Alexander Zverev ist bei den US Open erstmals an Position eins eines Grand-Slam-Feldes gesetzt, und er reist in der schwächsten Form seiner Hartplatzsaison nach New York. Sein Auftaktgegner Lorenzo Sonego steht auf Platz 91 der Weltrangliste, hat alle sechs Duelle gegen Zverev verloren und schlug in der Woche vor dem Turnier trotzdem einen gesetzten Spieler. Wer auf diese Partie wettet, muss deshalb zwei Dinge auseinanderhalten, nämlich Zverevs Klasse über fünf Sätze und seine Form der letzten drei Wochen.
Zverev als erstmals topgesetzter Spieler eines Grand Slams
Die Setzung an Position eins ist kein Ausweis dafür, dass Zverev derzeit der beste Spieler der Welt ist. Er steht in der Weltrangliste auf Platz zwei und rückte in der Setzliste einen Platz nach, weil der Weltranglistenerste Jannik Sinner verletzungsbedingt absagte. Was Zverev tatsächlich vorweisen kann, ist eine Saison mit 46 Siegen und 13 Niederlagen, dem Titel bei den French Open und dem Finaleinzug in Wimbledon. Über drei Gewinnsätze kam er 2026 dreimal weit, in Melbourne bis ins Halbfinale.
Seine tragende Stärke ist der Aufschlag, und zwar messbar. Auf Hartplatz schlug er in dieser Saison 280 Asse in 328 Aufschlagspielen und gewann 91 Prozent dieser Spiele. Bei 198 Zentimetern Körpergröße holt er 79 Prozent der Punkte nach dem ersten Aufschlag und 72 Prozent aller Aufschlagpunkte. Das ist der Teil seines Spiels, der auch in schwachen Wochen funktioniert.
Die Schwäche liegt woanders. Zverev leistete sich auf Hartplatz 46 Doppelfehler, und gegen Tommy Paul in Cincinnati waren es allein neun in 16 Aufschlagspielen, die letztendlich zu seiner Niederlage beigetragen haben. Dazu kommt eine Anfälligkeit, die sich in Ergebnissen niederschlägt. In Cincinnati führte er im Entscheidungssatz mit 4:2 und verlor anschließend vier Spiele in Folge, nachdem er im Tiebreak des zweiten Satzes bei 6:5 einen Matchball mit einer Rückhand ins Netz vergeben hatte. Das zeigt, dass sein vielleicht größtes Problem seine Nerven unter Druck sind. Gegen Paul hat Zverev bis zum finalen Satz keinen einzigen Break zugelassen, ehe er im dritten Satz nach einer 4:2-Führung komplett einbrach Ob er dieses Problem bis zum Start der US Open wieder beheben kann, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.
Wie stark ist Sonego auf Hartplatz wirklich?
Sonegos Saison ist schlecht, und die Zahlen beschönigen das nicht. Neun Siege stehen gegen 13 Niederlagen, ein Titel ist nicht dabei, und über das ganze Jahr gewann er 49 Prozent aller Punkte, also weniger als er verlor. Auf Hartplatz steht er 2026 bei drei Siegen und vier Niederlagen. Zu diesen Niederlagen gehören Pleiten in der ersten Runde gegen Dusan Lajovic, damals Nummer 138 der Welt, in Madrid und gegen Edas Butvilas, Nummer 253, in Genf.
Unterschätzen darf man ihn deshalb trotzdem nicht. Der 31-Jährige hat vier Titel geholt, zwei davon auf Hartplatz, und der jüngste stammt von 2024 ausgerechnet aus Winston-Salem. Sein Aufschlag ist die belastbarste Waffe seines Spiels und liegt bei den Assen näher an Zverev, als der Abstand in der Weltrangliste vermuten lässt. Was ihm fehlt, ist die Absicherung dahinter. Er trifft mit dem ersten Aufschlag seltener als Zverev und holt danach weniger Punkte, und so gibt er jedes fünfte eigene Aufschlagspiel ab. Über fünf Sätze summiert sich das, denn ein einziges verlorenes Aufschlagspiel kann einen Satz kosten, vor allem gegen einen so starken Aufschläger wie Zverev.
Kennzahl auf Hartplatz 2026 | Zverev | Sonego |
|---|---|---|
Asse je Aufschlagspiel | 0,85 (280 in 328) | 0,67 (50 in 75) |
Erste Aufschläge im Feld | 71 % | 67 % |
Punkte nach erstem Aufschlag | 79 % | 71 % |
Aufschlagspiele gewonnen | 91 % | 80 % |
Rückschlagspiele gewonnen | 19 % | 22 % |
Punkte gesamt gewonnen | 53 % | 50 % |
Die Tabelle hat eine Grenze, die man kennen muss. Sonegos Werte auf diesem Belag stammen aus nur sieben Partien der Saison, und seine drei Partien aus Winston-Salem sind darin nach Lage der Zahlen nicht sicher enthalten. Der eine Wert, in dem er vorne liegt, sind die gewonnenen Rückschlagspiele, und genau der beruht auf dieser dünnen Stichprobe. Dazu kommt, dass seine Gegner in der Regel deutlich schlechter waren als die von Zverev. Über die ganze Saison gerechnet fällt er dort auf 15 Prozent zurück, während Zverev bei 23 Prozent steht. Wer die Tabelle also als Beleg dafür liest, dass Sonego am Rückschlag gefährlicher ist, liest zu viel hinein.
