Drei Wochen nach seinem ersten Grand-Slam-Titel beginnt für Alexander Zverev in Wimbledon das nächste Kapitel, und ausgerechnet auf diesem Rasen lief es für ihn bisher am schlechtesten von allen vier großen Turnieren. Zum Auftakt bekommt es der French-Open-Sieger mit Alexander Blockx zu tun, dem 21 Jahre alten belgischen Aufsteiger, der zum ersten Mal im Hauptfeld eines großen Rasenturniers steht.
Die Rollen sind klar verteilt: hier der Dritte der Weltrangliste und frisch gekrönte Major-Sieger, dort ein Spieler aus den Dreißigern ohne Routine auf schnellem Grün. Doch gerade in Wimbledon ist Zverev schon als hoher Favorit gestrauchelt, zuletzt 2025 in der ersten Runde. Die spannende Frage ist deshalb nicht nur, ob er gewinnt, sondern wie deutlich, und ob er seine schwierige Wimbledon-Geschichte diesmal hinter sich lässt.
Zverev kommt als French-Open-Sieger und in starker Rasenform
Am 7. Juni 2026 hat Alexander Zverev in Paris den Titel geholt, auf den er Jahre gewartet hatte. Im Finale von Roland Garros schlug er Flavio Cobolli über fünf Sätze und gewann seinen ersten Grand-Slam-Titel. Für einen deutschen Herren war das der erste Grand Slam seit Boris Becker, der 1996 in Melbourne triumphierte. Mit so einem Erfolg im Rücken reist ein Spieler anders nach London als einer, der noch auf den Durchbruch wartet.
In der Weltrangliste steht Zverev auf Platz drei. In Wimbledon ist er trotzdem an Nummer zwei gesetzt, weil der eigentliche Weltranglistenzweite Carlos Alcaraz verletzt fehlt. Hinter dem topgesetzten Titelverteidiger Jannik Sinner ist Zverev damit die Nummer zwei des Turniers, und für den Auftakt zählt vor allem eines: Gegen einen Gegner aus den Tiefen der Setzliste geht er als klarer Favorit ins Spiel.
Auf Rasen lief die Vorbereitung ordentlich. In Halle erreichte Zverev das Halbfinale und unterlag dort Taylor Fritz in drei Sätzen, der erst im entscheidenden dritten Satz mit 7:5 davonzog. Eine Halbfinalniederlage gegen einen Spieler, der ihm zuletzt regelmäßig Probleme bereitet hat, ist kein Beinbruch. Sie zeigt aber, dass die Form gut, die Dominanz auf diesem Belag jedoch nicht grenzenlos ist.
Boris Becker hat sich früh festgelegt und Zverev zu einem der Topfavoriten auf den Titel erklärt. Sein Argument ist der Aufschlag. Mit einem Service wie diesem sei Zverev auf Rasen praktisch schon im Halbfinale, so Becker. Genau dieser Aufschlag wird gegen Blockx zum entscheidenden Faktor.
Zverevs schwächstes Grand-Slam-Turnier: die Wimbledon-Bilanz
So souverän Zverev auf Sand und Hartplatz auftritt, so zäh war seine Geschichte in Wimbledon. In keinem anderen der vier großen Turniere blieb er so weit hinter seinen Möglichkeiten. Über das Achtelfinale ist er in London nie hinausgekommen. Dreimal stand er dort in der Runde der letzten sechzehn, 2017, 2021 und 2024, und jedes Mal verlor er ein Match über die volle Distanz von fünf Sätzen.
Das jüngste Kapitel war das bitterste. 2025 schied Zverev schon in der ersten Runde aus, gegen den Franzosen Arthur Rinderknech, über zwei Tage und fünf Sätze (7:6, 6:7, 6:3, 6:7, 6:4). Es war sein erstes Erstrundenaus in Wimbledon seit 2019.
Hinterher sprach er ungewöhnlich offen über seinen Kopf. Er habe sich noch nie so leer gefühlt, sagte Zverev, und ließ durchblicken, dass ihn die Sache mental stärker belastete als rein sportlich. Solche Sätze von einem Topspieler hört man selten. Sie zeigen, dass Wimbledon für ihn mehr Baustelle ist als nur ein unbequemer Belag. Allerdings könnte der French-Open-Sieg für ihn eine Art Knotenlöser sein, weshalb die Erwartungen an ihn in diesem Jahr etwas höher sind.
