Die Nummer 2 der Welt gegen die Nummer 50: So sieht das erste Halbfinale der US Open auf dem Papier aus. Auf dem Platz sah es zwei Wochen lang anders aus. Karen Khachanov kam mit einer negativen Saisonbilanz und seinem tiefsten Ranglistenplatz seit Mai 2017 nach New York und hat dort den Vierten der Weltrangliste und einen Gesetzten aus den Top 15 geschlagen.
Alexander Zverev ist der einzige Grand-Slam-Sieger, der noch im Turnier steht, brauchte aber in den ersten beiden Runden je fünf Sätze. Wer auf diese Partie wetten will, muss deshalb eine andere Frage beantworten als die nach dem Sieger: wie deutlich Zverev gewinnt und wie oft in dieser Partie ein Aufschlagspiel verloren geht.
Zverev hat in New York erst gelitten und dann dominiert
Zverevs Turnier zerfällt in zwei Teile. Gegen Lorenzo Sonego gewann er 6:4, 3:6, 6:7 (7), 7:5, 6:4 in 4:53 Stunden, gegen Quentin Halys 6:4, 4:6, 7:6 (3), 6:7 (7), 6:3 in 4:33 Stunden. Beide Partien wurden lang, weil er seine Chancen im Rückschlag nicht nutzte: 5 von 22 Breakbällen gegen Sonego, 5 von 20 gegen Halys. Seit der dritten Runde hat er keinen Satz mehr abgegeben. Alejandro Tabilo, die Setzung 25, schlug er 6:2, 7:6 (2), 6:2, Luciano Darderi, die Setzung 21, 6:2, 6:2, 7:6 (3), und im Viertelfinale Botic van de Zandschulp 6:2, 7:5, 6:1 in 2:17 Stunden. Gegen van de Zandschulp ließ er zwei Breakbälle zu und wehrte beide ab, im Rückschlag nutzte er 6 von 9.
Sein Aufschlag ist über die Saison die verlässlichste Größe seines Spiels. Auf Hartplatz hat Zverev 2026 in 328 Aufschlagspielen 280 Asse und 46 Doppelfehler geschlagen, bringt 71 Prozent der ersten Aufschläge ins Feld und gewinnt 91 Prozent seiner Aufschlagspiele. Die Schwäche liegt auf der anderen Seite des Netzes. Auf Hartplatz gewinnt er 19 Prozent der Rückschlagspiele, und bei diesem Turnier hat er von 81 Breakbällen 26 verwertet, also 32 Prozent. Für dich als Tipper heißt das: Zverev verliert seinen Aufschlag selten, aber er braucht viele Chancen, um den des Gegners zu nehmen, und genau das entscheidet, ob eine Partie drei oder fünf Sätze dauert.
Die Saison spricht für ihn wie bei keinem anderen Spieler im Feld. Zverev hat Roland Garros gewonnen, seinen ersten Grand-Slam-Titel, stand in Wimbledon im Finale und in Melbourne im Halbfinale; mit dem Sieg im Viertelfinale steht er bei 51 Saisonsiegen und bei 23 Siegen bei Grand Slams in einem Jahr, mehr als Boris Becker 1989 mit 22. Der Sommer auf Hartplatz davor war schwächer: In Kanada verlor er seine erste Partie gegen Tallon Griekspoor, die Nummer 69, in Cincinnati das Achtelfinale gegen Tommy Paul. Über fünf Runden hat er in New York 16:40 Stunden gespielt, alle im Arthur Ashe Stadium.
Khachanov als große Überraschung der US Open
Khachanovs Weg nach New York erklärt, warum er ungesetzt ist. Vor dem Turnier stand er bei 16 Siegen und 18 Niederlagen in der Saison, auf Hartplatz bei 7:10, und im Sommer verlor er in Los Cabos, Kanada und Cincinnati jeweils seine erste Partie. In der Weltrangliste rutschte er von Platz 17 im Januar auf Platz 50. In New York gewann er dann gegen Roman Andres Burruchaga 6:3, 6:0, 6:1 in 1:35 Stunden, gegen Felix Auger-Aliassime, die Nummer 4 der Welt, 6:7 (5), 6:3, 6:2, 6:2, gegen Benjamin Bonzi 6:3, 6:2, 6:4 und gegen Learner Tien, die Setzung 14, 7:5, 4:6, 6:7 (8), 6:1, 6:4 nach 1:2 nach Sätzen in 3:50 Stunden. Im Viertelfinale führte er gegen Alexander Blockx 6:2, 7:5, 3:2, als der Belgier mit einer Rippenverletzung und nach mehreren medizinischen Auszeiten aufgab. Khachanov stand insgesamt 12:30 Stunden auf dem Platz, gut vier Stunden weniger als Zverev.
