Mit dem 2:1 gegen Rekordweltmeister Brasilien steht Norwegen zum ersten Mal in der Verbandsgeschichte in einem WM-Viertelfinale, entschieden durch einen Doppelpack von Erling Haaland in der Schlussphase am 5. Juli 2026. Einen Tag zuvor hatte sich England nach einer Aufholjagd mit 3:2 gegen Mexiko durchgesetzt, zeitweise nur zu zehnt nach einem Platzverweis. Am 11. Juli 2026 treffen beide Mannschaften im Hard Rock Stadium in Miami Gardens aufeinander: ein Team bei seinem ersten Viertelfinale gegen einen Titelkandidaten, der seit 2022 auf genau dieser Runde hängen bleibt.
Norwegen bekommt England als nächsten Härtetest
Für Norwegen ist dieses Spiel historisch. Noch nie stand die Mannschaft in einem WM-Viertelfinale, und erst zum vierten Mal überhaupt nimmt sie an einer Endrunde teil. Bereits 1998 gelang ein Sieg gegen Brasilien, in der Gruppenphase mit 2:1, ehe Italien im Achtelfinale mit einem 1:0 Schluss machte. Der erneute 2:1-Erfolg gegen Brasilien 2026, diesmal im Achtelfinale selbst, brachte Norwegen nun über genau die Hürde von damals hinaus.
England reist dagegen als etablierte Turniermannschaft an, zur 17. Endrunde der eigenen Geschichte. 2022 war im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Frankreich Endstation, ein Rückschlag, den Thomas Tuchel seit seiner Berufung sichtbar aufgearbeitet hat: England kam ungeschlagen und ohne Gegentor durch die gesamte Qualifikation, acht Siege aus acht Spielen. Norwegen unter Ståle Solbakken schaffte in der eigenen Qualifikation dasselbe Kunststück und bezwang dabei zweimal ausgerechnet Italien, den Gegner von 1998, mit 3:0 und 4:1.
Der Abstand in der Weltrangliste zeigt die unterschiedlichen Ausgangslagen. England ging als Nummer vier ins Turnier, Norwegen nur als 31. Nach dem Sieg über Brasilien sprang Norwegen zwar um zwölf Plätze auf Rang 19, der größte Sprung aller Mannschaften in der aktuellen Weltrangliste, doch die Lücke zu England bleibt groß. Auch historisch spricht die Bilanz für die Engländer: In 13 Länderspielen seit dem ersten Duell gewannen sie 7, Norwegen 3, dazu 3 Unentschieden, zuletzt in einem Testspiel in Oslo im Mai 2012, das England mit 1:0 für sich entschied.
Wie hat sich Norwegen mit Haaland ins Viertelfinale gespielt?
Fünf Turnierspiele, fünfmal getroffen: Norwegens Weg ins Viertelfinale zieht sich wie ein roter Faden durch die Torquote von Erling Haaland, der bei jedem einzelnen Auftritt selbst getroffen hat. Insgesamt erzielte die Mannschaft zwölf Tore in fünf Spielen, sieben davon durch den eigenen Stürmer.
Gruppenphase mit Schönheitsfehler gegen Frankreich
Den Auftakt in der Gruppe I machte ein 4:1 gegen den Irak, bei dem Haaland gleich zweimal traf, ehe Leo Østigård per Kopf nach einer Ecke den Endstand herstellte. Es folgte ein 3:2 gegen Senegal, ehe die einzige Niederlage des gesamten Turniers folgte: ein 1:4 gegen Gruppensieger Frankreich, das die individuelle Qualität der Franzosen schonungslos offenlegte. Dort muss man jedoch dazusagen, dass Norwegen hier mit einer B-Elf aufgelaufen ist, da sie zu dem Zeitpunkt bereits sicher für das Sechzehntelfinale qualifiziert waren.
K.-o.-Runde: Nusa öffnet, Haaland vollendet
Im Sechzehntelfinale gegen die Elfenbeinküste tat sich Norwegen im Dallas-Stadion zunächst schwer. Antonio Nusa brachte die Mannschaft in der 39. Minute in Führung, das erste norwegische Tor in einer WM-K.-o.-Runde seit 88 Jahren, ehe der eingewechselte Diallo nach der Pause ausglich. Haaland entschied die Partie in der 86. Minute mit dem 2:1-Siegtreffer.
Im Achtelfinale gegen Brasilien blieb es lange torlos, ehe Haaland in der 79. und 90. Minute doppelt zuschlug und Brasilien aus dem Turnier warf. Neymars Anschlusstreffer per Elfmeter in der Nachspielzeit kam zu spät, um daran noch etwas zu ändern. Mit sieben Turniertoren steht Haaland damit gleichauf mit Kylian Mbappé und Lionel Messi an der Spitze der Torschützenliste, in seiner Nationalmannschaftskarriere hat er es inzwischen auf 51 Tore in 46 Länderspielen gebracht. Die Kapitänsbinde trägt seit 2021 Mittelfeldspieler Martin Ødegaard vom FC Arsenal, der bei dieser WM ebenfalls gute Leistungen gezeigt hat.
Englands Turnier: Kane trifft, doch die Abwehr wackelt
Der Turnierauftakt gegen Kroatien zeigte Englands zwei Gesichter in einem einzigen Spiel: mittelmäßig in der ersten Halbzeit, danach überlegen. Zur Pause stand es im Dallas-Stadion noch 2:2, ehe Jude Bellingham nur 85 Sekunden nach dem Seitenwechsel den erneuten Führungstreffer setzte und Marcus Rashford kurz vor Schluss auf 4:2 erhöhte. Kane war mit einem verwandelten Elfmeter und einem Kopfballtor nach einer Ecke von Declan Rice gleich zweifach beteiligt.
