Gary Anderson gewann das World Matchplay 2018. Acht Jahre später steht er wieder im Viertelfinale in Blackpool, diesmal gegen Dirk van Duijvenbode, der zuletzt eher durch seine Ergebnisse auffiel als durch hohe Averages. Daraus ergibt sich die Frage vor dem Donnerstagabend: Reicht Andersons Scoring, oder kann van Duijvenbode ihm hier gefährlich werden?
Termin, Ort und Format des Viertelfinales
Das Viertelfinale zwischen Dirk van Duijvenbode und Gary Anderson eröffnet am Donnerstag, dem 23. Juli 2026, die Abendsitzung im Empress Ballroom der Winter Gardens in Blackpool. Als erste Partie des Abends ist es gegen 21:05 Uhr MESZ angesetzt, verschiebt sich aber nach hinten, falls die Sitzung später startet.
Gespielt wird über Best of 31 Legs. Für den Einzug ins Halbfinale braucht es 16 gewonnene Legs und dabei mindestens zwei Legs Vorsprung. Fällt die Entscheidung nicht vorher, kann die Partie bis zum Stand von 18:18 laufen, dann bringt ein einzelnes Leg den Endstand von 19:18. Es ist damit die längste Partie, die beide in diesem Turnier bisher zu bestreiten hatten. Anderson ist im diesen Format deutlich Erfahrener als Duijvenbode, allerdings hat der Niederländer bislang in den entscheidenden Momenten abliefern können.
Wie stark ist Dirk van Duijvenbode vor dem Viertelfinale?
Van Duijvenbode kommt mit vier Siegen aus den jüngsten fünf Partien. Die Ergebnisse sprechen für ihn, die Höhe seiner Averages nicht unbedingt.
Partie | Average | Ergebnis und weitere Werte |
|---|---|---|
Gegen Michael van Gerwen | 95,93 | 14:12, Doppelquote 40,00 %, neun 180er |
Gegen Chris Dobey | 92,78 | 13:11, Doppelquote 41,94 %, fünf 180er |
Jüngste fünf Spiele | 90,30 bis 95,93, | vier Siege, 22 Höchstaufnahmen in 75 Legs |
Vergangene zwölf Monate | 95,58 | Doppelquote 37,88 %, 53,23 % gewonnene Legs |
Zu den vier Siegen zählen neben den beiden Auftritten auf der Bühne zwei knappere Erfolge über Wessel Nijman (6:3) und erneut Chris Dobey (6:2), während die einzige Niederlage mit 2:6 gegen Damon Heta kam. In Blackpool schaltete van Duijvenbode zuletzt Michael van Gerwen mit 14:12 aus, sein bestes Spiel der Serie und zugleich das mit dem höchsten Average. Dort konnte er sich in der Verlängerung durchsetzen, nachdem er in den entscheidenden Legs sein Scoring hochschrauben konnte.
Entscheidend für die Einordnung ist aber der längere Zeitraum, in dem sein Average klar unter Andersons Niveau bleibt. Die breite Streuung der fünf Averages zeigt zudem, dass er sein oberes Niveau nicht verlässlich abruft. Er kommt also eher über die Ergebnisse weiter als über die Punktzahl, und genau diese Lücke muss er gegen einen konstanteren Gegner schließen.
Gary Andersons Form, Stärken und Schwächen
Anderson bringt die höheren Averages mit, hat aber zwei seiner fünf jüngsten Spiele verloren. Seine Stärke liegt klar im Scoring, seine Schwäche in der wechselhaften Ausbeute auf die Doppel.
Zeitraum oder Partie | Average | Ergebnis und weitere Werte |
|---|---|---|
Gegen Ryan Joyce | 109,96 | 10:2, Doppelquote 55,56 % |
Gegen Jonny Clayton | 98,13 | 11:7, Doppelquote 44,00 % |
Jüngste fünf Spiele | 93,43 bis 109,96, | drei Siege, zwei Niederlagen |
Vergangene zwölf Monate | 98,13 | Doppelquote 40,53 %, 55,18 % gewonnene Legs |
Anderson erreichte das Viertelfinale mit Siegen über Ryan Joyce (10:2) und Jonny Clayton (11:7). Gegen Clayton drehte er zudem einen frühen Rückstand, denn nach einem 1:4 gewann er acht der folgenden zehn Legs. Im Mittel der fünf Spiele lag er fast sieben Punkte über van Duijvenbode, das ist sein deutlichstes Argument für dieses Viertelfinale. Die andere Seite sind die beiden Niederlagen gegen Gian van Veen (4:6) und James Wade (5:6) sowie eine Doppelquote, die im schwächsten Spiel auf 28,57 Prozent fiel. Trifft er seine Doppel so unregelmäßig, verschenkt er trotz hoher Averages Legs, die ein Gegner mit besserer Ausbeute nutzt. Dazu kommt, dass im Vergleich zu seiner ersten Partie deutlich abgebaut hat, was nicht für eine Konstante Form spricht.