Seine Stärke ist der Aufschlag unter Druck. Auf Hartplatz hält er 2026 87 Prozent seiner Aufschlagspiele und wehrt 70 Prozent der Breakbälle ab, mehr als Zverev mit 65 Prozent. Bei diesem Turnier wehrte er 21 von 29 Breakbällen ab und verwertete 32 von 55 eigenen, also starke 58 Prozent; gegen Tien nutzte er 9 von 12. Diese Verwertung ist der Grund, warum er den Vergleich der Rückschlagspiele auf Hartplatz, 16 Prozent gegen 19 bei Zverev, in New York bisher nicht zu spüren bekam. Das liegt vor allem daran, dass er bei seinen Breakchancen nicht passiv wird, sondern den Gegner aktiv unter Druck setzt.
Die Schwäche liegt beim zweiten Aufschlag und beim ersten Aufschlag ins Feld. Gegen Burruchaga kamen 51 Prozent der ersten Aufschläge, gegen Auger-Aliassime 54 Prozent. Nach dem zweiten Aufschlag gewann er gegen Bonzi 33 Prozent der Punkte und gegen Tien 41 Prozent, über das Turnier 51,5 Prozent. Tien nahm ihm damit fünfmal den Aufschlag ab. Gegen einen Rückschläger, der bei diesem Turnier 63,6 Prozent der Punkte gegen den zweiten Aufschlag gewinnt, ist das die Stelle, an der Khachanov Sätze verlieren kann.
Bei Grand Slams verliert Khachanov selten schnell. Sein drittes Halbfinale bei einem Grand Slam ist es nach den US Open 2022 und den Australian Open 2023, beide verlor er 1:3. In seinen fünf letzten Niederlagen bei Grand Slams, deren Satzstände hier vorliegen, holte er viermal zwei Sätze: gegen Daniel Evans und Kamil Majchrzak bei den US Open 2024 und 2025 sowie 2026 gegen Jesper de Jong und Flavio Cobolli; nur gegen Luciano Darderi in Melbourne blieb es bei einem Satz. Ein Ausscheiden ohne Satzgewinn hat er seit den US Open 2023 nicht mehr erlebt.
Wert (Hartplatz 2026, ohne dieses Turnier) | Zverev | Khachanov |
|---|---|---|
Aufschlagspiele | 328 | 241 |
Asse | 280 | 162 |
Doppelfehler | 46 | 38 |
Erste Aufschläge im Feld | 71 % | 63 % |
Punkte nach zweitem Aufschlag | 56 % | 54 % |
Aufschlagspiele gewonnen | 91 % | 87 % |
Breakbälle abgewehrt | 65 % | 70 % |
Rückschlagspiele gewonnen | 19 % | 16 % |
Breakbälle genutzt | 39 % | 37 % |
Punkte insgesamt gewonnen | 53 % | 51 % |
Zverev vs. Khachanov im direkten Vergleich
Zverev führt im direkten Vergleich 6:3, seit 2021 steht es 4:1 für ihn. Khachanovs beide Siege aus den Jahren 2018 und 2019 fielen glatt in zwei Sätzen, in Paris 6:1, 6:2 und in Kanada 6:3, 6:3; damals stand er in den Top 10. Der dritte Sieg ist der jüngste vollständig ausgespielte: Im Halbfinale von Kanada 2025 gewann Khachanov 6:3, 4:6, 7:6 (4) und erreichte danach das Finale. Eine Woche später in Cincinnati gab er gegen Zverev beim Stand von 5:7, 0:3 auf.
Jahr | Turnier, Runde | Belag | Sieger | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
2021 | Olympische Spiele Tokio, Finale | Hart | Zverev | 6:3, 6:1 |
2024 | Masters Miami, Achtelfinale | Hart | Zverev | 6:1, 6:4 |
2024 | Masters Cincinnati, Runde der letzten 32 | Hart | Zverev | 6:3, 6:2 |
2025 | Masters Kanada, Halbfinale | Hart | Khachanov | 6:3, 4:6, 7:6 (4) |
2025 | Masters Cincinnati, Achtelfinale | Hart | Zverev | 7:5, 3:0, Aufgabe Khachanov |
Über fünf Sätze haben die beiden ein einziges Mal gespielt, im Achtelfinale von Roland Garros 2018, und Zverev gewann nachdem er 1:2 zurückgelegen hat nach Sätzen noch 3:2. Bei einem Grand Slam auf Hartplatz treffen sie zum ersten Mal aufeinander.
Alevander Zverev vs. Karen Khachanov Tipps
1. Tipp: Sieg Alexander Zverev -1,5 Sätze
Der erste Tipp für diese Partie ist eine Handicap Wette auf Sieg Zverev -1,5 Sätze. Sie gewinnt, wenn Zverev 3:0 oder 3:1 siegt, und verliert, wenn Khachanov zwei Sätze holt oder die Partie gewinnt. Die Grundlage dafür ist Zverevs Saison bei Grand Slams: Von seinen 23 Siegen 2026 holte er 20 in höchstens vier Sätzen, und die drei Ausnahmen waren das Finale von Roland Garros gegen Cobolli und die ersten beiden Runden hier gegen Sonego und Halys. Seit der dritten Runde hat er in New York keinen Satz mehr abgegeben, gegen Darderi einen und gegen van de Zandschulp zwei Breakbälle zugelassen. Wer den besseren Aufschlag hat, entscheidet in dieser Paarung, ob es vier Sätze bleiben: Zverev hält auf Hartplatz 91 Prozent seiner Aufschlagspiele, Khachanov 87, und Zverev gewinnt 19 Prozent der Rückschlagspiele gegen 16 bei Khachanov.
