Wer vor dem Anpfiff auf den DFB-Pokal wettet, entscheidet fast immer eine einzige Frage: Kommt der FC Bayern als Favorit durch alle Runden, oder scheitert er vorher in einem einzigen K.-o.-Spiel? Der Pokal ist reines K.-o. ohne Rückspiel, und dieser eine Modus prägt jede Wette auf das Turnier. Und auch wenn der FC Bayern München hier in den letzten Jahren immer als Favorit reingegangen ist, haben sie sich bei diesem Turnier traditionell schwer getan.
Für 2026/27 zeichnet sich eine klare Ausgangslage ab: der Rekordsieger weit vor einer kleinen Gruppe früherer Pokalsieger, dahinter eine Reihe Amateurklubs, die im August mit Heimrecht für die erste Überraschung sorgen wollen. Worauf sich eine Wette wirklich lohnt, entscheidet sich hier Runde für Runde.
Wettanbieter für den DFB-Pokal
Ein Spiel entscheidet: das K.-o.-Format und die Folgen für die Wette
Der DFB-Pokal wird über 64 Mannschaften und sechs Runden im reinen K.-o.-System gespielt, von der 1. Hauptrunde bis zum Finale, insgesamt 63 Spiele. Jede Runde kennt nur einen Ausgang: Wer verliert, ist raus, ein zweites Spiel zum Zurückkommen gibt es nicht.
Genau das trennt die Pokalwette von einer Wette in der Liga. Über 34 Spieltage verteilt sich ein schwacher Tag, im Pokal kostet ein einziger schwacher Abend den ganzen Wettbewerb. Für eine Wette heißt das: Der Zufall wiegt schwerer, und selbst ein haushoher Favorit kann in einer einzigen Runde scheitern.
Bleibt es nach 90 Minuten unentschieden, folgen Verlängerung und, wenn nötig, Elfmeterschießen. Ein Wiederholungsspiel gibt es nicht. Eine enge Partie kann sich also über 120 Minuten und einen einzelnen Elfmeter entscheiden, worauf sich einstellen sollte, wer knapp auf den Favoriten setzt.
Ein Vorteil liegt beim kleineren Verein: In der 1. Runde hat der unterklassige Klub Heimrecht, und das gilt bis nach oben. Selbst ein Zweitligist bekommt einen Bundesligisten ins eigene Stadion.
Das Finale steht seit 1985 fest im Berliner Olympiastadion, 2026/27 am 29. Mai 2027. Ein neutraler Ort ohne Heimvorteil für einen der Finalisten: Für eine Wette auf das Endspiel fällt dieser Faktor damit weg.
Die Wette auf den Pokalsieger
Wer auf den DFB-Pokal als Ganzes wetten will, landet bei der Wette auf den Pokalsieger. Sie läuft über den kompletten Wettbewerb: Du setzt vor der 1. Runde auf einen Klub, und der Einsatz bleibt gebunden, bis der Verein ausscheidet oder den Pokal holt.
Diese Langzeitwette ist ehrlicherweise riskanter als eine Meisterwette in der Bundesliga, weil der ganze Einsatz an jeder einzelnen Runde hängt. Genau das macht sie aber reizvoller: Die Quoten fallen höher aus, und ein Klub aus der zweiten Reihe kann sich über einen guten Lauf bis weit ins Turnier spielen.
Ein Anreiz geht über den Titel hinaus. Der Pokalsieger zieht direkt in die Ligaphase der UEFA Europa League 2027/28 ein. Ist er über die Bundesliga schon für Europa qualifiziert, also über die Plätze eins bis fünf, rückt der Tabellensechste nach. Deshalb nimmt auch ein Klub aus dem Tabellenmittelfeld den Pokal ernst: Für viele ist es der kürzeste Weg nach Europa.
Neben dem Sieger tauchen im Turnierverlauf auch Wetten auf einzelne Partien auf, etwa auf das Weiterkommen in einer Runde. Für den Blick auf den gesamten Pokal bleibt die Wette auf den Sieger aber die eine, die zählt.
Der DFB-Pokal Wetten 2026/27: Teilnehmer und die Auslosung
Die 64 Startplätze verteilen sich über vier Ebenen des deutschen Fußballs. Gesetzt sind die 18 Mannschaften aus der Bundesliga und der 2. Bundesliga der Saison 2025/26 sowie die vier bestplatzierten teilnahmeberechtigten Klubs der 3. Liga. Die restlichen 24 Plätze gehen an Vertreter der Landesverbände, in aller Regel die Sieger der Landespokale. Zweite Mannschaften sind nicht teilnahmeberechtigt.
Für eine Wette ist diese Mischung der eigentliche Reiz: In jeder Runde kann ein Profiklub auf einen Gegner treffen, den er nie zuvor gesehen hat und dessen Form aus einer Liga stammt, die kaum jemand verfolgt.
