Nur vier Tage nach der Niederlage in Buffalo empfangen die Baltimore Ravens die Jacksonville Jaguars, und wer bei ihnen am Donnerstagabend den Ball wirft, entscheidet sich erst im Lauf der Woche. Für eine Wette auf dieses Spiel hängt viel an zwei Fragen: Wie viel bleibt vom Angriff der Ravens ohne Lamar Jackson übrig, und spielt Jacksonville in Baltimore so stark wie zuletzt zu Hause? Hinzu kommt, dass auch die Jaguars aus ihrem letzten Spiel mehrere angeschlagene Stammspieler mitnehmen und genauso wenig Zeit zur Erholung haben.
Ausgangslage: kurze Woche, zwei Teams in entgegengesetzter Richtung
Angepfiffen wird in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, 6. November 2026, um 2:15 Uhr deutscher Zeit im M&T Bank Stadium in Baltimore. Beide Teams haben am Sonntag gespielt und gehen mit einer kurzen Woche in dieses Spiel. Jacksonville steht mit 5-2 an der Spitze der AFC South, drei Siege vor Houston, und hat mit +85 die beste Punktdifferenz der NFL. Baltimore hat dreimal in Folge verloren und ist mit 4-4 Letzter der AFC North, zwei Siege hinter Pittsburgh.
Woche | Baltimore Ravens | Jacksonville Jaguars |
|---|---|---|
1 | 41:23 in Indianapolis | 34:10 gegen Cleveland |
2 | 17:24 gegen New Orleans | 13:20 in Denver |
3 | 34:31 gegen Dallas in Rio de Janeiro | 35:6 gegen New England |
4 | 24:18 gegen Tennessee | 22:17 in Cincinnati |
5 | 30:23 nach Overtime in Atlanta | 19:17 gegen Philadelphia in London |
6 | 10:13 in Cleveland | 31:34 gegen Houston in London |
7 | 13:35 gegen Cincinnati | spielfrei |
8 | 10:36 in Buffalo | 42:7 gegen Indianapolis |
Die Ravens gewannen drei ihrer ersten vier Spiele, alle mit Lamar Jackson. Seit er sich in Woche 4 gegen Tennessee den linken Knöchel verstauchte, kam nur noch ein Sieg hinzu, nach Overtime in Atlanta. Jacksonville verlor dagegen nur in Denver und gegen Houston in London, dort durch ein Field Goal aus 49 Yards in der letzten Sekunde. Nach der spielfreien Woche fertigten die Jaguars Indianapolis ab und lagen schon zur Pause 28:0 vorn.
Saison 2026 | Baltimore Ravens (8 Spiele) | Jacksonville Jaguars (7 Spiele) |
|---|---|---|
Punkte je Spiel | 22,4 | 28,0 |
Zugelassene Punkte je Spiel | 25,4 | 15,9 |
Yards je Spiel | 338,6 | 350,3 |
Rushing Yards je Spiel | 133,5 | 122,9 |
Zugelassene Passing Yards je Spiel | 228,3 | 253,9 |
Zugelassene Rushing Yards je Spiel | 102,8 | 77,4 |
Eigene Ballverluste je Spiel | 1,0 | 0,7 |
Erzwungene Ballverluste je Spiel | 1,0 | 1,7 |
Sacks gegen den eigenen Quarterback je Spiel | 2,8 | 1,9 |
Red Zone: Touchdowns je Besuch | 16 von 27 | 13 von 19 |
Red Zone der Gegner: Touchdowns je Besuch | 19 von 28 | 9 von 22 |
Die Jacksonville Jaguars in einer starken Form
Trevor Lawrence hat in sieben Spielen 17 Touchdown-Pässe geworfen und nur 4 Interceptions, dazu 1.690 Yards. Einen eigenen Lauf in die Endzone hatte er in dieser Saison noch nicht. Seine Pässe verteilt er breit: Acht verschiedene Spieler haben einen Touchdown-Pass von ihm gefangen, am häufigsten Parker Washington mit vier und Running Back Bhayshul Tuten mit drei. Tuten trägt auch das Laufspiel und lief gegen die Colts für 104 Yards, Jacksonville kam in diesem Spiel insgesamt auf 183 Rushing Yards. Drives, die vor der Endzone stecken bleiben, verwertet Kicker Cam Little, der gegen Houston aus 60 Yards traf.
