Im Viertelfinale von Kansas City trifft der amtierende Weltmeister auf einen der unangenehmsten Gegner für einen Favoriten: eine Schweiz, die kaum Tore zulässt. Argentinien stellt mit Lionel Messi den formstärksten Angreifer des Turniers, die Schweiz die kompaktere Mannschaft, die genau solche Ausnahmespieler ausbremsen will.

Der Favorit ist eindeutig, sein Weg ins Viertelfinale war es nicht. Argentinien kam in der K.-o.-Runde zweimal nur mit sehr viel Mühe weiter, die Schweiz über ihre Ordnung und ein Elfmeterschießen. Für einen Tipp auf diese Partie zählt beides: die Klasse des Weltmeisters und ein Gegner, der enge Spiele für sich entscheidet.

Argentinien gegen Schweiz: das Viertelfinale in Kansas City

Argentinien gegen die Schweiz ist das letzte der vier Viertelfinals dieser Weltmeisterschaft, und es stellt den Titelverteidiger mit dem Führenden der Torschützenliste gegen die Mannschaft mit den wenigsten Gegentoren. Anstoß ist in der Nacht zum 12. Juli 2026 um 3:00 Uhr MESZ, gespielt wird im Arrowhead Stadium in Kansas City.

Beide kamen als Gruppensieger weiter, danach trennten sich die Wege. Argentinien dominierte seine Gruppe, wackelte in der K.-o.-Runde aber gleich zweimal. Die Schweiz kam über ihre Ordnung und ein Elfmeterschießen gegen Kolumbien durch, ohne selbst groß aufzutrumpfen.

Argentinien ist klarer Favorit, und es geht um mehr als nur die Runde: Für den Weltmeister ist es der nächste Schritt Richtung Titelverteidigung, für die Schweiz schon das Erreichen des Viertelfinals ein seltener Erfolg. Wie der Favorit mit einem Gegner umgeht, der defensiv schwer zu knacken ist, wird die entscheidende Frage sein.

Argentiniens wackliger Weg ins Viertelfinale

Argentinien steht im Viertelfinale, überzeugend war der Weg dorthin aber nur in der Gruppenphase. In beiden K.-o.-Spielen lag der Weltmeister am Rand des Ausscheidens: einmal ging es in die Verlängerung, einmal drehte die Mannschaft einen 0:2-Rückstand erst in der Schlussphase. Die Form vor dem Viertelfinale ist damit fragiler, als es der Titel von 2022 vermuten lässt.

In Gruppe J ließ Argentinien nichts anbrennen. Zum Auftakt schlug der Weltmeister Algerien 3:0, wobei Messi mit einem Hattrick (17., 60., 76. Minute) das Spiel praktisch allein entschied. Es folgten ein 2:0 gegen Österreich und ein 3:1 gegen Jordanien zum Gruppenabschluss.

Drei Siege, 8:1 Tore, die volle Punktzahl: In der Gruppe war Argentinien das kontrollierte Team, das man vom Titelverteidiger erwartet. Genau dieses Bild hielt in der K.-o.-Runde dann nicht mehr.

Die K.-o.-Runde: zweimal am Rand des Aus

Im Sechzehntelfinale gegen Außenseiter Kap Verde brauchte Argentinien die Verlängerung. Nach dem 1:1 in der regulären Zeit brachte erst Cristian Romero in der 111. Minute das 3:2 und verhinderte die Blamage.

Im Achtelfinale gegen Ägypten wurde es noch enger. Argentinien lag zur Pause 0:1 und nach gut einer Stunde sogar 0:2 zurück, ehe Romero (79.), Messi (83.) und Enzo Fernández in der Nachspielzeit (90.+2) das Spiel in nur acht Minuten drehten. Ein 3:2, das mehr über die Moral als über die Kontrolle dieser Mannschaft aussagt.

