Zum Start der NFL-Saison empfangen die Bengals am 13. September im Paycor Stadium eine Mannschaft, die 2025 sechs ihrer ersten acht Spiele gewann und aus den letzten neun nur zwei. Cincinnati ging den umgekehrten Weg, mit einer Offensive im oberen Drittel der Liga, einer schlechten Verteidigung, die 28,9 Punkte pro Spiel zuließ, und am Ende sechs Siegen bei elf Niederlagen. Beide Kader sehen heute an entscheidenden Stellen anders aus als im Januar. Was das für die kommende Begegnung der beiden bedeutet und welche Tipps sich bei dieser Partie lohnen, erfährst du hier.

Der Neustart der Cincinnati Bengals

Die Bengals erzielten 2025 in der Regular Season 414 Punkte, also 24,4 pro Spiel und Rang 12 der Liga, und ließen dabei 492 zu. Diese 28,9 kassierten Punkte pro Spiel bedeuteten Rang 30, nur zwei Mannschaften standen schlechter da. Aus beiden Werten zusammen entsteht die Zahl, die diese Mannschaft in der Vorsaison am besten beschreibt. In einer Bengals-Partie fielen im Schnitt 53,3 Punkte, und das war der zweithöchste Wert der Liga.

Die Offensive war dabei nicht nur produktiv, sondern in den entscheidenden Momenten verlässlich. Cincinnati verwandelte 96 von 221 dritten Versuchen, also 43,4 Prozent und Rang 5, und kam in der Red Zone auf 66,67 Prozent Touchdowns, den zweitbesten Wert der Liga. Diese Mannschaft schleppt sich also nicht über das Feld, um dann ein Field Goal zu treten, sondern setzt Raumgewinn in Touchdowns um, 48 insgesamt und davon 36 nach Pässen. Getragen hat das ein Passspiel mit 235,6 Netto-Passyards pro Spiel auf Rang 6, bei nur 93,6 Laufyards auf Rang 29.

Die Namen dahinter stehen alle im Kader. Ja'Marr Chase fing in 16 Spielen 125 von 185 Zuspielen für 1.412 Yards und 8 Touchdowns. Tee Higgins kam in 15 Spielen auf 59 Fänge und 846 Yards, dazu auf 11 Touchdownfänge und damit auf mehr als Chase. Chase Brown lief 1.019 Yards und fing 69 Bälle für weitere 437, zusammen elf Touchdowns aus zwei Rollen. Als dritter Wide Receiver ist Andrei Iosivas geführt, als bester Tight End Mike Gesicki.

Die Bengals mit Joe Burrow

Burrow bestritt 2025 acht Spiele. In diesen acht brachte er 173 von 259 Pässen an, also 66,8 Prozent, warf 1.809 Yards, 17 Touchdowns und 5 Interceptions und kam auf ein Passer Rating von 100,7. Er fehlte von Spieltag 3 bis Spieltag 12; in dieser Zeit warfen Joe Flacco und Jake Browning, Flacco 1.664 Yards für Cincinnati, Browning 771.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Zeiträumen ist der wichtigste Befund der Vorsaison. In den neun Partien ohne Burrow erzielte Cincinnati 22,2 Punkte pro Spiel und ließ 35,2 zu, bei einem Sieg und acht Niederlagen. Nach seiner Rückkehr, in sechs vollen Partien von Spieltag 13 bis 18, warf er 15 Touchdowns bei 5 Interceptions, die Mannschaft kam auf 27,7 erzielte Punkte und ließ nur noch 22,0 zu. Dieselbe Verteidigung, dieselben Spieler, ein anderer Quarterback. Wenn eine Offensive das Feld hält, steht die eigene Verteidigung seltener und in besseren Situationen auf dem Platz.

Für Sonntag heißt das vor allem eines. Burrow steht ohne Einschränkung im Kader, und neun der 17 Spiele, aus denen die Bilanz von sechs Siegen bei elf Niederlagen stammt, bestritt Cincinnati ohne ihn.

Die Neuzugänge in der Verteidigung

Kein Kaderumbau dieses Sommers zielt so eindeutig auf eine einzige Schwäche. Cincinnati gab den Zugriff an Position 10 des Drafts an die New York Giants ab und erhielt dafür Defensive Tackle Dexter Lawrence II, der im April für ein Jahr und 28 Millionen US-Dollar verlängerte. Daneben kam Jonathan Allen aus Minnesota für zwei Jahre und 25 Millionen, Boye Mafe aus Seattle für drei Jahre und 60 Millionen, Safety Bryan Cook aus Kansas City für drei Jahre und 40,25 Millionen und Safety Kyle Dugger aus Pittsburgh für ein Jahr. Im Draft folgte in Runde 2 an Position 41 Defensive End Cashius Howell aus Texas A&M, in Runde 3 Cornerback Tacario Davis.

