Alexander Bublik und Tommy Paul standen sich vor genau einem Jahr schon einmal in der dritten Runde der US Open gegenüber, und der Abend endete erst nach fünf Sätzen. Am Freitag wiederholt sich diese Ansetzung, diesmal mit vertauschten Rollen in der Setzliste. Wer die Begegnung nur nach der Weltrangliste sortiert, verpasst dabei die Frage, die sie tatsächlich entscheidet, nämlich wie oft hier überhaupt jemand dem anderen den Aufschlag abnimmt.
Die aktuelle Form von Alexander Bublik
Bublik ist auf Hartplatz der extremere Spieler von beiden. In dieser Saison gewann er 88 Prozent seiner Aufschlagspiele, wehrte 72 Prozent der Breakbälle gegen sich ab und schlug in 221 Aufschlagspielen 195 Asse.
Am Rückschlag kehrt sich das Bild um. Von seinen 224 Rückschlagspielen auf Hartplatz gewann er in dieser Saison 15 Prozent, von 87 Breakbällen verwandelte er 38 Prozent, und insgesamt holte er 34 Prozent der Punkte, wenn der andere aufschlug. Wer auf Bublik setzt, setzt darauf, dass ihm wenige Gelegenheiten pro Satz reichen, und nicht darauf, dass er Druck aufbaut.
Dieser Aufschlag hat seinen Preis. 60 Doppelfehler in 221 Aufschlagspielen auf Hartplatz stehen 45 in 351 bei Paul gegenüber. In der ersten Runde gegen Jeffrey John Wolf waren es zehn Doppelfehler in einer einzigen Partie, die er trotzdem mit 6:4, 6:2, 3:6, 6:1 und 18 Assen gewann. In der zweiten Runde gegen Adrian Mannarino kippte es auf die andere Seite. Er schlug 16 Asse bei drei Doppelfehlern, gewann 40 von 44 Punkten nach dem ersten Aufschlag und ließ in der ganzen Partie einen einzigen Breakball zu. Nach 6:3, 6:1, 6:1 war er nach einer Stunde und zwanzig Minuten wieder in der Kabine.
Tommy Pauls solider Start in die US Open
Paul hält seinen Aufschlag auf Hartplatz fast genauso gut wie Bublik, und beim zweiten Aufschlag ist er sogar der Stabilere von beiden. Bemerkenswert ist das, weil er dabei ohne Bubliks Waffe auskommt. Er schlägt seine Punkte nicht durch, er arbeitet sie heraus, und er kommt am Ende auf denselben Anteil gehaltener Aufschlagspiele.
Der Unterschied zwischen beiden liegt am anderen Ende des Platzes. Paul gewinnt anteilig mehr Rückschlagspiele als Bublik, verwandelt seine Breakbälle etwas zuverlässiger und holt mehr Punkte gegen den Aufschlag des Gegners. Daraus baut er seine Ergebnisse. Er hält seinen Aufschlag nicht besser als Bublik, er nimmt dem Gegner mehr ab, und genau das hat ihm in dieser Saison vier erreichte Endspiele eingebracht, mehr als jeder andere Spieler der Tour außer Jannik Sinner. Gewonnen hat er davon eines, den Titel in Houston.
Diese Saison hat auch gezeigt, wo er anfällig ist. Gegen Dino Prizmic wehrte er zuletzt nur zwei von fünf Breakbällen ab und verlor den dritten Satz mit 5:7, ehe er die Partie mit 6:2, 6:3, 5:7, 6:4 nach Hause brachte. Schon zum Auftakt hatte ihn der Qualifikant Coleman Wong einen Satz gekostet, 6:7 (3), 6:1, 6:3, 6:3. Beide Partien gewann er, und in beiden gab er einen Satz ab.
Auf Hartplatz in dieser Saison | Bublik | Paul |
|---|---|---|
Aufschlagspiele gewonnen | 88 % | 87 % |
Breakbälle abgewehrt | 72 % | 67 % |
Asse je Aufschlagspiel | 0,88 | 0,58 |
Punkte nach zweitem Aufschlag | 53 % | 56 % |
Rückschlagspiele gewonnen | 15 % | 20 % |
Breakbälle verwandelt | 38 % | 40 % |
Punkte insgesamt | 51 % | 52 % |
Alexander Bublik vs. Tommy Paul direkter Vergleich
Auf der Tour haben sich beide viermal getroffen, und Paul führt mit 3:1. In Rotterdam 2021 gewann er auf Hartplatz in der Halle mit 7:6 (5), 6:3, 6:1, in Wimbledon 2024 auf Rasen mit 6:3, 6:4, 6:2 und in Miami 2025 auf Hartplatz mit 7:5, 5:7, 6:4. Zwei dieser drei Siege sagen wenig über Freitag, denn Rotterdam liegt fünf Jahre zurück und Wimbledon fand auf Rasen statt.
Die vierte Begegnung ist die einzige, die dieselbe Aufgabe stellt: US Open 2025, dritte Runde, Hartplatz im Freien, Best-of-five. Bublik gewann mit 7:6 (5), 6:7 (4), 6:3, 6:7 (5), 6:1 nach drei Stunden und 38 Minuten. Die Satzdauern lagen bei 42, 55, 42, 52 und 27 Minuten, drei Sätze gingen in den Tiebreak.