Dirk van Duijvenbode vs. Gary Anderson Tipps
1. Tipp: Sieg Gary Anderson
Für Anderson spricht vor allem sein Scoring. Über zwölf Monate liegt sein Average klar über dem von van Duijvenbode, und auch über die ersten neun Darts wirft er im Schnitt höher. Wie groß dieser Vorteil an einem guten Abend ausfallen kann, zeigte sein Sieg über Joyce, den er fast ausschließlich über das Punkten entschied, ohne dabei auf ein besonders sicheres Ausmachen angewiesen zu sein.
Je häufiger Anderson die hohen Aufnahmen bringt, desto öfter kommt er als Erster ans Doppel. Über ein langes Viertelfinale summiert sich dieser Vorsprung, weil van Duijvenbode Leg für Leg unter Druck steht, seine eigenen Chancen sofort zu nutzen, bevor Anderson wieder ans Board zurückkehrt. Bleibt Anderson nahe an seinem besseren Niveau, kann er die Partie über diese zusätzlichen Wurfmöglichkeiten steuern und muss den Ausgang nicht von einzelnen Doppelversuchen abhängig machen.
Dagegen stehen seine schwankenden Ergebnisse und van Duijvenbodes bessere jüngste Bilanz. Anderson verlor zwei seiner letzten fünf Spiele, van Duijvenbode gewann vier davon, und lässt Anderson seine ersten Doppel aus, kann der Niederländer den Rückstand beim Scoring über sein sichereres Ausmachen auffangen. Am Ende wiegt Andersons höheres Grundniveau beim Punkten etwas schwerer, vor allem wenn er ein Niveau wie gegen Joyce erreicht. Auch wenn das keine Normalleistung war, zeigt es, wie hoch sein Average an einem starken Abend klettern kann. Daher ist der erste Tipp auch eine Siegwette auf den erfahreneren Gary Anderson.
2. Tipp: Unter 10,5 180er von Gary Anderson
Meine zweite Empfehlung ist eine Under-Wette auf unter 10,5 180er von Gary Anderson. In seinen letzten fünf Spielen fielen 20 180er in 60 Legs, das sind 0,333 je Leg. Sieben davon kamen allein gegen Clayton, fünf gegen Joyce, die übrigen acht verteilten sich dünn über die drei weiteren Partien.
Überträgt man diese Rate auf das Viertelfinale, ergeben sich rechnerisch 10,33 Höchstaufnahmen nach 31 Legs. Sollte Anderson erneut einen guten Tag haben, geht die Partie vermutlich gar nicht bis zum 31. Leg sondern endet schon früher. Solange die Partie im normalen Rahmen bleibt, liegt Anderson damit unter der Grenze von 10,5. Das Risiko steckt allein in der Länge, denn ein Best of 31 kann sich über bis zu 37 Legs ziehen, und je länger die Partie dauert, desto höher fällt die Hochrechnung aus, bis über die Marke.
Der Vorbehalt liegt also im Format und in Andersons Ausschlägen nach oben. Trifft er einen Abend wie gegen Joyce, dann Endet die Partie früh und er hat gar nicht die Zeit dazu elf 180er zu werfen. Aber auch wenn Duijenbode mithält ist das noch keine Garantie dafür, dass Anderson hier tatsächlich elf 180er würft, was ihm in diesem Turnier in den letzten Jahren nicht gelungen ist.
Fazit und Prognose zum Spielverlauf
Andersons höhere Averages dürften ihm zu Beginn mehr hohe Aufnahmen und damit die erste Chance auf die Doppel verschaffen. Van Duijvenbode hält mit seiner besseren Bilanz der jüngsten fünf Partien dagegen, bleibt beim Scoring aber schwächer. Entscheidend wird, wie sicher Anderson seine Doppel trifft, denn bleibt er dort so unbeständig wie zuletzt, bekommt van Duijvenbode trotz des Rückstands beim Punkten genug Legs, um die Partie eng zu gestalten. Ich erwarte einen frühen Vorsprung Andersons und eine Entscheidung erst in der Schlussphase und lege mich auf ein 16:13 für Anderson fest.



