Bei Australian Football Wetten zählt oft weniger, wer gewinnt, als wie hoch. Es ist ein Sport der hohen Punktzahlen, und daraus entstehen eigene Wettarten, die mehr hergeben als der bloße Tipp auf den Sieger.
Wer aus Deutschland auf die AFL setzen will, kommt deshalb nicht am Sport selbst vorbei. Erst wenn klar ist, wie Punkte fallen und wann ein Spieler für eine Wette überhaupt in Frage kommt, lässt sich einschätzen, welcher Tipp sich lohnt.
Australian Football Wetten: Was die Regeln für deine Wette bedeuten
Australian Football, in Australien meist Aussie Rules oder kurz Footy genannt, tritt mit zwei Teams zu je 18 Spielern auf dem Feld an. Der Platz ist oval, bis zu 185 Meter lang und 155 Meter breit, in vielen Städten ein umgebauter Cricketplatz. Gespielt wird über vier Viertel à 20 Minuten reine Spielzeit, doch die Uhr stoppt bei jeder Unterbrechung, sodass ein Viertel real eher eine halbe Stunde dauert.
Für eine Wette zählt zuerst, wie auf diesem großen Feld überhaupt Punkte fallen. Und dafür gibt es zwei Wege mit sehr unterschiedlichem Wert.
Goal und Behind: das Punktesystem
An jedem Ende des Feldes stehen vier Pfosten. Tritt ein Angreifer den Ball sauber zwischen die beiden hohen Pfosten in der Mitte, ohne dass ihn ein Pfosten oder ein Gegenspieler berührt, zählt das als Goal und bringt sechs Punkte. Geht der Ball dagegen zwischen einen hohen und einen der äußeren, niedrigeren Pfosten, trifft er einen Pfosten oder drückt ihn ein Verteidiger über die eigene Linie, gibt es ein Behind und damit einen einzigen Punkt.
Ein geworfener oder mit der Faust gespielter Ball zählt nie als Goal, nur der getretene. Aus dieser Staffelung ergeben sich hohe Endstände, weil ein einziges Goal so viel wiegt wie sechs Behinds.
Mark, Tackle und der Lauf mit dem Ball
Der Ball darf getreten oder mit der Faust weitergegeben werden (der Handball), aber nicht geworfen. Wer mit dem Ball läuft, muss ihn spätestens alle 15 Meter einmal auf den Boden aufsetzen, sonst gibt es einen Freistoß für den Gegner.
Fängt ein Spieler einen Ball sauber aus der Luft, der zuvor mindestens 15 Meter weit getreten wurde, ist das ein Mark. Er bekommt dafür einen unbedrängten Ballbesitz und darf in Ruhe seinen nächsten Zug wählen. Wird ein Ballführender dagegen regelkonform gestoppt (ein Tackle) und bringt den Ball nicht rechtzeitig weg, pfeift der Schiedsrichter "holding the ball", und der Gegner bekommt den Freistoß.
Diese drei Elemente, Mark, Tackle und Handball, bestimmen den Rhythmus einer Partie. Sie werden pro Spieler gezählt, und genau diese Zahlen machen einzelne Akteure für eine Wette interessant.
Welche Wettarten lohnen sich bei Australian Football?
Der Tipp auf den Sieger ist schnell gesetzt, gibt bei einem klaren Favoriten aber wenig zurück. Spannender sind die Wettarten, die den hohen Punktestand des Sports aufgreifen, allen voran das Handicap und die Wette auf die Gesamtpunkte. Dazu kommen die Wetten auf einzelne Torschützen und Spieler, die sich direkt aus dem Punktesystem und den gezählten Ballaktionen ergeben.
Siegwette und das seltene Unentschieden
Bei der Siegwette tippst du schlicht, welche Mannschaft am Ende vorn liegt. Fällt die Partie unentschieden aus, was inklusive einer möglichen Verlängerung nur selten vorkommt, wird der Einsatz in der Regel zurückerstattet, sofern der Wettanbieter keine eigene Quote auf das Remis führt. Abgerechnet wird nach dem offiziellen Endergebnis.
Handicap: die Wette auf den Vorsprung
Bei Handicap Wetten gibt der Anbieter dem Favoriten rechnerisch einen Punkterückstand mit, den er erst wettmachen muss, damit dein Tipp aufgeht. Die Handicappunkte werden am Ende zum tatsächlichen Ergebnis addiert, und danach wird abgerechnet.
