehr Pässe. In den Heimspielen gegen die Chargers und San Francisco, in denen Darnold nur 22- und 29-mal warf, blieb Kupp dagegen bei 13 und 15 Yards.
Gegen Kansas City spricht vieles für ein Spiel, in dem Seattle viel werfen muss. Die Chiefs lassen gegen den Lauf nur 88,8 Yards je Spiel zu, und Seattles Laufspiel kommt ohnehin schwer voran. Führt Kansas City, muss Seattle wie in Washington und Denver über die Pässe aufholen. Gegen das Passspiel geben die Chiefs dabei mehr Raum: In jedem ihrer fünf Spiele kamen mindestens zwei Spieler des Gegners auf 26 Receiving Yards oder mehr, gegen Las Vegas waren es sechs.
Über eine längere Strecke liegt die Marke unter dem, was Kupp in Seattle meist erreicht hat. In der Regular Season 2025 kam er in 11 von 16 Spielen über 25,5 Yards und in allen drei Spielen der Playoffs, im Super Bowl gegen New England mit 61 Yards bei zwölf Anspielen. Seit Beginn der vergangenen Saison sind es 17 von 25 Spielen. Aufgrund von seiner gewachsenen Rolle aus Denver und einem Gegner, der im Passspiel Yards zulässt, ist Cooper Kupp über 25,5 Receiving Yards der erste Tipp für diese Partie.
2. Tipp: Sieg Kansas City Chiefs
Kansas City hat in fünf Spielen erst viermal den Ball verloren und selbst neun Ballverluste des Gegners erzwungen. Die Offensive hat dabei zwei Wege zum Raumgewinn: In Las Vegas trug Walker sie mit 177 Rushing Yards, gegen Indianapolis Mahomes mit 382 Passing Yards. Wird es eng, haben die Chiefs mit dem Comeback in Las Vegas und dem Sieg in der Verlängerung gegen Indianapolis schon zweimal gezeigt, dass sie knappe Spiele für sich entscheiden. Seattle hat genau diese Spiele zuletzt verloren, jedes Mal mit mehreren Ballverlusten der eigenen Offensive.
Die Defense der Chiefs trifft dabei auf eine Offensive, die zuletzt kaum Punkte gemacht hat. In Denver kam Seattle zur Halbzeit auf 91 Yards Raumgewinn und erzielte in der regulären Spielzeit nur 14 Punkte. Kansas City ließ gegen die Chargers sechs Punkte zu, holte vier Sacks und zwei Ballgewinne und ließ den Gegner bei drei Besuchen in der Red Zone, den letzten 20 Yards vor der Endzone, ohne Touchdown. Darnold, hinter dem die Offensive Line zuletzt viele Sacks zuließ, bekommt es damit mit einem Pass Rush zu tun, der gegen die Chargers wieder Druck erzeugte.
Für Seattle spricht die Defense, die gegen das Passspiel die beste der Liga ist und Walker seinen härtesten Test der Saison stellt. Auch in Denver hielt sie den Gegner aber bei 17 Punkten, und Seattle verlor trotzdem, weil die eigene Offensive den Ball nicht sicher hatte. Kansas City hat mehr Wege, Punkte zu machen, und verliert seltener den Ball, weshalb ich in diesem Duell den Vorteil bei den Kansas City Chiefs sehe.
Fazit und Prognose zum Sunday Night Football in Seattle
Das Spiel dürfte sich am Duell zwischen Walker und der Defense seines früheren Teams entscheiden. Hält Seattle ihn unter 100 Yards, bleibt die Partie lange offen, doch Kansas City hat mit Mahomes, Worthy und Kelce auch ohne Rice genug im Passspiel, um weiter zu punkten. Seattle wird dagegen viel werfen müssen, und in Denver suchte Darnold in einer solchen Lage am häufigsten Smith-Njigba und Kupp.
Den Ausschlag geben die Ballverluste. Kansas City hat in dieser Saison knappe Spiele ohne große Fehler zu Ende gespielt, Seattle hat genau solche Spiele durch Fehler aus der Hand gegeben. Meine Prognose ist ein 24:20-Sieg der Chiefs, in dem Seattle über das Passspiel bis zum Schluss dranbleibt und Kupp seine Yards sammelt.