Im Alexandra Palace steht ein deutsch-schwedisches Duell auf dem Programm. Andreas Harrysson trifft in der dritten Runde der Darts WM 2026 auf Ricardo Pietreczko. Beide Spieler haben sich eindrucksvoll durch die ersten Runden gekämpft und wollen nun den Einzug ins Achtelfinale schaffen. Für Pietreczko wäre es bereits der zweite Einzug in Folge unter die letzten 16, nachdem er im Vorjahr erst dort an Nathan Aspinall scheiterte.
Das Match verspricht Spannung, denn beide Akteure bringen unterschiedliche Stärken mit. Der Schwede Harrysson überzeugte mit einem souveränen 3:0 gegen Motomu Sakai, während der gebürtige Berliner „Pikachu“ im Nervenkrimi gegen Dave Chisnall erst im fünften Satz den Sieg holte. Die Ausgangslage spricht für ein enges Duell zwischen dem erfahrenen Harrysson und dem formschwankenden Pietreczko.
Andreas Harrysson vs. Ricardo Pietreczko Tipps
1. Tipp: Sieg Ricardo Pietreczko
Der erste Tipp ist eine Siegwette auf Ricardo Pitreczko. Der Unterschied in der Weltrangliste spricht eine klare Sprache: Platz 33 gegen Platz 114. Der gebürtige Berliner hat bei dieser WM bereits bewiesen, dass er auch schwierige Situationen meistern kann. Gegen Chisnall lag er mit 2:0 vorne, geriet mit 2:2 ins Wanken und gewann dennoch im fünften Satz. Diese Nervenstärke wird gegen Harrysson den Unterschied machen. Das Erlebnis, einen Matchdart gegen sich überlebt zu haben und dann doch zu gewinnen, gibt Selbstvertrauen für die kommenden Runden.
Der Schwede hat zwar ebenfalls mentale Qualitäten gezeigt – die sechs überstanden Matchdarts gegen Ross Smith sprechen für sich. Doch die Ranglistenposition kommt nicht von ungefähr. Pietreczko spielt regelmäßig auf höchstem Niveau, tritt bei Major-Events an und sammelt dort Erfahrung. Harrysson ist eher auf der Challenge Tour unterwegs und hat weniger Routine auf den großen Bühnen. Die Atmosphäre im Ally Pally mit 3200 Zuschauern verlangt Erfahrung – und davon hat Pietreczko mehr.
Der Average beider Spieler lag in der letzten Runde auf ähnlichem Niveau: 88,06 bei Harrysson, 88,23 bei Pietreczko. Doch „Pikachu“ spielte diesen Wert in einem wesentlich härteren Match. Chisnall ist als Nummer 21 der Setzliste ein ganz anderes Kaliber als Motomu Sakai. Pietreczko war gegen den Engländer unter Druck und lieferte trotzdem ab. Gegen Harrysson dürfte er von Anfang an mehr Selbstvertrauen haben und sein Spiel besser kontrollieren können.
2. Tipp: Unter 9,5 180er im Match
Die 180er-Statistiken beider Spieler deuten auf ein Match mit wenigen Maximum-Würfen hin. Harrysson erzielte gegen Sakai lediglich zwei 180er in drei Sätzen. Pietreczko kam gegen Chisnall auf null 180er – wohlgemerkt in fünf Sätzen. Diese Zahlen sind auffällig niedrig und legen nahe, dass dieses Duell nicht zu einem 180er-Festival wird. Beide Spieler haben andere Stärken als das permanente Treffen der dreifachen Zwanzig.
Natürlich können einzelne Spiele immer von der Norm abweichen. Doch die Tendenz ist klar: Beide Spieler gehören nicht zu den Spielern, die massenhaft 180er werfen. Ihre Stärken liegen eher in der Konstanz und im Checkout-Bereich. Harrysson zeigte mit seinem 141er-Finish gegen Sakai, dass er hohe Finishes abrufen kann. Pietreczko überzeugte durch seine Fähigkeit, unter Druck die Nerven zu behalten. Die Triple-20 als Scoringfeld ist für beide offenbar nicht das bevorzugte Ziel bei jedem Wurf.
Bei einem erwarteten Spielverlauf über vier bis fünf Sätze – Pietreczko als Favorit sollte das Match in dieser Länge für sich entscheiden – sind weniger als zehn 180er realistisch. Beide Spieler warfen zusammen in ihren letzten Matches nur zwei 180er. Diese Quote wird sich kaum verdoppeln oder verdreifachen. Die statistischen Grundlagen sprechen für ein Match mit überschaubarer 180er-Ausbeute.
Andreas Harrysson: Der Schwede mit dem 141er-Checkout
Andreas Harrysson steht in der Weltrangliste auf Platz 114 und gehört damit zu den Außenseitern bei diesem Turnier. Doch der 50-jährige Schwede hat bereits bewiesen, dass er gegen gesetzte Spieler bestehen kann. In der ersten Runde schlug er Ross Smith, die Nummer zwölf der Setzliste, nachdem er dabei sechs Matchdarts überlebte. Dieses Match zeigte seine mentale Stärke und Nervenfestigkeit in kritischen Momenten. Wer solche Situationen übersteht, bringt offensichtlich die nötige Erfahrung und Ruhe mit.
