Am ersten Spieltag hast du für eine Wette nur die Zahlen der Vorsaison, und bei dieser Partie führen sie besonders schnell in die Irre. Minnesota beendete die Saison 2025 mit fünf Siegen in Serie und verpasste die Playoffs trotzdem, Green Bay verlor die letzten vier Spiele und kam hinein. Beide Duelle der Vorsaison endeten mit auffällig wenigen Punkten. Nur ist auf beiden Seiten genau dort etwas passiert, wo diese Ergebnisse entstanden sind: auf der Quarterback-Position und in der Defensive. Was davon am Sonntag noch trägt, entscheidet die Partie.
Minnesota mit dem Quarterback-Problem
Die Vikings kamen 2025 auf 344 Punkte, also 20,2 pro Spiel und Rang 26 der Liga, bei 297,0 Yards pro Spiel und Rang 28. Auf Third Down verwandelten sie 31,80 Prozent ihrer Versuche, und das war der schlechteste Wert aller 32 Mannschaften. Dazu kamen 21 geworfene Interceptions, mehr als jede andere Mannschaft, eine Turnover-Differenz von minus 9 auf Rang 30 und 60 kassierte Sacks, der dritthöchste Wert der Liga. Das Passer Rating der Mannschaft lag bei 75,3.
Diese Zahlen gehören fast vollständig einer Position. J. J. McCarthy warf in 243 Versuchen 1.632 Yards, 11 Touchdowns und 12 Interceptions bei einem Rating von 72,6, dahinter kamen Carson Wentz auf 1.216 Yards und Max Brosmer auf 328 Yards ohne Touchdown bei 4 Interceptions. Drei Quarterbacks in einer Saison, und keiner davon hielt die Angriffsserien am Leben. Wie sehr das die Offensive begrenzte, zeigt Justin Jefferson. 84 Catches und 1.048 Yards sind eine gute Saison, 2 Touchdowns sind es für einen Spieler dieser Klasse nicht. Das ist besonders bitter, wenn man bedenkt wie talentiert die Offensive eigentlich ist.
Um diese Position herum steht mehr Substanz, als die 20,2 Punkte pro Spiel vermuten lassen. Jordan Addison kam auf 42 Fänge, 610 Yards und 3 Touchdowns, T. J. Hockenson auf 51 Fänge, dazu holte Minnesota im Mai Jauan Jennings von den San Francisco 49ers. Das Laufspiel teilen sich Aaron Jones Sr. und Jordan Mason, die im Depth Chart als gleichrangige Starter geführt werden, wobei Mason 758 Yards und 6 Touchdowns lief und Jones 548 Yards. Die Mannschaft kam damit auf 4,5 Yards pro Laufversuch, einen halben Yard mehr als Green Bay. Die Offensive Line bringt mit Christian Darrisaw, Donovan Jackson, Will Fries und Brian O'Neill vier ihrer fünf Startpositionen unverändert mit; im Zentrum ersetzt Blake Brandel den zurückgetretenen Ryan Kelly.
Die eigentliche Stärke lag 2025 in der Defensive, und dort hat Minnesota im Sommer Substanz abgegeben. Die Vikings ließen nur 333 Punkte zu, 19,6 pro Spiel und Rang 7, setzten 49 Sacks auf Rang 5 und kamen auf 107 Tackles for Loss sowie 21 Ballgewinne. Von diesen 49 Sacks fehlen jetzt 10,0, weil Javon Hargrave (3,5) nach Green Bay ging, Jonathan Allen (3,5) nach Cincinnati und Jonathan Greenard (3,0) nach Philadelphia abgegeben wurde, zusammen mit einem Siebtrundenpick und im Tausch für den Zugriff an Position 98 des Drafts.