Die Amateurklubs als Unbekannte
Die kleinsten Klubs im Feld kommen aus der Oberliga, der fünften Spielklasse in Deutschland. Der Hamburg Eimsbütteler BC und der SC St. Tönis 1911/20 gehören dazu. Aus der viertklassigen Regionalliga sind unter anderem Eintracht Trier und der FC Erzgebirge Aue dabei, Aue nach dem Abstieg aus der 3. Liga.
Für eine Siegwette auf den Titel sind solche Klubs eigentlich chancenlos, für eine Wette auf den Außenseiter dagegen die interessantesten Namen im Feld. Ein Verein aus der fünften Liga, der im eigenen Stadion einen Bundesligisten empfängt, hat wenig zu verlieren und geht ohne Druck in die Partie.
Die Lose der 1. Runde
Die 1. Runde wurde am 6. Juni 2026 im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund ausgelost, in zwei Töpfen und mit Heimrecht für den jeweils unterklassigen Klub. Das Ergebnis brachte gleich mehrere Paarungen, die für Wetten sofort ins Auge fallen.
Der Oberligist Hamburg Eimsbütteler BC empfängt Borussia Dortmund, der Zweitligist VfL Osnabrück bekommt den FC Bayern München ins eigene Stadion. Dazu kommen der FC Erzgebirge Aue gegen die TSG 1899 Hoffenheim, der SC St. Tönis gegen Eintracht Frankfurt, Hansa Rostock aus der 3. Liga gegen den VfB Stuttgart und der Drittligist SV Wehen Wiesbaden gegen Bayer 04 Leverkusen.
Ein Terminhinweis fällt für Wetten ins Gewicht: 30 der 32 Spiele der 1. Runde finden vom 21. bis 24. August 2026 statt. Die Partien von Bayern und Dortmund steigen erst am 1. und 2. September 2026, weil beide am Wochenende davor den Supercup bestreiten.
DFB-Pokal Quoten 2026/27: Wer ist Favorit, wer Außenseiter?
Der FC Bayern München führt die Titelquoten mit Abstand an. Bei dem Wettanbieter Bet-at-Home steht der Rekordsieger bei 2,05 (Stand 09.07.2026), umgerechnet eine eingepreiste Siegwahrscheinlichkeit von rund 49 Prozent. Für einen Klub mit 21 Pokalsiegen, der den Titel 2025/26 mit einem 3:0 im Finale gegen den VfB Stuttgart holte, ist das ein auffällig niedriger Wert.
Knapp die Hälfte, mehr traut die Quote selbst dem klaren Favoriten nicht zu. Dahinter folgt eine Gruppe früherer Pokalsieger: Borussia Dortmund bei 5,25, Bayer 04 Leverkusen und RB Leipzig gleichauf bei 7,25, der VfB Stuttgart bei 12,00. Erst danach beginnt mit Eintracht Frankfurt (17,00) und dem SC Freiburg (33,00) das breite Mittelfeld.
Verein | Titelquote bet-at-home |
|---|---|
FC Bayern München | 2,05 |
Borussia Dortmund | 5,25 |
Bayer 04 Leverkusen | 7,25 |
RB Leipzig | 7,25 |
VfB Stuttgart | 12,00 |
Eintracht Frankfurt | 17,00 |
SC Freiburg | 33,00 |
Alle Werte Stand: 09.07.2026 von Bet-at-Home.
Einen echten Außenseiter mit realistischer Chance auf den Titel geben diese Quoten nicht her. Dahinter reicht die Spanne von rund 45,00 im gehobenen Mittelfeld bis zu 250,00 für die kleinsten Amateur- und Regionalligaklubs. Wer dort setzt, spekuliert auf eine Sensation, die praktisch nie eintritt. Der realistische Gegenpol zu Bayern sind die vier Verfolger, allen voran Borussia Dortmund bei 5,25.
Die fünf größten Titelkandidaten 2026/27
Die Titelquoten geben eine Reihenfolge vor, aber sie erklären nicht, warum ein Klub dort steht. Die fünf niedrigsten Quoten gehören ausgerechnet den fünf jüngsten Pokalsiegern. Was für jeden von ihnen spricht und wo der Haken liegt, entscheidet sich an Form, Trainer und dem Los der 1. Runde, nicht an der Vergangenheit.
FC Bayern München
Der Titelverteidiger und Rekordsieger ist der Maßstab. 2025/26 holte der FC Bayern unter Vincent Kompany das Double aus Meisterschaft und Pokal, in der Liga souverän mit 89 Punkten. Ein Kader dieser Breite verkraftet Ausfälle, die andere Klubs aus der Bahn werfen.
Der Haken sitzt im Los: Bayern startet auswärts beim Zweitligisten VfL Osnabrück, und gerade das Auswärtsspiel beim Unterklassigen ist im Pokal der klassische Stolperstein. Ausgeschieden ist der Favorit damit nicht, aber ein Selbstläufer ist die 1. Runde ebenso wenig. Trotz der Dominanz des FC Bayern München in der Bundesliga haben sie sich zuletzt in dem DFB-Pokal etwas schwer getan. Von den letzten 10 DFB-Pokalen konnten sie nur drei gewinnen. Das zeigt, dass Außenseiter durch das Format eine realistische Chance auf eine Überraschung haben.
