Vor gut einem Jahr brauchte es ein Elfmeterschießen, um Portugal und Spanien zu trennen: Im Finale der Nations League 2025 hielt Diogo Costa den entscheidenden Elfmeter von Alvaro Morata, Portugal gewann 5:3 nach zuvor 2:2 nach Verlängerung. An diesem Montag, dem 6. Juli 2026, treffen beide Mannschaften im WM-Achtelfinale erneut aufeinander, diesmal geht es um den Einzug ins Viertelfinale.
Für Spanien ist es die erste echte Prüfung des Turniers: Die Mannschaft von Luis de la Fuente kam bislang ohne Gegentor durch vier Partien, allerdings auch mit zwei angeschlagenen Flügelspielern im Gepäck. Portugal reist dagegen mit dem 2:1-Sieg über Kroatien an, einem Spiel, in dem der 41 Jahre alte Cristiano Ronaldo per Elfmeter erneut WM-Geschichte schrieb.
Zwischen dem Weltmeister von 2010 und dem Europameister von 2016 hat sich seit Jahren kein klarer Vorteil herausgebildet, wie schon das Nations-League-Finale gezeigt hat. Genau diese Nähe zwischen beiden Mannschaften ist der Ausgangspunkt für den Tipp zu diesem Achtelfinale zwischen Portugal und Spanien.
Die Form von Portugal nach dem Krimi gegen Kroatien
Vier Spiele hat Portugal bei dieser WM bereits bestritten, und der Auftakt geriet zur Enttäuschung: Gegen DR Kongo ging die Mannschaft von Roberto Martinez durch Joao Neves früh in Führung, ehe Yoane Wissa kurz vor der Pause zum 1:1 traf, dem ersten WM-Tor der kongolesischen Geschichte überhaupt. Es blieb bei diesem einen Punkt gegen den vermeintlichen Außenseiter der Gruppe K. Die restliche Gruppenphase verlief für Portugal geordneter: Gegen Usbekistan gewann die Mannschaft deutlich mit 5:0, ein torloses Remis gegen Kolumbien reichte am Ende zum zweiten Platz hinter den Südamerikanern. Damit ging es für Portugal in ein Sechzehntelfinale gegen Kroatien, das zum bisherigen Höhepunkt des Turniers wurde und der Mannschaft einiges abverlangte.
Kroatien führte lange: Ivan Perisic hatte die Kroaten in der 53. Minute in Führung gebracht, ein zuvor erzieltes Tor Ronaldos war zudem nach VAR-Prüfung wegen einer hauchdünnen Abseitsstellung nicht anerkannt worden. Erst in der 68. Minute glich der Kapitän per Foulelfmeter aus, ehe Goncalo Ramos in der Nachspielzeit für die Entscheidung sorgte: Sein Kopfball zum 2:1 in der 90.+4. Minute schickte Portugal ins Achtelfinale.
Ronaldo und die Abwehr: zwei offene Fragen vor Spanien
Mit dem Elfmetertreffer gegen Kroatien wurde Ronaldo im Alter von 41 Jahren zum ältesten Torschützen einer K.o.-Runde in der WM-Geschichte und löste Pepe (39 Jahre) an dieser Stelle ab. Er steht inzwischen bei 146 Länderspieltoren und 232 Einsätzen für Portugal, Rekordwerte, die kein anderer europäischer Nationalspieler erreicht. Für das Achtelfinale gegen Spanien bleibt er trotz seines Alters der wichtigste Angreifer im Portugal-Sturm, auch wenn Spielmacher wie Bruno Fernandes und Vitinha die Räume dafür erst schaffen müssen.
Spaniens makellose Bilanz vor dem Achtelfinale
Kein Team ist bislang so souverän durch die WM 2026 gekommen wie Spanien, auch wenn der erste Auftritt genau das Gegenteil vermuten ließ. Gegen Kap Verde, die Nummer 67 der Weltrangliste und WM-Debütant, kam der Europameister am 15. Juni 2026 in Atlanta nicht über ein 0:0 hinaus. Torhüter Vozinha parierte alle sieben Schüsse aufs kapverdische Tor, während sich sein Team mit nur einem einzigen Foul durch die 90 Minuten rettete. Für die favorisierten Spanier war das Remis eine unangenehme Warnung.