Messi trifft nach Belieben, nur nicht vom Punkt

Acht Turniertreffer, alle aus dem Spiel heraus: Messi ist der treffsicherste Spieler dieser WM und Argentiniens wichtigster Mann in jeder Phase. Gegen Ägypten war er mit dem Ausgleich zum 2:2 der Auslöser der Wende.

Vom Elfmeterpunkt läuft es dagegen so schlecht wie nie. Messi verschoss sowohl gegen Österreich als auch gegen Ägypten (21. Minute) einen Strafstoß und ist damit der erste Spieler überhaupt, der bei einer WM zwei Elfmeter aus dem Spiel heraus vergeben hat. Tore hat er trotzdem erzielt, da in dem argentinischen Angriff vieles über Messi läuft.

Ein Punkt zieht sich durch die K.-o.-Runde: In jedem der beiden Spiele kassierte Argentinien zwei Gegentore. Gegen Kap Verde traf der Außenseiter zweimal, gegen Ägypten lag der Weltmeister sogar 0:2 hinten. Die Innenverteidigung um Romero und Lisandro Martínez vor Torhüter Emiliano Martínez wirkt also alles andere als sattelfest und geriet zuletzt regelmäßig in Verlegenheit.

Die Schweiz: nur drei Gegentore im ganzen Turnier

Die Schweiz steht zum ersten Mal seit der Heim-WM 1954 wieder in einem WM-Viertelfinale, und das über eine solide Defensive. Drei Gegentore in fünf Spielen, zweimal zu null in der K.-o.-Runde: Die Mannschaft von Murat Yakin gewinnt keine Spektakel, sie gewinnt enge Spiele. Genau darin liegt für Argentinien das Problem.

In Gruppe B startete die Schweiz mit einem enttäuschenden 1:1 gegen Katar, steigerte sich dann aber deutlich: 4:1 gegen Bosnien und Herzegowina, 2:1 gegen Kanada zum Gruppensieg. Sieben Punkte, 7:3 Tore, Platz eins.

Im Sechzehntelfinale ließ die Nati Algerien beim 2:0 keine Chance. Breel Embolo traf früh (10.), Dan Ndoye direkt nach der Pause (46.). Es war zugleich das einzige K.-o.-Spiel, in dem die Schweiz überhaupt selbst traf.

Das Elfmeterdrama gegen Kolumbien

Im Achtelfinale gegen Kolumbien stand nach 120 Minuten ein 0:0. Beide Abwehrreihen ließen kaum etwas zu, entschieden wurde erst im Elfmeterschießen, und dort war Gregor Kobel der Held. Der Torhüter parierte den Versuch von Cucho Hernández, Ruben Vargas verwandelte den letzten Schweizer Elfmeter zum 4:3 und das Viertelfinale war damit gesichert.

Ganz reibungslos lief es nicht: Manuel Akanji setzte seinen Elfmeter weit über das Tor und ließ Kolumbien eine Chance wieder in das Spiel zu finden. Dass die Schweiz trotzdem weiterkam, sagt viel über ihre Nervenstärke in engen Momenten und über einen Torhüter, der im entscheidenden Moment da war.

Die Kehrseite der stabilen Abwehr: Nach vorne tut sich die Schweiz schwer. In den beiden K.-o.-Spielen gelangen ihr nur die zwei Tore gegen Algerien, gegen Kolumbien blieb sie über volle 120 Minuten ohne Treffer.

Breel Embolo und Dan Ndoye sind die auffälligsten Offensivkräfte, dazu ordnet Kapitän Granit Xhaka das Spiel aus dem Mittelfeld. Gegen einen Gegner, der zwangsläufig mehr investieren muss, kann die Schweiz gefährlich umschalten. Aus dem Spiel heraus ein, zwei Tore zu erzwingen, fiel ihr zuletzt aber sichtbar schwer. Dazu kommt, dass ihre Defensive bislang noch kaum getestet wurde. Mit Argentinien wartet die bislang größte Herausforderung des Turniers auf sie.

