Der Empress Ballroom der Winter Gardens ist im Sommer die lauteste Bühne, die der Dartssport zu bieten hat. In der zweiten Runde treffen in Blackpool mit Josh Rock und Stephen Bunting zwei Spieler aus den besten zehn der Welt aufeinander, die kaum unterschiedlicher an ihre Karriere herangehen: hier der junge Scorer mit dem großen Talent, dort der erfahrene Major-Sieger, welcher zurzeit eine durchwachsene Phase durchlebt. Vor dem Duell steht die Frage, wer den Schwung mit in die zweite Turnierwoche nimmt. Vor einem Tipp zu Rock gegen Bunting lohnt der genaue Blick auf beide.

Was in der zweiten Runde von Blackpool auf dem Spiel steht

Am Dienstag, dem 21. Juli 2026, treffen Josh Rock und Stephen Bunting im Empress Ballroom der Winter Gardens von Blackpool aufeinander. Die Begegnung gehört zur Abendsession, die um 20:00 Uhr deutscher Zeit beginnt.

Gespielt wird über elf Gewinnlegs, also im Modus Best of 21. Wer vorne liegt, braucht zwei Legs Vorsprung zum Sieg, und steht es nach den regulären Legs 13:13, fällt die Entscheidung in einem einzigen Leg. Gegenüber der ersten Runde über neun Gewinnlegs ist die Strecke damit spürbar länger, und je länger sie wird, desto weniger fällt ein einzelnes schwaches Leg ins Gewicht.

Um Geld geht es in Blackpool in diesem Jahr so viel wie nie. Das Turnier ist erstmals mit einer Million Pfund dotiert, der Sieger bekommt 225.000 Pfund, und selbst wer in der zweiten Runde ausscheidet, nimmt noch 22.500 Pfund mit. Beide haben die erste Hürde genommen, allerdings auf sehr unterschiedliche Weise, und genau das macht dieses Duell zweier Spieler aus den Top Ten reizvoll.

Wie stark ist Josh Rock, und warum hakt sein Jahr 2026?

Rock ist einer der besten Scorer der Tour. Der Nordire aus Broughshane, Jahrgang 2001 und unter dem Spitznamen „Rocky" bekannt, steht unter den besten zehn der Weltrangliste und ist beim World Matchplay an Position acht gesetzt. Wenn er seinen Rhythmus findet, wirft er auf einem Niveau, das jeden Gegner im Feld unter Druck setzt.

An Talent fehlt es Rock nicht, an Konstanz in dieser Saison schon. Das Debüt in der Premier League endete auf dem letzten Platz mit acht Punkten, den Sprung in die Play-offs nach London verpasste er deutlich. Die Weltmeisterschaft endete für ihn schon in der vierten Runde, beim 0:4 gegen Justin Hood brachte er kaum etwas auf die Bühne. Für einen Spieler seiner Klasse ist das zu wenig.

Der Halbfinallauf beim World Matchplay 2025

Wie weit Rock in Blackpool kommen kann, hat er vor einem Jahr gezeigt. 2025 warf er auf dem Weg ins Halbfinale erst Michael van Gerwen aus dem Turnier und bezwang dann Gerwyn Price mit 16:11, bei einem Average von über 104. Erst Luke Littler stoppte ihn, und das denkbar knapp: Nach einer 5:0-Führung für Rock drehte Littler die Partie noch zum 17:14.

Dieser Lauf ist der Grund, warum Rock in Blackpool ernst zu nehmen ist, unabhängig vom Rest seiner Saison. Die große Bühne der Winter Gardens liegt ihm, und über die lange Distanz kann sein hohes Grundtempo den Unterschied machen.

Der Titel in Österreich und der Auftakt gegen Woodhouse

Einen Lichtblick hatte 2026 doch. Im Mai gewann Rock bei den Austrian Darts Open seinen zweiten Titel auf der European Tour, im Finale schlug er Kevin Doets mit 8:6. Der Auftakt in Blackpool geriet dann klar, aber nicht überzeugend: Gegen den Qualifikanten Luke Woodhouse gewann Rock mit 10:4, blieb dabei im Average allerdings unter 91.

Gegen einen Woodhouse, der in dieser Partie insgesamt 20 Doppel liegen ließ, reichte das. Gegen einen Routinier wie Bunting wird ein Wert in dieser Höhe schwerer durchgehen.

Stephen Bunting bringt die größere Major-Erfahrung mit

Bunting bringt genau das mit, was Rock noch fehlt: eine lange Sammlung großer Auftritte. Der Engländer aus Liverpool, „The Bullet" genannt, ist mit 41 Jahren der deutlich ältere der beiden und beim Matchplay an Position neun gesetzt. 2024 gewann er mit dem Masters seinen ersten großen PDC-Titel, im Finale schlug er Michael van Gerwen mit 11:7. Dazu stand er zweimal im Halbfinale der Weltmeisterschaft, 2021 und 2025.

Auf der Bühne verliert Bunting selten die Ruhe, und gerade in engen Phasen bringt ihn seine Erfahrung durch. Genau darauf dürfte es gegen Rock ankommen.

