Kaum ein Turnier im Dartsjahr lebt so von seinem Saal wie das Darts World Matchplay. Dicht gedrängtes Publikum, Gesänge, eine Bühne zum Anfassen. Mitten hinein fällt gleich zu Beginn das Duell Price gegen Schindler, auf das gerade in Deutschland viele hinfiebern. Was die beiden vor dem ersten Wurf trennt und verbindet, entscheidet, wie eng es an diesem Abend wird.

Worum es bei Price gegen Schindler in Blackpool geht

Am Montagabend, den 20. Juli 2026, trifft Gerwyn Price in der ersten Runde des World Matchplay auf Martin Schindler. Gespielt wird in den Winter Gardens von Blackpool, dem festen Zuhause dieses Turniers. Price ist als Nummer sieben gesetzt, Schindler zog über die Pro-Tour-Wertung ins Feld und geht ohne Setzung in die Partie.

Die erste Runde läuft über Best of 19 Legs. Wer zuerst zehn Legs holt, zieht weiter, aber nur mit zwei Legs Vorsprung. Steht es 9:9, geht es weiter, bis einer zwei Legs vorn liegt, und fällt bis 12:12 keine Entscheidung, bringt ein einziges Sudden-Death-Leg den Sieger. Das ist eine lange erste Runde, in der ein Spieler einen schwachen Abschnitt noch aufholen kann.

Beim zweitgrößten PDC-Turnier des Jahres geht es 2026 um ein Rekordpreisgeld von einer Million Pfund, erhöht von 800.000 im Vorjahr. Der Sieger bekommt 225.000 Pfund, jeder Teilnehmer mindestens 12.500. Titelverteidiger ist Luke Littler, der das Endspiel 2025 mit 18:13 gegen James Wade gewann. Price gegen Schindler ist damit gleich zum Auftakt das Duell eines früheren Weltmeisters mit dem besten deutschen Spieler.

Wie stark ist Gerwyn Price 2026?

Gerwyn Price, 41 Jahre alt und Weltmeister von 2021, ist in diesem Duell der Favorit, doch seine Saison 2026 lässt sich schwer greifen. Im Frühjahr gewann er den European Darts Grand Prix in Sindelfingen, Ende Mai stand er im Halbfinale der Premier League. Danach war der Waliser auf der Tour kaum noch zu sehen. Er verzichtete auf den World Cup of Darts und kam bei seinen wenigen Starts früh nicht über die erste Hürde hinaus. Wie gut er an diesem Montag wirklich in Form ist, lässt sich deshalb vorher schwer sagen.

Das Scoring als größte Waffe

Seine verlässlichste Stärke ist das Scoring, das schnelle Wegdrücken hoher Aufnahmen. Selbst in einer durchwachsenen Saison liegt Price' Average der letzten drei Monate bei 98,14, während die Doppelquote mit 39 Prozent deutlich abfällt. Wie viel Druck er über sein Scoring aufbaut, zeigte die erste Runde des Vorjahres am selben Ort. Beim 10:7 gegen Daryl Gurney warf Price sechs 180er bei einem Average von 100,21. Über eine lange Erstrundenpartie sammeln sich bei ihm die Maximums, auch wenn es am Doppel hakt.

In Blackpool kennt Price sich aus, auch wenn ihm hier der Titel bislang noch fehlt. 2022 stand er im Finale und verlor gegen Michael van Gerwen. Im Vorjahr war im Viertelfinale Schluss, beim 11:16 gegen den späteren Sieger Luke Littler. Für einen gesetzten früheren Weltmeister ist das eine solide, aber keine dominante Bilanz. Er gehört auf dieser Bühne regelmäßig zu den besten Spielern, ohne das Turnier je gewonnen zu haben.

Martin Schindler zwischen Topniveau und Ergebniskrise

Martin Schindler bringt das Niveau für einen Sieg mit, findet 2026 aber seine Konstanz nicht. Beim World Cup of Darts lieferte er die besten Zahlen aller 80 Teilnehmer, wenige Tage vor Blackpool folgte beim European Darts Open ein 3:6 gegen Kevin Doets mit einem Average unter 80, seinem schwächsten Wert auf der European Tour seit über zehn Jahren. Aktuell steht er bei fünf Niederlagen in Folge. Seine Siegquote ist von 64 Prozent im Vorjahr auf 46 Prozent gefallen, in der Jahreswertung ist Deutschlands Nummer eins aus den Top 16 auf Rang 19 abgerutscht. Bezeichnend ist, wie unterschiedlich er auftritt. Gegen van Gerwen warf Schindler dieses Jahr einen 108er-Average und verlor trotzdem, gegen schwächere Gegner fällt er dagegen oft auf deren Niveau.

