Am 22. August um 20:30 Uhr wird im Signal Iduna Park der erste Titel der Saison vergeben, und beide Mannschaften betreten den Rasen ohne ein einziges Pflichtspiel in den Beinen. Wer eine Partie sonst über die Tabelle, die letzten fünf Ergebnisse und den Lauf einer Mannschaft beurteilt, findet für diesen Franz-Beckenbauer-Supercup keine dieser Größen vor.

Genau daran scheitern die meisten Vorschauen zum Saisonauftakt, weil sie die abgelaufene Saison fortschreiben, als hätte die Sommerpause nicht stattgefunden. Dortmund hat in dieser Pause fünf Spieler abgegeben, die zur Stammelf gehörten, München zwei Zugänge für je 50 Millionen Euro geholt, und in beiden Kabinen sitzen Spieler, die nach der Weltmeisterschaft erst seit wenigen Tagen wieder mit dem Team arbeiten.

Der Umbau von Borussia Dortmund

Die Heimstärke ist das Argument, das für Dortmund in diesem Endspiel wirklich zählt. Im eigenen Stadion erzielte die Mannschaft in der abgelaufenen Bundesligasaison 2,35 Tore je Spiel und ließ nur 0,94 zu, bei erwarteten Gegentoren von 1,07. In 15 der 34 Ligaspiele blieb sie ganz ohne Gegentor, und die Saison endete auf dem zweiten Platz mit 22 Siegen, sieben Unentschieden und fünf Niederlagen bei 70:34 Toren. Das ist die Stärke, auf die Niko Kovač bauen kann, ein geordneter Defensivverbund vor eigenem Publikum.

Die Schwächen liegen dort, wo das Niveau steigt. In der Champions League kam Dortmund über zehn Spiele auf vier Siege, zwei Unentschieden und vier Niederlagen bei 22:21 Toren und schied am 25. Februar nach einem 1:4 in Bergamo aus, nachdem das Heimspiel gegen Atalanta 2:0 gewonnen worden war. Gegen die stärksten Gegner der Gruppenphase setzte es klare Niederlagen, 1:4 bei Manchester City und 0:2 gegen Inter Mailand. Im DFB-Pokal war schon am 2. Dezember Schluss, durch ein 0:1 gegen Bayer Leverkusen im eigenen Stadion. Bei 53 Prozent Ballbesitz und 4,79 Schüssen aufs Tor je Ligaspiel ist die Mannschaft im Angriff solide, aber nicht überlegen.

Der Sommer hat diesen Kader stärker verändert als den des Gegners. Karim Adeyemi ging für 22 Millionen Euro zum FC Barcelona, Julian Brandt ablösefrei zu Ajax, Salih Özcan ablösefrei zu Beşiktaş, Yan Couto als Leihe nach Como, und Innenverteidiger Niklas Süle verließ den Verein ohne Ablöse. Dafür kamen Zugänge für 86,50 Millionen Euro mit einem Durchschnittsalter von 19,3 Jahren, darunter Karetsas für 30 Millionen, Giannis Konstantelias für 26 Millionen und der 19-jährige Innenverteidiger Joane Gadou für 19,5 Millionen Euro. Talent ist vorhanden, eingespielte Erfahrung in der Abwehrmitte fehlt.

Denn dort trifft der Umbau auf die Verletztenliste. Emre Can fehlt seit dem 1. März mit einem Kreuzbandriss, Nico Schlotterbeck seit dem 21. Juni mit einem Innenbandanriss im Sprunggelenk. Beide sind Innenverteidiger, beide ohne bestätigten Rückkehrtermin, gesperrt ist bei Dortmund niemand. Bei Schlotterbeck reicht die Personalfrage bis in die Hierarchie, denn er würde die Binde tragen, sofern er rechtzeitig fit wird.