Es folgte ein 0:0 gegen Ghana und ein 2:0 gegen Panama. Mit 6:2 Toren aus drei Spielen wurde England Gruppensieger vor Kroatien.
Knapp gegen DR Kongo, wacklig gegen Mexiko
Im Sechzehntelfinale gegen DR Kongo geriet England früh in Rückstand und blieb es lange: Brian Cipenga traf bereits in der 7. Minute zum 0:1, danach hielt Torhüter Lionel Mpasi lange alles, was auf sein Tor kam. Erst in der 75. Minute glich Kane per Kopf nach einer Hereingabe von Anthony Gordon aus, elf Minuten später erzielte er das 2:1, wobei er wieder von Gordon bedient worden ist.
Im Achtelfinale gegen Mexiko lag England dagegen nie zurück, geriet aber nach einer komfortablen Führung ins Wanken. Jude Bellingham brachte England mit einem Doppelpack (36., 38.) komfortabel auf 2:0, ehe Julián Quiñones kurz vor der Pause zum 2:1 verkürzte. Nach dem Platzverweis gegen Jarell Quansah in der 54. Minute musste England fast eine ganze Halbzeit lang in Unterzahl verteidigen. Kane erhöhte per Elfmeter in der 60. Minute auf 3:1, ehe Raúl Jiménez in der 69. Minute den Anschluss zum 3:2-Endstand herstellte. Das änderte jedoch nichts mehr am Endstand, welchen England sicher über die Zeit bringen konnte.
Mit sechs Turniertoren steht Kane hinter Haaland, Mbappé und Messi auf Rang vier der Torschützenliste. Die Kehrseite zeigt sich in der Defensive: Gegen DR Kongo geriet England früh in Rückstand, gegen Mexiko musste die Mannschaft nach dem Platzverweis fast eine ganze Halbzeit in Unterzahl verteidigen. Beide Male entschied sich die Partie erst spät und knapp, statt früh unter Kontrolle zu sein.
Norwegen - England Tipps zum WM-Viertelfinale
1. Tipp: Erling Haaland trifft
Die Fakten für einen erneuten Haaland-Treffer liegen offen: sieben Turniertore aus fünf Spielen, gleichauf mit Mbappé und Messi an der Spitze der Torschützenliste, dazu ein Tor in jedem der beiden bisherigen K.-o.-Spiele. England hat in der Innenverteidigung weiterhin keine feste Achse, ein Vorteil, den ein Stürmer in dieser Form dankbar nutzen kann.
Der ehrliche Einwand: Haaland ließ sich in beiden K.-o.-Spielen viel Zeit, gegen die Elfenbeinküste traf er erst in der 86. Minute, gegen Brasilien erst in der 79. und 90. Minute. Wer auf einen frühen Treffer wartet, könnte enttäuscht werden. Dagegen steht, dass genau diese Zuverlässigkeit in der Schlussphase sein größtes Kapital ist: In beiden Spielen fiel die Entscheidung erst spät, und genau dann war Haaland zur Stelle. Daher ist der erste Tipp eine Torschützen Wette auf mindestens einen Treffer von Erling Haaland
2. Tipp: Beide Teams treffen
Der zweite Tipp für diese Partie ist eine Beide Teams treffen Wette. Norwegen hat in jedem seiner fünf bisherigen Turnierspiele getroffen und dabei in jedem einzigen Spiel auch selbst ein Gegentor kassiert, selbst gegen Brasilien fiel in der Nachspielzeit noch der Anschlusstreffer von Neymar. England wiederum hat in beiden K.-o.-Spielen mindestens einmal Gegentore hinnehmen müssen und bringt mit Kane, Bellingham und Saka genug Offensivkraft mit, um auch eine gut organisierte Abwehr zu knacken.
Der eigentliche Haken liegt darin, dass Norwegens Abwehr gegen Brasilien bis auf diesen einen späten Elfmeter kaum etwas zuließ, die bislang beste Vorstellung im Turnier. Ganz ohne Gegentor blieb die Mannschaft trotzdem nicht, und über fünf Spiele hinweg hat sie in jedem einzigen mindestens einmal hinter sich greifen müssen. England bringt eine enorme offensive Qualität mit, weshalb es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie gegen Norwegen keinen Treffer auf die Anzeigetafel bringen können. Schließlich haben sie gerade erst drei Tore gegen eine mexikanische Verteidigung geschossen, die bis dahin kein einziges Tor bei dieser WM kassiert hat.
Fazit: So geht das Viertelfinale zwischen Norwegen und England aus
England geht als Favorit in dieses Viertelfinale und das auch insgesamt verdient. Kane, Bellingham und Saka bringen individuelle Klasse in drei verschiedenen Zonen des Spielfelds, während Norwegen seine Hoffnungen im Wesentlichen auf einen einzigen Ausnahmespieler in Erling Haaland konzentriert.
Genau dieser eine Spieler hat aber gezeigt, dass er ein Turnier im Alleingang kippen kann. Haaland traf in beiden K.-o.-Spielen genau dann, wenn Norwegen am meisten unter Druck stand, und die Mannschaft von Ståle Solbakken hat sich in jeder K.-o.-Partie erst in den letzten Minuten durchgesetzt. Diese Fähigkeit, ein enges Spiel spät zu entscheiden, macht Norwegen zu mehr als einem reinen Außenseiter.
Ich erwarte ein Spiel, das lange auf Messers Schneide steht und in dem beide Mannschaften treffen, ehe sich England am Ende doch durchsetzt. Meine Prognose: England gewinnt mit 3:2 nach einer Partie, die bis in die Schlussminuten offen bleibt.