Zwei gegensätzliche Wochen vor dem Turnier
Am 19. August verlor Zverev in Cincinnati sein letztes Pflichtspiel vor diesem Slam, und es war bereits die zweite Enttäuschung seiner Hartplatzvorbereitung. In Montreal war er zum Auftakt überraschend an Tallon Griekspoor gescheitert, damals Nummer 69 der Welt. Anschließend verlor er gegen Tommy Paul im Achtelfinale der Cincinnati Open, womit er erstmals seit 2021 nicht im Halbfinale des Turniers stand. Bemerkenswert ist dabei, dass sein Aufschlag davon kaum betroffen war.
Zverevs letzte vier Partien auf Hartplatz | Ergebnis | Asse | Aufschlagspiele |
|---|---|---|---|
Montreal, gegen Griekspoor | 7:6, 2:6, 4:6 verloren | 10 | 15 |
Cincinnati, gegen Norrie | 3:6, 6:3, 6:3 gewonnen | 16 | 13 |
Cincinnati, gegen Atmane | 7:6, 7:6 gewonnen | 5 | 12 |
Cincinnati, gegen Paul | 6:4, 6:7, 4:6 verloren | 14 | 16 |
Aus diesen vier Partien folgt zweierlei. Erstens hielt der Aufschlag sein Niveau, auch als das Ergebnis kippte, denn seine beiden höchsten Werte stehen in einer Niederlage und in einem Sieg. Zweitens schwankt der Wert stark, und die Ausnahme nach unten war ausgerechnet die längste Partie, denn gegen Terence Atmane brachte er über zwei Tiebreaks nur fünf Asse zustande. Dauer allein garantiert also nichts.
Sonego kommt aus der Gegenrichtung. Er spielte in der Woche direkt vor dem Slam in Winston-Salem und gewann dort zwei Partien, gegen Pierre-Hugues Herbert mit 7:6, 4:6, 6:3 und gegen Adrian Mannarino mit 6:1, 7:6. Im Achtelfinale verlor er am 26. August gegen James Duckworth mit 5:7 und 3:6. Er hat also Spielpraxis auf dem richtigen Belag und einen Sieg gegen einen gesetzten Spieler im Rücken, während Zverev seit dem 19. August kein Pflichtspiel mehr bestritten hat.
Alexander Zverev vs. Lorenzo Sonego: direkter Vergleich
Zwischen 2021 und 2025 standen sich beide sechsmal gegenüber, auf Hartplatz, auf Rasen und auf Sand. Sonego hat keine dieser Partien gewonnen, und das ist für einen Spieler, der in dieser Zeit selbst einmal in den Top 25 stand, eine ungewöhnlich klare Bilanz.
Jahr | Turnier | Belag | Ergebnis für Zverev |
|---|---|---|---|
2025 | Beijing | Hartplatz | 6:4, 6:3 |
2025 | Halle | Rasen | 3:6, 6:4, 7:6 |
2024 | Halle | Rasen | 6:4, 7:6 |
2024 | United Cup | Hartplatz | 6:7, 6:3, 6:4 |
2023 | Dubai | Hartplatz | 7:5, 6:4 |
2021 | Monte-Carlo | Sand | 6:3, 6:3 |
In vier der sechs Duelle gab Zverev keinen Satz ab. Noch deutlicher fällt die Spieldifferenz aus, denn in fünf der sechs Begegnungen gewann er mindestens drei Spiele mehr als Sonego, auf den drei Hartplätzen jeweils vier oder fünf Spiele mehr. Nur in Halle 2025 stand es am Ende ausgeglichen, obwohl Zverev auch dort in drei Sätzen gewann.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, und sie sind für die Wett-Tipps wichtig. Erstens waren alle sechs Begegnungen über zwei Gewinnsätze angesetzt. Für eine Partie über drei Gewinnsätze gibt es zwischen diesen beiden Spielern keinen einzigen Vergleichswert, und das ist bei einem Tipp auf das Satzverhältnis eine echte Lücke. Zweitens hat Sonego Zverev in zwei der sechs Duelle einen Satz abgenommen, im United Cup 2024 auf Hartplatz sogar den ersten.
Zverev vs. Sonego Tipps
1. Tipp: Zverev erzielt über 9,5 Asse
Der Tipp verlangt mindestens zehn Asse von Zverev in dieser Partie. Die tragende Begründung ist sein Wert auf Hartplatz in dieser Saison, nämlich 0,85 Asse je Aufschlagspiel. Ein Spiel über drei Gewinnsätze liefert bei vergleichbarem Verlauf rund die Hälfte mehr Aufschlagspiele als eines über zwei, und damit verschiebt sich die erwartbare Zahl der Asse deutlich nach oben. Genau das zeigt das einzige Grand-Slam-Turnier dieser Saison auf Hartplatz.
