Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat sich Ägypten für ein WM-Achtelfinale qualifiziert, und dort wartet mit Argentinien ausgerechnet der Titelverteidiger. Am Dienstag, dem 7. Juli 2026, geht es im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta um den Einzug ins Viertelfinale.
Beide Mannschaften erreichten das Achtelfinale nur mit Mühe: Argentinien brauchte gegen Kap Verde die Verlängerung, Ägypten rettete sich gegen Australien erst im Elfmeterschießen. Zwischen beiden Teams liegt in der Weltrangliste ein zweistelliger Abstand, Argentinien steht auf Platz 2, Ägypten auf Platz 24.
Wie groß dieser Abstand auf dem Rasen tatsächlich ausfällt, entscheidet sich vor allem an zwei Namen: Lionel Messi, der bei dieser WM gerade reihenweise Rekorde einstellt, und Mohamed Salah, der Ägypten überhaupt erst so weit gebracht hat. Kader, Form und die Ausfälle auf beiden Seiten wiegen dabei schwerer als die Platzierung.
Ägyptens historischer Lauf trifft auf Titelverteidiger Argentinien
In allen drei früheren Teilnahmen war für die Pharaonen nach der ersten Runde Schluss, zuletzt 2018 in Russland in der Gruppenphase. Diesmal überstand die Mannschaft von Hossam Hassan zusätzlich das Sechzehntelfinale und steht damit so weit im Turnier wie noch nie zuvor.
Argentinien reist als amtierender Weltmeister und ungeschlagener Gruppensieger an. Drei Siege aus drei Spielen und acht erzielte Tore bei nur einem Gegentor waren die Ausgangslage vor der K.-o.-Runde, in der es gegen Kap Verde deutlich enger wurde als in der Gruppenphase.
Wie knapp beide tatsächlich waren, zeigt der Blick ins Detail. Argentinien brauchte gegen Kap Verde die Verlängerung: Lionel Messi brachte sein Team in der 29. Minute in Führung, Deroy Duarte glich in der 59. Minute aus, Lisandro Martínez traf in der Verlängerung zum 2:1, ehe Sidny Lopes Cabral erneut ausglich. Erst ein Eigentor von Diney Borges in der 111. Minute, das aus einem Messi-Standard entstand, brachte Argentinien mit 3:2 ins Achtelfinale. Ägypten wiederum rettete sich gegen Australien nach einem 1:1 nach Verlängerung erst im Elfmeterschießen mit 4:2 weiter.
Ein Blick in die Historie hilft beim Vergleich der aktuellen Form kaum weiter. Beide A-Nationalmannschaften standen sich bislang erst einmal gegenüber: Im März 2008 gewann Argentinien ein Freundschaftsspiel in Kairo mit 2:0.
Argentiniens Kader und Warnsignale nach dem Zittersieg
Trainer Lionel Scaloni reist mit einem Kader an, der schon vor dem Turnier Lücken zeigte, und mit einer Mannschaft, die offensiv weiter zu den stärksten des Turniers gehört, defensiv zuletzt aber wackelte.
Kader und Ausfälle
Aus dem vorläufigen Kader fielen mit Alejandro Garnacho, Franco Mastantuono, Claudio Echeverri und Matías Soulé gleich vier Nachwuchsspieler heraus, die im Vorfeld als Optionen für die Offensive galten. Für den verletzten Leonardo Balerdi, der sich eine Verletzung der Wadenmuskulatur im rechten Bein zuzog, rückte kurz vor Turnierbeginn Marcos Senesi nach.
Nicolás Otamendi war zwischenzeitlich von einer Sperre bedroht: Eine Rote Karte aus der Qualifikation gegen Ecuador hätte ihn eigentlich für den Turnierauftakt gesperrt, die FIFA setzte diese Sperre vor Turnierbeginn per Regeländerung aber aus. Für das Achtelfinale gegen Ägypten steht er ohne Einschränkungen zur Verfügung.
Messis Rekordserie
Sein 200. Länderspiel für Argentinien, das erste eines Spielers in der Landesgeschichte, fiel mit einem besonderen Moment zusammen: Beim 3:0 zum Auftakt gegen Algerien erzielte Messi einen Hattrick und zog mit Miroslav Klose gleich, dem bisherigen WM-Rekordtorschützen mit 16 Treffern.
Im zweiten Gruppenspiel gegen Österreich verschoss Messi zunächst in der 8. Minute einen Foulelfmeter, ehe er selbst per Doppelpack zum 2:0-Endstand traf und Klose mit seinem 17. und 18. WM-Tor endgültig hinter sich ließ. Der Fehlschuss vom Punkt war bereits sein dritter verschossener Elfmeter bei einer Weltmeisterschaft, nach Island 2018 und Polen 2022, und damit ein eigener Rekord: Kein anderer Spieler hat bei drei verschiedenen Turnieren vom Punkt danebengeschossen.