Die Spieler, die diese Lücken schließen sollen, haben es noch nicht getan. Minnesota investierte den Erstrundenpick an Position 18 in Defensive Lineman Caleb Banks aus Florida, der seine Fußoperationen überstanden hat, bei dem aber Fragen zur Kondition offen sind, und stellte ihn im Depth Chart direkt auf die Startposition im Zentrum. In Runde 2 folgte Linebacker Jake Golday, in Runde 3 gleich dreimal Verstärkung mit Defensive Lineman Domonique Orange, Offensive Tackle Caleb Tiernan und Safety Jakobe Thomas. Auf den Außenpositionen der Verteidigung stehen Charles Demmings und der von Pittsburgh gekommene James Pierre, nachdem Mekhi Blackmon die Mannschaft verlassen hat. Getragen wird die Defensive damit von denselben Namen wie 2025, von Blake Cashman mit 144 Tackles, Dallas Turner mit 8,0 Sacks, Andrew Van Ginkel mit 7,0, Eric Wilson mit 6,5 und Jalen Redmond mit 6,0, dazu von Harrison Smith in seiner 15. Saison.
Hinzu kommt, dass in Minneapolis im Sommer auch die Führung wechselte. General Manager Kwesi Adofo-Mensah wurde entlassen, Nolan Teasley übernahm, beide Assistenten wurden ersetzt. Head Coach Kevin O'Connell und Defensive Coordinator Brian Flores blieben, die Offensive Line arbeitet aber unter dem neuen Coach Keith Carter, und für das Passspiel kam Josh McCown als Offensive Passing Game Coordinator dazu.
Kyler Murray ist der eine Wechsel, an dem alles hängt
Minnesota holte am 12. März Kyler Murray von den Arizona Cardinals, für ein Jahr und 1,3 Millionen US-Dollar, und stellte ihn vor McCarthy und Wentz an die Spitze des Depth Chart. Für einen Spieler, der eine Offensive tragen soll, ist das ein bemerkenswert kleiner Vertrag, und der Grund dafür liegt in der Vorsaison: Murray absolvierte 2025 nur fünf Spiele, kam auf 962 Yards, 6 Touchdowns und 3 Interceptions bei einem Rating von 88,6 und wurde nach Spieltag 13 für den Rest der Saison aus dem Kader genommen. Von Week 6 an hatte ihn Jacoby Brissett ersetzt.
Seine letzte vollständige Saison zeigt allerdings, was Minnesota sich davon verspricht. 2024 lief Murray alle 17 Spiele, brachte 372 von 541 Pässen an, also 68,8 Prozent, warf 3.851 Yards und 21 Touchdowns bei einem Rating von 93,5 und lief dazu 572 Yards und 5 Touchdowns. Der letzte Wert ist der interessanteste, weil ihn Minnesota 2025 an keiner Stelle hatte: Ein Quarterback, der mit dem Ball läuft, verwandelt kurze dritte Versuche, an denen diese Mannschaft im Vorjahr reihenweise scheiterte.
Belastbar ist an dieser Verbindung bisher nichts. Murray hat für Minnesota drei Pässe in einem Vorbereitungsspiel geworfen, und mehr liegt vor dem Sonntag nicht vor. Deshalb hängt bei den Vikings viel an diesem einen Neuzugang, der sich bislang noch nicht beweisen konnte.
Der Umbau der Green Bay Packers
Die Packers beendeten 2025 mit 9-7-1 und Playoff-Platz 7, bei 391 erzielten Punkten (23,0 pro Spiel, Rang 16) und 360 kassierten (21,2 pro Spiel, Rang 11). Der auffälligste Wert steht bei den dritten Versuchen: 48,78 Prozent bedeuteten Rang 2 der Liga. Getragen hat das Jordan Love, der in 15 Spielen 291 von 439 Pässen anbrachte, also 66,3 Prozent, dabei 3.381 Yards und 23 Touchdowns warf und nur 6 Interceptions zuließ. Sein Rating von 101,2 und die 29 kassierten Sacks der Mannschaft beschreiben eine Offensive, die den Ball selten hergibt und selten Raumverlust hinnimmt.
Auf den Außenpositionen ist trotzdem viel neu, und nicht zum Vorteil. Romeo Doubs, mit 55 Catches für 724 Yards und 6 Touchdowns teamintern der beste Receiver, ging nach New England, Dontayvion Wicks wurde nach Philadelphia abgegeben. Geblieben sind Christian Watson mit 35 Fängen für 611 Yards und 6 Touchdowns und Jayden Reed, der 2025 nur 7 Spiele bestritt und dabei auf 19 Fänge und 207 Yards kam. Auf Position drei steht Matthew Golden, der in 14 Spielen 29 Pässe für 361 Yards fing, ohne Touchdown. Der First Rund Pick hatte keine besonders gute Rookie-Saison, hat jedoch definitiv das Talent dazu, dieses Jahr einen deutlichen Schritt nach vorne zu machen.