Wer ist Alexander Blockx, und wie schlägt er sich auf Rasen?
Alexander Blockx ist Belgiens beste Nummer im Herrentennis und mit 21 Jahren einer der spannendsten Spieler seines Jahrgangs. Geboren am 8. April 2005, misst er 1,93 Meter und hat damit körperlich die Anlagen für ein druckvolles Spiel. Den ersten großen Auftritt hatte er 2023, als er das Juniorenturnier der Australian Open gewann, im Finale gegen Learner Tien. Seit Kimmer Coppejans 2012 hatte kein belgischer Junior mehr einen Grand-Slam-Titel geholt.
Der Sprung zu den Profis ging schnell. Ende 2025 stand Blockx im Endspiel der Next Gen ATP Finals, dem Turnier der besten Nachwuchsspieler, und verlor erneut gegen Tien. 2026 wurde dann seine erste richtige Saison auf großer Bühne. In Monte Carlo erreichte er die dritte Runde, in Madrid sogar das Halbfinale, und im Mai kletterte er auf sein Karrierehoch von Platz 35 der Weltrangliste. Vor Wimbledon rangiert er knapp dahinter in den Dreißigern.
Auffällig ist, wo diese Erfolge entstanden: durchweg auf Sand. Genau dort liegt der Haken für Wimbledon. Blockx steht zum ersten Mal überhaupt im Hauptfeld eines großen Rasenturniers, und auf dem schnellen Grün fehlt ihm schlicht die Praxis. Sein Spiel ist auf dem langsamen Belag gewachsen, wo der Ball höher springt und er mehr Zeit hat. Rasen verzeiht beides nicht.
Für einen 21-Jährigen ist diese Lücke keine Schande, im Gegenteil. Sie trennt die beiden in dieser Partie aber deutlicher, als es die Weltrangliste allein vermuten lässt.
Zverev gegen Blockx: der direkte Vergleich
Im direkten Vergleich führt Zverev gegen Blockx mit 2:0, und beide Siege fallen in diese Saison. Im Halbfinale von Madrid setzte er sich Anfang Mai 2026 mit 6:2 und 7:5 durch, wenige Tage später in der dritten Runde von Rom mit 6:1 und 6:4. Zweimal blieb Blockx ohne Satzgewinn, zweimal hatte Zverev die Begegnung im Griff.
Ein Detail relativiert diese Bilanz aber: Beide Duelle wurden auf Sand ausgetragen. In Wimbledon treffen die beiden zum ersten Mal auf Rasen aufeinander, und das ist kein Nebenschauplatz. Auf Sand konnte Blockx mit langen Ballwechseln und viel Drall dagegenhalten, auch wenn es am Ende nicht reichte. Auf dem schnellen Grün verschiebt sich das Kräfteverhältnis weiter zu Zverevs Gunsten, weil sein Aufschlag dort noch schwerer zu erlaufen ist.
Dazu kommt der nackte Abstand in der Weltrangliste. Zwischen Platz drei und den Dreißigern liegen mehr als dreißig Ränge, und dieser Abstand bildet die Klasse der beiden recht genau ab. Blockx hat in Madrid gezeigt, dass er großen Namen wehtun kann, doch über drei Gewinnsätze gegen einen frisch gekrönten Major-Sieger ist das eine andere Aufgabe.
Alexander Zverev - Alexander Blockx Tipps
1. Tipp: Über 13,5 Asse von Zverev
Zverevs Aufschlag ist das stärkste Argument dieser Partie. Mit 1,98 Metern Größe holt er sich aus dem Service freie Punkte, und auf dem schnellen Rasen kommt der Ball so flach und schnell, dass Rückschläger kaum herankommen. Boris Becker hat es auf den Punkt gebracht: Mit so einem Aufschlag sei Zverev auf Rasen praktisch schon im Halbfinale. Gegen einen Gegner, der zum ersten Mal in einem großen Rasenturnier steht, dürfte Blockx beim Return über weite Strecken nur zuschauen.