Der zweite Grund liegt bei Khachanovs zweitem Aufschlag, der gegen Bonzi und Tien nicht hielt und Tien fünf Breaks brachte. Auf diese Schwäche trifft der Rückschläger, der in New York fast zwei von drei Punkten gegen den zweiten Aufschlag seiner Gegner gewinnt und im Viertelfinale 6 von 9 Breakbällen verwertet hat. Dazu kommt der direkte Vergleich mit 6:3, seit 2021 mit 4:1, und die einzige Partie über fünf Sätze, die Zverev drehte. Khachanov kam mit 16:18 in der Saison und drei Niederlagen zum Auftakt im Sommer auf Hartplatz nach New York; sein Viertelfinale war eine verkürzte Partie gegen einen verletzten Gegner.
Der Einwand liegt in Khachanovs Art zu verlieren: In vier seiner fünf jüngsten Grand-Slam-Niederlagen holte er zwei Sätze, und er wehrt in New York 72 Prozent der Breakbälle ab. Gegen Zverev muss er dafür Sätze über seinen zweiten Aufschlag retten, der gegen Bonzi und Tien nicht hielt, und einen Rückschläger schlagen, der 81 Breakbälle in fünf Partien erspielt hat. Khachanov gewinnt einen Satz, wenn Zverev seine Chancen wieder liegen lässt wie gegen Sonego und Halys; zwei Sätze verlangen, dass Zverevs Aufschlag zweimal in einer Partie bricht. Das sehe ich bei dieser Partie jedoch nicht kommen, da Zverev sich deutlich stabilisiert hat und viel weniger Fehler macht.
2. Tipp: Über 5,5 Breaks in der Partie
Beide Spieler haben in New York fast in jeder Partie die Marke von fünf Breaks erreicht. Zverevs fünf Partien brachten 8, 8, 8, 4 und 6 Breaks, zusammen 34 in 19 Sätzen; Khachanovs Partien 7, 9, 6, 14 und 4, zusammen 40 in 17 Sätzen. Die einzige Ausnahme bei Zverev war das Achtelfinale gegen Darderi, die bei Khachanov die nach zweieinhalb Sätzen abgebrochene Partie gegen Blockx. Selbst Zverevs glatte Siege gegen Tabilo und van de Zandschulp hatten 8 und 6 Breaks, weil er im Rückschlag viele Chancen erspielt und der Gegner zugleich seinen Aufschlag angreift. Bei Grand Slams auf Hartplatz 2026, also in Melbourne und New York, lagen 9 von 11 Partien Zverevs über der Marke.
Die Mechanik dieser Paarung liefert Breaks von beiden Seiten. Zverev hat in fünf Partien 30 Doppelfehler geschlagen und 81 Breakbälle erspielt; Khachanov verwertet in New York mehr als jeden zweiten seiner Breakbälle und hat nach dem zweiten Aufschlag gegen Bonzi und Tien jeweils weniger als die Hälfte der Punkte gewonnen. Deswegen werden wir wahrscheinlich viele Breaks auf beiden Seiten sehen. Deshalb ist der zweite Tipp eine Over-Wette auf über 5,5 Breaks.
Fazit und Spielprognose
Diese Partie stellt den besten Aufschlag des Turniers gegen den Spieler, der in New York am besten Breakbälle abwehrt. Zverev bringt die klarere Saison mit, 20 von 23 Grand-Slam-Siegen in höchstens vier Sätzen, drei Runden ohne Satzverlust und den Rückschlag gegen den zweiten Aufschlag, der Khachanovs schwächste Stelle trifft. Khachanov bringt 12:30 Stunden Spielzeit statt 16:40 mit, 21 von 29 abgewehrte Breakbälle und den Sieg aus dem letzten ausgespielten Duell in Kanada. Dass er bei Grand Slams meist zwei Sätze holt, bevor er ausscheidet, bleibt der Vorbehalt gegen das Handicap, aber dafür müsste er gegen einen Gegner, der auf Hartplatz 91 Prozent seiner Aufschlagspiele hält, zweimal in einer Partie das Break schaffen.
Die Prognose lautet 3:1 für Zverev. Er ist in diesem Jahr besonders bei den Grand Slams sehr stabil und zeigt dort meistens seine beste Leistung. Khachanov hingegen spielt eine sehr gute US Open, allerdings sind seine Leistungen über das gesamte Jahr gesehen eher enttäuschend. Dazu kommt, dass er deutlich weniger Erfahrung in großen Spielen hat, weshalb ich denke, dass Zverev sich hier am Ende souverän durchsetzen wird.



