Fünf Jahre nach dem Beinbruch, der seine Karriere unterbrochen hat, steht Conor McGregor am 11. Juli wieder im Octagon der T-Mobile Arena von Las Vegas, und die Quoten haben ihn längst zum Außenseiter erklärt. Max Holloway geht in den Rückkampf gegen den Mann, der ihn 2013 nach Punkten geschlagen hat, als klarer Favorit.
Für den Tipp zu UFC 329 ist genau das die eigentliche Frage: Reicht McGregors Schlagkraft nach so langer Pause noch, oder ist der aktivere und jüngere Holloway an diesem Abend schlicht der bessere Kämpfer? Die Antwort steckt in den letzten Auftritten beider, in ihrer Bilanz im Weltergewicht und in einer Quote, die sich zur Kampfwoche spürbar zugunsten von McGregor verschoben hat.
UFC 329: Ein Comeback nach fünf Jahren
Der Kampf ist der Hauptkampf der großen UFC-Woche 2026, der International Fight Week in Las Vegas, und er läuft im Weltergewicht. Angesetzt ist er für den Abend des 11. Juli in Nevada, in Mitteleuropa also für den frühen Sonntagmorgen des 12. Juli.
Das erste Duell liegt fast dreizehn Jahre zurück. Am 17. August 2013 trafen beide in Boston aufeinander, damals ganz am Anfang ihrer Laufbahn, und McGregor gewann nach drei Runden einstimmig nach Punkten. Seither ist McGregor zum größten Namen des Sports geworden, Holloway zu einem der besten Federgewichtler seiner Zeit.
Für McGregor ist es der erste Kampf seit fast fünf Jahren, seit dem bitteren Ende bei UFC 264 im Juli 2021. So lange stand ein Mann seines Formats zuletzt nie außerhalb des Octagons.
Damit die Kampfwoche nicht an einer kurzfristigen Absage scheitert, steht seit dem 5. Juli mit Mauricio Ruffy ein Ersatzkämpfer bereit. Neu ist die Gewichtsklasse für beide: Holloway kämpft zum ersten Mal im Weltergewicht, McGregor zum ersten Mal seit Januar 2020.
Wie kommt Conor McGregor nach fünf Jahren Pause zurück?
McGregor bringt eine Bilanz mit, die kaum ein Aktiver vorweisen kann, und eine Unbekannte, die genauso schwer wiegt. 22 Siege stehen 6 Niederlagen gegenüber. Was fehlt, ist jeder Beleg dafür, wie viel von dem McGregor den wir alle kannte nach einer so langer Pause noch übrig ist.
Zwei Niederlagen zum Abschied
Die beiden letzten Auftritte vor der Pause gingen verloren, und beide endeten vorzeitig. Bei UFC 257 im Januar 2021 unterlag McGregor Dustin Poirier durch technischen K.o. in der zweiten Runde, die erste K.o.-Niederlage in seiner gesamten Laufbahn.
Im Juli 2021 kam bei UFC 264 das Aus schon in Runde eins: McGregor brach sich das Schienbein, der Ringarzt beendete den Kampf, erneut gegen Dustin Poirier. Zwei vorzeitig verlorene Kämpfe gegen denselben Gegner, dazu die lange Zwangspause: Das ist die sportliche Ausgangslage vor dem Rückkampf.
Neunzehn K.o.-Siege und eine offene Frage
Die Schlagkraft ist McGregors größte Stärke gewesen. 19 seiner Siege endeten durch K.o. oder technischen K.o., viele davon früh und durch die berüchtigte linke Hand. Ein einziger sauberer Treffer kann bei ihm einen Kampf beenden, das hat er über die ganze Karriere gezeigt.
Die offene Frage ist die Ausdauer. McGregor ist 37, drei Tage nach dem Kampf wird er 38, und er hat seit fast fünf Jahren keinen Wettkampf mehr bestritten. Wie sein Körper auf fünf harte Runden reagiert, weiß vor dem ersten Gong niemand.
Die Bilanz im Weltergewicht
Ganz fremd ist McGregor das Weltergewicht nicht. Dort steht er bei zwei Siegen und einer Niederlage: Gegen Nate Diaz verlor er bei UFC 196 im März 2016 durch Submission, im Rückkampf bei UFC 202 gewann er nach Punkten.