Argentinien - Schweiz Tipps

Wett-Tipps Argentinien - Schweiz
WM 2026
01
Lionel Messi erzielt ein Tor 1.90
02
Über 2,5 Tore 2,18

1. Tipp: Lionel Messi trifft

Der Tipp auf ein Messi-Tor ist der naheliegendste des ganzen Spiels. Kein Spieler hat bei dieser WM öfter getroffen, und alle seine Treffer fielen aus dem Spiel heraus. In beiden K.-o.-Spielen war er selbst erfolgreich, gegen Kap Verde wie gegen Ägypten, wo er den Ausgleich zum 2:2 erzielte und die Wende einleitete.

Dazu kommt seine Rolle: Argentinien bündelt fast das gesamte Offensivspiel über Messi, von Standards bis zu den Aktionen im letzten Drittel. Er steht in der Startelf so sicher wie kein Zweiter und spielt in der Regel durch. Über 90 Minuten bekommt er selbst gegen tiefe Abwehrreihen fast immer seinen Moment.

Der ehrliche Einwand bleibt: Die Schweiz verteidigt stark, ließ im ganzen Turnier kaum Tore zu, und Manuel Akanji dürfte ihn eng bewachen. Dagegen spricht jedoch seine Konstanz: Auch als es für Argentinien in der K.-o.-Runde eng wurde, war Messi zur Stelle. Genau das macht den Tipp so verlässlich. Daher ist die erste Empfehlung eine Torschützen Wette auf einen Treffer von Lionel Messi.

2. Tipp: Über 2,5 Tore

Die zweite Empfehlung ist eine Over-Wette auf über 2,5 Treffer in der Partie. Beide K.-o.-Partien endeten 3:2, also mit je fünf Toren, und in jedem dieser Spiele kassierte die eigene Abwehr zwei Gegentore. Wo Argentinien zuletzt spielte, fielen Tore auf beiden Seiten.

Der eigentliche Haken ist die Schweiz. Sie ließ im ganzen Turnier nur drei Tore zu, hielt Kolumbien über 120 Minuten bei null und gewinnt ihre Spiele über die Defensive. Verwaltet sie eine frühe Führung des Favoriten oder hält das Spiel bewusst eng, kann die Partie lange torarm bleiben. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass sie gegen noch keine wirklich starke Offensive gespielt haben. Weder Algerien noch Kolumbien haben eine Offensive, die man mit der von Argentinien vergleichen kann. Der argentinische Angriff rund um Lionel Messi zählt zu den stärksten bei dieser WM und mit drei Toren in beiden K.o.-Partien haben sie das immer wieder unter Beweis gestellt.

Dagegen steht ein einfacher Gedanke: Über die volle Distanz kann keines der beiden Teams nur verteidigen. Argentinien wird das Spiel machen und die Schweiz aus ihrer Ordnung locken müssen, und sobald sich vorne Lücken auftun, ist auch der wackligen argentinischen Abwehr ein Gegentor zuzutrauen. Fällt das erste Tor früh, öffnet sich die Partie zusätzlich.

Die Prognose zum Spiel

Argentinien wird dieses Spiel bestimmen wollen: viel Ballbesitz, ein hoher Anteil an der Partie und der Versuch, die Schweizer Abwehr über die gesamte Breite zu beschäftigen. Die Schweiz stellt sich tief, verdichtet das Zentrum und lauert auf den einen Konter über Embolo oder Ndoye.

Für die Schweiz sprechen die Defensive und die Nervenstärke aus dem Elfmeterschießen, gegen sie die Qualität in Argentiniens Angriff und ein Messi in bestechender Verfassung. Den Ausschlag dürfte die individuelle Klasse geben. Ganz ohne Gegentor wird Argentinien nach seinen letzten Auftritten aber kaum durchkommen. Am Ende denke ich trotzdem, dass Argentinien sich hier durchsetzen wird und so in das Halbfinale der Weltmeisterschaft 2026 einziehen kann.