Dreimal haben Alexander Zverev und Tommy Paul gegeneinander gespielt, jedes Mal auf Hartplatz im Freien, und zweimal gewann Paul. Das ist die erste Zahl, auf die ein Tipper vor diesem Achtelfinale am 19. August 2026 stößt, und sie passt schlecht zur Setzliste, in der Zverev als Nummer eins und Paul als Nummer 18 steht. Was diese Bilanz heute noch wert ist, entscheidet sich daran, wann sie zustande kam.

Die Turnierwoche der beiden verlief ohnehin unterschiedlich. Zverev drehte gegen Cameron Norrie einen Satzrückstand und überstand gegen Terence Atmane zwei Tiebreaks, wobei er beim ersten Matchball einen Doppelfehler schlug. Paul warf Hubert Hurkacz aus dem Turnier und gab danach gegen den ungesetzten Adolfo Daniel Vallejo den ersten Satz ab. Beide stehen im Achtelfinale, und trotzdem fällt ihre Aufschlagbilanz auf diesem Belag so unterschiedlich aus, dass sich daraus zwei verschiedene Bilder der Partie ergeben.

Aufschlag und Return auf Hartplatz in dieser Saison

Auf Hartplatz sind beide im Return fast gleich stark und im Aufschlag deutlich verschieden. Genau daraus entsteht die Rechnung dieser Partie, denn wer seine eigenen Aufschlagspiele leichter durchbringt, braucht im Verlauf eines Satzes weniger Glück.

Kennzahl auf Hartplatz 2026

Zverev

Paul

Asse

245

174

Aufschlagspiele

287

292

Asse je Aufschlagspiel

0,85

0,60

Erste Aufschläge im Feld

72 %

62 %

Aufschlagspiele gewonnen

91 %

87 %

Breakbälle gegen sich

75

108

Breakbälle abgewehrt

67 %

65 %

Returns gewonnen

20 %

21 %

Returnpunkte gewonnen

36 %

37 %

Im Rückschlag liegt Paul sogar minimal vorn. Genau darum wird diese Partie kein Selbstläufer. Der Unterschied entsteht auf der anderen Seite des Netzes: Zverev musste in dieser Saison auf Hartplatz deutlich seltener Breakbälle abwehren, weil er sie seltener zulässt.

Wie verlässlich ist Zverevs Aufschlag wirklich?

Gegen Norrie schlug Zverev 16 Asse in 13 Aufschlagspielen, gegen Atmane zwei Tage später nur 5 in zwölf. Beide Werte stammen aus derselben Woche und vom selben Platz, und sie zeigen die Spannweite dieses Aufschlags. Die Anlage dafür ist unverändert da: 198 Zentimeter Körpergröße und ein härtester Aufschlag von 224 Stundenkilometern in diesem Turnier, also die Waffe, die auf schnellem Hartplatz Punkte ohne Ballwechsel bringt.

Sportlich steht er so gut da wie selten. Er gewann Roland Garros gegen Flavio Cobolli über fünf Sätze und stand in Wimbledon im Endspiel, das er gegen Jannik Sinner verlor. In Cincinnati war er 2021 Turniersieger, was zeigt, dass er mit den Bedingungen dort sehr gut zurechtkommt.

Die Schwäche liegt nicht in den Zahlen, sondern in der Konstanz. Zwei Wochen vor Cincinnati verlor er in Montreal überraschend sein Auftaktspiel gegen Tallon Griekspoor, die Nummer 69 der Weltrangliste, nach gewonnenem ersten Satz. Auch in Cincinnati wirkte er in keiner der beiden Partien überlegen. Wer auf ihn setzt, setzt auf einen Spieler, der schwankt, aber selbst in schwachen Phasen seine Aufschlagspiele durchbringt. Zudem konnte sich Zverev in dieser Saison häufiger aus schwachen Phasen herauskämpfen.

Warum Pauls Aufschlag in dieser Woche das Problem ist

Pauls Aufschlag hält ihn derzeit im Spiel, setzt aber niemanden unter Druck. Gegen Hurkacz kam er auf ein einziges Ass in 16 Aufschlagspielen, über beide Partien dieser Woche auf 8 Asse in 30 Aufschlagspielen und damit weit unter seinen Saisonwert. Gegen einen Gegner, der eigene Aufschlagspiele so selten hergibt wie Zverev, ist das eine dünne Grundlage.

Stark war Paul dort trotzdem, und zwar in den engen Momenten: Er wehrte gegen Hurkacz alle neun Breakbälle ab. Sein einziger Titel der Saison steht in Houston, dazu kommen verlorene Endspiele in Queen's Club, Hamburg und Delray Beach. Auf Masters-1000-Ebene ist er in dieser Saison dagegen selten weit gekommen, mit dem Achtelfinale von Cincinnati erst zum zweiten Mal in die Runde der letzten sechzehn, nach dem Viertelfinale in Miami.

Seine unmittelbare Hartplatzvorbereitung war schwach. In Washington verlor er zum Auftakt gegen Kamil Majchrzak, die Nummer 72, in Montreal in der zweiten Runde klar gegen Learner Tien mit 3:6 und 2:6. Daher liegt der Druck umso mehr auf einer guten Leistung bei der Cincinnati Open.

Alexander Zverev vs. Tommy Paul direkter Vergleich

Der Gesamtstand von 2:1 für Paul stimmt, nur ist er älter, als er wirkt. Seine Siege in Acapulco und Indian Wells liegen sechs und vier Jahre zurück, aus einer Zeit vor Zverevs Grand-Slam-Titel und vor dessen fester Position in den besten drei. Die jüngste Begegnung ist damit die einzige, die die heutigen Kräfteverhältnisse abbildet, und sie ging über vier Sätze an Zverev, im Viertelfinale eines Grand Slams.

