Zwei Spiele, zwei Niederlagen, null Punkte: Türkei gegen Paraguay ist am zweiten Spieltag der Gruppe D kein gewöhnliches Gruppenspiel mehr. Die Türkei verlor ihren Auftakt gegen Australien mit 0:2, Paraguay ging gegen Gastgeber USA mit 1:4 unter. Beide reisen mit leeren Händen nach Santa Clara, und beiden bleibt kaum Luft für einen weiteren Fehltritt.
Eine zweite Pleite kann sich hier keiner leisten, sie bedeutet nach zwei Spieltagen ohne Punkt das praktische Aus. Es ist das frühe Endspiel zweier Mannschaften, die mit ganz anderen Ansprüchen angereist sind: die eine als ambitionierter Außenseiter aus Europa, die andere als Südamerikaner, der nach 16 Jahren auf die große Bühne zurückkehrt. Damit zählt weniger der Tabellenplatz als die Frage, welche der beiden punktlosen Mannschaften das Ruder herumreißt.
Türkei gegen Paraguay: Für beide geht es schon um alles
Am zweiten Spieltag der Gruppe D stehen sich zwei Verlierer des ersten Spieltags gegenüber. Die Türkei verlor ihren Auftakt gegen Australien mit 0:2, Paraguay wurde von Gastgeber USA mit 1:4 abgefertigt. Beide stehen bei null Punkten, und beiden ist klar: Eine zweite Niederlage wäre kaum noch zu reparieren.
Das hängt am Format der WM 2026. Zwölf Gruppen, je vier Teams, weiter kommen die besten zwei jeder Gruppe plus die acht besten Gruppendritten. Ins Sechzehntelfinale ziehen also 32 von 48 Mannschaften ein. Klingt großzügig, doch wer nach zwei Spielen ohne Punkt dasteht, braucht im letzten Gruppenspiel zwingend einen Sieg und zusätzlich Schützenhilfe aus den Parallelpartien. Der Verlierer dieses ist daher so gut wie ausgeschieden.
An der Tabellenspitze haben sich die USA und Australien mit je drei Punkten abgesetzt. Die Türkei steht wegen der etwas besseren Tordifferenz auf Platz drei, Paraguay bildet das Schlusslicht. Aus einem vermeintlich zweitrangigen Gruppenspiel wird damit ein Endspiel um den Verbleib im Turnier.
Eckdaten | Türkei gegen Paraguay |
|---|---|
Wettbewerb | WM 2026, Gruppe D, 2. Spieltag |
Termin | Samstag, 20. Juni 2026 |
Anstoß | 05:00 Uhr MESZ |
Stadion | Levi's Stadium, Santa Clara |
Der WM-Auftakt der Türkei im Detail
Das 0:2 gegen Australien sieht nach einem deutlichen Fehlstart aus. Wer die Partie gesehen hat, weiß es besser: Die Türkei war das klar bessere Team und verlor trotzdem. Zeitweise lag ihr Ballbesitz über 80 Prozent, am Ende standen 30 Torschüsse zu Buche, der höchste Wert aller Mannschaften am ersten Spieltag. Der xG-Wert, also die Summe der erwarteten Tore aus der Qualität der herausgespielten Chancen, lag bei 2,37. Getroffen hat die Türkei jedoch kein einziges Mal.
Australien verteidigte tief, ließ die Türkei kommen und lauerte auf Konter. Genau dieses Muster könnte Paraguay übernehmen. Im australischen Tor lief alles zusammen: Keeper Patrick Beach parierte acht Mal und hielt sein Tor sauber. Auf der Gegenseite reichten zwei Treffer, Nestory Irankunda in der 27. Minute und Connor Metcalfe in der 75., um die Partie zu entscheiden.
Aus diesem einen Spiel lässt sich die Türkei schwer einordnen. Die Vielzahl der Chancen spricht für ein starkes Team, dem nur der Abschluss fehlte. Die Null bei den eigenen Toren spricht dagegen. Beides stimmt, und beides gehört auf den Tisch, bevor man die Türkei vorschnell zum klaren Favoriten erklärt.
