Im Juli füllt sich die Winter Gardens in Blackpool Abend für Abend, und das Publikum macht aus jeder guten Aufnahme ein kleines Fest. In dieser Kulisse steht in der zweiten Runde des PDC World Matchplay das Duell zwischen Luke Littler und Nathan Aspinall an. Vor einem Tipp zu Littler gegen Aspinall lohnt der genaue Blick auf beide Spieler und wie sie in dieses Turnier gestartet sind.
Was in der zweiten Runde des World Matchplay auf dem Spiel steht
Das Duell steigt am Dienstag, dem 21. Juli 2026, in der Abendsession im Empress Ballroom der Winter Gardens. Die zweite Runde wird über eine längere Distanz gespielt als die Auftaktpartien. Es gewinnt, wer zuerst elf Legs holt, und das mit mindestens zwei Legs Vorsprung. Steht es 13:13, fällt die Entscheidung in einem einzigen Sudden-Death-Leg.
Die Rollen sind vor dem Anwurf klar verteilt. Littler geht als Nummer eins des Turniers in die Partie, Aspinall ist an Position 16 gesetzt. Für beide geht es dabei um mehr als das nackte Weiterkommen, denn das World Matchplay ist mit einer Million Pfund dotiert. 225.000 davon gehen an den Sieger, und der Titel zählt zu den größten, die der Dartssport außerhalb der Weltmeisterschaft zu vergeben hat.
Wie überragend ist Titelverteidiger Littler in Form?
Wie sehr Littler eine Partie an sich reißen kann, zeigte schon sein Auftakt. Gegen den Debütanten Niko Springer stand es zwischenzeitlich 5:5, ehe er fünf der folgenden sechs Legs gewann und mit 10:6 durchzog. Ein Average von 109,53 und sieben Maximums in einem einzigen Match sind eine deutliche Ansage, zumal er die Schlussphase mit einem Schnitt von über 120 herunterspielte. Genau darin liegt seine gefährlichste Waffe. Wer so schnell hohe Aufnahmen stapelt, setzt den Gegner schon im eigenen Anwurf unter Dauerdruck und lässt ihm kaum Zeit zum Atmen.
Dazu kommt, was Littler ohnehin mitbringt. Er führt die Weltrangliste an und hat sich Anfang 2026 zum zweiten Mal nacheinander zum Weltmeister gekrönt, im Finale mit 7:1 gegen Gian van Veen. Dabei ist er gerade einmal 19 Jahre alt.
In Blackpool kommt seine jüngste Geschichte hinzu. Vor einem Jahr holte Littler hier seinen ersten Matchplay-Titel, und das auf eine schwere Art. Im Finale drehte er einen 0:5-Rückstand gegen James Wade und gewann am Ende mit 18:13. Als Titelverteidiger kennt er die Bühne und die Belastung der langen Distanz. Ein sicherer Sieger ist er deshalb noch nicht, das zeigte allein die Zwischenphase gegen Springer, aber als Favorit geht er zu Recht in diese Partie.
Aspinalls Aufbäumen nach einer schwachen Saison
Aspinalls Jahr 2026 verlief lange enttäuschend. Er stand nicht im Feld der Premier League, bekam keine Einladung zur World Series und spielte über Monate deutlich unter seinem Niveau. Den Grund benennt er selbst offen. Darts sei zurzeit nicht seine Priorität, abseits der Bühne beschäftigten ihn Probleme in der Familie, und er habe zuletzt wenig trainiert. Wer so in ein Major geht, ist schwer einzuordnen.
Umso überraschender fiel sein Auftakt aus. Gegen seinen guten Freund Joe Cullen kam Aspinall auf einen Average von 105,32, seine wohl stärkste Leistung der Saison, und nahm dabei ein 167er-Finish raus, das zu den höchsten Checkouts des Turniers zählt. Beim World Matchplay stand er zudem schon einmal ganz oben, als er 2023 den Titel gewann. An diesem Abend war von der Krise nichts zu sehen.
Offen bleibt, was davon Bestand hat. Ein einzelner starker Auftritt nach einer schwachen Saison sagt wenig darüber, ob Aspinall dasselbe Niveau über die längere Distanz der zweiten Runde hält. Gegen einen Gegner in Littlers Verfassung reicht ein guter Tag selten, wenn die Konstanz aus einer durchwachsenen Saison fehlt.