Bis zum 3:2 gegen Kap Verde baute Messi seine Ausbeute auf 20 Turniertore aus und traf dabei in acht aufeinanderfolgenden WM-Spielen, dem längsten Torlauf in der Geschichte des Turniers.
Die Verlängerung gegen Kap Verde als Warnsignal
Nach acht Toren und nur einem Gegentreffer in der Gruppenphase geriet Argentinien im Sechzehntelfinale gegen den krassen Außenseiter Kap Verde gleich zweimal in eine brenzlige Lage. Lionel Messi brachte sein Team in der 29. Minute in Führung, doch Deroy Duarte glich in der 59. Minute aus. Lisandro Martínez traf in der Verlängerung zum vermeintlich erlösenden 2:1, ehe Sidny Lopes Cabral in der 103. Minute erneut ausglich. Erst ein Eigentor von Diney Borges in der 111. Minute, das aus einem Eckball von Messi entstand, brachte Argentinien mit 3:2 ins Achtelfinale.
Dass eine Mannschaft mit dieser Kadertiefe gegen den niedrigst eingestuften Gegner der gesamten K.-o.-Runde zweimal den eigenen Vorsprung verspielte, wiegt schwerer als der Endstand allein nahelegt. Die Rettung kam am Ende durch ein Eigentor des Gegners, nicht durch eine überzeugende eigene Abwehrleistung.
Zusammen mit dem Gegentor gegen Jordanien im letzten Gruppenspiel ergibt sich ein klares Muster: Nach zwei Partien ohne Gegentreffer kassierte Argentinien in den beiden folgenden Spielen jeweils mindestens einen Treffer. Für das Achtelfinale gegen eine Offensive um Mohamed Salah ist das ein Warnsignal, das die eigene Angriffsstärke nicht automatisch ausgleicht.
Wie hat Ägypten seinen bisher tiefsten WM-Lauf geschafft?
Hinter dem historischen Achtelfinale steht auch ein Trainerwechsel, der erst gut zwei Jahre zurückliegt. Wie die Mannschaft von Hossam Hassan dorthin gekommen ist und wo die größte Schwachstelle liegt, zeigen Kader, Kapitän, das jüngste Elfmeterschießen und eine kuriose Fußnote in der eigenen Abwehr.
Kader und Trainerwechsel
Rui Vitória, Vorgänger von Hassan, wurde nach nur zwei Qualifikationsspielen und dem Achtelfinalaus beim Afrika-Cup 2024 entlassen. Der ägyptische Verband holte daraufhin mit Hossam Hassan den eigenen Rekordtorschützen zurück: 69 Tore in 177 Länderspielen als Angreifer, dazu die Teilnahme an der WM 1990 in Italien als Spieler. Mit dem Achtelfinale 2026 als Cheftrainer ist er nun der erste Ägypter, der eine Weltmeisterschaft sowohl als Spieler als auch als Trainer erlebt.
Salah zwischen Rolle und Torquote
Kapitän Mohamed Salah steht in diesem Turnier bei einem Tor und zwei Vorlagen, zuletzt beim 3:1 gegen Neuseeland mit Torbeteiligung und der Auszeichnung als bester Spieler der Partie. Mit diesem einen Treffer ist er inzwischen alleiniger Rekordtorschütze Ägyptens bei Weltmeisterschaften.
Vor dem Achtelfinale ist seine Fitness aber ein offener Punkt. Im letzten Gruppenspiel gegen Iran zog sich Salah eine Oberschenkelzerrung zu, Trainer Hassan äußerte vor dem Sechzehntelfinale gegen Australien öffentlich Zweifel an seinem Einsatz, stellte ihn am Ende aber doch von Beginn an auf. Ob er gegen Argentinien komplett Fit sein wird, ist noch offen.
Nervenstärke im Elfmeterschießen gegen Australien
Im Sechzehntelfinale gegen Australien ging Ägypten früh in der ersten Halbzeit durch einen Kopfball von Emam Ashour in Führung. Der Ausgleich fiel erst in der 55. Minute, erneut durch ein Eigentor von Mohamed Hany, der einen gefährlichen Freistoß von Aiden O'Neill unglücklich ins eigene Tor ablenkte. Beim 1:1 blieb es über die volle Spielzeit und die gesamte Verlängerung, die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen.
Dort zeigte Ägypten die kühleren Nerven. Alle vier eigenen Versuche saßen, während Australiens Kapitän Harry Souttar den ersten Elfmeter über das Tor setzte und der erst 18-jährige Lucas Herrington mit seinem Schuss an die Latte scheiterte. Mohamed Salah verwandelte seinen Versuch per Panenka in die Mitte des Tores, Abdelmaguid setzte mit dem vierten ägyptischen Elfmeter den entscheidenden Treffer zum 4:2-Endstand.