Warum der FC Bayern München mit intakter Achse anreist

Beim Doublesieger ist im Sommer fast alles zusammengeblieben, was die vergangene Saison geprägt hat. München gewann die Bundesliga mit 28 Siegen, fünf Unentschieden und einer Niederlage bei 122:36 Toren und holte am 23. Mai mit einem 3:0 gegen den VfB Stuttgart den DFB-Pokal. Die Angriffszahlen der Saison sind deutlich, 3,59 erzielte Tore je Spiel, erwartete Tore von 2,32, 67 Prozent Ballbesitz und 8,50 Schüsse aufs Tor je Partie. Auswärts erzielte die Mannschaft 3,18 Tore und kassierte genau eines je Spiel.

In der Champions League führte der Weg über elf Siege aus 14 Spielen bei 43:20 Toren bis ins Halbfinale, das am 6. Mai mit 5:6 aus beiden Spielen gegen Paris Saint-Germain endete. Diese Bilanz zeigt zugleich die Schwachstelle, die für den zweiten Tipp entscheidend wird: 20 Gegentore in 14 europäischen Spielen sind viel für eine Mannschaft dieser Klasse, und auch die drei Auswärtsrunden im DFB-Pokal gegen unterklassige und Ligagegner brachten jeweils Gegentreffer. Vincent Kompanys Elf verteidigt hoch und dominant, sie verteidigt aber nicht besonders sparsam.

In der Sommerpause blieb die Achse zusammen. Abgegeben wurden im Wesentlichen Ergänzungsspieler, dazu liefen die Verträge von Leon Goretzka und Raphaël Guerreiro aus. Für 106,95 Millionen Euro kamen Ismael Saibari von der PSV und Nathaniel Brown von Eintracht Frankfurt, beide für je 50 Millionen, das Durchschnittsalter der Zugänge liegt bei 22,4 Jahren. Anders als in Dortmund ersetzt hier Verstärkung keine Stammkräfte, sondern erhöht die Auswahl.

Die Liste der Ausfälle ist in München länger, betrifft aber vor allem die Optionen in der Offensive, und Sperren liegen auch hier keine vor. Serge Gnabry fehlt seit dem 18. April mit einer Adduktorenverletzung, Lennart Karl seit dem 5. Juni mit einem Muskelriss, Bryan Zaragoza seit Ende April mit einer Knieentzündung, für ihn ist der 20. August als Rückkehr angesetzt. Dazu kamen im Testspiel gegen Leipzig drei neue Sorgenfälle: Konrad Laimer musste in der 9. Minute mit einer Oberschenkelverletzung raus und fehlte am 17. August im Training, Min-Jae Kim verließ den Platz mit bandagiertem Oberschenkel, und Musiala sackte in der 84. Minute mit einem Schwächeanfall zusammen. Bei ihm gab der Notarzt noch auf dem Feld Entwarnung. Ob einer von ihnen gegen Dortmund auflaufen kann, ist noch unklar.

Borussia Dortmund vs. FC Bayern direkter Vergleich

Am 28. Februar 2026 führte Dortmund im eigenen Stadion zur Halbzeit mit 1:0 und verlor die Partie am Ende 2:3. Dieses Muster prägt die letzten zehn Pflichtspiele beider Mannschaften, von denen sechs an München gingen, drei unentschieden endeten und eines an Dortmund. In diesen zehn Spielen fielen 39 Tore, also 3,9 je Partie, und in acht von zehn trafen beide Mannschaften. Auch das Hinspiel der vergangenen Saison gewann München mit 2:1, und Dortmund traf in beiden Duellen selbst.

Im Supercup sieht die Rechnung anders aus. Neun Duelle wurden hier bereits ausgetragen, fünf gewann München, vier Dortmund. Zweimal setzte sich Dortmund im eigenen Stadion mit 2:0 durch, 2014 und 2019, während das letzte Aufeinandertreffen in diesem Wettbewerb 2021 mit 1:3 an München ging. In sechs der neun Spiele trafen beide Mannschaften.

Zwei Zahlen aus der Geschichte des Wettbewerbs gehören dazu. In 26 Endspielen setzte sich 17-mal der Deutsche Meister durch, eine Quote von rund zwei Dritteln. Und torarm war dieses Finale selten: 91 Treffer in 26 Endspielen ergeben einen Schnitt von 3,5 Toren je Partie.