Wie eng das war, zeigt die Verteilung der Punkte: Bublik holte 179 von 339, also 53 Prozent. Entschieden wurde die Partie an wenigen Bällen. Bublik wehrte alle sechs Breakbälle ab, die er zuließ, Paul verwandelte keinen einzigen von sechs. Gleichzeitig schlug Bublik 22 Asse und leistete sich zwölf Doppelfehler in derselben Partie. Diese Mischung aus Unantastbarkeit im eigenen Aufschlagspiel und Fehlern zwischendurch ist das Muster, das er in dieses Duell mitbringt.
Alexander Bublik vs. Tommy Paul Tipps
1. Tipp: Über 3,5 Sätze
Der erste Tipp lautet Über 3,5 Sätze. Die Partie muss über mindestens vier Sätze gehen, ein Sieg in drei Sätzen lässt die Wette verlieren, gleich von welcher Seite er kommt. Der Grund steht in den Zahlen weiter oben. Bublik gewinnt auf Hartplatz 88 Prozent seiner Aufschlagspiele, Paul 87 Prozent, und beide nehmen einander selten etwas ab: Bublik holt 15 Prozent der Rückschlagspiele, Paul 20 Prozent. Wenn beide ihren Aufschlag fast immer durchbringen und den fremden fast nie knacken, hängen die Sätze an einzelnen Bällen und enden knapp.
Die Historie beider bei diesem Turnier stützt das ungewöhnlich deutlich. Von den 36 Partien im Hauptfeld, die Bublik und Paul zusammen in New York gespielt haben, gingen 24 über vier oder fünf Sätze. Bei Paul allein sind es 15 von 20, bei Bublik neun von 16. In dieser Ausgabe hat Paul beide bisherigen Partien in vier Sätzen gewonnen, und die Begegnung der beiden im Vorjahr ging über die volle Distanz. Dass drei Sätze jener Partie im Tiebreak entschieden wurden, passt ins gleiche Bild.
Der Vorbehalt liegt bei Bublik selbst. Sieben seiner 16 Partien in New York endeten glatt, und gegen Mannarino brauchte er für einen 3:0-Sieg nur eine Stunde und zwanzig Minuten. Dagegen steht, dass Paul keine der beiden Rollen ausfüllt, die dafür nötig wären. Er hält seinen Aufschlag fast so gut wie Bublik und gewinnt gleichzeitig deutlich mehr Rückschlagspiele, 20 gegen 15 Prozent. Da ich beide Spieler ähnlich stark einschätze, ist mein erster Tipp eine Über-Wette auf mehr als drei Sätze.
2. Tipp: Sieg Alexander Bublik +1,5
Der zweite Tipp lautet Sieg Alexander Bublik +1,5. Mit dieser Vorgabe geht die Wette auf, wenn Bublik die Partie gewinnt oder mit 2:3 Sätzen verliert; verloren ist sie nur bei einer Niederlage mit 1:3 oder 0:3. Gefragt ist also nicht der Sieg, sondern die Konkurrenzfähigkeit über die ganze Distanz, und dafür liefert Bublik die passenden Werte. Auf Hartplatz liegt er in dieser Saison in beiden entscheidenden Kategorien vor Paul, mit 88 gegen 87 Prozent gewonnenen Aufschlagspielen und 72 gegen 67 Prozent abgewehrten Breakbällen. Sein Aufschlag ist zudem die gefährlichere Waffe, mit 0,88 gegenüber 0,58 Assen je Aufschlagspiel.
Der stärkste Beleg ist die Partie vor einem Jahr, weil sie dieselbe Aufgabe stellte: dasselbe Turnier, dieselbe Runde, derselbe Belag, dasselbe Format. Er ließ in fünf Sätzen nur sechs Breakbälle zu und wehrte alle ab; Paul, der bessere Rückschläger dieses Duells, kam über 339 Punkte kein einziges Mal durch. Damals war Bublik die Nummer 23 und Paul die Nummer 14, inzwischen hat sich das umgedreht. Bublik ist an Position 15 gesetzt, Paul an Position 20. In diesem Turnier zeigt Bublik dieselbe Form am Aufschlag wie damals. Gegen Mannarino ließ er einen einzigen Breakball zu, gegen Wolf wehrte er fünf von acht ab.
Gegen den Tipp spricht, dass Paul die Gesamtbilanz mit 3:1 anführt und mit 20 gegen 15 Prozent gewonnenen Rückschlagspielen der klar bessere Rückschläger ist. Dazu kommt Bubliks fehlende Spielpraxis auf dem Belag, während Paul in Cincinnati bis ins Viertelfinale kam. Beide Einwände zielen allerdings auf den Sieger, und der ist hier nicht gefragt. Für einen Ausgang mit 1:3 oder 0:3 müsste Paul mindestens drei Sätze gegen einen Aufschlag gewinnen, an dem er im Vorjahr über fünf Sätze sechsmal ansetzte und kein einziges Mal durchkam.
Fazit und Prognose
Diese Partie hat einen Favoriten, aber keinen klaren. Paul kommt mit mehr Spielen, dem besseren Rückschlag und der besseren Bilanz dieser Saison; Bublik kommt mit dem besseren Aufschlag auf diesem Belag, mit mehr Frische und mit dem Wissen, dass er dieselbe Aufgabe vor einem Jahr an derselben Stelle gelöst hat.
Die Prognose lautet deshalb: mindestens vier Sätze, mit Bublik bei mindestens zwei gewonnenen Sätzen. Sein Aufschlag gibt ihm auch an einem mäßigen Tag zwei Sätze, und für einen glatten Sieg müsste Paul etwas leisten, was ihm gegen genau diesen Gegner an genau dieser Stelle vor einem Jahr über fünf Sätze nicht gelungen ist.