Die kreative Achse: Çalhanoğlu, Güler und Yıldız
Individuell ist der türkische Kader stark besetzt. Im Zentrum dirigiert Kapitän Hakan Çalhanoğlu, bei Inter Mailand seit Jahren der Taktgeber. Davor sorgen Arda Güler von Real Madrid und Kenan Yıldız von Juventus für die Ideen, beide Anfang zwanzig und schon Stammkräfte bei europäischen Spitzenklubs. Dahinter stehen mit Merih Demiral in der Abwehr und Torhüter Uğurcan Çakır weitere erfahrene Kräfte.
Trainer Vincenzo Montella, der frühere italienische Stürmer, gehört mit seinem Kader zu den auffälligsten Außenseitern des Turniers. Nach dem Fehlstart steht er nun früh unter Druck, aus der Dominanz endlich Tore zu machen. Gelingt das gegen Paraguay nicht, wird aus dem Geheimtipp schnell ein Kandidat für die frühe Heimreise.
Paraguays Fehlstart gegen die USA
Bei Paraguay fällt die Einordnung leichter, das 1:4 gegen die USA war verdient. Schon nach acht Minuten lag die Albirroja zurück, als Damián Bobadilla eine Hereingabe unglücklich ins eigene Tor lenkte. Bis zur Pause stand es 0:3, Folarin Balogun traf doppelt, einmal in der 31. Minute und einmal in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Eine Abwehr, die in 45 Minuten dreimal überwunden wird, gibt vor dem Spiel gegen die Türkei zu denken.
Ganz so einseitig wie das Ergebnis war der zweite Durchgang aber nicht. Paraguay kam zu eigenen Gelegenheiten, verkürzte auf 1:3 und kassierte das vierte Gegentor erst in der Nachspielzeit, als Giovanni Reyna nach einem offenen Schlagabtausch traf. Das 1:4 sieht schlimmer aus, als die zweite Hälfte war. Wer Paraguay deshalb abschreibt, unterschätzt die Mannschaft.
Denn harmlos ist dieser Gegner nicht. Unter Trainer Gustavo Alfaro steht ein Team, das hoch und aggressiv presst, körperlich dagegenhält und schnell umschaltet. Im Auftaktspiel sammelte Paraguay reichlich Gelbe Karten, ein Hinweis auf den Preis dieser Spielweise. Gegen eine Türkei, die das Spiel machen will, kann genau dieser Konterfußball gefährlich werden.
Erste WM seit 2010, ein Kader mit Substanz
Für Paraguay ist es die erste WM-Teilnahme seit 2010, damals reichte es in Südafrika bis ins Viertelfinale. Sechzehn Jahre später soll eine neue Generation den Anschluss schaffen.
In der Offensive ruhen die Hoffnungen auf Miguel Almirón, Stürmer Antonio Sanabria und dem erst 22 Jahre alten Julio Enciso. Die Innenverteidigung führen Gustavo Gómez von Palmeiras und Fabián Balbuena von Grêmio, beide erfahren im brasilianischen Spitzenfußball. Im Mittelfeld fielen schon gegen die USA Diego Gómez und Damián Bobadilla auf, Letzterer vor allem durch das frühe Eigentor.
Die Schlüsselduelle: Türkeis kreative Achse gegen Paraguays Härte
Wer dieses Spiel verstehen will, schaut zuerst ins Zentrum. Çalhanoğlu, Güler und Yıldız verteilen die Bälle und suchen die Lücken, Paraguay will genau dort mit hohem Pressing und vielen Zweikämpfen dagegenhalten. Bekommt die türkische Achse Zeit am Ball, beschäftigt sie Paraguays Abwehr über 90 Minuten. Laufen die Südamerikaner die Räume früh zu, fehlt der Türkei womöglich erneut der letzte Pass, so wie schon gegen Australien.
Der zweite Schauplatz sind die Flügel. Gegen den tiefen australischen Block kam die Türkei vor allem über außen, ohne daraus ein Tor zu machen. Gegen Paraguay dürfte sich das Bild wiederholen: viel Ballbesitz, viele Hereingaben und die offene Frage, ob jemand sie verwertet. Hier liegt Montellas eigentliches Problem, nicht im Aufbau, sondern im Abschluss.
Auf der anderen Seite lauert Paraguays gefährlichste Waffe. Schaltet die Albirroja schnell um, trifft sie auf eine türkische Mannschaft, die weit aufrückt und dabei hinten Räume lässt. Ein gewonnener Ball im Mittelfeld, zwei oder drei Pässe nach vorne, und plötzlich steht es anders, als es der Spielverlauf vermuten ließ. Genau so gewann Australien.
