Sure Bets sind Einsätze auf alle möglichen Ausgänge eines Ereignisses zugleich, verteilt auf die Quoten mehrerer Wettanbieter. Rechnerisch geht das nur auf, wenn die Ausgänge zusammen vollständig sind und nicht gleichzeitig eintreten können, und wenn die Summe der impliziten Wahrscheinlichkeiten, also 1 geteilt durch jede beteiligte Dezimalquote, unter 1 liegt. Wie das in der Praxis funktioniert und ob sich das langfristig wirklich lohnt, erfährst du im folgenden Artikel.

Sure Bets erkennen: Kehrwertsumme und Schwelle

Eine Sure Bet setzt zwei Bedingungen gleichzeitig voraus. Erstens müssen die Ausgänge, auf die du setzt, zusammen alles abdecken, was bei diesem Ereignis eintreten kann. Fehlt einer davon und fällt das Ergebnis genau dorthin, gewinnt keine deiner Wetten. Zweitens müssen sich die Ausgänge gegenseitig ausschließen, es darf also nie mehr als einer von ihnen eintreten. Sonst setzt du zweimal Geld auf denselben Fall und lässt dafür einen anderen unbesetzt. Gerechnet wird durchgehend mit Dezimalquoten, weil aus ihnen unmittelbar hervorgeht, welche Wahrscheinlichkeit ein Wettanbieter dem jeweiligen Ausgang zumisst.

Diese implizite Wahrscheinlichkeit ist 1 geteilt durch die Quote. Addierst du die Werte über alle Ausgänge, erhältst du die Kehrwertsumme, und sie ist die Zahl, an der Sure Bets erkannt werden. Sie beschreibt, welchen Anteil an der Gesamtwahrscheinlichkeit die beteiligten Quoten zusammengenommen einräumen.

Teile 1 durch jede beteiligte Dezimalquote und addiere die Ergebnisse. Nur wenn diese Kehrwertsumme unter 1 liegt, ist die Bedingung erfüllt. Der Gesamteinsatz geteilt durch die Kehrwertsumme ergibt dann die Auszahlung, die bei jedem einzelnen Ausgang herauskommt.

Drei Ergebnisse sind möglich, und nur eines davon trägt. Liegt die Kehrwertsumme genau bei 1, gleichen sich Gesamteinsatz und Auszahlung aus, und rechnerisch bleibt kein Gewinn. Liegt sie über 1, gibt es keine abgesicherte positive Marge, weil der Gesamteinsatz dann über der gemeinsamen Auszahlung liegt. Erst unter 1 kippt das Verhältnis, weil die gemeinsame Auszahlung den Gesamteinsatz übersteigt. Genau dieser Überschuss ist der Bruttogewinn, und er fällt umso größer aus, je weiter die Kehrwertsumme unter 1 rutscht.

Der Auszahlungsfaktor ist 1 geteilt durch die Kehrwertsumme, also das Vielfache des Gesamteinsatzes, das zurückkommt. Durch diese Division kehrt sich die Schwelle um: Eine Kehrwertsumme unter 1 ergibt einen Auszahlungsfaktor über 1. Genau dann bekommst du mehr heraus, als du insgesamt gesetzt hast, und zwar unabhängig davon, welcher Ausgang eintritt. Das gilt allerdings nur brutto und nur so lange, wie alle Einsätze tatsächlich zu den gerechneten Quoten angenommen werden. Fällt die Kehrwertsumme nicht unter 1, brauchst du über Einsatzhöhen gar nicht erst nachzudenken.

Einsätze und Gewinn einer Sure Bet berechnen

Die Aufteilung des Gesamteinsatzes folgt genau einer Regel. Jeder Ausgang bekommt den Anteil, der seinem Kehrwert entspricht, also den Gesamteinsatz mal den Kehrwert seiner Quote, das Ganze noch einmal geteilt durch die Kehrwertsumme. Der Grund dafür steckt in der Multiplikation am Ende. Weil der Einsatz die Quote im Nenner trägt, kürzt sie sich bei der Auszahlung wieder heraus, und für jeden Ausgang bleibt derselbe Betrag übrig.

Angenommen, ein Ereignis hat zwei vollständige Ausgänge, und für jeden davon steht bei einem anderen Wettanbieter eine Dezimalquote bereit. Die Kehrwertsumme aus diesen beiden Quoten beträgt 0,954545 und liegt damit unter der Schwelle. Bei einem Gesamteinsatz von 210,00 Euro ergibt die proportionale Aufteilung diese Verteilung.