Bezahlt wurde das mit Abgängen an derselben Stelle. Trey Hendrickson ging für vier Jahre und 112 Millionen US-Dollar zu den Baltimore Ravens, Joseph Ossai für drei Jahre und 34,5 Millionen zu den New York Jets; die beiden brachten 2025 zusammen 9,0 Sacks. Dazu verließen Safety Geno Stone, Cornerback Cam Taylor-Britt und Cornerback Marco Wilson die Mannschaft, Linebacker Logan Wilson wurde nach Dallas abgegeben. Die vier Startpositionen der Defensive Line sind damit mit Mafe, Lawrence, Allen und Murphy besetzt, und drei dieser vier Namen sind neu.

Wie gehen die Buccaneers in die neue Saison?

Die Buccaneers beendeten 2025 mit acht Siegen und neun Niederlagen, bei 380 erzielten Punkten (22,4 pro Spiel, Rang 18) und 411 kassierten (24,2 pro Spiel, Rang 20). Das ist die ausgeglichenere Mannschaft von beiden, und sie hat mit Baker Mayfield einen Quarterback, der alle 17 Spiele bestritt: 343 von 543 Pässen, 3.693 Yards, 26 Touchdowns, 11 Interceptions, Rating 90,6. Dazu kommt eine Größe, die Cincinnati auf dieser Position nicht hat, denn Mayfield lief 55 Mal für 382 Yards, also 6,9 pro Versuch. Er verlängert Spielzüge, die eigentlich schon vorbei sind.

Vor ihm hat sich das Personal verschoben, und nicht zum Vorteil. Mike Evans spielt nach zwölf Spielzeiten in Tampa seit diesem Jahr für die San Francisco 49ers. Bester Receiver der Vorsaison war ohnehin schon Emeka Egbuka mit 63 Fängen für 938 Yards und sechs Touchdowns, dahinter Tight End Cade Otton mit 59 Fängen für 572 Yards. Chris Godwin Jr. kam in nur neun Spielen auf 33 Fänge, Jalen McMillan in vier auf zwölf. Als dritter Wide Receiver steht der in Runde 3 an Position 84 gewählte Ted Hurst im Depth Chart.

Im Laufspiel ist die Lage dünner, als die 114,5 Laufyards pro Spiel vermuten lassen. Bucky Irving bestritt 2025 nur zehn Partien und kam dabei auf 3,4 Yards pro Lauf, Rachaad White mit seinen 572 Yards ist nicht mehr im Kader. Ersetzt hat ihn Kenny Gainwell, der in Pittsburgh 537 Yards lief und 73 Bälle für 486 Yards fing. Die fünf Spieler der Offensive Line sind dagegen dieselben wie 2025, Tristan Wirfs, Ben Bredeson, Graham Barton, Cody Mauch und Luke Goedeke.

Wo diese Offensive scheitert, ist der letzte Abschnitt. In der Red Zone verwandelte Tampa Bay nur 52,00 Prozent seiner Serien in Touchdowns, Rang 25, und traf stattdessen 32 Field Goals durch Chase McLaughlin. Bei 39 Touchdowns in der ganzen Saison ist das ein auffälliges Verhältnis. Diese Offensive kommt nach vorn und nimmt von dort oft drei Punkte mit statt sieben. Neuer Offensive Coordinator ist Zac Robinson, der 2024 und 2025 die Offensive der Atlanta Falcons verantwortete.

In der Verteidigung fehlt Lavonte David, der 2025 mit 114 Tackles der stärkste Tackler der Mannschaft war und seine Laufbahn nach vierzehn Jahren bei diesem einen Verein beendet hat. Geblieben sind Yaya Diaby mit 7,0 Sacks und 13 Tackles for Loss, Vita Vea mit 4,5 Sacks und einer Verlängerung über ein Jahr und 30 Millionen US-Dollar, dazu die Safeties Antoine Winfield Jr. und Tykee Smith. Neu sind Linebacker Alex Anzalone aus Detroit für zwei Jahre und 17 Millionen, Defensive Tackle A'Shawn Robinson für ein Jahr und 10 Millionen sowie Al-Quadin Muhammad, der 2025 bei den Detroit Lions 11,0 Sacks setzte. Den Erstrundenpick an Position 15 investierte Tampa Bay in Outside Linebacker Rueben Bain Jr. aus Miami, den Zweitrundenpick in Linebacker Josiah Trotter, der als Starter geführt wird.