Der direkte Vergleich spricht klar für Littler
Die Bilanz fällt eindeutig aus. In zehn Duellen setzte sich Littler achtmal durch, Aspinall gewann nur zwei. Das jüngste Aufeinandertreffen datiert von Ende November 2025. Im Finale der Players Championship Finals gewann Littler mit 11:8 und machte damit seinen sechsten Major-Titel des Jahres perfekt. Wer Littler zuletzt schlagen wollte, brauchte einen außergewöhnlichen Abend.
Zwei Dinge nehmen der klaren Bilanz aber die Endgültigkeit. Aspinall hat Littler immerhin schon zweimal bezwungen, er geht also nicht als chancenloser Gegner in die Partie. Und beim World Matchplay treffen die beiden zum ersten Mal aufeinander, ihre bisherigen Duelle fielen bei anderen Turnieren und über andere Distanzen.
Luke Littler vs. Nathan Aspinall Tipps
1. Tipp: über 12,5 180er im gesamten Match
Für die 180er spricht der Auftakt beider. In Aspinalls Erstrundenmatch fielen zwischen ihm und Cullen 16 Maximums, in Littlers Partie neun. Beide Spiele liefen über eine kürzere Distanz als die zweite Runde. Mehr Legs heißt mehr Aufnahmen, und je öfter zwei so treffsichere Spieler ans Board treten, desto eher summieren sich die 180er über die gesetzte Grenze.
Der Vorbehalt liegt bei Aspinalls Grundform. Über die Saison hinweg warf er seltener Maximums als an diesem einen starken Abend, und zieht Littler die Partie schnell durch, fehlen schlicht die Legs für viele 180er. Dagegen steht, dass auch Littler im Auftakt reihenweise Maximums warf und Aspinall gerade erst gezeigt hat, wozu er an einem guten Tag fähig ist. Deswegen ist mein erster Tipp auch eine Over-Wette auf über 12,5 180er.
2. Tipp: Aspinall mit Handicap +4,5 Legs
Der zweite Tipp ist eine Handicap Wette auf einen Sieg von Nathan Aspinall +7,5. Littler bleibt klarer Favorit auf den Sieg, doch Aspinall muss ihn gar nicht verhindern. Es reicht, wenn er die Partie eng genug hält. Sein Auftakt hat gezeigt, dass er an einem guten Abend mithält, und selbst Littler geriet zuletzt in Phasen ins Straucheln, ehe er sie wieder auffing. Über so viele Legs holt auch ein Außenseiter in aller Regel seinen Anteil.
Dagegen steht Littlers Klasse. Zieht er von Beginn an davon und gestaltet die Partie einseitig, gerät das Handicap ins Wanken, und Aspinalls schwache Saison macht dieses Szenario nicht unwahrscheinlicher. Für den Tipp spricht am Ende trotzdem mehr: Littler beendet seine Matches selten im Eiltempo, und ein Gegner mit Aspinalls Auftaktniveau bleibt über die Vielzahl der Legs meist in Schlagdistanz. Daher fällt der zweite Tipp auf Aspinall mit einem Handicap von +4,5 Legs.
Fazit und Prognose zu Littler gegen Aspinall
Am wahrscheinlichsten läuft Littler gegen Aspinall auf einen Sieg des Favoriten hinaus. Littler gibt über sein Scoring das Tempo vor, hält die eigenen Anwürfe sicher und zwingt Aspinall, ständig hinterherzuwerfen. Aspinall wird sich an seinem Auftakt festhalten und phasenweise Druck aufbauen, vor allem wenn sein Doppel sitzt.
Auf Dauer trennt die beiden aber zu viel. Auf der einen Seite steht die Konstanz, die Littler auch über viele Legs mitbringt, auf der anderen die schwache Saison, aus der Aspinall kommt. Ich rechne damit, dass Aspinall genug Legs holt, um die Partie lange offen zu halten, Littler am Ende aber die Kontrolle behält. Meine Prognose: ein Sieg für Littler, am ehesten im Bereich von 11:8. Auch eine Verlängerung würde mich nicht überraschen, wenn Aspinall an seinen Leistungen der ersten Runde anknüpfen kann.