Sein bislang letzter Auftritt in dieser Gewichtsklasse war ein Paukenschlag: Bei UFC 246 im Januar 2020 schlug er Donald Cerrone durch technischen K.o. nach nur 40 Sekunden. Es war zugleich sein bislang letzter Sieg überhaupt.
Max Holloway: Favorit mit zwei Niederlagen in den letzten vier Kämpfen
Holloway ist der Favorit, aber kein makelloser. In seinen letzten vier Kämpfen wechselten sich Sieg und Niederlage ab, zweimal gewann er, zweimal verlor er. Seine Bilanz steht bei 27 Siegen und 9 Niederlagen, davon 12 Siege durch K.o. und zwei durch Submission.
Die letzten vier Kämpfe
Der Reihe nach: Bei UFC 300 im April 2024 schlug Holloway Justin Gaethje in der letzten Sekunde der fünften Runde K.o. und gewann den symbolischen BMF-Titel, einer der spätesten K.o.-Siege der UFC-Geschichte.
Ein halbes Jahr später, bei UFC 308 im Oktober 2024, kassierte er im Kampf um den Federgewichtstitel gegen Ilia Topuria die erste K.o.-Niederlage seiner Karriere. Im Juli 2025 kehrte er ins Leichtgewicht zurück und verteidigte den BMF-Titel im Abschiedskampf von Dustin Poirier nach Punkten. Zuletzt, bei UFC 326 im März 2026, verlor er den Gürtel wieder, durch eine einstimmige Punktniederlage gegen Charles Oliveira, der den Kampf überwiegend auf dem Boden geführt hat.
Ein Detail zählt für diesen Kampf besonders: Nur eine seiner Niederlagen kam durch K.o., eben die gegen Topuria. Alle anderen gingen über die Distanz oder durch Aufgabe. Holloway ist ein Kämpfer, den man kaum vorzeitig ausschaltet. Das gibt ihn in dem Kampf gegen Conor McGregor einen großen Vorteil, da er die vermutlich deutlich bessere Ausdauer besitzt.
Der Sprung ins Weltergewicht
Neu ist für Holloway die Gewichtsklasse. Seine Karriere spielte sich von 2012 an im Federgewicht ab, zwischendurch im Leichtgewicht. Das Weltergewicht ist für ihn Neuland, obwohl er mit einer Größe von 180 cm gute Voraussetzungen für diese Gewichtsklasse mitbringt. Der Champion im Weltergewicht Islam Makhachev ist zum Vergleich nur 178 cm Groß.
Mit 34 Jahren ist Holloway gut dreieinhalb Jahre jünger als McGregor und hat zuletzt viermal in Folge gegen Topgegner gekämpft, während sein kommender Gegner zusah. Ob ihm die schwerere Gewichtsklasse hilft oder schadet, ist die letzte offene Frage vor dem Kampf.
Der direkte Vergleich zwischen McGregor und Holloway
Die Kennzahlen der beiden liegen näher beieinander, als die Quote vermuten lässt: ähnlich viele Kämpfe, aber ganz unterschiedliche Wege zum Sieg, dazu klare Unterschiede bei Alter, Größe und Reichweite.
Max Holloway | Conor McGregor | |
|---|---|---|
Bilanz | 27-9 | 22-6 |
Siege durch K.o. oder TKO | 12 | 19 |
Alter am Kampftag | 34 | 37 |
Körpergröße | rund 1,80 m | rund 1,73 m |
Reichweite | 175 cm | 188 cm |
Hier prallen zwei Extreme aufeinander. McGregor ist einer der gefährlichsten Schläger in der Geschichte der UFC, wenn er früh trifft, und ein einziger sauberer Treffer der linken Hand kann alles beenden. Bleibt dieser Treffer aus, kippt das Duell zu Holloway, der in seiner Karriere nur einmal ausgeknockt worden ist. Genau darin liegt die zentrale Spannung des Kampfes: McGregor braucht den einen Moment, Holloway braucht ihn nur zu überstehen.