Die restlichen Gruppenspiele liefen dagegen nach Plan: Siege gegen Saudi-Arabien und Uruguay brachten Spanien als Gruppenersten vor Kap Verde ins Sechzehntelfinale, mit fünf erzielten und keinem einzigen Gegentor über die gesamte Gruppenphase. Im Sechzehntelfinale gegen Österreich bestätigten die Spanier diesen Eindruck eindrucksvoll: Mikel Oyarzabal traf in der 36. und in der 89. Minute, Pedro Porro erhöhte in der 66. Minute, am Ende stand ein ungefährdetes 3:0 vor über 70.000 Zuschauern in Los Angeles. Vier Partien, kein Gegentor: Diese Bilanz erklärt, warum Spanien als Favorit in dieses Achtelfinale geht.
Yamal, Williams und Pino: Spaniens Verletzungssorgen vor dem Duell mit Portugal
Der Erfolg hat allerdings seinen Preis. Im dritten Gruppenspiel gegen Uruguay zogen sich Nico Williams und Yeremy Pino kurz nacheinander Verletzungen zu: Williams eine Zerrung im rechten Adduktorenbereich, Pino eine Blessur im Schultereckgelenk, nachdem er erst in der 66. Minute eingewechselt worden war. Pino fällt nach ärztlicher Einschätzung wohl für den Rest des Turniers aus, auch Williams' Einsatz gegen Portugal gilt weiter als unsicher. Beide kamen seither bestenfalls kurz von der Bank.
Für das Achtelfinale wird deshalb mit Lamine Yamal und Alex Baena auf den Flügelpositionen gerechnet, während Mikel Oyarzabal die Rolle im Angriffszentrum übernimmt. Rodri und Pedri bilden davor unverändert die Achse im Mittelfeld, über die praktisch das gesamte spanische Spiel läuft. Genau diese Achse ist der Grund, warum Spanien trotz der Ausfälle in der Offensive nicht automatisch schwächer wirkt, zumal mit Yamal weiterhin einer der auffälligsten Offensivspieler des gesamten Turniers auf dem Feld steht. Yamal kommt zwar selbst gerade erst von einer Verletzung zurück, zeigte aber in den vergangenen Spielen, dass er langsam wieder seine Form findet.
Portugal gegen Spanien: Diese Duelle entscheiden das Achtelfinale
Auf dem Flügel entscheidet sich möglicherweise mehr als irgendwo sonst auf dem Platz: Nuno Mendes drängt bei Portugal permanent nach vorne und muss im gleichen Atemzug Lamine Yamal auf der spanischen Seite unter Kontrolle halten, wenn der 19-Jährige von rechts nach innen zieht. Mendes hatte im Nations-League-Finale 2025 mit seinem frühen Ausgleichstreffer gezeigt, wie gefährlich sein Antritt sein kann, und traf auch im Elfmeterschießen sicher. Gegen Yamal, der bei dieser WM immer wieder für Torgefahr aus dem Halbraum sorgt, wird er defensiv gefordert wie selten zuvor in diesem Turnier.
Im Zentrum geht es dagegen weniger um Tempoduelle als um Kontrolle: Die etatmäßige Doppelsechs aus Rodri und Pedri lässt Spanien seit Jahren den Ton angeben, und Portugal muss über Joao Neves und Vitinha dagegenhalten, um nicht zusehen zu müssen, wie ihnen der Ball entzogen wird. Gelingt Portugal das nicht, drohen lange Ballbesitzphasen der Spanier, gegen die Cristiano Ronaldo im Sturm kaum zum Zug kommt.
Ronaldo selbst dürfte in der Innenverteidigung auf Aymeric Laporte und Pau Cubarsi treffen, die voraussichtliche Innenverteidigung der Spanier für dieses Achtelfinale. Beide sind erfahren und körperlich robust, doch Ronaldos Laufwege in die Tiefe und sein Kopfballspiel bleiben eine Gefahr, die keine Innenverteidigung ganz ausschalten kann. Sollte das Achtelfinale nach 120 Minuten weiter unentschieden stehen, rückt zudem Diogo Costa in den Fokus: Sein gehaltener Elfmeter gegen Alvaro Morata im Nations-League-Finale zeigt, dass er im Elfmeterschießen zu den stärkeren Torhütern bei dieser WM gehört.
