Im letzten Spiel der Gruppe K steht ausgerechnet der Tabellenführer weniger unter Druck als der Verfolger. Kolumbien reicht gegen Portugal ein Remis für den Gruppensieg, während Portugal trotz der besseren Tordifferenz gewinnen muss, um noch an Kolumbien vorbeizuziehen. Wer für diese Partie einen Tipp sucht, sollte diese Konstellation kennen, denn sie entscheidet, mit welchem Plan beide Teams in Miami auflaufen.

Daraus ergeben sich die Fragen, um die es hier geht: Wer setzt sich durch, und wer steht am Ende als Gruppensieger fest? Ronaldo ist nach seinem Doppelpack gegen Usbekistan in Form, Kolumbien hat mit Luis Díaz und James Rodríguez die Spieler für schnelle Gegenstöße. Beide Seiten haben gute Gründe, das Spiel offen zu gestalten, und genau das macht die Partie so reizvoll.

Worum geht es für Kolumbien und Portugal am letzten Gruppenspieltag?

Beide Teams gehen mit völlig unterschiedlichen Vorzeichen in dieses Spiel, und das ist der eigentliche Schlüssel für die Einschätzung. Kolumbien führt die Gruppe K nach zwei Siegen mit sechs Punkten an und hat das Sechzehntelfinale schon sicher. Portugal steht mit vier Punkten auf Rang zwei. Wer hier nur auf den Namen Ronaldo schaut, übersieht die Konstellation, die das Spiel prägt.

Entscheidend ist, was beim jeweiligen Ergebnis passiert. Gewinnt Portugal, zieht die Mannschaft an Kolumbien vorbei und wird mit sieben Punkten Gruppensieger. Bei einem Remis bleibt Kolumbien mit sieben Punkten vorn und sichert Platz eins. Für Portugal heißt das: nur ein Sieg bringt den ersten Platz, ein Unentschieden reicht den Portugiesen lediglich zum sicheren Weiterkommen als Gruppenzweiter. Kolumbien dagegen genügt schon das Remis für den Gruppensieg.

Damit hat vor allem Portugal einen klaren Grund, dieses Spiel offensiv anzugehen. Kolumbien steht ohnehin in der nächsten Runde und könnte theoretisch Kräfte schonen, doch der Gruppensieg ist über ein einziges Remis erreichbar und damit ein realistisches Ziel, für das sich der Aufwand lohnt. Angestoßen wird in der Nacht zum Sonntag, am 28.06.2026 um 01:30 Uhr deutscher Zeit, im Hard Rock Stadium in Miami Gardens. Parallel trifft im zweiten Spiel der Gruppe die DR Kongo auf Usbekistan, beide sind aber nur noch theoretisch im Rennen.

Team

Spiele

Tore

Punkte

Kolumbien

2

4:1

6

Portugal

2

6:1

4

DR Kongo

2

1:2

1

Usbekistan

2

1:8

0

Tabellenstand Gruppe K nach dem 2. Spieltag.

Auffällig ist der Blick auf die Tordifferenz: Portugal hat mit 6:1 die besseren Werte als Kolumbien mit 4:1, trotz des einen Punktes Rückstand. Das liegt am 5:0 gegen Usbekistan, während Kolumbien beide Spiele knapper gewann. Für die Tabelle zählt das vorerst nicht, weil die Punkte den Ausschlag geben. Für die Frage, wer die größere Torgefahr mitbringt, ist dieser Unterschied trotzdem ein erster Hinweis.

Portugals Befreiungsschlag gegen Usbekistan

Um Portugals Form einzuschätzen, lohnt nur ein Blick auf die beiden Gruppenspiele bei diesem Turnier, nicht auf Testspiele oder die Qualifikation. Und dieser Blick zeigt zwei sehr unterschiedliche Gesichter: ein zähes Auftaktremis und ein Schützenfest. Sechs Tore in zwei Spielen bei nur einem Gegentor sind die nackte Bilanz.

Auftakt mit Stolperer: das 1:1 gegen die DR Kongo

Im ersten Spiel in Houston kam Portugal über ein 1:1 gegen die DR Kongo nicht hinaus. João Neves köpfte die Portugiesen schon in der 6. Minute in Führung, danach aber verlor die Mannschaft den Faden. Die Kongolesen wurden mit jeder Minute mutiger und kamen kurz vor der Pause zum verdienten Ausgleich: Yoane Wissa traf in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+5) zum 1:1, dem ersten WM-Tor in der Geschichte der DR Kongo.