Borussia Dortmund
Dortmund war 2020/21 zuletzt Pokalsieger und beendete 2025/26 als Vizemeister mit 73 Punkten, klar hinter Bayern, aber vor dem Rest der Liga. Unter Niko Kovač, seit Januar 2025 im Amt, hat der BVB wieder Struktur gefunden.
Das Los ist ein Klassiker der Kategorie Stolperfalle: auswärts beim Oberligisten Hamburg Eimsbütteler BC, auf engem Platz und vor voller Kulisse. Wer auf Dortmunds Titel setzt, sollte einkalkulieren, dass der Abstand zu Bayern zuletzt groß war und ein Vorsprung über eine ganze Saison eine Sache ist, in einem K.-o.-Turnier eine andere.
Bayer 04 Leverkusen
Leverkusen gewann 2023/24 seinen ersten Pokal überhaupt, im selben Jahr wie die Meisterschaft. Von jener Mannschaft ist sportlich wie auf der Bank wenig geblieben: Mit Carles Martínez Novell steht seit dem 1. Juli 2026 der dritte Cheftrainer binnen gut eines Jahres an der Seitenlinie, nach Xabi Alonso und Kasper Hjulmand.
Diese Unruhe auf der Trainerposition ist der offensichtliche Schwachpunkt: Eine neue Handschrift braucht Zeit, und die 1. Runde kommt früh. Das Los führt Leverkusen auswärts zum Drittligisten SV Wehen Wiesbaden. Auch wenn sie das Spiel wahrscheinlich deutlich gewinnen werden, ist ihnen der Pokal dieses Jahr nicht zuzutrauen.
RB Leipzig
Leipzig gewann den Pokal 2021/22 und 2022/23 zweimal in Folge und schloss 2025/26 als Tabellendritter mit 65 Punkten ab. Auch hier gab es einen Schnitt: Ole Werner musste nach nur einer Saison gehen, seit Juni 2026 übernimmt Martín Demichelis.
Ein neuer Trainer, ein neuer Ansatz, dazu das Auswärtsspiel beim viertklassigen Eintracht Trier, das erstmals seit zehn Jahren wieder im Pokal steht: Für Leipzig ist die 1. Runde eine Prüfung auf einem Platz, auf dem ein Ausrutscher sofort teuer wird.
VfB Stuttgart
Der VfB gewann den Pokal 2024/25 mit einem 4:2 im Finale gegen Arminia Bielefeld und stand ein Jahr später erneut im Endspiel, dort aber dem FC Bayern unterlegen. Unter Sebastian Hoeneß, seit 2023 im Amt, steht Stuttgart für die größte Kontinuität dieser fünf.
Genau daraus zieht der Klub seine Chance: eine eingespielte Mannschaft, ein Trainer mit klarer Idee, dazu die Erfahrung aus zwei Endspielen nacheinander. Der Schwachpunkt ist der letzte Schritt, denn zweimal in Folge im Finale zu stehen und einmal zu verlieren zeigt die Nähe zur Spitze und zugleich die Lücke dorthin. Das Auswärtsspiel beim Drittligisten Hansa Rostock ist machbar, aber kein geschenkter Auftakt.
Warum der DFB-Pokal Außenseiter groß macht
Drei Dinge kommen im Pokal zusammen, die dem Außenseiter mehr Chancen geben als in der Liga. Das erste ist das fehlende Rückspiel: Der Favorit hat keine zweite Partie, um einen schlechten Tag auszubügeln. Ein 0:1 in der 89. Minute, und die Pokalsaison ist vorbei.
Das zweite ist das Heimrecht des kleineren Klubs. Der Bundesligist reist auf einen engen Platz mit lauter Kulisse, oft auf einen Rasen, den er nicht kennt, gegen einen Gegner, der einmal im Jahr über sich hinauswächst. Dazu kommt die Motivation: Für den Amateur ist dieser eine Nachmittag der Höhepunkt der Saison, für den Favoriten eine Pflichtaufgabe zwischen Liga und Europapokal.
Für eine Wette heißt das trotzdem nicht, blind auf die Sensation zu setzen. Die hohe Quote auf den Außenseiter spiegelt genau das wider: eine kleine Chance, und in den allermeisten Fällen setzt sich am Ende die Klasse durch. Wie deutlich das ausgehen kann, zeigte 2021 der damals fünftklassige Bremer SV: Gegen den FC Bayern München setzte es ein 0:12.
Die Überraschung ist möglich, aber die Ausnahme. Wer auf einen Außenseiter setzt, bekommt eine hohe Quote, aber eine kleine Chance, kein wahrscheinliches Ergebnis. Am ehesten lohnt der Blick auf Paarungen, in denen ein Drittligist mit eingespielter Mannschaft auf einen Bundesligisten im Umbruch trifft, nicht auf das Duell Fünftligist gegen Titelkandidat.