Am härtesten trifft es die Defensive, und zwar an der Stelle, die 2025 den Unterschied machte. Die Packers setzten mit 36 Sacks nur den 21. Wert der Liga, und davon stehen für diesen Sonntag 24,5 nicht zur Verfügung: Micah Parsons (12,5) steht auf der PUP-Liste, Rashan Gary (7,5) wurde im März nach Dallas abgegeben, Quay Walker (2,5) ging nach Las Vegas, Kingsley Enagbare (2,0) zu den New York Jets. Im Kader sind Devonte Wyatt mit 4,0 Sacks, Isaiah McDuffie mit 1,0 sowie Lukas Van Ness und Barryn Sorrell mit je 1,5 geblieben. Dazu passt der zweite Schwachpunkt dieser Verteidigung: Green Bay fing 2025 nur 7 Pässe ab, der zweitniedrigste Wert der Liga, und kam auf 14 Ballgewinne insgesamt.
Repariert werden soll das mit Erfahrung und mit dem Draft. Javon Hargrave kam von Minnesota und steht im Zentrum der Defensive, Zaire Franklin kam für Colby Wooden aus Indianapolis und bringt 125 Tackles aus der Vorsaison mit, dazu verpflichtete Green Bay Cornerback Benjamin St-Juste. Einen Erstrundenpick hatte die Mannschaft nicht, weil der Zugriff an Position 20 Teil des Tauschs für Parsons war; die vier vorhandenen Picks gingen mit Cornerback Brandon Cisse, Defensive Tackle Chris McClellan und Defensive End Dani Dennis-Sutton fast vollständig in dieselbe Mannschaftshälfte. Neuer Defensive Coordinator ist Jonathan Gannon, der von 2023 bis 2025 Head Coach der Arizona Cardinals war und damit drei Jahre lang mit Murray gearbeitet hat.
Der direkte Vergleich zwischen den Vikings und den Packers
In den letzten 16 Begegnungen dieser beiden Mannschaften gewann Minnesota achtmal, Green Bay siebenmal, eine endete unentschieden. Über 46,5 Gesamtpunkten lagen 8 dieser 16 Partien; die beiden Duelle der Saison 2024 endeten mit 60 und 52 Punkten, die beiden der Saison 2025 mit 29 und 19. Dieser Absturz ist der interessanteste Teil der Reihe, weil beide Ursachen benennbar sind.
Am 23. November 2025 gewann Green Bay im eigenen Stadion mit 23:6, und Minnesota lieferte dabei eine der schwächsten Offensivleistungen der Saison: 145 Gesamtyards, 2 von 9 dritten Versuchen, 3 Ballverluste, 5 kassierte Sacks und 22:45 Minuten Ballbesitz. McCarthy brachte 12 von 19 Pässen für 87 Yards an und warf 2 Interceptions, Jefferson fing 4 Bälle für 48 Yards. Green Bay kam im selben Spiel auf 288 Yards, 7 von 14 dritten Versuchen und 37:15 Minuten Ballbesitz, und Parsons setzte 2 Sacks.
Am 4. Januar 2026 gewann Minnesota das Rückspiel mit 16:3, aber Green Bay hatte den Playoff-Platz zu diesem Zeitpunkt sicher und schickte Ersatzspieler auf das Feld. Deswegen hat dieses Spiel eigentlich keine Aussagekraft für die kommende Begegnung.
Minnesota Vikings vs. Green Bay Packers Tipps
1. Tipp: Über 46,5 Gesamtpunkte
Für Über 46,5 Gesamtpunkte spricht, dass beide Defensiven ihre Störfaktoren verloren haben. Green Bay fehlen 24,5 der 36 Sacks aus der Vorsaison, weil Parsons auf der PUP-Liste steht und Gary, Quay Walker und Enagbare weg sind. Minnesota gab mit Allen, Hargrave und Phillips seine Innenpositionen ab und dazu Greenard. Wenn beide Werfer Zeit bekommen, haben sie die Passempfänger, um sie zu nutzen: Jefferson, Addison und Hockenson auf der einen Seite, Watson, Reed und Golden auf der anderen. Dass in Minneapolis unter einem Dach gespielt wird, begünstigt das zusätzlich.
