Conor McGregor steigt bei UFC 329 mit 37 Jahren wieder in den Käfig, drei Tage vor seinem 38. Geburtstag und nach der längsten Auszeit seiner Karriere. Gegenüber steht Max Holloway, der als klarer Favorit gilt und zuletzt regelmäßig gekämpft hat, während McGregor zusah. Der Hauptkampf im Weltergewicht am 11. Juli in Las Vegas ist damit weniger ein Wiedersehen als eine offene Frage: Reicht McGregors Schlagkraft nach Jahren ohne Wettkampf noch, um einen aktiven und selten bezwungenen Gegner früh auszuschalten, oder geben Holloways Routine aus vielen Kämpfen und seine Nehmerqualitäten den Ausschlag?
UFC 329: Worum es bei McGregor gegen Holloway wirklich geht
Der Hauptkampf der International Fight Week steigt im Weltergewicht, in der T-Mobile Arena in Paradise bei Las Vegas. In Mitteleuropa läuft die Nacht von Samstag, dem 11. Juli, auf Sonntag, den 12. Juli. Es ist das zweite Aufeinandertreffen der beiden: Am 17. August 2013 gewann McGregor das erste Duell in Boston nach einstimmiger Entscheidung der Punktrichter über drei Runden, mit den Wertungen 30:27, 30:27 und 30:26. Damals war Holloway 21 Jahre alt und McGregor ein Neuling in der Ultimate Fighting Championship, der Kampf fiel also früh in beide Karrieren.
Zum Ereignis wird der Rückkampf durch das, was seither passiert ist, und durch das, was nicht passiert ist. Für McGregor ist es der erste Kampf seit dem Beinbruch bei UFC 264 im Juli 2021, eine Rückkehr nach rund fünf Jahren. Für Holloway ist es das Debüt im Weltergewicht: Seine gesamte Laufbahn verlief im Federgewicht und zwischenzeitlich im Leichtgewicht, eine Klasse höher hat er noch nie gekämpft.
Wie fit ist McGregor nach fünf Jahren Pause?
McGregor bringt eine Bilanz mit, die kaum ein aktiver Kämpfer vorweist, und eine Unbekannte, die genauso schwer wiegt. 22 Siegen stehen 6 Niederlagen gegenüber, 19 dieser Siege endeten durch K. o. oder technischen K. o. Was sich nicht in Zahlen fassen lässt, ist die Frage, wie viel von dieser Wucht nach so langer Pause noch übrig ist.
Die beiden letzten Auftritte vor der Pause gingen verloren, beide vorzeitig und beide gegen Dustin Poirier. Bei UFC 257 im Januar 2021 unterlag McGregor durch technischen K. o. in der zweiten Runde, die erste derartige Niederlage seiner Laufbahn.
Ein halbes Jahr später kam bei UFC 264 das Aus schon in der ersten Runde: McGregor brach sich das Bein, der Ringarzt beendete den Kampf. Zwei vorzeitig verlorene Kämpfe gegen denselben Gegner, dazu die Auszeit von fünf Jahren, das ist die sportliche Ausgangslage, mit der er in den Rückkampf geht.
Schlagkraft als Kapital, Ausdauer als Unbekannte
Die linke Hand ist McGregors gefährlichste Waffe, und die Zahlen untermauern das: Ein Großteil seiner Siege kam früh und durch einen einzigen sauberen Treffer. Trifft er Konstant, kann er jedem Gegner gefährlich werden.
Offen ist dagegen, was nach der ersten Belastung passiert. McGregor ist 37, drei Tage nach dem Kampf wird er 38, und er hat seit dem Sommer 2021 keinen Wettkampf mehr bestritten. Ob seine Kondition über fünf Runden hält, ist kein bewiesener Schwachpunkt, aber ein echtes Fragezeichen: Fünf Jahre ohne einen einzigen Kampf lassen sich im Training kaum vollständig ersetzen.
McGregors Bilanz im Weltergewicht
Fremd ist McGregor die Klasse nicht, in der er antritt. Im Weltergewicht steht er bei zwei Siegen und einer Niederlage. Gegen Nate Diaz verlor er bei UFC 196 im März 2016 durch Aufgabe, im Rückkampf bei UFC 202 im August 2016 gewann er nach Punkten.