Die Defense lässt am Boden wenig zu und erzwingt mehr als doppelt so viele Ballverluste, wie der eigene Angriff hergibt. Gegen Indianapolis trug Rayuan Lane eine Interception über 92 Yards zum Touchdown zurück. Kurz vor der eigenen Endzone halten die Jaguars meist stand, weniger als die Hälfte der Besuche ihrer Gegner in der Red Zone endete mit einem Touchdown. Verwundbar ist Jacksonville gegen den Pass: Joe Burrow warf in Cincinnati für 428 Yards, C.J. Stroud brachte Houston in London mit 312 Yards und drei Touchdown-Pässen auf 34 Punkte. Dazu kommen 7,9 Strafen je Spiel, die den Gegnern im Schnitt 68,1 Yards schenken.
Baltimore Ravens: ohne Lamar Jackson kaum noch Punkte
In den vier Spielen, die Jackson komplett bestritt, erzielten die Ravens 116 Punkte, in den vier Spielen danach 63. Zuletzt kamen sie auf 10, 13 und 10 Punkte, in den zweiten Halbzeiten dieser drei Spiele zusammen auf 3. Seit 2019 hat Baltimore nur 7 von 21 Spielen gewonnen, in denen Jackson nicht als Quarterback begann, bei 17,6 Punkten im Schnitt. Gegen Cincinnati führten die Ravens zur Pause noch 13:0 und verloren 13:35.
Tyler Huntley vertrat Jackson in den Wochen 5 bis 7 und gewann eines dieser drei Spiele. In Buffalo schieden Jackson und Huntley schon in der ersten Halbzeit aus, und der Rookie Joe Fagnano, der ohne Draft zu den Ravens gekommen war, musste übernehmen. Er brachte 10 von 21 Pässen für 91 Yards an, warf eine Interception und verlor den Ball nach einem misslungenen Snap. Baltimore kam auf 144 Yards Raumgewinn und 68 Net Passing Yards. Selbst das Laufspiel um Derrick Henry, mit 133,5 Rushing Yards je Spiel die verlässlichste Stärke des Angriffs, brachte gegen die Bills nur 76 Yards, weil der Rückstand schnell wuchs.
Die Defense hat 25,4 Punkte je Spiel zugelassen und zuletzt 35 gegen Cincinnati und 36 gegen Buffalo. Die Bengals verwandelten alle fünf Besuche in der Red Zone in Touchdowns, insgesamt endeten gegen Baltimore 19 von 28 solchen Drives in der Endzone. Weil der eigene Angriff kaum noch Drives verlängert, steht die Defense lange auf dem Feld: Buffalo hatte den Ball 37:36 Minuten, Baltimore nur 22:24.
Ausfälle: Jackson operiert, Huntley fraglich, Hamilton verletzt
Lamar Jackson verletzte sich in Buffalo beim ersten Snap am rechten Daumen seiner Wurfhand. Er wird operiert und kommt auf die Injured Reserve, verpasst also mindestens die nächsten vier Spiele; ob er in dieser Saison noch einmal spielt, ist offen. Tyler Huntley schied im zweiten Viertel mit einer Verletzung am rechten Zeh aus, vermutlich einem Turf Toe, und eine MRT-Untersuchung soll am Montag zeigen, wie lange er fehlt. Fagnano bekam in Buffalo einen Treffer ans linke Knie, rechnet aber mit einem Einsatz am Donnerstag. Ob Baltimore noch einen weiteren Quarterback verpflichtet, wollte der Verein bis Montag entscheiden. Cornerback Nate Wiggins wurde gegen die Bills auf eine Gehirnerschütterung untersucht.
Jacksonville verlor gegen die Colts Nose Tackle DaVon Hamilton, der im zweiten Viertel mit einer Verletzung am rechten Knie vom Feld gefahren wurde; Ruke Orhorhoro rückt für ihn nach. Gegen Henry fehlt der Defense damit ihr schwerster Spieler in der Mitte. Ebenfalls im Spiel verletzt wurden Defensive End Travon Walker an den Rippen, Safety Eric Murray am Ellbogen und der rechte Guard Ezra Cleveland am Knöchel. Alle drei gelten als fraglich für die Partie gegen die Ravens.
Ravens gegen Jaguars Tipps
1. Tipp: Jaguars über 23,5 Punkte
Der erste Tipp lautet Jaguars über 23,5 Punkte. Es zählen allein die Punkte von Jacksonville, die Über-Wette geht mit dem 24. Punkt auf. Die Jaguars erzielen im Schnitt 28,0 Punkte und lagen in vier von sieben Spielen über der Grenze, im eigenen Stadion in allen drei. Dahinter steht ein Angriff, der seine Chancen verwertet: Von 19 Besuchen in der Red Zone endeten 13 mit einem Touchdown, und wenn ein Drive früher endet, trifft Little auch aus großer Entfernung. Dazu punktet die Defense mit, zuletzt mit Lanes Interception zum Touchdown.