Jahr

Turnier

Runde

Sieger

Ergebnis

2025

Australian Open

Viertelfinale

Zverev

7:6 (1), 7:6 (0), 2:6, 6:1

2022

Indian Wells

Zweite Runde

Paul

6:2, 4:6, 7:6 (2)

2020

Acapulco

Achtelfinale

Paul

6:3, 6:4

Für die Frage nach den Assen ist dieses Duell der einzige Anhaltspunkt aus einer echten Begegnung der beiden, und er fällt ernüchternd aus. 7 Asse von Zverev und 9 von Paul, verteilt auf 39 Aufschlagspiele, ergeben 0,41 Asse je Aufschlagspiel. Das ist weniger als ein Drittel dessen, was ihre heutigen Saisonraten zusammen hergeben, und es zeigt, dass zwei spielstarke Rückschläger einander die freien Punkte nehmen können. Belastbar ist der Wert allerdings kaum: Es ist eine Partie, sie lief über fünf statt drei Gewinnsätze, und sie liegt neunzehn Monate zurück.

Alexander Zverev vs. Tommy Paul Tipps

Wett-Tipps Alexander Zverev - Tommy Paul
Cincinnati Open
01
Sieg Alexander Zverev 1,39
02
Über 13,5 Asse 1,75

1. Tipp: Sieg Alexander Zverev

Seit vier Teilnahmen in Cincinnati ist Zverev hier nie vor dem Halbfinale ausgeschieden. Ein solcher Lauf an einem einzelnen Ort ist kein Naturgesetz, er beschreibt aber, wie gut ihm die Bedingungen liegen. Deshalb ist mein erster Tipp auch eine Siegwette auf Alexander Zverev.

Die Begründung beginnt beim Gefälle in der Aufschlagstatistik. Zverev bringt seine Aufschlagspiele häufiger durch, lässt seltener Breakbälle zu und trifft das erste Feld deutlich zuverlässiger, während beide einen ähnlich guten Return haben. In einem Best-of-three auf Hartplatz heißt das: Paul muss über den Rückschlag kommen, und genau dort steht ihm der stärkere Aufschlag dieser Partie entgegen. Dazu passt der Saisonvergleich, 44:12 gegen 33:15, und der Platz in der Weltrangliste, drei gegen 24.

Auf der anderen Seite steht ein Spieler, der auf dieser Ebene selten weit kommt. Paul steht in dieser Saison erst zum zweiten Mal im Achtelfinale eines Masters-1000-Turniers und kam mit zwei schwachen Hartplatzwochen im Rücken nach Cincinnati, einer Auftaktniederlage gegen die Nummer 72 und einer klaren Niederlage gegen Tien. Sein Weg durch dieses Turnier war zudem mühsamer als der von Zverev, mit einem abgegebenen Satz gegen einen ungesetzten Gegner. Und das jüngste Duell der beiden gewann Zverev auf großer Bühne und ich denke auch, dass er sich hier in Cincinnati wieder durchsetzen wird.

2. Tipp: Über 13,5 Asse

Der zweite Tipp ist eine Over-Wette auf über 13,5 Asse in der Partie. Den größten Teil der Arbeit übernimmt Zverev wahrscheinlich allein. Auf Hartplatz kommt er in dieser Saison auf 0,85 Asse je Aufschlagspiel, und in Cincinnati liegt er mit 0,84 genau auf diesem Wert. Bei zwölf eigenen Aufschlagspielen sind das rund zehn Asse, bevor Paul überhaupt einen geschlagen hat. Seine Höchstmarke aus dieser Woche liegt sogar über dieser Rechnung.

Rechnet man beide Saisonraten auf Hartplatz zusammen, kommt man auf 1,45 Asse je Aufschlagspiel, beide Seiten zusammengenommen, und bei zwölf Aufschlagspielen je Spieler auf 17,4 Asse. Selbst ein kurzes Match mit nur zehn Aufschlagspielen pro Seite landet in dieser Rechnung bei 14,5 und damit über der Grenze. Und ich rechne hier eher mit einem etwas längeren Spiel, welches durchaus das Potenzial hat in dem ein oder anderem Tie-Break zu enden, da beide sehr konstant servieren.

Das offene Risiko liegt bei Paul. Mit 0,27 Assen je Aufschlagspiel schlägt er in dieser Woche weniger als die Hälfte seiner Saisonrate, und rechnet man beide Turnierwerte zusammen, landet die Partie bei 13,3 Assen und damit knapp unter der Grenze. Dieser Tipp ist deshalb der etwas riskantere der beiden, trotzdem halte ich mindestens 14 Asse hier dennoch für wahrscheinlich.

Fazit und Spielprognose

Zverev ist der bessere Aufschläger in dieser Begegnung, kennt den Platz aus einem Turniersieg und hat in dieser Saison bei den größten Turnieren am zuverlässigsten geliefert. Paul hält im Rückschlag mit und ist in engen Momenten hart, doch er kommt aus zwei enttäuschenden Wochen und muss seine Chancen in Rückschlagspielen holen, und davon gibt Zverev auf diesem Belag noch weniger her als Paul selbst.

Ich erwarte einen Sieg von Zverev. Ich denke durchaus, dass Paul hier die Waffen hat, um die Sätze eng zu gestalten, trotzdem sehe ich Zverev in jedem Bereich knapp vorne. Sein Aufschlag ist besser und seine Form zurzeit auch und deshalb denke ich, dass er sich gegen Tommy Paul durchsetzen wird.