Für Ägypten war es der erste Sieg in einem WM-K.-o.-Spiel überhaupt, verbunden mit dem Einzug in ein Achtelfinale, das die Mannschaft zuvor in ihrer gesamten Geschichte nie erreicht hatte.
Unser Tipps zum Achtelfinale zwischen Argentinien und Ägypten
1. Lionel Messi erzielt ein Tor
Der erste Tipp ist eine Torschützen Wette auf einen Treffer von Lionel Messi. Er traf in jeder einzelnen der bisherigen vier Partien dieser WM und steht bei beachtlichen sieben Turniertoren. Diese Tore entstanden durch Elfmetern, Distanzschüssen und Nachschüssen im Strafraum, einer ganzen Bandbreite an Wegen zum Tor statt einzelner Geniestreiche, wie schon der Hattrick gegen Algerien und der Doppelpack gegen Österreich gezeigt haben.
Wie schon das Duell mit Ägyptens Abwehr zeigt, patzten die Nordafrikaner in jeder ihrer vier Partien mindestens einmal. Das bietet zusätzliche Angriffsfläche, gerade bei ruhenden Bällen: Das entscheidende Tor gegen Kap Verde fiel aus genau so einer Situation, einem Eckball, den Messi selbst getreten hat. Messi traf in dieser Partie nur ein Mal, hatte aber bereits dort Chancen für zwei oder mehr Tore. Daher ist es nahezu sicher, dass er auch gegen Ägypten wieder Chancen bekommen wird und es ist eher unwahrscheinlich, dass er keine davon nutzen kann.
2. Tipp: Beide Teams treffen
Für diese Wette sprechen die Bilanzen beider Mannschaften über das gesamte Turnier: Argentinien traf in allen vier bisherigen Partien, Ägypten ebenfalls. Keines der acht bisherigen Turnierspiele beider Teams endete ohne eigenen Treffer für die jeweilige Mannschaft.
Auf ägyptischer Seite hängt die Offensive dabei nicht nur an Salah. Beim historischen 3:1 gegen Neuseeland trafen mit Mostafa Zico und dem Flügelspieler Trezeguet zwei weitere Spieler, Salah selbst steuerte nur eines der drei Tore bei. Auf argentinischer Seite zeigte sich gegen Kap Verde, dass selbst ein Innenverteidiger wie Lisandro Martínez in der Verlängerung zum Torschützen werden kann, wenn sich die Chance bietet: Messi ist also nicht die einzige Gefahr im gegnerischen Strafraum, auch wenn er bislang der wichtigste Spieler in der Offensive der Argentinier war.
Der einzige Haken: Argentinien gilt als klarer Favorit und könnte das Spiel früh in eine Richtung lenken, in der Ägypten kaum noch zum eigenen Abschluss kommt. Angesichts der durchgehenden Torgefahr beider Offensiven, die jeweils auf mehr als einen Spieler verteilt ist, und der wiederholten Fehler in beiden Abwehrreihen bleibt die Wette auf Tore beider Mannschaften aber naheliegender als ein Spiel, in dem eine der beiden Seiten ohne eigenes Tor bleibt.
Prognose zum Achtelfinale: Argentinien gegen Ägypten
Argentinien geht als klarer Favorit in dieses Achtelfinale, mit der individuellen Qualität von Messi und einer Offensive, die in jeder bisherigen Partie getroffen hat. Der Vorsprung ist trotzdem kleiner, als der Abstand in der Weltrangliste vermuten lässt: Die eigene Abwehr wackelte zuletzt merklich, und Ägypten hat gezeigt, dass die Mannschaft selbst nach eigenen Rückschlägen wie den beiden Toren von Mohamed Hany nicht auseinanderfällt.
Wahrscheinlich übernimmt Argentinien von Beginn an die Kontrolle und setzt auf die eigene läuferische und individuelle Stärke im Mittelfeld, ehe Messi im Laufe der ersten Halbzeit für die Führung sorgt. Ägypten dürfte sich tief hinter den Ball zurückziehen und über Salah sowie ruhende Bälle auf einzelne Nadelstiche lauern, ohne über die gesamte Spielzeit fehlerfrei zu verteidigen.
Meine Prognose: Argentinien gewinnt mit 3:1 und zieht damit ins Viertelfinale ein. Ägypten verabschiedet sich nach seinem bislang tiefsten WM-Lauf mit einem eigenen Tor. Die individuelle Qualität der Argentinier ist am Ende zu groß, als dass Ägypten hier eine Überraschung zuzutrauen wäre.



