Spanien hat bei dieser Weltmeisterschaft in fünf Spielen kein einziges Gegentor kassiert. Belgien hat in fünf Spielen dreizehn Tore erzielt. Am Freitag, dem 10. Juli 2026, treffen die dichteste Abwehr und einer der gefährlichsten Angriffe des Turniers im Viertelfinale von Los Angeles aufeinander.
Für Luis de la Fuentes Spanien ist es der nächste Prüfstein: eine makellose Defensive, dazu aber zwei angeschlagene Stammspieler auf den Flügeln. Belgien unter Rudi Garcia trifft nach Belieben, lässt hinten aber fast in jedem Spiel selbst etwas zu. Ob Spaniens Abwehr gegen den zuletzt starken Angriff der Belgier hält, ist die Frage, an der dieses Viertelfinale hängt.
Was im Viertelfinale von Los Angeles auf dem Spiel steht
Angepfiffen wird am Freitagabend um 21:00 Uhr deutscher Zeit im SoFi Stadium von Inglewood, einem der Schauplätze dieser Endrunde in der Region Los Angeles. Beide Mannschaften kommen als Gruppensieger und haben ihr Achtelfinale gewonnen: Spanien rang Portugal mit 1:0 nieder, das Siegtor fiel durch Mikel Merino erst in der Nachspielzeit. Belgien warf den Co-Gastgeber USA mit 4:1 aus dem Turnier.
Der Weltrangliste nach ist die Sache klar verteilt: Spanien ging als Nummer zwei ins Turnier, Belgien als Nummer neun. Für den Sieger geht es um mehr als die Runde der letzten Acht. Im Halbfinale wartet der Gewinner der Partie zwischen Frankreich und Marokko, die schon einen Tag früher ausgetragen wird.
Wie kam Spanien ohne Gegentor durch fünf Spiele?
Kein Team steht defensiv so stabil wie Spanien: fünf Spiele, kein Gegentor, dazu neun eigene Treffer. Diese Bilanz erklärt, warum die Mannschaft von Luis de la Fuente als Favorit ins Viertelfinale geht. Sie erklärt aber nicht alles, denn die Höhe der Siege sagt wenig über die Schwere der Gegner.
Souverän durch die Gruppe, zäh durch die K.-o.-Runde
In der Gruppe H begann das Turnier mit einer Warnung: ein 0:0 gegen WM-Neuling Kap Verde, in dem Spanien viel Ballbesitz hatte, aber kein Tor erzielte. Danach lief es nach Plan, ein 4:0 gegen Saudi-Arabien und ein 1:0 gegen Uruguay brachten Spanien als Gruppensieger mit sieben Punkten und 5:0 Toren weiter.
In der K.-o.-Runde blieb das Muster gleich, nur die Gegner wurden besser. Das Sechzehntelfinale gegen Österreich gewann Spanien souverän mit 3:0, Mikel Oyarzabal traf doppelt, Pedro Porro steuerte den dritten Treffer bei. Das Achtelfinale gegen Portugal geriet dagegen zur Geduldsprobe: Bis in die Nachspielzeit stand es 0:0, ehe Mikel Merino das 1:0 erzielte und Spanien ins Viertelfinale schoss.
Dieser Gegensatz ist wichtig für die Einordnung. Gegen einen ernsthaften Gegner wie Portugal reichte es nur zu einem einzigen Tor, erzielt in letzter Minute. Belgiens Angriff ist von anderem Kaliber als die portugiesische Offensive an jenem Abend.
Kein Gegentor, aber die Tore verteilen sich
Fünf Spiele ohne Gegentor: Torhüter Unai Simón hat in diesem Turnier noch keinen einzigen Treffer zugelassen. Diese Serie ist Spaniens größtes Pfund vor dem Viertelfinale.
Vorne verteilt sich die Last auf mehrere Schultern. Bester Torschütze ist Mikel Oyarzabal mit vier Treffern, dahinter kommen unter anderem Álex Baena und der gegen Portugal entscheidende Merino. Lamine Yamal dagegen steht bei nur einem Turniertor aus fünf Spielen, viermal von Beginn an, dazu keine Vorlage. Für den vielleicht größten Namen im Kader ist das eine überschaubare Ausbeute, auch wenn er gerade erst von einer Verletzung zurückgekommen ist.
Neben Yamal flacht die Besetzung auf den Flügeln etwas ab, da Spanien hier zwei Ausfälle verkraften muss. Nico Williams und Yeremy Pino verletzten sich beide im Gruppenspiel gegen Uruguay, Williams an den Adduktoren, Pino im Schultereckgelenk. Beide blieben zwar im Kader, kamen seither aber nicht mehr zum Einsatz. Auf den Flügeln bleibt damit vor allem Yamal, dahinter bilden Rodri und Pedri die Achse, über die fast das gesamte spanische Spiel läuft.
Belgiens Offensive und die durchlässige Abwehr
Belgien ist die andere Geschichte dieses Viertelfinales: ein Angriff, der fast in jedem Spiel trifft, und eine Abwehr, die kaum einmal ohne Gegentor bleibt. Genau diese Mischung macht die Roten Teufel gefährlich und angreifbar zugleich.
Von der zähen Gruppe zum Kantersieg über die USA
In der Gruppe G kam Belgien nur langsam in Fahrt. Auf ein 1:1 gegen Ägypten und ein torloses 0:0 gegen Iran folgte ein deutliches 5:1 gegen Neuseeland, mit dem sich die Mannschaft von Rudi Garcia den Gruppensieg vor Ägypten sicherte, bei fünf Punkten und 6:2 Toren.
