Value Bets sind Wetten, bei denen deine eigene, belastbar begründete Gewinnwahrscheinlichkeit über der Gewinnschwelle liegt, die sich aus der angebotenen Quote des Wettanbieters ergibt. Gemeint ist damit immer eine einzelne Wette zu einer Quote, die in diesem Moment angeboten wird. Die Rechnung dazu kommt mit einer Division und einer Multiplikation aus. Der Aufwand liegt davor, denn die Wahrscheinlichkeit, mit der du rechnest, muss erst begründet werden, und ohne sie bleibt jede Quote nur eine Zahl.

Was ist eine Value Bet und wie rechnest du sie aus?

Jede Dezimalquote enthält schon eine Wahrscheinlichkeit, und genau die stellst du deiner eigenen gegenüber. Die Dezimalquote gibt dabei den gesamten Auszahlungsfaktor an, die Rückzahlung deines Einsatzes eingeschlossen. Teilst du eins durch diese Quote, erhältst du die Gewinnschwelle, also den Anteil an Treffern, den du auf Dauer brauchst, um bei dieser Quote weder zu gewinnen noch zu verlieren. Umgekehrt läuft die Rechnung genauso, denn eins geteilt durch deine eigene Wahrscheinlichkeit ergibt die Dezimalquote, die zu dieser Wahrscheinlichkeit fair wäre.

Damit weißt du erst, dass ein Vorteil besteht, noch nicht, wie groß er ist. Dafür multiplizierst du deine eigene Wahrscheinlichkeit mit der Dezimalquote und ziehst eins ab. Heraus kommt der Nettowert, den du je Einsatzeinheit erwarten kannst, positiv immer dann, wenn deine Wahrscheinlichkeit die Gewinnschwelle übersteigt, und umso größer, je weiter sie darüber liegt.

Angenommen, du hältst einen Ausgang für 60 Prozent wahrscheinlich und findest dafür die Dezimalquote 1,80. Die Gewinnschwelle beträgt 1 geteilt durch 1,80, also rund 55,6 Prozent. Deine 60 Prozent liegen darüber. Der Nettowert beträgt dann 0,60 mal 1,80 minus 1, also 0,08 oder 8 Prozent.

Alles in dieser Rechnung ist ablesbar, bis auf einen Wert. Die 60 Prozent sind deine eigene Einschätzung, und sobald sie in Wirklichkeit unter der Gewinnschwelle liegen, verschwindet der ganze Vorteil, ohne dass sich an der Quote etwas geändert hätte. Deshalb entscheidet nicht die Formel über eine Value Bet, sondern die Herkunft dieser einen Zahl.

Wie prüfst du, ob eine Quote Value hat?

An einer Quote allein lässt sich nicht erkennen, ob sie zu hoch angesetzt ist. Eine Quote, die höher liegt, als du erwartet hättest, ist deshalb zunächst ein Kandidat und nichts weiter. Zwischen diesem Kandidaten und einem belastbaren Vorteil stehen vier Schritte, und ihre Reihenfolge zählt, weil jeder spätere Schritt auf dem Ergebnis des vorigen aufbaut.

  1. Dieselbe Wette vergleichen. Zwei Quoten sind nur dann vergleichbar, wenn sie derselben Wettart, derselben Grenze und derselben Wertungsregel gelten. Schon eine abweichende Wertung erzeugt eine Abweichung, die nach Value aussieht.
  2. Denselben Informationsstand herstellen. Eine Quote von heute Morgen und eine Wahrscheinlichkeit, in die eine mittags bekannt gewordene Aufstellung eingeflossen ist, ergeben keinen Vergleich, sondern einen Zeitvorsprung. Mit jeder neuen Information ändert sich auch die Quote des Wettanbieters, weshalb sie je nach Information sinken oder steigen kann.
  3. Die Marge herausrechnen. In einem Wettmarkt liegt die Summe der Kehrwerte aller Dezimalquoten wegen der Überrunde typischerweise über eins. Teile jeden dieser Kehrwerte durch die Summe, dann hast du eine bereinigte Vergleichsbasis, deren Wahrscheinlichkeiten sich zu eins addieren.
  4. Die eigene Wahrscheinlichkeit unabhängig prüfen. Margenrechnung und die Art, wie du zu deiner Wahrscheinlichkeit kommst, werden getrennt kontrolliert. Sonst reparierst du einen Fehler mit einem zweiten.