Dazu kommt das Format. Ein Auftaktspiel in Wimbledon geht über drei Gewinnsätze, also über mehr Spiele mit eigenem Aufschlag als ein gewöhnliches Match unter der Woche. Je länger die Partie, desto mehr Gelegenheiten für Asse. Selbst wenn Blockx den einen oder anderen Satz in den Tiebreak zwingt, steigt die Zahl der Aufschläge dadurch nur weiter.
Ganz ohne Haken ist die Wette nicht. Über die Saison 2026 kommt Zverev im Schnitt auf rund 7,6 Asse pro Partie, was zunächst nach zu wenig für eine Grenze von 13,5 klingt. Dieser Schnitt zieht allerdings viele Sandplatzspiele und kürzere Begegnungen über zwei Gewinnsätze mit nach unten. Auf Rasen, über fünf mögliche Sätze und gegen einen Rückschläger ohne Routine auf diesem Belag, liegt die realistische Erwartung deutlich höher. Daher ist der erste Tipp eine Over-Wette auf über 13,5 Asse von Zverev.
2. Tipp: Sieg Alexander Zverev -2,5
Der zweite Tipp setzt darauf, dass Zverev die Sache deutlich erledigt. Vieles spricht dafür. Er kommt erstmals als Major-Sieger zu einem Turnier, und das Selbstvertrauen ist nach Jahren knapper Niederlagen endlich da. Im direkten Vergleich führt er 2:0, ohne Blockx auch nur einen Satz zu überlassen, und das ausgerechnet auf dessen Lieblingsbelag. Auf Rasen, wo Blockx fast keine Erfahrung hat, sollte der Abstand eher größer als kleiner werden.
Das zweite Standbein ist der Aufschlag. Bringt Zverev sein Service durch und baut der Gegner beim Return kaum Druck auf, entsteht genau die Art Partie, in der ein Favorit Satz für Satz souverän durchzieht. Ein Spieler von Platz drei, frisch gekrönt bei einem Major, sollte einen Gegner aus den Dreißigern auf Rasen kontrollieren.
Der ehrliche Einwand sitzt an zwei Stellen. Erstens Zverevs Wimbledon-Geschichte: Wer hier 2025 schon in Runde eins als Favorit verloren hat, gibt keine Garantie auf einen reibungslosen Auftritt. Zweitens hat auch Blockx mit 1,93 Metern einen ordentlichen Aufschlag, und auf Rasen fallen Breaks selten, sodass ein enger Satz im Tiebreak kippen kann. Beides ist real, wiegt aber leichter als die Summe der Gründe dafür: Form, Klasse, direkter Vergleich und der riesige Unterschied bei der Rasenerfahrung sprechen für einen klaren Sieg ohne große Wackler.
Fazit und Prognose
Auf dem schnellen Rasen des No.1 Court läuft diese Partie über den Aufschlag. Zverev nimmt früh die freien Punkte mit, hält seine eigenen Spiele souverän und wartet beim Rückschlag geduldig auf die kurze Phase, in der Blockx nachlässt. Der junge Belgier kann mit seinem eigenen Service einzelne Spiele klar gewinnen und vielleicht einen Satz lange offen halten, doch über die Distanz fehlt ihm auf diesem Belag die Erfahrung, um einen Spieler dieser Klasse ernsthaft in Gefahr zu bringen.
Wahrscheinlich erkämpft sich Blockx in einem Satz über einen Tiebreak etwas Druck und bringt Zverev dort kurz ins Schwitzen. Den eigenen Aufschlag durchzubringen reicht auf Rasen aber selten, wenn der Favorit selbst kaum Chancen auf ein Break zulässt und beim Rückschlag der Stärkere bleibt. Ich erwarte, dass Zverev den Rhythmus vorgibt und das Match kontrolliert zu Ende spielt. Meine Prognose: Zverev gewinnt in drei Sätzen, 3:0. Ein Ergebnis in der Art von 6:3, 6:4, 6:4 passt zu dem, was Aufschlag, Form und Rasenerfahrung in dieser Partie vorgeben.



