Zum Auftakt der NFL-Saison empfangen die Houston Texans am 13. September die Buffalo Bills, die in Houston seit 2006 auf einen Sieg warten. Für diesen Sonntag trägt diese Serie trotzdem weniger weit als die Vorsaison, in der beide Mannschaften gleich viele Spiele gewannen und dabei aus gegensätzlichen Gründen erfolgreich waren. Den Ausschlag gibt, was beide Kader im Sommer umgebaut haben und welche der beiden Baustellen am Sonntag als erste hält.
Zwei Mannschaften mit gegensätzlichen Stärken
Die Buffalo Bills und die Houston Texans haben die Regular Season 2025 mit exakt derselben Bilanz abgeschlossen: 12-5, jeweils 7-2 zu Hause und 5-3 auswärts, jeweils Zweiter der eigenen Division. Ab dort hört die Ähnlichkeit auf. Buffalo kam auf 481 eigene Punkte und damit auf 28,3 pro Spiel, den vierthöchsten Wert der Liga, kassierte aber 365 Punkte oder 21,5 pro Spiel und lag damit nur im Mittelfeld. Houston kam auf 404 eigene Punkte, also 23,8 pro Spiel und Rang 13, gab aber nur 295 Punkte ab, nämlich 17,4 pro Spiel und damit den zweitbesten Wert der Liga. Die Punktedifferenz über 17 Spiele liegt bei +116 für Buffalo und +109 für Houston.
Buffalos Stärke ist das Laufspiel, und zwar in einem Ausmaß, das keine zweite Mannschaft der Liga erreichte: 159,6 Laufyards pro Spiel bei 5,0 Yards pro Versuch und 30 Lauf-Touchdowns. James Cook kam auf 1.621 Laufyards und lag damit ligaweit an der Spitze, vor Derrick Henry mit 1.595 und Jonathan Taylor mit 1.585. Dazu kommt ein Quarterback, der 2025 in allen 17 Spielen auflief. Josh Allen warf für 3.668 Yards, 25 Touchdowns und 10 Interceptions, brachte 69,3 Prozent seiner Pässe an und erreichte ein Passer Rating von 102,2. Seine 14 Rushing Touchdowns waren der dritthöchste Wert der Liga. Diese Offensive verwertete 44,76 Prozent ihrer Third Downs und 72,09 Prozent ihrer Angriffe in der Redzone.
Houstons Stärke ist die Defense, und sie ist in mehr Bereichen stark als Buffalos. Die Texans verzeichneten 47 Sacks, 19 Interceptions und kamen auf 29 Ballgewinne bei nur 12 eigenen Ballverlusten und damit auf eine Turnover-Differenz von +17. Gegen das Laufspiel gaben sie 93,71 Yards pro Spiel und 4,0 Yards pro Versuch ab. Buffalos Defense steht dem in jedem dieser Punkte nach: 36 Sacks, 13 Interceptions, 20 Ballgewinne gegen 19 eigene Ballverluste, eine Turnover-Differenz von +1 und 136,18 zugelassene Laufyards pro Spiel bei 5,1 pro Versuch. 24 Lauf-Touchdowns gegen sich sind ein Wert, den nichts beschönigt.
Umgekehrt ist Houstons Angriff die klarere Schwachstelle dieser Partie. 108,9 Laufyards pro Spiel bedeuteten Rang 22, dazu 3,9 Yards pro Versuch und nur 9 Lauf-Touchdowns in einer ganzen Saison. Auf Third Down kam Houston auf 37,23 Prozent, in der Redzone auf 60,32 Prozent. Houston beendete seine Angriffsserien also seltener mit einem Touchdown und musste den Ball häufiger abgeben. C.J. Stroud spielte 14 der 17 Partien und warf dabei für 3.041 Yards, 19 Touchdowns und 8 Interceptions bei 64,5 Prozent angebrachter Pässe und einem Rating von 92,9. Vor allem in den Playoffs war Stroud die klare Schwachstelle der Texans. Dort warf er in zwei Spielen fünf Interceptions, was den Texans vor allem gegen die Patriots in der Divisional Round die Partie gekostet haben.
Buffalo hat die eigene Defense fast vollständig neu besetzt
An keiner Stelle hat Buffalo im Sommer so viel ausgetauscht wie in der eigenen Defense. Die Bills gingen ohne Erstrundenpick in den Draft, ihr Zugriff an Position 26 der ersten Runde landete bei Houston. Von den zehn Buffalo-Picks gingen sieben an Defensivspieler: T. J. Parker (Defensive End, Clemson) in Runde 2 an Position 35, Davison Igbinosun (Cornerback, Ohio State) an Position 62 und Kaleb Elarms-Orr (Linebacker, TCU).
Dazu kamen vier erfahrene Verpflichtungen für dieselbe Mannschaftshälfte: Bradley Chubb von den Miami Dolphins, C. J. Gardner-Johnson von den Chicago Bears, Geno Stone von den Cincinnati Bengals und Mike Danna von den Kansas City Chiefs. Nötig war das, weil Buffalo gleichzeitig Matt Milano, Joey Bosa, Tre'Davious White und Jordan Poyer verlor, mit DaQuan Jones, Larry Ogunjobi und Jordan Phillips drei Defensive Tackles abgab, Taylor Rapp nach Denver und Darnell Savage nach Pittsburgh ziehen ließ und Taron Johnson an die Las Vegas Raiders tauschte. Das ist kein Feinschliff, das ist ein Neubau. Sie haben auch mit Joe Brady einen neuen Head Coach, weshalb die Bills in der kommenden Saison etwas schwerer einzuschätzen sind.