Borussia Dortmund vs. FC Bayern Tipps

Wett-Tipps Borussia Dortmund - FC Bayern
Supercup
01
Sieg FC Bayern München 1,66
02
Beide Teams treffen 1,39

1. Sieg FC Bayern München

München geht als Doublesieger in dieses Spiel, mit 16 Punkten Vorsprung aus der abgelaufenen Bundesligasaison und einer Tordifferenz, die um 50 Treffer besser ausfiel als die des Gegners. Der Kader ist derselbe, der Meisterschaft und Pokal geholt und im Halbfinale der Champions League gestanden hat, ergänzt um zwei Zugänge im zweistelligen Millionenbereich. Genau hier liegt der Kern des Tipps. Während in Dortmund fünf erfahrene Spieler ersetzt werden müssen und die Innenverteidigung aus Gadou als 19-jährigem Zugang plus zwei verletzten Stammkräften besteht, tritt München in gewachsener Formation an. Der direkte Vergleich der vergangenen Jahre stützt das ebenso wie die Historie dieses Endspiels, in dem sich der Deutsche Meister in gut zwei Dritteln der Fälle durchsetzte.

Dazu kommt die Wucht, mit der diese Mannschaft Spiele entscheidet. In 94 Prozent ihrer Bundesligaspiele fielen mehr als 2,5 Tore, in 76 Prozent mehr als 3,5, und in 74 Prozent traf sie in beiden Halbzeiten. Ein Kader mit diesem Profil braucht keine Bestform, um ein einzelnes Spiel zu gewinnen, und er kann eine schwache Anfangsphase im zweiten Durchgang noch korrigieren. Mein erster Tipp ist deshalb eine Siegwette auf den FC Bayern München.

2. Beide Teams treffen

Die zweite Empfehlung für diese Partie ist eine beide Teams treffen Wette. München traf in der Saison 2025/26 in allen 54 Pflichtspielen, kein einziges Mal blieb die Mannschaft ohne eigenen Treffer. Das ist die eine Hälfte dieser Wette. Dortmund gelang das in 42 von 47 Spielen, blieb also nur fünfmal torlos. Die andere Hälfte ist die Anfälligkeit beider Abwehrreihen. München kassierte in 37 seiner 54 Pflichtspiele mindestens ein Gegentor, und die Abwehrmitte ist mit Kims angeschlagenem Oberschenkel und Laimers Ausfall geschwächt, während Dortmund zwei Innenverteidiger fehlen. In den Duellen der vergangenen Jahre war ein Spiel ohne Treffer beider Mannschaften die Ausnahme.

Auch die Ligabilanz stützt das. In 65 Prozent der Bundesligaspiele Münchens trafen beide Seiten, in den Auswärtsspielen der Münchner in 59 Prozent, und Dortmund blieb in nur zwei Ligaspielen der vergangenen Saison selbst ohne Tor. Gegen den Tipp spricht allein Dortmunds Heimbilanz, dort trafen beide Mannschaften nur in 41 Prozent der Fälle. Dieser eine Wert wiegt leichter als die Summe der übrigen, denn beide Mannschaften gehen mit einer Abwehr in dieses Finale, in der Stammkräfte fehlen, und beide haben in der vergangenen Saison fast immer selbst getroffen. Deshalb gehe ich auch hier von mindestens einem Treffer von beiden Mannschaften aus.

Fazit und Spielprognose

Die Ausgangslage ist klarer, als es ohne jeden aktuellen Formwert zunächst wirkt. München bringt den besseren Kader, die intakte Achse und den besseren direkten Vergleich mit, Dortmund die Heimstärke des Vorjahres und einen Wettbewerb, in dem die eigene Bilanz gegen diesen Gegner fast ausgeglichen ist. Was beide Mannschaften teilen, ist der fehlende Rhythmus, und der wirkt in einem einzelnen Endspiel als Unsicherheitsfaktor.

Ich erwarte ein offenes, aber am Ende von München entschiedenes Spiel mit Toren auf beiden Seiten, als konkrete Prognose ein 2:3 oder 1:3 aus Dortmunder Sicht. Die Dortmunder werden vermutlich lange mithalten, trotzdem traue ich dem FC Bayern München zum Saisonauftakt etwas mehr zu.