Gerade im Australian Football ist das reizvoll: Ein Favorit kann ein Spiel mit dreißig oder vierzig Punkten Unterschied gewinnen, ohne dass die reine Siegwette mehr als ein paar Cent Gewinn abwirft. Traust du dem stärkeren Team einen klaren Erfolg zu, bringt das Handicap eine spürbar höhere Quote als der Tipp auf den bloßen Sieg.
Über oder unter: die Gesamtpunkte beider Teams
Diese Wette lässt den Sieger außen vor: Es zählt allein, ob die Punkte beider Mannschaften zusammen über oder unter einer vom Anbieter gesetzten Grenze landen. Weil im Australian Football viele Punkte fallen, liegt diese Grenze hoch. Wie hoch genau, hängt von der Offensivstärke der beiden Teams ab.
Erster und beliebiger Torschütze
Diese Wetten werden ausschließlich über Goals abgerechnet, nicht über Behinds: Ein einzelner Punkt zählt hier also nicht mit. Beim ersten Torschützen tippst du, wer das erste Goal der Partie erzielt, beim beliebigen Torschützen reicht ein Goal zu irgendeinem Zeitpunkt. Steht dein Spieler am Ende nicht im Aufgebot oder kommt gar nicht zum Einsatz, verfällt die Wette und der Einsatz kommt zurück.
Spielerwetten: Disposals, Marks und Tackles
Neben den Toren lassen sich auch einzelne statistische Werte eines Spielers setzen. Am verbreitetsten sind Disposals, also die Summe aus Kicks und Handballs eines Akteurs, dazu Marks, Tackles und die AFL-Dream-Team-Punkte aus dem offiziellen Fantasy-Spiel der Liga. Bei den Disposals gibt es oft auch den direkten Vergleich zweier Spieler: wer von beiden am Ende mehr Ballaktionen hat.
Über die einzelne Partie hinaus stehen die Langzeitwetten auf eine ganze Saison: auf den Meister und auf die individuellen Auszeichnungen wie die Brownlow Medaille für den besten und fairsten Spieler oder die Coleman Medaille für den besten Torschützen. Dazu kommt, wie in jeder Sportart, die Live-Wette während der laufenden Partie.
Die Ligen und der Weg zum Grand Final
Die AFL, die Australian Football League, ist die höchste Spielklasse des Sports und umfasst 18 Klubs aus fünf australischen Bundesstaaten. Ab der Saison 2028 kommt mit einem Klub aus Tasmanien das 19. Team dazu. Für eine Wette ist die AFL die klare Hauptliga.
Von der regulären Saison zum Grand Final
Die Saison 2026 läuft vom 5. März bis zum 26. September. In der Hauptrunde bestreitet jedes Team 23 Spiele über 25 Runden, die Differenz ergibt sich aus den Freilosen, die über die Saison verteilt sind. Danach beginnt die Finalserie, an deren Ende das Grand Final am Melbourne Cricket Ground (MCG) steht, traditionell die größte Bühne des Sports.
2026 ist diese Finalserie zum ersten Mal größer angelegt: Statt der besten acht Klubs über vier Wochen spielen nun die besten zehn über fünf Wochen um den Titel. Vorgeschaltet ist eine neue Wildcard-Runde, in der der Tabellensiebte gegen den Zehnten und der Achte gegen den Neunten antritt. Die beiden Sieger rücken zu den sechs Bestplatzierten nach, ab da läuft das bekannte Finalsystem mit acht Mannschaften weiter.
Was sich 2026 an den Regeln ändert
Zur Saison 2026 hat die Liga zwei auffällige Änderungen eingeführt. Beim zentralen Anpfiff wirft der Schiedsrichter den Ball jetzt hoch, statt ihn wie früher auf den Boden zu schmettern (der frühere Center-Bounce). Und die frühere Regel mit einem einzelnen austauschbaren Ersatzspieler ist gestrichen: Jedes Team hat nun eine Bank mit fünf Wechselspielern.
Dazu kommen mehrere kleinere Anpassungen, die die reine Spielzeit um rund drei Minuten verkürzen sollen, unter anderem weniger Zeit für das Einkicken nach einem gegnerischen Score.