Ausgang

Dezimalquote

Einsatz

Auszahlung bei Eintritt

erster Ausgang

2,00

110,00 Euro

220,00 Euro

zweiter Ausgang

2,20

100,00 Euro

220,00 Euro

Die Gegenprobe ist der Schritt, der die Rechnung erst bestätigt, und sie besteht aus zwei Multiplikationen. Rechne für jeden Ausgang Einsatz mal Quote und vergleiche die beiden Ergebnisse miteinander. Kommt nicht überall derselbe Betrag heraus, stimmt die Aufteilung nicht, ganz gleich wie sauber die Kehrwertsumme vorher aussah. Aus dem Gesamteinsatz von 210,00 Euro und der gemeinsamen Auszahlung von 220,00 Euro bleiben in diesem Fall 10,00 Euro Bruttogewinn, was einer rechnerischen Rendite von 4,7619 Prozent auf den Gesamteinsatz entspricht.

Wer stattdessen gleichmäßig teilt, verliert genau diese Gleichheit. Bei zweimal 105,00 Euro kommen im ersten Ausgang 210,00 Euro zurück und im zweiten 231,00 Euro. Der erste Fall bringt trotz gültiger Kehrwertsumme nichts ein, der zweite bringt mehr als die proportionale Aufteilung, und damit ist aus der abgesicherten Konstellation eine gewöhnliche Wette auf den zweiten Ausgang geworden. Die Kehrwertsumme entscheidet über die Gelegenheit, die Aufteilung darüber, ob du sie auch nutzt.

Zweiweg, Dreiweg, vor dem Start und live

Du brauchst für jeden Ausgang, den das Ereignis zulässt, einen eigenen Einsatz. Eine 2-Weg Wette umfasst zwei vollständige Ausgänge und damit zwei Einsätze. Bei einer 3-Weg Wette müssen drei Einsätze platziert werden, jeder auf einen der drei vollständigen Ausgänge. Die Kehrwertlogik bleibt in beiden Fällen dieselbe, nur die Zahl der Summanden ändert sich.

Angenommen, drei Ausgänge sind mit 2,00, 4,00 und 5,00 notiert. Bei einem Gesamteinsatz von 950,00 Euro entfallen 500,00 Euro auf den ersten, 250,00 Euro auf den zweiten und 200,00 Euro auf den dritten Ausgang. Bei jedem der drei Ausgänge kommen 1.000,00 Euro zurück, es bleiben also 50,00 Euro brutto. Der dritte Ausgang bedeutet dabei mehr als eine zusätzliche Zeile in der Rechnung: Er verlangt einen dritten Einsatz und eine weitere Kontrolle, und diese Stelle kann scheitern, während die beiden anderen Wetten bereits stehen.

Vor dem Start ändert sich an der Prüfung nichts. Die Kehrwertsumme muss unter 1 liegen, und Quote, Wettmarkt und Wettregeln müssen zu dem Zeitpunkt zusammenpassen, an dem du platzierst. Live wird aus derselben Rechnung eine Aufgabe unter Zeitdruck. Live-Wetten werden nach dem Beginn und bis zum Ende eines Ereignisses angenommen, und in einem solchen Wettmarkt ändern sich die Einschätzungen von Sekunde zu Sekunde. Dein nutzbares Zeitfenster ist damit genau so lang, wie die zuerst notierte Quote Bestand hat, und diese Dauer legst nicht du fest.

Zwischen diesen Varianten verschiebt sich vor allem, wie viel Zeit dir für den letzten Einsatz bleibt. Vor dem Start wartest du im ungünstigen Fall auf eine neue Gelegenheit, wenn eine Quote wegbricht. Im Live-Bereich steht in derselben Situation bereits Geld auf einem Ausgang, und der Rest der Konstellation fehlt noch.

Sure Bets finden und kontrollieren

Ein Quotenvergleich oder ein Rechner liefert einen Hinweis, mehr nicht. Der erste Schritt gilt der jeweils höchsten verfügbaren Quote für jeden möglichen Ausgang. Dafür kann sich ein Anbieter Vergleich lohnen, da du dort siehst, wer für welchen Ausgang die höchste Quote anbietet. Diese Reihenfolge ist der Kern des Suchens, denn erst steht fest, welche Quote je Ausgang überhaupt erreichbar ist, und dann steht fest, ob sich daraus eine Sure Bet ergibt.