Die Zahl, die am besten zur Lage passt, kommt aus dem Ende der Vorsaison: In den vier Partien, die Green Bay nach dem Kreuzbandriss von Parsons mit regulärer Aufstellung bestritt, fielen 60, 38, 65 und 58 Punkte. Dass beide Mannschaften 2025 im Schnitt unter 22 Punkten zuließen, spricht dagegen, nur war Minnesotas Defensive damals noch vollständig und der Angriff der Vikings noch ohne einen Quarterback, der kurze dritte Versuche selbst erlaufen kann. Deshalb ist mein erster Tipp eine Over-Wette auf mehr als 46 Punkte,
2. Tipp: Sieg Green Bay Packers
Der Tipp auf einen Sieg Green Bays lebt vom Stand der Vorbereitung, und der zählt am ersten Spieltag mehr als später. Love bleibt Starter derselben Mannschaft unter demselben Trainer, brachte 2025 in 15 Spielen 66,3 Prozent seiner Pässe an und warf 23 Touchdowns bei 6 Interceptions. Murray bestreitet sein erstes Pflichtspiel für Minnesota, nachdem er in der Vorsaison nur fünf Einsätze hatte und ab Woche 6 von Jacoby Brissett ersetzt wurde. Dahinter steht die Offensive Line: Green Bay ließ 29 Sacks zu, Minnesota 60 und dazu den Rücktritt seines Centers.
Der letzte Vergleich beider Kader in voller Besetzung zeigt, was daraus folgt. Am 23. November 2025 gewann Green Bay 23:6, hielt Minnesota bei 145 Gesamtyards und beherrschte die Partie mit 37:15 Minuten Ballbesitz. Ohne Parsons und Jacobs fehlen den Packers ihr bester Pass-Rusher und ihr laufstärkster Angreifer, und in Minneapolis haben sie zuletzt zweimal verloren, davon einmal mit Clayton Tune als Werfer. Green Bay bringt am Sonntag aber den eingespielteren und vermutlich auch besseren Quarterback. Die Situation der Vikings rund um Kyler Murray ist alles andere als Optimal und bringt sehr viel Unsicherheit mit. Deswegen ist mein zweiter Tipp eine Siegwette auf die Green Bay Packers.
Fazit und Spielprognose
Beide Mannschaften haben im Sommer an derselben Frage gearbeitet, und beide haben sie unterschiedlich weit beantwortet. Minnesota hat die richtige Stelle erkannt: Die Quarterback-Position war der Grund dafür, dass eine Mannschaft mit dieser Defensive und diesen Passempfängern die Playoffs verpasste, und Murray ist die einzige Stelle, an der diese Offensive überhaupt einen Sprung machen kann. Nur hat dieser Sprung noch keinen einzigen Spielzug in einem Pflichtspiel hinter sich, während Green Bay auf derselben Position seit Jahren dieselbe Antwort hat.
Umgekehrt hat Green Bay den Teil seiner Defensive verloren, der 2025 den Druck erzeugte, und für den ersten Spieltag keinen Ersatz auf gleichem Niveau. Das ist der Grund, warum diese Partie nicht wie die beiden Duelle der Vorsaison aussehen wird. Zwei Offensiven mit gesunden Quarterbacks, ein Hallenstadion ohne Wettereinfluss und zwei Defensiven, die im Sommer ihre besten Spieler auf der Position abgegeben haben, an der Angriffsserien enden.
Den Ausschlag gibt für mich, wie eingespielt die beiden Angriffe in dieses Spiel gehen. Bei Green Bay arbeitet Love mit demselben Trainer, denselben Abläufen und in Watson, Reed und Kraft mit Anspielstationen, die er kennt. Murray ist bei Minnesota der große Unsicherheitsfaktor: neue Mannschaft, neuer Coach für die Offensive Line, drei Pässe aus der Vorbereitung und kein einziger Spielzug in einem Pflichtspiel für diese Farben. Am ersten Spieltag wiegt das schwerer als jeder Vergleich der Vorsaison, und genau darin liegt der Vorteil der Packers. Die Prognose lautet deshalb: Sieg Green Bay Packers.