AFLW und die Ligen darunter
Neben der AFL der Männer gibt es die AFLW als Frauenliga, deren Viertel mit 17 Minuten etwas kürzer sind als die 20 Minuten bei den Männern. Darunter folgt ein halbprofessioneller Unterbau mit Ligen wie der VFL, der SANFL und der WAFL, in denen viele Klubs ihre zweite Garde und ihren Nachwuchs einsetzen. Der neue Klub aus Tasmanien startet zunächst dort, ehe er 2028 in die AFL aufrückt.
AFL Quoten 2026: Wie offen ist das Titelrennen?
Zum Stichtag 13. Juli 2026 führt Fremantle die Meisterquoten bei dem Anbieter Bet-at-Home mit 3,40 an, umgerechnet eine eingepreiste Siegchance von rund 29 Prozent. Für einen Titelfavoriten ist das eine hohe Quote: Weniger als ein Drittel Siegchance bedeutet, dass das Rennen offener ist, als es der Vorsprung an der Tabellenspitze vermuten lässt.
Team | Meisterquote |
|---|---|
Fremantle | 3,40 |
Brisbane Lions | 4,30 |
Hawthorn | 7,00 |
Sydney Swans | 8,00 |
Geelong Cats | 10,00 |
Adelaide Crows | 12,00 |
Alle Werte Stand: 13. Juli 2026.
Nach Adelaide bei 12,00 reißt das Feld ab: Der nächste Name ist Melbourne bei 25,00, dahinter geht es über die Western Bulldogs (38,00) und einen Pulk von Klubs jenseits der 45,00 bis hinunter zu Port Adelaide bei 250,00. Auffällig ist die Reihenfolge hinter Fremantle, denn sie folgt nicht der Tabelle. Brisbane steht mit 4,30 als zweiter Favorit, obwohl der Klub nach 17 Spielen nur Vierter ist, hinter Sydney und Hawthorn. Sydney wiederum ist Tabellenzweiter, in den Quoten aber erst die Nummer vier.
Dass der amtierende Meister aus Brisbane so weit vorn notiert, passt zu einem Titel, der erst in den Finals fällt und nicht über die Tabelle der Hauptrunde. Bet-at-Home gewichtet die Finalerfahrung des Titelverteidigers offenbar höher als Sydneys bessere Bilanz aus der regulären Saison. Ob diese Rechnung aufgeht, entscheidet sich erst im September. Der auffälligste Name im Mittelfeld ist Geelong bei 10,00, immerhin der Verein, der 2025 erst im Grand Final an Brisbane scheiterte.
Favoriten und Topteams der Saison 2026
Nach 17 Spielen (Stand 13. Juli 2026) führt Fremantle die Tabelle mit 15 Siegen und 2 Niederlagen an, acht Punkte vor Sydney. Dahinter folgen Hawthorn und, mit der besten Form der letzten Wochen, der amtierende Meister aus Brisbane. Fünf Teams heben sich vom Rest ab, entschieden ist damit aber nichts.
Fremantle
Fremantle ist die Mannschaft der Saison. 15 Siege aus 17 Spielen, dazu mit 142,3 der beste Prozentwert der Liga, also das beste Verhältnis aus erzielten und kassierten Punkten. Die Stärke liegt in der Balance: Der Angriff ist stark, und in der Abwehr lässt kein anderes Team der Spitzengruppe so wenige Punkte zu.
Selbst eine Niederlage in den letzten fünf Spielen hat den Vorsprung nicht ernsthaft gefährdet, die Antwort in der Folgewoche kam prompt. So deutlich die Lage ist, ein Selbstläufer ist der Titel damit nicht: In den Finals zählt die Tagesform, und die beste Hauptrunde bringt dort keine Garantie.
Sydney Swans
Sydney ist mit 13 Siegen und 4 Niederlagen der erste Verfolger und hält den zweitbesten Prozentwert der Liga. Die Stärke der Swans liegt in der Offensive, die zu den treffsichersten der gesamten Saison gehört.
Zuletzt ist die Form aber holpriger geworden, auf Siege folgte wieder eine Niederlage. Der große Abstand zu Fremantle zeigt, dass es Sydney bislang an Konstanz fehlt. Mit der möglichen Rückkehr des Angreifers Logan McDonald bekäme die Offensive vor den Finals zusätzlich Wucht.
Hawthorn
Hawthorn steht mit 11 Siegen, 5 Niederlagen und einem Unentschieden auf Rang drei, als einziges Team der Spitzengruppe mit einem Remis in der Bilanz. Der Prozentwert von 114,2 liegt klar unter dem der beiden Erstplatzierten.