Das Karrierejahr 2025

2025 war Buntings bislang stärkstes Jahr. Bei den Bahrain Darts Masters setzte er sich im Finale gegen Gerwyn Price durch, bei den Nordic Darts Masters in Kopenhagen gewann er gegen Rob Cross mit 8:4 seinen zweiten Titel der World Series in dieser Saison. Beim World Matchplay stand er im Viertelfinale, erst zum zweiten Mal in seiner Laufbahn.

Dieses Viertelfinale sagt viel über ihn aus. Gegen Gary Anderson lag Bunting mit 4:6 zurück, ehe er die Partie drehte und sie erst im Entscheidungsleg mit 12:10 für sich entschied. Wer so ein Match übersteht, verliert auch in Blackpool nicht schnell den Faden.

Der Zittersieg zum Auftakt gegen Zonneveld

Ganz rund lief der Start ins Turnier aber nicht. Gegen den Debütanten Niels Zonneveld führte Bunting schon mit 8:5, ehe der Niederländer mit zwei Zehndartern in Folge und einem Checkout von 164 zum 8:8 ausglich. Am Ende ließ Zonneveld drei Matchdarts liegen, und Bunting rettete sich im Entscheidungsleg zum 13:12.

Das war knapp, und es zeigt, dass auch Bunting derzeit nicht in Bestform ist. Auf der anderen Seite hat er bewiesen, dass er ein wackliges Match über die Ziellinie bringt, statt es aus der Hand zu geben.

Wie steht der direkte Vergleich zwischen Rock und Bunting?

Der direkte Vergleich taugt hier wenig als Wegweiser, weil er in beide Richtungen zeigt. In der Premier League 2026 trafen die beiden zweimal im Viertelfinale eines Spieltags aufeinander, und beide Male fiel das Ergebnis einseitig aus, nur eben abwechselnd. In Nottingham gewann Bunting mit 6:1, gut einen Monat später revanchierte sich Rock in Rotterdam mit demselben Ergebnis. Das jüngere der beiden Duelle ging damit an Rock.

Ein Muster lässt sich daraus nicht ableiten. Wer an dem Abend früher ins Spiel fand, zog davon, der andere kam kaum ins Match. Für Blackpool bleibt vor allem eine Erkenntnis: Einen klaren Favoriten gibt der direkte Vergleich nicht her.

Dazu kommt der Formatunterschied. In der Premier League geht ein Viertelfinale über sechs Gewinnlegs, in der zweiten Runde des Matchplay über elf. Ein 6:1 aus einem kurzen Duell am Spieltagabend sagt wenig darüber, wer über die deutlich längere Strecke von Blackpool die Ruhe und die Konstanz behält. Dort trennt sich ein starker Abend von einem starken Match.

Der Wett-Tipp zu Rock gegen Bunting

Mein Tipp für diese Partie ist eine Siegwette auf Stephen Bunting. Eng ist die Partie ohnehin, in der Setzliste trennt beide nur ein Rang. Den Ausschlag gibt Buntings größere Erfahrung in den entscheidenden Momenten.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen den beiden. Bunting hat einen großen Titel gewonnen, zweimal im WM-Halbfinale gestanden und sich in Blackpool schon durch ein Entscheidungsleg gegen Gary Anderson gekämpft. Rock kann auf einen großen Lauf verweisen, sein Halbfinale im Vorjahr, mehr aber noch nicht. Über elf Gewinnlegs, wenn eine Partie in die heiße Phase geht, ist die Seite im Vorteil, die solche Situationen schon oft durchgestanden hat.

Gegen den Tipp spricht das jüngste direkte Duell, das klar an Rock ging, dazu sein höheres Grundtempo und der starke Auftritt in Blackpool vor einem Jahr. Dieser Sieg fiel allerdings im kurzen Format eines Spieltagabends, das andere Duell in dieser Saison gewann Bunting ebenso deutlich, und Rocks bescheidener Average zum Auftakt deutet darauf hin, dass er noch nicht auf dem Niveau von 2025 wirft.

Buntings eigener Zittersieg zum Start bleibt ein Vorbehalt, aber er hat ihn gewonnen, und genau diese Fähigkeit zählt über die lange Strecke am meisten. Daher würd der Druck auf ihn in dieser Partie deutlich geringer sein, weshalb ich von ihm bessere Leistungen erwarte, wie noch in der Partie gegen Niels Zonneveld

Fazit und Prognose zu Rock gegen Bunting

Dieses Duell wird eng. Rock erzielt die höheren Aufnahmen und kann eine Partie im Alleingang an sich reißen, sobald seine Doppel sitzen. Bunting hält mit Routine dagegen und mit der Ruhe in den Phasen, in denen sich ein Match über elf Gewinnlegs entscheidet.

Ich rechne mit einem offenen Verlauf, in dem lange kein Spieler entscheidend davonzieht. Legt Rock früh vor, kann er in Führung gehen; kann Bunting mit dem Scoring mithalten, holt er die Legs zurück, in denen Rock nachlässt. Über die lange Distanz traue ich Bunting den kühleren Kopf zu.

Meine Prognose: ein knapper Erfolg für Bunting, am ehesten 11:8 oder 11:9. Hält Rock sein Tempo über die volle Strecke, kann die Entscheidung auch erst im letzten Leg fallen, und genau dort hat Bunting beim World Matchplay bislang jedes Mal die Nerven behalten. Dreimal ging es für ihn in Blackpool bis ins Entscheidungsleg, dreimal setzte er sich durch.