Portugal vs. Spanien Tipps
1. Tipp: Beide Teams treffen
Über die gesamte WM 2026 hinweg blieb Portugal nur gegen Kolumbien ohne eigenes Tor, ein 0:0, das eher zur Vorsicht beider Mannschaften passte als zu fehlender Offensivqualität. Ansonsten traf Portugal in jeder Partie, zuletzt beim 2:1 gegen Kroatien durch Ronaldo und Goncalo Ramos. Mit Ronaldo, Rafael Leao und Bruno Fernandes verfügt Portugal über gleich drei Spieler, die ein enges K.o.-Spiel im Alleingang entscheiden können.
Auch Spanien blieb nur einmal ohne eigenes Tor, beim 0:0 gegen Kap Verde zum Auftakt. Im direkten Vergleich zwischen beiden Teams passt das Bild dazu: Im Nations-League-Finale 2025 fielen zwischen Portugal und Spanien vier Tore, zwei auf jeder Seite. Der einzige echte Einwand gegen die Wette ist Spaniens makellose Defensive, die in vier WM-Partien 2026 noch kein einziges Gegentor zugelassen hat, doch diese Bilanz entstand gegen Gegner mit viel weniger individueller Offensivqualität als Ronaldo und Leao gemeinsam mitbringen. Daher ist meine erste Empfehlung für diese Partie eine beide Teams treffen Wette.
2. Tipp: Über 2,5 Tore
Für diese Wette braucht es lediglich drei Tore, und genau diese Schwelle haben beide Mannschaften im bislang schwersten Spiel des Turniers erreicht: Portugal kam im Sechzehntelfinale gegen Kroatien auf ein 2:1, Spanien gewann sein Sechzehntelfinale gegen Österreich mit 3:0. Unter dem Druck eines K.o.-Spiels reichte es bei beiden Mannschaften also nicht für ein zähes, torarmes Ergebnis.
Beide Offensiven hängen zudem nicht an einem einzigen Spieler. Bei Portugal trafen in diesem Turnier bereits Joao Neves, Ronaldo und Ramos, dazu kommt der 5:0-Sieg gegen Usbekistan. Bei Spanien erzielten im selben Spiel mit Oyarzabal und Porro ebenfalls zwei verschiedene Spieler die drei Tore. Für ein Achtelfinale zwischen zwei derart torgefährlichen Mannschaften spricht damit mehr für drei oder mehr Treffer als für ein knappes 1:0 oder 0:0.
Fazit und Spielprognose
Spanien geht als Favorit in dieses Achtelfinale, auch wenn die makellose Turnierbilanz einen größeren Abstand suggeriert, als tatsächlich zwischen beiden Mannschaften liegt. Spaniens Defensive hat in vier Partien noch keinen Gegentreffer zugelassen, dazu kommen die stabilere Achse im Mittelfeld und mit Yamal ein Unterschiedsspieler in der Offensive, selbst ohne Williams und Pino. Portugal bringt dagegen den emotionalen Rückenwind der vergangenen Tage mit, dazu den knappen, dramatischen Sieg über Kroatien und einen Kapitän, der mit 41 Jahren immer noch WM-Geschichte schreibt.
Genau diese Mischung aus spanischer Stabilität und portugiesischer Einzelklasse spricht dafür, dass beide Mannschaften sich auch diesmal nichts schenken, ähnlich wie schon im Nations-League-Finale vor gut einem Jahr. Spanien dürfte über weite Strecken das Spiel bestimmen und sich über Rodri, Pedri und die Flügel Chancen erarbeiten, während Portugal auf einzelne Aktionen von Ronaldo, Leao oder Bruno Fernandes angewiesen ist, um dagegenzuhalten. Am Ende denke ich, dass die Partie in beide Richtungen kippen kann, wobei es mich nicht überraschen würde, wenn die Partie nach den ersten 90 Minuten noch keinen Sieger hätte.