In fünf von sechs Partien lag Zverev über der Vorgabe von 9,5, im Schnitt bei 16,2 Assen je Partie. Dazu passt, dass er auch im kürzeren Format zuletzt dreimal in vier Partien auf mindestens zehn Asse kam, obwohl dort zwei Sätze zum Sieg reichen. Und es passt, dass Sonego kein Rückschläger ist, der diesen Aufschlag entschärft, denn seine Bilanz in den Rückschlagspielen der Saison ist die schwächere von beiden.
Das Gegenargument steht in derselben Tabelle. Die eine Partie unter der Vorgabe war Zverevs einzige in drei Sätzen, das Achtelfinale gegen Francisco Cerundolo mit sieben Assen. Ausgerechnet dort brachte er mit 80 Prozent die meisten ersten Aufschläge ins Feld und schlug die wenigsten Asse. Der Risikofall ist damit klar benannt, nämlich ein schneller Sieg in drei Sätzen gegen einen Gegner, der wenig Widerstand leistet. Sonego hat jedoch durchaus einen soliden Aufschlag, weshalb ich denke, dass er einige Sätze eng halten kann.
2. Tipp: Sieg Zverev -2,5
Der zweite Tipp für diese Partie ist eine Handicap-Wette auf Sieg Zverev -2,5 Sätze. Dafür spricht zuerst die Bilanz, denn Sonego hat in sechs Duellen keinen Sieg geholt, und in vier davon nahm er Zverev keinen Satz ab. Dafür spricht zweitens der Klassenunterschied in Zahlen, nämlich Platz zwei der Welt gegen Platz 91 und 46:13 Siege gegen 9:13. Drittens gewinnt Sonego über die Saison weniger Punkte als er verliert, und viertens ist der Unterschied bei den Aufschlagspielen groß genug, um Sätze zu entscheiden, denn Zverev bringt auf Hartplatz 91 Prozent seiner Aufschlagspiele durch und Sonego nur 80 Prozent. Wer jedes fünfte eigene Aufschlagspiel abgibt, verliert Sätze auch ohne Fehler im Tiebreak.
Das stärkste Argument liefert aber Sonegos eigene Saison über drei Gewinnsätze. Bei den Australian Open verlor er gegen Lorenzo Musetti mit 3:6, 3:6 und 4:6, bei den French Open gegen Tommy Paul mit 3:6, 2:6 und 4:6. Zweimal in dieser Saison ging er gegen einen höher platzierten Gegner über die längere Distanz glatt unter, und Zverev ist stärker als beide.
Trotzdem ist das der riskantere der beiden Tipps, und das lässt sich nicht wegreden. In Melbourne gewann Zverev nur eine seiner sechs Partien in drei Sätzen, und gegen Gabriel Diallo, Alexandre Muller und Cameron Norrie brauchte er jeweils vier, obwohl alle drei schlechter platziert waren als er. Er verlor auf Hartplatz neun Prozent seiner Aufschlagspiele, und über fünf Sätze reicht ein einziger dieser Ausrutscher für einen verlorenen Satz, wenn Sonego seinerseits durchbringt. Dass Sonego die Distanz gehen kann, zeigte er in Wimbledon mit einem Fünfsatzsieg über Diallo, und Taylor Fritz nahm er in der dritten Runde einen Satz ab.
Trotzdem denke ich, dass Sonego große Schwierigkeiten haben wird, bei Zverevs Aufschlagspielen irgendwie Zugriff zu finden, da auch sein zweiter Aufschlag einer der besten auf der Tour ist. Wenn Zverev seine Fehler aus den letzten Wochen etwas reduzieren kann, denke ich, dass er gegen Sonego glatt durchkommen wird.
Fazit und Spielprognose
Die Lage ist eindeutiger, als Zverevs Augustform vermuten lässt. Er ist gegen Sonego in sechs Duellen ungeschlagen, er ist der klar bessere Spieler auf Hartplatz, und er trifft auf einen Gegner, der in dieser Saison zweimal ohne Satzgewinn ausgeschieden ist. Sein Aufschlag hat auch in den beiden Niederlagen im August funktioniert, und über fünf Sätze bekommt er mehr Gelegenheiten als in jeder Partie der letzten drei Wochen.
Ich erwarte einen Sieg Zverevs in drei Sätzen und halte den ersten Satz für die entscheidende Weiche. Bringt Zverev seine ersten Aufschläge so zuverlässig ins Feld wie in den letzten Wochen, wird es kurz. Und dafür spricht auch, dass er in der aktuellen Saison vor allem bei den Grand Slams seine Leistungen steigern konnte. Er stand in drei Grand Slams zwei Mal im Finale und einmal im Halbfinale. Das zeigt, dass er bei den wichtigen Turnieren abliefern kann, auch wenn seine Form in den letzten Wochen etwas schwankend war. Deswegen ist meine Prognose ein glatter 3:0-Sieg von Alexander Zverev.