Die bereinigte Basis aus dem dritten Schritt bleibt eine Näherung. Die Überrunde entspricht der Bruttomarge nur unter der Annahme, dass die erwarteten Renditen über alle Ausgänge gleich verteilt sind. Sind die Margen ungleich gesetzt, fällt die tatsächliche durchschnittliche Verlustrate höher aus, als die Überrunde anzeigt. Dein errechneter Vorteil ist dann kleiner, als die Bereinigung ihn ausweist, und ein knapper Vorsprung kann dabei ganz verschwinden.

Bleibt der Vorteil bestehen, hilft ein Blick auf einen liquiden Wettmarkt oder auf die spätere Schlussquote. Das ist eine Plausibilitätsprüfung deiner eigenen Wahrscheinlichkeit und keine Garantie für den Ausgang der einzelnen Wette. Eine bis Spielbeginn gesunkene Quote zeigt, dass der Markt den Ausgang für wahrscheinlicher hält als die Anfangsquote. Sie markieren Abweichungen oder rechnen mit den Zahlen, die du eingibst, während die Qualität der Eingangsdaten und die Prüfung deiner eigenen Wahrscheinlichkeit deine Arbeit bleiben. Value Bets, die alle vier Schritte überstehen, sind entsprechend seltener als auffällige Quoten.

Wie gehst du als Einsteiger mit Einsatz und Dokumentation um?

Der Einsatz je Wette entscheidet am Anfang darüber, wie viele Fehlversuche du überhaupt überstehst. Wer mit Value Bets anfängt, kennt die Qualität der eigenen Wahrscheinlichkeiten noch nicht, weil dafür eine eigene Serie von Wetten fehlt. Ein rechnerischer Vorteil von wenigen Prozent wirkt sich erst über viele Wetten aus, während eine zu große Einsatzeinheit die Bankroll schon in der ersten längeren Verlustserie aufbraucht. Die erste Frage lautet also, wie viele Verluste in Folge dein Kapital verträgt, und der Einsatz je Wette ergibt sich aus der Antwort.

  • Setze ausschließlich Geld ein, das frei verfügbar ist und für nichts anderes eingeplant ist.
  • Lege vorab fest, ob und mit welchem kleinen Betrag du überhaupt mit Echtgeld beginnst. Eine reine Papierphase ohne Echtgeld ist ein guter Anfang, um ohne Risiko zu starten.
  • Bestimme ein Verlustlimit, bevor die erste Wette läuft, und halte es auch dann ein, wenn eine Serie gerade unglücklich lief.
  • Dokumentiere jede Entscheidung vollständig, also die Wette, deine eigene Wahrscheinlichkeit, die Quote im Moment der Wette und das Ergebnis.
  • Bemiss die Einsatzeinheit so, dass deine Bankroll die längste Verlustserie übersteht, mit der du rechnest, und dass darüber hinaus ein Sicherheitsaufschlag übrig bleibt.

Die Aufzeichnungen zählen dabei so viel wie das Verlustlimit. Nur wenn zu jeder Wette deine eigene Wahrscheinlichkeit und die Quote im Moment der Wette festgehalten sind, lässt sich später auseinanderhalten, ob ein Verlust aus einer zu hoch angesetzten Wahrscheinlichkeit entstanden ist oder aus der normalen Streuung.

Die häufigsten Fehler bei Value Bets

Kein Rechenfehler ist nötig, damit eine Wette wertvoller aussieht als sie ist. Meist stimmt die Rechnung, und die Wahrscheinlichkeit, die du hineingibst, ist zu hoch angesetzt. Ob deine Wahrscheinlichkeiten taugen, zeigt sich an drei Eigenschaften, die getrennt zu betrachten sind. Die Kalibrierung erkennst du daran, ob sich bei den Ausgängen, denen du eine bestimmte Wahrscheinlichkeit gegeben hast, auf Dauer auch etwa dieser Anteil einstellt. Bei der Auflösung geht es darum, ob du wahrscheinliche und unwahrscheinliche Ausgänge überhaupt voneinander trennst. Die Unsicherheit steckt im Gegenstand selbst und bleibt auch bei sorgfältiger Arbeit übrig.