In der Offensive fiel der auffälligste Wechsel am 11. März. DJ Moore kam von den Chicago Bears, dazu ein Fünftrundenpick, im Gegenzug ging ein Zweitrundenpick 2026 nach Chicago. Der Name trägt dabei weiter als die Zahlen. Moore kam 2025 bei Chicago auf 50 Fänge für 682 Yards und 6 Touchdowns durch Pässe, und Buffalo hat mit Brandin Cooks, Gabe Davis und Curtis Samuel gleichzeitig drei Receiver verloren. Für die Offensive Line kamen Lloyd Cushenberry von den Tennessee Titans und Austin Corbett von den Carolina Panthers.
Houston hat sein Geld auf die Offensive Line gelegt
Die Texans haben im Sommer genau die Stelle bearbeitet, an der ihre Offensive Line geklemmt hat. Mit dem von Buffalo übernommenen Pick an Position 26 wählten sie Keylan Rutledge (Guard, Georgia Tech), in Runde 4 an Position 106 folgte Febechi Nwaiwu (Guard, Oklahoma). In der Free Agency kamen am 16. März Evan Brown und am 19. März Wyatt Teller, ebenfalls Guards.
Nur hat diese Offensive Line noch kein Pflichtspiel gemeinsam gespielt. Im Depth Chart steht Rutledge als Rookie direkt auf der Startposition Left Guard, Brown im Zentrum, Teller als erste Alternative. Dazu hat Houston am 6. März Joe Mixon freigestellt und das Laufspiel mit David Montgomery neu besetzt, der 2023 bis 2025 bei den Detroit Lions spielte. Ein neuer Running Back hinter vier neu besetzten Positionen ist die Konstellation mit der geringsten Planbarkeit, die eine Offensive im ersten Spiel haben kann.
Houston Texans vs. Buffalo Bills Tipps
Mein Tipp für diese Partie ist eine Siegwette auf die Buffalo Bills. Der Tipp lebt vom Unterschied auf der Quarterback-Position und von der Lage bei Houstons Receivern. Allen brachte 2025 über eine ganze Saison 69,3 Prozent seiner Pässe an und erreichte ein Rating von 102,2, Stroud in 14 Spielen 64,5 Prozent und 92,9. Dazu verliert Stroud für dieses Spiel mit Dell und Higgins zwei Receiver an Injured Reserve, während Noel fraglich ist. Houston erzielte mit vollständigem Kader nur 23,8 Punkte pro Spiel und verwertete 60,32 Prozent seiner Angriffe in der Redzone; dieselbe Offensive muss nun mit einem Rookie auf Left Guard, zwei neuen Guards daneben und einem neuen Running Back beginnen, die zusammen kein Pflichtspiel bestritten haben.
Buffalo bringt dagegen die Beständigkeit mit, die eine Auftaktpartie belohnt: 28,3 Punkte pro Spiel, 44,76 Prozent auf Third Down und mit 159,6 Laufyards pro Spiel das vielleicht beste Laufspiel der Liga, angeführt vom besten Läufer der Vorsaison. Gegen den Tipp sprechen Houstons neun Siege in Serie zum Saisonabschluss und die zweitwenigsten kassierten Punkte der Liga mit 17,4 pro Spiel, dazu fünf Buffalo-Niederlagen in Houston am Stück. Nur waren die beiden jüngsten davon Ergebnisse über drei und vier Punkte, und in der letzten spielte Buffalo mit 326 zu 261 Yards die überlegene Partie und scheiterte an 31,3 Prozent auf Third Down, einem Wert, den diese Offensive über die Saison hinweg deutlich höher hielt.
Auch wenn ich eine enge Partie erwarte, sprechen für mich zu viele Punkte für die Buffalo Bills. Der wichtigste Faktor ist ohne Zweifel Josh Allen. Er war in der vergangenen Saison deutlich stabiler und hat in seiner Offensive weniger Last auf seinen Schultern, da das Laufspiel Rund um Cook sehr gut funktioniert. Die Texans haben sich zwar auch verbessert, allerdings war die letzte Form von C.J. Stroud schwach, weshalb ich nicht denke, dass sie offensiv mit den Bills mithalten können. Deshalb lautet mein Tipp: Sieg Buffalo Bills.
Fazit und Spielprognose
Buffalo tritt an derselben Stelle unverändert an, an der es 2025 seine Punkte erzielte, nämlich mit Allen, mit Cook, mit dem besten Laufspiel der Liga und einer Offensive Line, die nur innen zwei neue Alternativen bekam. Houston hat seine erkannte Baustelle mit einem Erstrundenpick, einem Viertrundenpick und zwei erfahrenen Guards angegangen, und das ist die sachlich richtige Antwort auf ein schwaches Laufspiel. Nur wird diese Antwort am 13. September zum ersten Mal unter Wettbewerbsbedingungen geprüft, und das gegen eine Mannschaft, die durchaus eine solide Laufverteidigung hat.
Houstons Defense wird dafür sorgen, dass dieses Spiel nicht auseinanderfällt, denn 47 Sacks und 19 abgefangene Pässe begrenzen jede Offensive. Die Prognose lautet deshalb auf eine knappe Entscheidung mit wenigen Punkten Unterschied, wie sie beide Mannschaften 2024 und 2025 bereits zweimal miteinander erlebt haben, dieses Mal aber zugunsten der Buffalo Bills, die auf mich etwas kompletter wirken.