Gegen Motomu Sakai ließ Harrysson dann nichts anbrennen. Der 3:0-Erfolg fiel deutlich aus. Er warf dabei zwei 180er und erzielte einen Average von 88,06. Sein höchstes Checkout lag bei starken 141 Punkten – ein Ausrufezeichen direkt im ersten Satz. Der Japaner fand zu keinem Zeitpunkt ein Mittel gegen den konstant spielenden Schweden. Harrysson gab keinen einzigen Satz ab und zeigte sich von der lautstarken Unterstützung für seinen Gegner unbeeindruckt.
Harrysson mit gemischter Bilanz vor der Darts WM
Ein Blick auf die letzten fünf Spiele von Harrysson zeigt ein gemischtes Bild. Neben den beiden WM-Siegen gegen Ross Smith (3:2) und Sakai (3:0) stehen auch Niederlagen in der Players Championship. Gegen Williams O’Connor verlor er mit 2:6, gegen Adam Hunt unterlag er knapp mit 5:6. Gegen Szaganski gewann er ebenfalls knapp mit 6:5. Diese Ergebnisse zeigen: Harrysson kann gegen starke Gegner mithalten, aber auch gegen vermeintlich leichtere Aufgaben Probleme bekommen. Die Schwankungen in seiner Leistung sind deutlich erkennbar.
Der Schwede träumt von einer Tourkarte. Mit zwei weiteren Siegen bei der WM würde er unter die Top 64 der Welt springen und sich die Reise zur Q-School im Januar sparen. Die Motivation ist also groß. Harrysson selbst sagte nach dem Sakai-Match, dass er an sich glaubt und es für möglich hält. Hinter ihm liegt eine starke Saison auf der Challenge Tour. Beim European-Tour-Event in Leverkusen erreichte er nach Siegen über Raymond van Barneveld und Michael Smith sogar das Achtelfinale. Diese Erfolge gegen namhafte Gegner zeigen sein Potenzial auf höchstem Niveau.
Ricardo Pietreczko: Nervenstärke im entscheidenden Moment
Ricardo Pietreczko steht auf Platz 33 der Weltrangliste und ist damit der klare Favorit in diesem Match. Der 31-jährige gebürtige Berliner mit dem Spitznamen „Pikachu“ hat bei dieser WM bereits zwei Siege eingefahren. In der ersten Runde besiegte er Jose de Sousa mit 3:1, in der zweiten Runde setzte er sich gegen den an Nummer 21 gesetzten Dave Chisnall mit 3:2 durch. Beide Erfolge zeigen unterschiedliche Facetten seines Spiels: Kontrolle gegen de Sousa, Kampfgeist gegen Chisnall.
Das Chisnall-Match war ein echter Krimi. Pietreczko startete stark und holte sich schnell die ersten beiden Sätze. Dann kippte das Momentum. Der Engländer fand seinen Rhythmus und glich zum 2:2 aus. Im fünften Satz musste die Entscheidung fallen – und sie fiel erst in der Verlängerung. Chisnall hatte bereits Matchdarts, doch Pietreczko behielt die Nerven und sicherte sich den Sieg. „Das war eine Achterbahn“, sagte er mit heiserer Stimme nach dem Match. „Ich habe öfter mal das Board angeschrien, weil ich nicht fassen konnte, dass ich ein 2:0 fast aus der Hand gebe.“
Die Statistiken aus Pietreczko gegen Chisnall
Die Zahlen aus dem Chisnall-Match sind aufschlussreich. Pietreczko warf keine einzige 180 während der gesamten Partie. Sein Average lag bei 88,23, sein höchstes Checkout bei 120 Punkten. Diese Werte sind solide, aber nicht herausragend. Sie zeigen, dass Pietreczko gegen Chisnall nicht sein bestes Darts spielte, sondern vor allem durch Kampfgeist und Nervenstärke gewann. Die fehlenden 180er fallen besonders auf – normalerweise ein wichtiger Indikator für einen Spieler seiner Klasse.
Die letzten fünf Spiele von Pietreczko zeigen eine positive Tendenz. Bei der WM schlug er de Sousa und Chisnall. Bei den Players Championship Finals im November unterlag er zwar Luke Littler mit 6:10, besiegte aber Gary Anderson mit 6:5 und Williams O’Connor mit 6:3. Das Littler-Match gegen den Topfavoriten war erwartungsgemäß schwer, allerdings konnte er dort lange gut mithalten. Der Sieg über den erfahrenen Anderson ist besonders hervorzuheben.
Pietreczko als Favorit im Drittrundenduell gegen Harrysson
Die Analyse beider Spieler ergibt ein klares Bild. Ricardo Pietreczko bringt die bessere Weltranglistenposition, mehr Erfahrung auf großen Bühnen und die nötige Nervenstärke mit. Sein Sieg gegen Chisnall im Nervenkrimi hat gezeigt, dass er auch unter Druck funktioniert. Andreas Harrysson hat zwar mit seinem 3:0 gegen Sakai und dem Erstrundentriumph über Ross Smith aufhorchen lassen, doch gegen die Nummer 33 der Welt dürfte die Hürde zu hoch sein.