Die Ausdauerfrage
Je länger der Kampf dauert, desto mehr spricht für Holloway. Er hat zuletzt regelmäßig fünf Runden bestritten, McGregor seit Jahren keine einzige. Ein Kampf, der in die dritte, vierte oder fünfte Runde geht, ist Holloways Terrain, weil dort Tempo und Kondition zählen und nicht der eine Moment.
Größe gegen Reichweite
Körperlich ist das Duell ungewöhnlich verteilt. Holloway ist mit rund 1,80 Metern der größere Mann, McGregor hat mit 188 Zentimetern aber die deutlich längeren Arme, 13 Zentimeter mehr als sein Gegner. In einer Klasse, die für beide keine natürliche Heimat ist, kann dieser Vorteil McGregor helfen, Holloway auf Abstand zu halten, solange seine Beine frisch sind.
Das Duell von 2013
Bleibt der eine direkte Vergleich, das Duell von 2013, und der taugt kaum als Maßstab. Beide waren damals blutjunge Nachwuchskämpfer, mit den Kämpfern von heute hat das wenig zu tun: andere Gewichtsklasse, andere Erfahrung, dreizehn Jahre dazwischen. Als Prognose für diesen Abend ist das alte Ergebnis kaum brauchbar.
Conor McGregor - May Holloway Tipp
Der Tipp für diesen Kampf lautet: Sieg von Max Holloway durch K.o., TKO oder DQ. Der Gedanke dahinter: Holloway ist an diesem Abend der überlegene Kämpfer, und er ist auch der, der einen ausgezehrten Gegner am Ende tatsächlich stoppt.
Der wichtigste Grund ist, wer zuletzt tatsächlich gekämpft hat. Holloway ist viermal in Folge gegen die Elite angetreten, hat gegen Gaethje, Poirier und Oliveira jeweils lange Runden bestritten und ist im Rhythmus geblieben. McGregor hat in derselben Zeit keinen einzigen Kampf absolviert. Das Gespür für den Kampf und das Timing holt man sich allein in echten Kämpfen, und genau die fehlen ihm seit dem Sommer 2021.
Dazu kommt die Ausdauer über fünf Runden. McGregor ist gefährlich, solange er frisch ist und früh den großen Treffer sucht. Bleibt der aus, wird daraus genau die Art Auseinandersetzung, in der Holloways Tempo und die schiere Zahl seiner Treffer einen alternden Gegner zermürben. Und Holloway kann Kämpfe vorzeitig beenden: Er hat erst vor gut einem Jahr gezeigt, dass er selbst einen zähen Gegner in der letzten Sekunde einer fünften Runde noch ausknockt. Gegen einen Mann, dem in der zweiten Kampfhälfte die Kraft ausgeht, ist ein vorzeitiges Ende alles andere als unwahrscheinlich.
Der ehrliche Einwand: Der Tipp verlangt mehr als nur einen Sieg Holloways. Er gewinnt häufiger nach Punkten als vorzeitig, und ein Treffer von McGregor kann den Kampf jederzeit drehen. Dieses Risiko wiegt hier aber leichter als sonst, denn ein Gegner, der über die Runden einbricht, ist eher ein Kandidat für ein spätes Aus als für eine enge Niederlage nach Punkten.
Prognose zu McGregor gegen Holloway bei UFC 329
Am wahrscheinlichsten ist ein Kampf, der McGregors Comeback ehrlich beantwortet. Die erste Runde gehört der Spannung: McGregor sucht früh den großen Treffer, und solange seine Beine frisch sind, bleibt er gefährlich. Übersteht Holloway diese Phase, hat er einen klaren Vorteil.
Von Runde zu Runde wird der Unterschied deutlicher. Holloways Tempo zwingt McGregor in eine Auseinandersetzung, für die dem 37-Jährigen nach so langer Pause die Grundlage fehlt. Er lässt nach, Holloway trifft häufiger und härter. Die Prognose lautet deshalb: Holloway setzt sich durch und beendet den Kampf vorzeitig. Auch wenn alle Augen auf McGregor gerichtet sein werden, denke ich nicht, dass er hier nach einer so langen Pause einen Sieg einfahren kann.