Von der Seite der Ravens spricht noch mehr für diesen Tipp. Baltimore hat in vier von acht Spielen mehr als 23,5 Punkte zugelassen, darunter die letzten beiden, und lässt Gegner in mehr als zwei Dritteln ihrer Besuche in der Red Zone zum Touchdown kommen. Mit Fagnano oder einem angeschlagenen Huntley wird der Angriff kaum lange Drives zustande bringen, in Buffalo verlor er sogar dreimal den Ball. Jeder kurze Ballbesitz der Ravens gibt Lawrence einen weiteren Drive. Cincinnati machte aus einem 0:13 zur Pause noch ein 35:13, während Baltimore in der zweiten Halbzeit keinen Punkt mehr erzielte.
Gegen den Tipp spricht, dass Jacksonville in seinen beiden echten Auswärtsspielen nur 13 und 22 Punkte erzielte. Die Gegner waren dort aber Denver und Cincinnati, die heute 6-2 und 5-2 stehen, während Baltimore zu Hause zwei von drei Spielen verlor und dabei im Schnitt 25,7 Punkte zuließ. Jaguars über 23,5 Punkte passt zu einem Angriff, der seine Drives fast immer mit Touchdowns abschließt, und zu einer Defense der Ravens, die ohne Unterstützung durch den eigenen Angriff zuletzt deutlich nachgab.
2. Tipp: Trevor Lawrence über 1,5 Passing Touchdowns
Der zweite Tipp lautet Trevor Lawrence über 1,5 Passing Touchdowns, er braucht also zwei Touchdown-Pässe. Diese Marke hat er in fünf von sieben Spielen erreicht, viermal davon mit drei oder vier Touchdown-Pässen. Er braucht dafür keine große Zahl an Würfen: Gegen die Colts reichten ihm 14 Pässe für drei Touchdowns, bevor er im vierten Viertel auf der Bank saß, a die Jaguars bereits sehr hoch führten. Neun seiner 17 Touchdown-Pässe kamen aus höchstens 14 Yards, und weil Lawrence in dieser Saison selbst noch keinen Lauf in die Endzone hatte, schließen die Jaguars Drives kurz vor dem Ziel meist über einen Pass ab. Dass er dabei acht verschiedene Fänger bedient, macht es einer Defense schwer, sich auf einen Spieler einzustellen.
Baltimore hat in den letzten beiden Spielen sechs Touchdown-Pässe zugelassen, vier von Burrow und zwei von Josh Allen. Buffalo hatte den Ball dabei über 15 Minuten länger als die Ravens. Gegen den derzeitigen Angriff der Ravens ist für Jacksonville Ähnliches zu erwarten, und mehr Drives bis in die Red Zone bedeuten für Lawrence mehr Gelegenheiten zu Touchdown-Pässen.
Gegen den Tipp spricht, dass in den ersten sechs Spielen kein Quarterback mehr als einen Touchdown-Pass gegen Baltimore warf und Lawrence seine beiden Spiele unter der Marke auswärts hatte. Die beiden Spiele mit mehreren Touchdown-Pässen gegen die Ravens sind aber die jüngsten, und sie fallen genau in die Zeit, in der Baltimores Angriff kaum noch punktet. Trevor Lawrence über 1,5 Passing Touchdowns passt zu einem Quarterback, der die Drives seines Teams vor der Endzone mit Pässen beendet, und zu einer Defense, die genau dort zuletzt nachgab.
Fazit und Prognose zum Spiel in Baltimore
Baltimore wird versuchen, das Spiel über Henry eng zu halten, und ohne Hamilton findet er in der Mitte vielleicht mehr Raum als andere Running Backs gegen Jacksonville. Sobald die Ravens aber werfen müssen, fehlt ihnen mit Fagnano oder einem angeschlagenen Huntley das Mittel, Drives zu verlängern. Den größten Unsicherheitsfaktor bringen die Verletzten der Jaguars-Defense mit, über deren Einsatz erst die Woche entscheidet. Ich erwarte, dass Lawrence wie gegen die Colts früh eine Führung herausspielt und Jacksonville danach mit Tuten das Tempo bestimmt. Am Ende steht ein Sieg der Jaguars mit zwei Touchdowns Vorsprung, bei dem Jacksonville rund 30 Punkte erzielt und Lawrence zwei- bis dreimal per Pass in die Endzone trifft.