Sein bislang letzter Auftritt in dieser Gewichtsklasse war ein Ausrufezeichen: Bei UFC 246 im Januar 2020 schlug er Donald Cerrone nach 40 Sekunden durch technischen K. o. Es blieb zugleich sein bis heute letzter Sieg.
Max Holloway vor UFC 329: Favorit mit wechselhafter Bilanz
Favorit ist in diesem Duell klar Holloway, makellos ist er nicht. In seinen letzten vier Kämpfen wechselten sich Sieg und Niederlage ab, zweimal gewann er, zweimal verlor er. Über die gesamte Laufbahn stehen 27 Siege und 9 Niederlagen, 12 der Siege durch K. o. und zwei durch Aufgabe.
Die letzten vier Kämpfe
Der Reihe nach: Bei UFC 300 im April 2024 schlug Holloway Justin Gaethje in der letzten Sekunde der fünften Runde k. o., einer der spätesten K.o.-Siege in der Geschichte der UFC, und holte damit den symbolischen BMF-Titel.
Sechs Monate später ging es schief. Bei UFC 308 im Oktober 2024 forderte er Ilia Topuria um den Federgewichtstitel heraus und kassierte in der dritten Runde die erste K.-o.-Niederlage seiner Karriere. Im Juli 2025 verteidigte er im Leichtgewicht den BMF-Titel nach Punkten gegen Dustin Poirier, in dessen Abschiedskampf. Zuletzt, bei UFC 326 im März 2026, verlor er diesen Gürtel wieder: Charles Oliveira dominierte am Boden und gewann einstimmig, alle drei Wertungen lauteten 50:45.
Ein Detail zählt vor diesem Kampf besonders. Von Holloways neun Niederlagen kam nur eine durch K. o., eben die gegen Topuria. Alle anderen gingen über die volle Distanz oder durch Aufgabe. In 36 Profikämpfen wurde er also genau ein einziges Mal ausgeknockt. Wer ihn früh beenden will, versucht etwas, das bisher fast niemandem gelungen ist.
Der Sprung ins Weltergewicht
Neu ist für Holloway die Gewichtsklasse. Von 2012 an kämpfte er im Federgewicht, zwischendurch im Leichtgewicht, das Weltergewicht ist Neuland. Zur Kampfwoche stellte er klar, dass er selbst für das höhere Limit noch Gewicht abnehmen muss, ein leichter Gang zur Waage wird das für ihn also nicht, auch wenn es ein deutlich einfacherer Cut ist, als beispielsweise der Cut in das Federgewicht.
Mit 34 Jahren ist er gut drei Jahre jünger als McGregor und deutlich frischer: vier Kämpfe gegen Topgegner in der Zeit, in der McGregor keinen einzigen bestritt. Ob ihm die höhere Klasse mehr Wucht bringt oder Schärfe kostet, ist die letzte offene Frage vor dem Duell.
Das Stilduell: McGregors Schlagkraft gegen Holloways Volumen
Die Kennzahlen liegen näher beieinander, als der Favoritenstatus vermuten lässt: ähnlich viele Kämpfe, aber sehr unterschiedliche Wege zum Sieg, dazu klare Unterschiede bei Alter, Größe und Reichweite.
Merkmal | Max Holloway | Conor McGregor |
|---|---|---|
Profibilanz | 27-9 | 22-6 |
Siege durch K. o. oder TKO | 12 | 19 |
Alter am Kampftag | 34 | 37 |
Körpergröße | rund 1,80 m | rund 1,75 m |
Reichweite | 175 cm | 188 cm |
Je länger der Kampf dauert, desto mehr spricht für Holloway. Er hat zuletzt mehrfach über fünf Runden gekämpft, McGregor seit Jahren keine einzige. Ein Verlauf, der in die dritte, vierte oder fünfte Runde geht, spielt Holloway in die Karten, weil dort Tempo und Kondition entscheiden und nicht der einzelne Schlag. Genau hier liegt McGregors größtes Fragezeichen. Sollte McGregor in den Runden nachlassen, ist es sehr wahrscheinlich, dass Holloway den Kampf dort frühzeitig beenden wird.