Was ein Vergleich anzeigt, ist deshalb ein Kandidat. Zur Konstellation wird er erst, wenn Ereignis, Wettmarkt, die vollständige Menge der Ausgänge und die aktuellen Quoten bestätigt sind. Alte Vergleichswerte helfen dabei nicht weiter, denn gerechnet wird ausschließlich mit den Quoten, zu denen die einzelnen Einsätze auch wirklich platziert werden können. Genau deshalb ersetzt kein Rechner die eigene Kontrolle: Er kennt den Stand, den er zuletzt abgerufen hat, nicht den, der beim Abschluss gilt.

  1. Ereignis und Wettmarkt festlegen, und zwar so genau, dass beide Wetten dieselbe Sache betreffen.
  2. Alle Ausgänge erfassen, die dieser Wettmarkt kennt, und nicht nur die beiden, die im Vergleich auffielen.
  3. Die tatsächlich verfügbaren Quoten notieren, also die Werte, zu denen du in diesem Moment abschließen könntest.
  4. Die Kehrwertsumme aus genau diesen Quoten neu berechnen.
  5. Den Einsatzplan aus diesen Quoten berechnen.

Fehler und Risiken bei Sure Bets

Keine der folgenden Fehlerquellen verändert die Kehrwertsumme, und trotzdem hebt jede einzelne von ihnen die Absicherung auf. Die rechnerische Absicherung beruht nämlich auf drei Voraussetzungen zugleich: deckungsgleiche Ausgänge, korrekt berechnete Einsätze und vollständig angenommene Wetten. Sie greifen an unterschiedlichen Stellen des Ablaufs an, und jede hat eine eigene Kontrolle.

Fehlerquelle

Was dabei passiert

Kontrolle davor

Auswahlfehler

falsches Ereignis, falsches Datum, andere Spielphase oder ein nicht deckungsgleicher Wettmarkt

Ereignis, Datum, Wettbewerb und Spielphase nebeneinander abgleichen

Rechenfehler

Quote falsch übertragen, Dezimaltrennzeichen verwechselt, einen Kehrwert ausgelassen oder die Einsätze gleich statt proportional verteilt

Kehrwertsumme und Einsatzplan ein zweites Mal aus den notierten Quoten bilden

Platzierungsfehler

ein veralteter Quotenstand oder ein nicht abgeschlossener Einsatz

vor jeder Annahme die angezeigte Quote gegen die gerechnete halten

Limitrisiko

der benötigte Betrag übersteigt das zulässige Einsatzlimit

jedes Limit vor der Platzierung gegen den benötigten Betrag prüfen

Rundungsrisiko

zulässige Einheiten erzwingen gerundete Einsätze, die Bruttomarge schrumpft oder verschwindet

die idealen Einsätze mit voller Genauigkeit rechnen und die Rundung gegen den ungünstigsten Ausgang prüfen

Sobald ein Einsatz fehlt oder rückabgewickelt wird, ist die vollständige Abdeckung der Ausgänge dahin, und übrig bleibt eine gewöhnliche Einzelwette auf den Ausgang, der noch steht. Ein abgelehnter Einsatz und eine nachträgliche Stornierung erzeugen denselben Zustand, nur zu verschiedenen Zeitpunkten. Allerdings passiert das bei den meisten Anbietern nur in Ausnahmefällen, weshalb es kein Risiko ist, dass du bei jeder Wette befürchten musst.

Wie wenig Spielraum beim Runden bleibt, zeigt ein angenommener Fall mit zwei Ausgängen zu 2,00 und 2,01. Bei 100,00 Euro Gesamteinsatz lauten die idealen Einsätze 50,12 Euro und 49,87 Euro, woraus sich eine Auszahlung von 100,24 Euro ergibt. Sind nur ganze Euro zulässig, musst du beide Einsätze auf glatte 50,00 Euro bringen, und im ungünstigeren Ausgang kommen exakt 100,00 Euro zurück. Die Bruttomarge fällt damit auf null, obwohl die Kehrwertsumme unter 1 lag und die Rechnung vorher stimmte. Bei knappen Konstellationen gehört die zulässige Einsatzeinheit deshalb schon in die Prüfung und nicht erst in die Eingabe.

Mehrere Einsätze planen und die Bankroll führen

Zwischen deinem ersten und deinem letzten angenommenen Einsatz hast du keine abgesicherte Konstellation, sondern eine offene Einzelwette. Erst mit der letzten Annahme ist eine Sure Bet abgeschlossen, und bis dahin ändert sich die Lage nach jedem einzelnen Schritt. Ein sauberer Ablauf trennt deshalb vier Dinge, die sonst durcheinandergeraten: die Prüfung, die Rechnung, die Platzierung und die Nachkontrolle.