Das Auf und Ab prägt die Saison der Hawks: Auf schwache Auftritte folgen wieder überzeugende, zuletzt ein Sieg nach einer Niederlage. Mehrere zuletzt verletzte Profis stehen vor der Rückkehr, was die Kaderbreite für die entscheidenden Wochen erhöht. Als Drittplatzierter ist Hawthorn ein ernsthafter Anwärter, aber schwerer einzuschätzen als Fremantle oder Sydney.
Brisbane Lions
Brisbane liegt als amtierender Meister zum Stichtag nur auf Rang vier, geht aber mit der besten Form der Spitzengruppe in die Schlussphase: fünf Siege in Folge. Der Klub gewann die letzten beiden Meisterschaften, zuletzt das Grand Final 2025 gegen Geelong mit 47 Punkten Vorsprung, den fünften Titel der Vereinsgeschichte.
Dass es in der Tabelle nur zu Rang vier reicht, liegt an sechs Niederlagen, die überwiegend in die erste Saisonhälfte fielen. Mit der Rückkehr von Oscar Allen nach einem Fußbruch bekommt der Angriff zusätzliche Optionen, und Trainer Chris Fagan muss abwägen, ob er die formstarke Mannschaft für den Rückkehrer überhaupt umbaut. Rang vier ist für einen amtierenden Meister wenig, doch die fünf Siege am Stück sprechen dafür, dass Brisbane in den Finals wieder gefährlich wird.
Adelaide Crows
Adelaide komplettiert mit 11 Siegen und 6 Niederlagen die Spitzengruppe auf Rang fünf, praktisch punktgleich mit Brisbane und nur durch den etwas schlechteren Prozentwert dahinter. Das ist ein spürbarer Rückschritt, denn 2025 war Adelaide noch Minor Premier, also das beste Team der gesamten Hauptrunde.
Zuletzt lief es mit zwei Siegen in Folge wieder besser. Izak Rankine sorgt in der Offensive für Betrieb, während in der Abwehr Rory Laird zuletzt angeschlagen war. Für ein Team, das die Vorsaison von der Tabellenspitze aus bestimmt hatte, ist Rang fünf eine Enttäuschung, für die Finals bleibt die Mannschaft aber ein ernstzunehmender Gegner.
Die individuellen Auszeichnungen der Vorsaison sitzen übrigens außerhalb dieser fünf Teams. Die Brownlow Medaille für den besten und fairsten Spieler ging 2025 an Matt Rowell von den Gold Coast Suns, die Coleman Medaille für die meisten Tore an Jeremy Cameron von Geelong mit 83 Treffern. Wer auf einen einzelnen Star setzt, findet die Klasse also nicht zwangsläufig beim Tabellenführer.
Worauf es bei Australian Football Wetten wirklich ankommt
Wer auf einen einzelnen Spieler oder den ersten Torschützen setzt, geht ein Risiko ein, das die reine Siegwette nicht kennt. Die endgültigen Aufstellungen gibt die AFL erst kurz vor dem Spiel bekannt, meist am Vorabend, letzte Änderungen sogar erst rund eine Stunde vor dem ersten Ballkontakt. Fällt dein Spieler kurzfristig aus, verfällt die Wette. Vor einer Torschützen- oder Spielerwette lohnt deshalb der Blick auf die zuletzt bestätigte Mannschaft.
Genauso wichtig ist der hohe Punktestand. Die angriffsstärksten Teams wie Fremantle, Sydney oder Brisbane kommen in dieser Saison auf rund 100 bis 107 Punkte pro Spiel, und im Ligaschnitt fallen pro Partie etwa 175 Punkte, wenn man beide Mannschaften zusammenzählt. Die Grenze bei einer Über/Unter-Wette liegt entsprechend hoch, oft klar über 150. Ein einzelner schwacher Angriffstag verschiebt die Summe dann schnell, mehr als eine glatte Zahl im Kopf vermuten lässt.
Dazu kommen die Regeländerungen der Saison 2026. Der Punktestand liegt in dieser Saison hoch, obwohl die reine Spielzeit gekürzt wurde. Ob der weggefallene Center-Bounce und die kürzeren Spielabschnitte die Punkte oder das Tempo wirklich verändern, lässt sich über wenige Monate noch nicht sauber belegen. Bis dahin ist es klüger, die konkrete Offensivstärke zweier Teams einzuschätzen, als auf einen vermuteten Effekt der neuen Regeln zu setzen.


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