In der K.-o.-Runde wurde es dann eng. Das Sechzehntelfinale gegen Senegal stand nach 80 Minuten 0:2, erst in der Nachspielzeit konnte sich Belgien überhaupt in die Verlängerung retten. Dort konnten sie kurz vor Schluss den Siegtreffer per Elfmeter verwandeln und somit in das Achtelfinale einziehen. Das Achtelfinale gegen den Co-Gastgeber USA geriet dagegen zur klaren Sache: Zur Pause führte Belgien mit 2:1, am Ende hieß es 4:1.
Dreizehn Tore, aber nur einmal zu null
Offensiv ist Belgien breit aufgestellt. Bester Torschütze ist Romelu Lukaku mit drei Treffern, dahinter kommen Leandro Trossard und Charles De Ketelaere mit je zwei Toren. Auffällig ist, wer diese Tore nicht erzielt: Kevin De Bruyne, jahrelang Belgiens wichtigster Spielmacher, kam gegen die USA nur von der Bank. Auch Lukaku und der schnelle Jérémy Doku kamen zuletzt erst als Einwechselspieler, zeigten aber wenn sie auf dem Feld standen durchaus gute Leistungen.
Die Kehrseite steht hinten. In fünf Turnierspielen kassierte Belgien fünf Gegentore und blieb einzig gegen Iran ohne Gegentor. Gegen Ägypten und Neuseeland fing sich die Abwehr jeweils einen Treffer, gegen Senegal sogar zwei, und auch die USA trafen. Vor Torhüter Thibaut Courtois wackelt die Viererkette immer wieder, dazu fehlt mit Zeno Debast ein Innenverteidiger verletzt. Gegen Spaniens Ballbesitz ist genau das die offene Flanke, an der dieses Viertelfinale hängen kann.
Spanien vs. Belgien Tipps
1. Tipp: Lamine Yamal erzielt ein Tor
Die Gründe für einen Treffer von Yamal liegen offen. Der 18-Jährige ist der mit Abstand teuerste Spieler im spanischen Kader und der gefährlichste Angreifer, auf dem rechten Flügel gesetzt, wann immer er fit ist. Über ihn läuft ein Großteil der spanischen Offensive, und seit Nico Williams und Yeremy Pino verletzt fehlen, ruht umso mehr auf ihm: Er zieht von rechts nach innen, sieht viele Bälle und kommt regelmäßig zum Abschluss. Vor ihm steht mit der linken belgischen Abwehrseite eine Reihe, die bei dieser WM fast immer ein Gegentor zugelassen hat. Damit ist Spaniens größte Waffe genau dort unterwegs, wo Belgien am anfälligsten ist.
Der ehrliche Einwand bleibt: Yamal steht selbst erst bei einem Turniertor aus fünf Spielen, und Spaniens eigentlicher Torgarant ist mit vier Treffern Mikel Oyarzabal, nicht er. Zwei Dinge sprechen trotzdem für Yamal. Er ist es, der die spanischen Angriffe auf seiner Seite zuspitzt und gegen diese Abwehr die meisten Gelegenheiten bekommt, und je länger Spanien das Spiel bestimmt, desto häufiger landet der Ball bei ihm. Dazu kommt, dass er gerade erst von einer Verletzung kommt und immer besser reinfindet. Eine anfällige Belgische Defensive ist die beste Gelegenheit für ihn, seine Form wieder zu finden.
2. Tipp: Über 2,5 Tore
Der zweite Tipp für diese Partie ist eine Over-Wette auf über 2,5 Tore. Belgien traf in fast jeder Partie, in drei seiner fünf Spiele fielen mehr als zweieinhalb Tore, und der Turnierschnitt liegt bei fast drei Treffern pro Spiel. Die Mannschaft von Rudi Garcia trifft und kassiert zugleich, was ein torreiches Spiel wahrscheinlicher macht als ein zähes 1:0.
Der ehrliche Einwand ist Spaniens Handschrift in der K.-o.-Runde: Gegen Portugal reichte ein 1:0, und in drei der fünf spanischen Partien fiel höchstens ein einziges Tor. Bleibt Spanien in diesem Stil, kann die Partie unter zweieinhalb Toren enden. Dagegen steht Belgiens Torgefahr: Über die volle Distanz kann keine der beiden Mannschaften nur verteidigen, und sobald sich Lücken auftun, ist auf beiden Seiten die Qualität für Tore da. Wenn das erste Tor Früh fällt, sollte sich die Partie öffnen, was zu mehr Toren auf beiden Seiten führt.
Fazit und Prognose zu Spanien gegen Belgien
Spanien geht als Favorit in dieses Viertelfinale, und der Grund liegt weniger in der Tordifferenz als in der Kontrolle. Rodri und Pedri werden Belgien über weite Strecken den Ball abnehmen, und je länger die Partie dauert, desto mehr muss Belgien aus der eigenen Hälfte heraus. Genau in diesen Phasen ist die Mannschaft von Rudi Garcia am anfälligsten.
Trotzdem ist das nicht das Achtelfinale gegen die USA. Belgiens Angriff um Lukaku, Trossard und De Ketelaere ist der vielleicht stärkste, auf den Spaniens Abwehr im Turnier bisher getroffen ist, und mit fünf Gegentoren in fünf Spielen hat auch Belgien gezeigt, wie durchlässig es hinten sein kann. Spaniens weiße Weste, das große Thema vor diesem Spiel, gerät hier zum ersten Mal ernsthaft in Gefahr.
Ich erwarte ein Spiel, in dem Spanien das Tempo bestimmt, sich über die Flügel und das Zentrum die klareren Gelegenheiten erarbeitet und Belgien auf einzelne Umschaltmomente angewiesen bleibt. Einen davon nutzt Belgien wohl, für mehr reicht es gegen diese Achse nicht. Meine Prognose: Spanien gewinnt mit 2:1 und zieht ins Halbfinale ein.