Für Portugal war das ein Warnschuss. Gegen einen kompakt verteidigenden Gegner fehlten die Mittel, das Spiel früh zu entscheiden, und hinten reichte eine schlecht verteidigte Standardsituation für das Gegentor. Cristiano Ronaldo stand mit 41 Jahren in der Startelf und ist damit der älteste Feldspieler, der je ein WM-Spiel von Beginn an bestritten hat. Treffen konnte er an diesem Abend allerdings nicht. Genau dieses eine Gegentor ist es, das Kolumbien Hoffnung machen darf.

Schützenfest gegen Usbekistan und Ronaldos Rekord

Im zweiten Spiel sah Portugal dann völlig anders aus. Beim 5:0 gegen WM-Debütant Usbekistan fielen die Tore am Fließband: Ronaldo traf in der 6. und der 39. Minute, Nuno Mendes erhöhte in der 17. Minute, ein Eigentor der Usbeken machte in der 60. Minute das vierte, und Rafael Leão setzte in der 87. Minute den Schlusspunkt. Erstmals in diesem Turnier blieb Portugal ohne Gegentor.

Ronaldos zweiter Treffer war mehr als nur das 3:0. Mit seinem Tor in der 39. Minute kam er auf zehn WM-Tore und zog an der portugiesischen Legende Eusébio (9) vorbei, womit er nun alleiniger Rekordtorschütze seines Landes bei Weltmeisterschaften ist. Außerdem ist er der erste Spieler überhaupt, der bei sechs verschiedenen Weltmeisterschaften getroffen hat. Für die Einordnung dieses Spiels heißt das: Wenn Portugal Räume bekommt, ist die Offensive um Ronaldo, Mendes und Leão eiskalt. Die Frage ist nur, ob Kolumbiens kompakte Abwehr diese Räume überhaupt zulässt.

So schlägt sich Kolumbien bisher in Gruppe K

Kolumbien ist zum ersten Mal seit acht Jahren wieder bei einer WM dabei und hat den Auftritt gleich genutzt: zwei Spiele, zwei Siege, sechs Punkte. Auch hier zählt für die Form nur das Turnier selbst, nicht die starke Qualifikation davor. Mit einem Torverhältnis von 4:1 steht die Mannschaft von Néstor Lorenzo unter dem Strich, der das Team seit Juni 2022 betreut.

Auftakt in Mexiko-Stadt: 3:1 gegen Usbekistan

Den ersten Sieg holte Kolumbien mit 3:1 gegen WM-Debütant Usbekistan. Rechtsverteidiger Daniel Muñoz rückte auf und traf nach Vorlage von Luis Díaz zur Führung (40.). Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich der Usbeken durch Abbosbek Fayzullayev (61.) stellte Díaz nur fünf Minuten später den alten Abstand wieder her (66.), ehe Jaminton Campaz in der Nachspielzeit (90.+9) per Kopf den 3:1-Endstand besorgte. Díaz war damit an zwei der drei Tore direkt beteiligt, erst als Vorbereiter, dann als Torschütze.

Der Mann, der die Offensive ordnet, ist weiterhin James Rodríguez. Der Spielmacher zieht die Fäden im letzten Drittel, während Díaz und der offensiv denkende Muñoz für Tempo über die Flügel sorgen. Díaz spielt seit Sommer 2025 beim FC Bayern München und ist damit der prominenteste Name in einer Mannschaft, die vor allem über das schnelle Umschalten gefährlich wird.

Zäher Arbeitssieg: 1:0 gegen die DR Kongo

Das zweite Spiel war eine andere Geschichte. Gegen eine tief stehende DR Kongo tat sich Kolumbien lange schwer und brauchte bis zur 76. Minute, ehe erneut Daniel Muñoz den 1:0-Siegtreffer erzielte. Davor hatte der kongolesische Torhüter mehrere Schüsse von James Rodríguez und Luis Díaz pariert, ein früher Treffer war zudem wegen Abseits zurückgenommen worden.

Das 1:0 hat zwei Seiten. Positiv: Kolumbien hielt gegen die DR Kongo die Null und hat nach zwei Spielen erst ein Gegentor kassiert. Kritisch: Gegen einen defensiv eingestellten Gegner fehlte über weite Strecken die Durchschlagskraft. Portugal verteidigt nicht so tief wie die DR Kongo und wird Kolumbien mehr Räume zum Kontern lassen, das spricht eher für ein offeneres Spiel als das knappe 1:0 vermuten lässt.