Bleibt die Disziplin. Paraguays körperliche Spielweise brachte gegen die USA schon mehrere Gelbe Karten ein. Geht das so weiter, drohen Freistöße in gefährlichen Zonen oder sogar eine Unterzahl, was gegen die ballsichere Türkei teuer werden kann.
Türkei - Paraguay Wett-Tipps
1. Tipp: Über 2,5 Tore
Mein erster Tipp für diese Partie ist eine Over-Wette auf über 2,5 Tore. Beide Mannschaften brauchen nach ihren Auftaktniederlagen unbedingt einen Sieg, ein Unentschieden bringt keinem von beiden etwas. Das nimmt jede Vorsicht aus der Partie: Beide müssen nach vorne, beide müssen Risiko gehen, und genau in solchen Spielen fallen die Tore. Paraguays Abwehr lädt zusätzlich dazu ein. Gegen die USA kassierte die Albirroja vier Gegentore, drei davon schon vor der Pause, und sie wackelte bei Kontern genauso wie bei Standards. Eine Defensive, die sich in 45 Minuten dreimal überwinden lässt, bekommt auch gegen die Türkei Probleme.
Die türkische Offensive liefert den zweiten Grund. Schon gegen Australien feuerte die Türkei 30 Torschüsse ab und sammelte einen xG von 2,37 an, den höchsten Wert aller Teams am ersten Spieltag. Eine Mannschaft, die sich derart viele Hochkaräter herausspielt, trifft über kurz oder lang. Trifft sie auf ein Paraguay, das selbst gewinnen muss und deshalb mitspielen statt nur verteidigen wird, kommen die Tore von beiden Seiten.
2. Tipp: Sieg Türkei
Der Unterschied an individueller Klasse ist da und lässt sich nicht wegdiskutieren. In der FIFA-Weltrangliste steht die Türkei auf Rang 22, Paraguay nur auf Platz 40, und der Kader bestätigt diese Kluft. Arda Güler von Real Madrid, Kenan Yıldız von Juventus und Kapitän Hakan Çalhanoğlu von Inter würden in fast jeder Mannschaft dieses Turniers spielen. In der paraguayischen Offensive steht niemand von diesem Format.
Gegen Australien bestimmte die Türkei das Spiel fast nach Belieben, es fehlte einzig der Treffer. Diesmal liegen die Vorzeichen besser. Paraguay kann sich nach dem 1:4 nicht so tief einigeln wie die Australier, denn die Südamerikaner brauchen selbst dringend Punkte. Das öffnet genau die Räume, in denen Güler und Yıldız ihre Klasse ausspielen, und es erhöht den Druck auf eine Abwehr, die schon gegen die USA viermal überwunden wurde. Über 90 Minuten setzt sich die höhere Qualität in einer solchen Partie durch, und die liegt klar bei der Türkei. Daher ist mein zweiter Tipp eine Siegwette auf die Türkei.
Fazit und Spielprognose
So läuft die Partie nach aller Wahrscheinlichkeit: Die Türkei übernimmt früh die Kontrolle, zieht das Spiel breit auf und drückt Paraguay in die eigene Hälfte. Die Albirroja stellt sich tief, verteidigt mit vielen Beinen und sucht ihr Heil im schnellen Umschalten, so wie es schon gegen die USA phasenweise klappte. Es wird ein Spiel auf ein Tor, mit der Türkei am Ball und Paraguay auf der Lauer.
Alles dreht sich um den ersten Treffer. Fällt er für die Türkei, muss Paraguay aufmachen, und dann können Güler und Yıldız ihre Klasse in den größer werdenden Räumen ausspielen. Geht Paraguay dagegen durch einen Konter in Führung, wird es für Montellas Team zäh, denn die Abschlussschwäche aus dem Spiel gegen Australien verschwindet nicht über Nacht. Diese Spannung macht die Partie trotz des klaren Favoriten sehenswert.
Am Ende sollte die individuelle Qualität den Ausschlag geben. Die Türkei findet diesmal den Weg ins Tor, fängt sich bei aller Überlegenheit aber einen Treffer aus dem Umschaltspiel. Das wahrscheinlichste Ergebnis ist ein 2:1 für die Türkei, ein knapper Sieg, der bis in die Schlussphase offen bleiben kann.