Blackpool ohne Matchsieg, aber stets knapp

In Blackpool wartet Schindler noch auf seinen ersten Matchsieg, und doch fielen seine Niederlagen hier nie deutlich aus. 2023 verlor er gegen Danny Noppert 8:10, 2024 gegen Dimitri van den Bergh 6:10, 2025 gegen Jonny Clayton 7:10. Kein einziges Mal lag er am Ende mehr als vier Legs zurück. Schon sein Debüt 2022 ging verloren, damals gegen Price selbst, worauf der Blick auf das direkte Duell gleich noch zurückkommt. Für einen Spieler, der das Turnier noch nie überstanden hat, ist das eine erstaunlich enge Bilanz.

Ausgerechnet in dieser schwachen Phase spricht eine Sache für Schindler. Als klarer Außenseiter tritt er ohne Erwartungsdruck an, und gerade dann hat er früher oft seine besten Auftritte gezeigt. Gegen den favorisierten Price liegt die Last des Ergebnisses beim Waliser, nicht bei ihm. Das macht aus einem Spieler in der Ergebniskrise keinen Favoriten, es erklärt aber, warum ihn seine Rolle an diesem Abend eher entlasten als lähmen dürfte.

Die bisherigen Duelle zwischen Price und Schindler

Zwei Duelle prägen das Verhältnis von Price und Schindler, und in jedem behielt ein anderer die Oberhand. Das erste war Schindlers Blackpool-Debüt 2022, gleich gegen Price. Bis 7:7 war das Match offen, dann setzte sich der Waliser mit einem Break per 11-Darter ab und machte den 10:8-Sieg mit einem 91er-Finish klar.

Zwei Jahre später drehte Schindler den Spieß um, allerdings auf ganz anderer Bühne. Im Finale der International Darts Open 2024 im heimischen Riesa schlug er den zweimaligen Titelverteidiger Price 8:5 und holte damit seinen ersten Titel auf der großen PDC-Bühne. Das eine Ergebnis steht für Price' Stärke über die lange Distanz eines Ranglistenspiels, das andere dafür, dass Schindler ihn an einem guten Abend sehr wohl schlagen kann.

Der Tipp zu Price gegen Schindler: 180er und Handicap

Wett-Tipps Gerwyn Price - Martin Schindler
Darts World Matchplay
01
Price über 4,5 180er 1,57
02
Sieg Martin Schindler +4,5 1,48

1. Tipp: Price über 4,5 180er

Für diesen Tipp spricht Price' Scoring. In einer ansonsten wechselhaften Saison ist das der Teil seines Spiels, auf den am ehesten Verlass ist. Schon im vergleichbaren Erstrundenmatch des Vorjahres am selben Ort lag er bei den Maximums klar über dieser Marke, und je länger die Partie, desto mehr Aufnahmen kommen zusammen, in denen die 180 fallen kann.

Der Vorbehalt betrifft die Doppel, die bei Price zuletzt schwächelten, und seine nach der Turnierpause schwer einzuschätzende Form. Beides kann dazu führen, dass er insgesamt weniger stark auftritt als gewohnt. Für die Maximums wiegt das aber wenig, denn die entstehen im Scoring und nicht auf dem Doppel, und gerade das Scoring ist bei ihm auch in durchschnittlichen Spielen selten das Problem. Daher ist der erste Tipp eine Over-Wette auf über 4,5 180er von Gerwyn Price.

2. Tipp: Sieg Schindler mit Handicap +4,5

Für den zweiten Tipp spricht Schindlers Blackpool-Historie. So oft er hier verloren hat, lag er am Ende nie weit zurück, und auch sein erstes Duell mit Price auf dieser Bühne blieb lange offen. Selbst in schwacher Verfassung hat der Deutsche seine Partien in Blackpool bisher eng gehalten, statt früh unterzugehen.

Dagegen steht die klare Rollenverteilung. Schindler reist mit einer schwachen Serie und ohne einen einzigen Blackpool-Sieg an, Price ist gesetzt und stand hier schon im Finale. Trotzdem spricht mehr für ein enges Ergebnis. Price' Form ist nach wenigen Einsätzen kaum einzuschätzen, und einen Gegner von Schindlers Klasse deutlich zu distanzieren, gelingt auch einem Favoriten nicht immer. Deshalb gehe ich hier von einer sehr engen Partie aus, in welcher beide Spieler ihre Momente haben werden.

Fazit und Prognose zu Price gegen Schindler

Price geht als Favorit in diesen Abend, und der wahrscheinlichste Verlauf gibt ihm recht, ohne dass es einseitig wird. Ich rechne damit, dass der Waliser über sein Scoring früh in Führung geht und diese über die Distanz verwaltet, während Schindler mit eigenen starken Aufnahmen dranbleibt und die Partie nie ganz aus der Hand gibt. Genau dieser Ablauf, ein tonangebender Price gegen einen Schindler, der die Lücke klein hält, passt zu allem, was beide in dieser Saison gezeigt haben. Für eine Überraschung müsste Schindler seine Chancen konsequent nutzen. Gelingt ihm das, würde ich ihm seinen ersten Sieg bei dem Darts World Matchplay durchaus zutrauen.