Unser Wett-Tipp für Kolumbien gegen Portugal

Wett-Tipps Kolumbien - Portugal
WM 2026
01
Beide Teams treffen 1,87
02
Sieg Portugal 1,85

1. Tipp: Beide Teams treffen

Mein erster Tipp ist eine beide Teams treffen Wette, und die bisherige Bilanz stützt ihn deutlich. Beide Mannschaften haben in jedem ihrer zwei Gruppenspiele mindestens einmal getroffen: Portugal kommt auf sechs Tore, Kolumbien auf vier. Eine Offensive um Cristiano Ronaldo trifft ebenso zuverlässig wie eine kolumbianische Mannschaft, die schon gegen Usbekistan und die DR Kongo dreimal beziehungsweise einmal erfolgreich war. Tore zu erwarten ist hier keine Hoffnung, sondern die Fortschreibung dessen, was beide Teams bisher gezeigt haben.

Der zweite Grund ist die Anlage der Partie. Portugal muss gewinnen, um an Kolumbien vorbeizuziehen, und wird das Spiel deshalb nach vorne tragen statt es abzusichern. Genau das öffnet die Räume, in denen Kolumbien über Luis Díaz und den aufrückenden Daniel Muñoz seine schnellen Konter fährt. Dass Portugals Abwehr verwundbar ist, hat das 1:1 gegen die DR Kongo gezeigt: Eine schlecht verteidigte Standardsituation reichte für das Gegentor. Eine Mannschaft, die so nach vorne spielt wie Portugal es muss, lässt hinten zwangsläufig mehr zu.

2. Tipp: Sieg Portugal

Der Unterschied an individueller Klasse ist da und lässt sich nicht wegdiskutieren. In der FIFA-Weltrangliste steht Portugal auf Rang 5, Kolumbien nur auf Rang 13. Auf dem Platz hat sich diese Kluft bereits gezeigt: Portugal hat in zwei Spielen sechs Tore erzielt, davon fünf allein beim Kantersieg gegen Usbekistan, und mit Cristiano Ronaldo den nun alleinigen WM-Rekordtorschützen seines Landes in der Form seines Lebens. Eine vergleichbare Durchschlagskraft hat Kolumbien in den ersten beiden Spielen nicht gezeigt, auch wenn sie im Vergleich zu Portugal beide Spiele gewonnen haben.

Dazu kommt der Druck, der für Portugal spricht. Die Portugiesen müssen gewinnen, um Gruppensieger zu werden, und gehen das Spiel deshalb mit voller Offensive an. Kolumbien wird sich nicht so tief einigeln können wie die DR Kongo, denn die Mannschaft von Néstor Lorenzo lebt selbst vom Offensivspiel über James Rodríguez und Luis Díaz und will den Gruppensieg lieber aus eigener Kraft holen, als auf das Remis zu spekulieren. Das öffnet die Räume, in denen Portugals Qualität über 90 Minuten den Ausschlag gibt.

Kolumbien ist ungeschlagen, defensiv bislang stabil und käme mit einem Remis als Gruppensieger durch. Entscheidet sich Lorenzo doch für ein vorsichtiges Spiel, kann Portugal an einer kompakten Abwehr hängen bleiben, so wie zuletzt beim torlosen Offensivspiel im 1:1 gegen die DR Kongo. Über die gesamte Spielzeit setzt sich die höhere Qualität in einer solchen Partie aber meist durch, und die liegt klar bei Portugal. Deshalb ist der zweite Tipp eine Siegwette auf Portugal.

Kolumbien gegen Portugal: Prognose und Fazit

Zwei Mannschaften in starker Verfassung treffen aufeinander, und die Anreize ziehen beide nach vorn. Portugal hat die gefährlichere Offensive und den größeren Zwang, weil nur ein Sieg den Gruppensieg bringt. Kolumbien hat die bessere Defensive und mit James Rodríguez und Luis Díaz die Spieler, um jederzeit selbst zu treffen. Das ist die Mischung, aus der ein offenes Spiel entsteht.

Meine Prognose ist ein 2:1 für Portugal. Die Portugiesen setzen ihre individuelle Klasse in der Offensive durch, Kolumbien schlägt über einen Konter oder einen Standard zurück, am Ende gibt die größere Torgefahr den Ausschlag. Es wird ein enges Spiel, in dem sich die höhere Qualität knapp behauptet, ohne dass Kolumbien dabei völlig abgemeldet ist.