Wie stark die Kalibrierung wiegt, zeigt der Vergleich zweier Auswahlwege für Prognosemodelle bei Sportwetten. Nach Kalibrierung ausgewählte Modelle erreichten im Mittel 34,69 Prozent Rendite, nach reiner Genauigkeit ausgewählte minus 35,17 Prozent. Eine hohe Trefferquote allein belegt also keine gut kalibrierte Schätzung.

Fehler

Folge

Korrektur

Die Wahrscheinlichkeit aus der Quote als faire Wahrscheinlichkeit nehmen

Du vergleichst die Quote mit sich selbst und findest überall oder nirgends Value

Zuerst eine eigene Wahrscheinlichkeit bilden, danach mit der Gewinnschwelle vergleichen

Die Marge unbeachtet lassen

Der Vorteil fällt in der Rechnung größer aus, als er ist

Mit der bereinigten Vergleichsbasis rechnen

Informationen nachträglich einmischen

Deine Wahrscheinlichkeit enthält Wissen, das in der verglichenen Quote noch nicht steckte

Den Informationsstand einfrieren, zu dem die Quote galt

Nur Treffer und Fehltipps auswerten

Schlecht kalibrierte Wahrscheinlichkeiten bleiben unentdeckt

Die eigenen Wahrscheinlichkeiten gegen die tatsächlich eingetretenen Anteile halten

Die Methode nach einer Verlustserie umstellen

Jede Bilanz beginnt von vorn und wird nie belastbar

Die Methode über die geplante Serie unverändert lassen und erst danach bewerten

Warum können gute Value Bets trotzdem verlieren?

Du kannst jeden Schritt richtig machen und die Wette trotzdem verlieren. Ein positiver erwarteter Nettowert beschreibt einen Durchschnitt über viele vergleichbare Entscheidungen, über den Ausgang der nächsten Wette ist damit nichts gesagt. Sie gewinnt oder verliert, und bei hoher Varianz reihen sich Verluste auch dann über längere Strecken, wenn die Rechnung stimmt. Ein einzelnes Ergebnis und eine kurze Serie beweisen deinen Vorteil deshalb nicht und widerlegen ihn ebenso wenig.

Zwei Risiken liegen dabei übereinander, und jedes greift an einer anderen Stelle an.

  • Das Ergebnisrisiko steckt im Spiel selbst und lässt sich nicht wegrechnen, nur aushalten.
  • Der Schätzfehler steckt in deiner Wahrscheinlichkeit. Begrenzte Daten und Rauschen lassen die geschätzten Werte schwanken, weshalb eine Prognose ihre eigene Unsicherheit mitführen sollte.

Gegen den Schätzfehler hilft eine Probe, die schnell geht. Verschiebe deine eigene Wahrscheinlichkeit um den Betrag, den du dir als Fehler realistisch zutraust, und rechne den erwarteten Nettowert noch einmal. Rutscht er dabei unter null, ist der Value zu klein für deine Schätzunsicherheit.

Können Value Bets langfristig profitabel sein?

Möglich ist langfristiger Gewinn mit Value Bets, garantiert ist er nicht. Er hängt an Bedingungen, die alle gleichzeitig gelten müssen, und sobald eine davon wegfällt, verschwindet der rechnerische Vorteil.

Ob eine Bilanz etwas beweist, ist zuerst eine Frage ihres Umfangs und erst danach eine Frage der Höhe. Eine Rendite von 10 Prozent je Einsatz über 1.000 Wetten wiegt schwerer als 50 Prozent über 25 Wetten, weil eine so kurze Reihe fast jedes Ergebnis hervorbringen kann. Für die eigene Bilanz bedeutet das eine Saison oder mehr und je nach Wettangebot 250, 500 oder 1.000 Wetten. Diese Zahlen zeigen die Größenordnung und sind keine Mindestzahl, ab der ein Ergebnis gilt.

Belastbar ist eine Value-Bet Strategie, wenn vier Dinge zusammenkommen:

  • Das Ergebnis bleibt nach den realen Abzügen positiv.
  • Die Wahrscheinlichkeiten entstehen stabil und auf immer gleiche Weise.
  • Die Quoten und Einsätze, die die Rechnung voraussetzt, sind tatsächlich verfügbar.
  • Das Kapitalmodell übersteht die Schwankungen, die zu dieser Rendite gehören.