Bengals vs. Buccaneers - Tipps

1. Tipp: Über 46,5 Gesamtpunkte

Für Über 46,5 Gesamtpunkte spricht, dass diese Grenze bei Bengals-Spielen zuletzt kaum eine Rolle spielte, und zwar aus zwei Gründen, die beide noch gelten. Diese Offensive bleibt nicht auf halbem Weg stehen. Sie hält Angriffsserien am Leben und macht aus der Red Zone Touchdowns statt Field Goals, und mit Burrow beginnt der Quarterback, unter dem sie zuletzt 27,7 Punkte pro Spiel erzielte. Ihm gegenüber steht eine eigene Verteidigung, die im Sommer zwar teuer verstärkt, an drei von vier Startpositionen der Defensive Line aber komplett neu zusammengesetzt wurde. Eine Reihe ohne einen einzigen gemeinsamen Spielzug greift am ersten Spieltag selten perfekt.

Bei Tampa Bay ist die Lage dieselbe. Lavonte David hat aufgehört, im Zentrum der Verteidigung spielen zwei Zugänge vom März und ein Erstrundenpick mit angeschlagener Schulter, und vorn steht mit Baker Mayfield ein Quarterback, der Spielzüge noch am Leben hält, wenn sie eigentlich vorbei sind. Dass die Buccaneers in der Vorsaison im Schnitt genau auf dieser Grenze landeten, ist der eine Punkt dagegen. Nur war das eine Mannschaft, die Chris Godwin über acht Spiele nicht zur Verfügung hatte und deren Angriffe reihenweise mit einem Field Goal endeten, während diesmal die schwächere Verteidigung auf der anderen Seite wartet. Und wenn beide Angriffe hängen bleiben, steht hier je ein Kicker bereit, der schon aus über 60 Yards getroffen hat. Meine erste Empfehlung ist deshalb eine Over-Wette auf über 46,5 Gesamtpunkte.

2. Tipp: Sieg Cincinnati Bengals

Der nächste Tipp ist eine Siegwette auf die Cincinnati Bengals. Die Bilanz der Vorsaison beschreibt keine schwache Mannschaft, sondern eine Mannschaft ohne ihren Quarterback: Neun der 17 Spiele bestritt Cincinnati ohne Joe Burrow und gewann davon eines. Er ist zurück, hinter ihm steht dieselbe Offensive Line wie im Vorjahr, vor ihm dieselben Anspielstationen, und gespielt wird zu Hause. Dazu kommt, was der Sommer über die eigene Diagnose verrät. Wer einen Erstrundenpick gegen einen Innenverteidiger tauscht und danach dreimal groß auf derselben Mannschaftshälfte einkauft, hat begriffen, woran die Saison gescheitert ist, und geht diesen Auftakt mit einer ganz anderen Verteidigung an als das letzte Spiel der Vorsaison.

Tampa Bay kommt aus der Gegenrichtung in dieses Spiel. Mit Mike Evans und Lavonte David fehlen die beiden Spieler, die diesen Kader über ein Jahrzehnt geprägt haben, die Offensive arbeitet unter einem neuen Coordinator, und das Laufspiel ruht auf einem Running Back, der in der Vorsaison zehn Partien und einen schwachen Schnitt zustande brachte. Richtig ist, dass die Buccaneers sorgsamer mit dem Ball umgingen und die deutlich bessere Turnover-Differenz hatten. Diese Bilanz stammt allerdings aus einer Bengals-Saison mit drei verschiedenen Quarterbacks, und der, der jetzt spielt, leistete sich in acht Einsätzen fünf Interceptions. Mein Tipp lautet deshalb auf einen Sieg der Cincinnati Bengals.

Fazit und Spielprognose

Beide Mannschaften haben in diesem Sommer an derselben Frage gearbeitet, und beide sind unterschiedlich weit gekommen. Cincinnati hat die richtige Stelle erkannt, denn nicht die Offensive war das Problem, sondern eine Verteidigung, die pro Spiel 28,9 Punkte zuließ und gegnerische Angriffe so gut wie nie stoppte, bevor sie in Gang kamen. Dass die Mannschaft dafür einen Erstrundenpick und drei große Verträge ausgegeben hat, zeigt diese Diagnose deutlicher als jede Zahl aus der Vorsaison. Tampa Bay hat dagegen keine vergleichbare Baustelle geschlossen, sondern zwei Spieler verloren, die zwölf und vierzehn Jahre lang für diesen Verein gespielt haben.

Für die Partie folgt daraus zweierlei. Erstens werden hier zwei Offensiven mit gesunden Quarterbacks und vollständigen Offensive Lines auf zwei Verteidigungen treffen, deren Zentren im Sommer neu besetzt wurden.

Zweitens spricht der Vergleich der beiden Angriffe für den Gastgeber. Burrow hat die besseren Werte, die bessere Verwertung in der Red Zone und dieselben Anspielstationen wie im Vorjahr; Mayfield hat Mike Evans verloren, im Laufspiel Rachaad White und dazu einen neuen Offensive Coordinator. In einer Partie, in der beide Mannschaften punkten, entscheidet, wer den letzten Angriff in einen Touchdown umsetzt statt in ein Field Goal. Deshalb denke ich, dass die Bengals sich hier in einer knappen Partie durchsetzen können.