Größe und Reichweite
Körperlich ist das Duell ungewöhnlich verteilt. Holloway ist mit rund 1,80 Metern der größere Mann, McGregor hat mit 188 Zentimetern aber die deutlich längeren Arme, 13 Zentimeter mehr als sein Gegner.
In einer Klasse, die für beide keine gewohnte Heimat ist, kann dieser Reichweitenvorteil McGregor helfen, den Gegner auf Distanz zu halten und die Linke aus sicherer Entfernung zu setzen, solange seine Beine frisch bleiben. Verliert er die Beinarbeit, schrumpft der Vorteil schnell.
Was das Duell von 2013 taugt
Bleibt der eine direkte Vergleich, und der taugt wenig. 2013 standen sich zwei blutjunge Nachwuchskämpfer gegenüber, in einer anderen Gewichtsklasse und mit dreizehn Jahren Abstand zu heute.
Ein Detail entwertet das alte Ergebnis zusätzlich: McGregor zog sich in jenem Kampf eine Knieverletzung zu und stützte sich über weite Strecken auf sein Ringen, nicht auf das Schlagduell, für das er heute steht. Als Prognose für diesen Abend gibt der einzige gemeinsame Kampf deshalb kaum etwas her.
UFC 329: McGregor - Holloway Tipp
Der Tipp zu diesem Kampf lautet: Sieg von Max Holloway durch K.o., TKO oder DQ. Holloway ist an diesem Abend der überlegene Kämpfer, und er ist auch der, der einen ausgezehrten Gegner am Ende tatsächlich stoppt.
Das stärkste Argument ist, wer zuletzt gekämpft hat. Holloway ist viermal in Folge gegen die Elite angetreten, hat gegen Gaethje, Poirier und Oliveira lange Runden bestritten und ist im Rhythmus geblieben. McGregor hat in derselben Zeit keinen einzigen Kampf absolviert. Gespür für Distanz und Timing holt man sich nur in echten Kämpfen, und die fehlen ihm seit dem Sommer 2021.
Dazu kommt der Verlauf über fünf Runden. McGregor ist gefährlich, solange er frisch ist und den großen Treffer sucht. Bleibt der aus, entsteht genau die Art Auseinandersetzung, in der Holloways Tempo und die schiere Zahl seiner Treffer einen alternden Gegner zermürben. Und Holloway kann Kämpfe vorzeitig beenden: Gegen Gaethje knockte er einen zähen Gegner in der letzten Sekunde der fünften Runde aus. Ein McGregor, dem in der zweiten Kampfhälfte die Kraft ausgeht, ist ein realistischer Kandidat für ein spätes Ende.
Der ehrliche Einwand: Der Tipp verlangt mehr als nur einen Sieg Holloways, und er gewinnt häufiger nach Punkten als vorzeitig, dazu kann ein einziger Treffer McGregors den Kampf jederzeit drehen. Dieses Risiko wiegt hier aber leichter als sonst, denn ein Gegner, der über die Runden einbricht, ist eher ein Kandidat für ein spätes Aus als für eine knappe Niederlage nach Punkten. Daher ist unser Tipp eine Siegwette auf Max Holloway durch K.o., TKO oder DQ
Prognose zu McGregor gegen Holloway
Am wahrscheinlichsten ist ein Kampf, der McGregors Comeback ehrlich beantwortet. Die erste Runde gehört der Spannung: McGregor sucht früh den großen Treffer, und solange seine Beine frisch sind, bleibt er gefährlich. Übersteht Holloway diese Phase, kippt der Kampf.
Von Runde zu Runde wird der Abstand größer. Holloways Tempo zwingt McGregor in eine Auseinandersetzung, für die dem 37-Jährigen nach der langen Pause die Grundlage fehlt. Er lässt nach, Holloway trifft häufiger und härter, und die neue, schwerere Gewichtsklasse nimmt McGregor dabei keine Last ab.
Die größte Unbekannte bleibt bis zum ersten Gong dieselbe: fünf Jahre ohne Wettkampf und ein Duell eine Klasse höher, für beide ungewohnt. Setzt man sie gegen Holloways Frische, fällt die Prognose klar aus: Holloway setzt sich durch und beendet den Kampf in der dritten oder vierten Runde durch technischen K. o., wenn McGregors Reserven aufgebraucht sind.