  1. Vorabcheck. Ereignis, die vollständige Menge der Ausgänge, die geltenden Wettregeln und die aktuellen Quoten festhalten, bevor überhaupt gerechnet wird, und dazu die Gebühren, die auf Einsatz oder Auszahlung anfallen können.
  2. Rechnung. Kehrwertsumme und alle Einsätze mit voller Genauigkeit berechnen, erst danach auf die zulässigen Einheiten runden und jedes Limit gegen den benötigten Betrag prüfen.
  3. Platzierung. Die Reihenfolge nach Zeitkritik und Annahmerisiko festlegen und nach jeder Annahme Quote, Betrag, Wettmarkt und Status protokollieren.
  4. Neuberechnung bei Abweichung. Ändert sich eine Quote oder wird ein Einsatz abgelehnt, den verbleibenden Plan aus den bereits angenommenen Beträgen neu berechnen, bevor ein weiterer Einsatz folgt.
  5. Nachkontrolle. Die tatsächliche Mindestauszahlung, die Summe aller angenommenen Einsätze und die angefallenen Kosten gegeneinander rechnen.

Der Unterschied zwischen Gesamtbestand und freien Mitteln wiegt bei Sure Bets schwerer als bei einer Einzelwette, weil hier mehrere Beträge gleichzeitig gebunden sind und erst nach der Abrechnung wieder zur Verfügung stehen. Wer den Gesamteinsatz an der gesamten Bankroll ausrichtet, plant mit Geld, das noch in einer anderen offenen Wette steckt. Der vierte Schritt der Liste ist dabei der unbequemste, weil er mitten in der Ausführung greift: Eine Quote, die sich zwischen der ersten und der zweiten Annahme bewegt hat, macht den ursprünglichen Einsatzplan wertlos, und die verbleibenden Beträge müssen aus dem bereits gesetzten Geld neu abgeleitet werden.

Lohnen sich Sure Bets langfristig?

Die Bruttomarge einer einzelnen Konstellation ist klein. Sie entsteht allein daraus, dass die gemeinsame Auszahlung den Gesamteinsatz übersteigt, und dieser Überschuss ist der gesamte Ertrag, um den es geht. Ob sich die Methode über viele Durchgänge trägt, entscheidet erst das, was von dieser Marge übrig bleibt.

Vom Bruttogewinn gehen zuerst die Gebühren ab, die auf Einsatz oder Auszahlung anfallen. Dazu kommen die Kosten der Zahlungswege, weil du bei mehreren Wettanbietern ein- und auszahlst, und Umrechnungskosten überall dort, wo eine Wette in einer anderen Währung abgerechnet wird. Abzuziehen ist außerdem die Zeit, die Suche, Regelabgleich, Rechnung und Kontrolle bei jeder Gelegenheit neu kosten. Und schließlich stehen dort die tatsächlich eingetretenen Folgen von Quotenänderung, Limit, Storno, Rundung und Teilplatzierung. Was danach übrig bleibt, ist der Nettoertrag, und erst ein Wert über null ist ein Gewinn.

Die Nettorendite setzt diesen Nettoertrag ins Verhältnis zum Gesamteinsatz. Erst dieser Wert lässt sich mit anderen Verwendungen desselben Geldes vergleichen, und erst er beantwortet die Frage aus der Überschrift. Weil die Bruttomarge je Gelegenheit klein ausfällt, wiegt dabei jeder einzelne Fehlschlag schwer: Eine unvollständig platzierte Konstellation kann den Ertrag mehrerer gelungener Durchgänge aufzehren. Hinzu kommt Kapital, das während der Laufzeit gebunden ist und für nichts anderes zur Verfügung steht.

Wer Wettregeln exakt vergleicht, Abweichungen ernst nimmt und mehrere Einsätze sauber festhält, bringt die Eigenschaften mit, auf die es hier ankommt. Dazu gehört, unter Zeitdruck zuverlässig neu zu rechnen, wenn sich nach der ersten Annahme etwas verschiebt, freie Mittel vorzuhalten, die gebunden bleiben dürfen, und kleine Margen zu akzeptieren, statt auf den einen großen Durchgang zu warten.

Umgekehrt trägt die Methode dich nicht, wenn du kurzfristig über dein Kapital verfügen musst oder wenig Spielraum für eigene Fehler hast. Auch wer eine passive Einnahme ohne laufenden Aufwand erwartet, hohe Erträge je Gelegenheit einplant oder mit einer Einnahme rechnet, die unabhängig von der Ausführung garantiert ist, wird enttäuscht. Garantiert ist die Rechnung; das Ergebnis hängt daran, ob du sie vollständig umsetzen kannst.