Wer an einem Tag der Vierschanzentournee am weitesten springt, hat das Springen damit noch nicht gewonnen, und wer ein Springen gewinnt, führt noch lange nicht die Gesamtwertung an. Vierschanzentournee Wetten laufen entweder auf ein einzelnes Springen an einem der vier Orte oder auf die addierte Punktzahl nach der letzten Station. In die Punkte gehen Weite, Haltungsnoten und die Kompensation für Wind und Anlauf ein, und ob ein Springer überhaupt zweimal am Tag zum Zug kommt, entscheidet sich zuerst im K.-o.-Duell des ersten Durchgangs.

Die Besonderheiten der Vierschanzentournee

Die Tournee besteht aus vier Einzelspringen an vier Orten, zwei davon in Deutschland und zwei in Österreich, und die Punkte aus allen vier Wettbewerben werden zu einer gemeinsamen Gesamtwertung addiert. Über den Tourneesieg entscheidet damit die Gesamtleistung auf vier Schanzen und nicht der beste einzelne Tag. Jedes Springen hat zwei Wertungsdurchgänge, ein Springer kommt also auf höchstens acht gewertete Sprünge, und alle acht erreicht nur, wer an jedem der vier Tage in den Finaldurchgang kommt.

Ein Tipp auf den Tagessieg hängt deshalb an der Qualifikation, an den Bedingungen dieses Nachmittags und am Profil der jeweiligen Schanze. Für Vierschanzentournee Wetten auf den Tourneesieg zählt dagegen, dass ein Springer über alle vier Orte hinweg vorne bleibt, und ein einziger starker Tag genügt dafür nicht.

Der erste Wertungsdurchgang wird bei der Tournee in Duellen gesprungen: Zwei Springer treten direkt gegeneinander an, und der Ausgang dieses einen Duells entscheidet zunächst darüber, wer den zweiten Durchgang des Tages überhaupt bekommt.

Gestrichen wird dabei nichts. Jeder Durchgang, den ein Springer erreicht, geht mit seiner Punktzahl in die Gesamtwertung ein, und ein schwacher Sprung bleibt bis zur letzten Station in der Summe stehen. Wer an einem der vier Orte nur einen Sprung in der Wertung hat, verliert gegenüber der Konkurrenz die Punkte eines kompletten Durchgangs, und die fehlen ihm bis zum Schluss.

Wie ein Wettkampftag der Tournee abläuft

Aus der Qualifikation kommen 50 Springer in den Wettkampf, und sie werden zu 25 Duellen gepaart. Der beste Qualifikant trifft dabei auf den letzten dieser 50, der zweitbeste auf den vorletzten, und so läuft die Paarung durch das ganze Feld. Wer sein Duell gewinnt, steht im Finaldurchgang, dazu kommen die fünf punktbesten Verlierer, sodass 30 Springer den zweiten Durchgang bestreiten. Die Punkte des ersten Durchgangs bleiben dabei stehen und werden mit denen des Finaldurchgangs zum Tagesergebnis addiert. Ein verlorenes Duell bringt trotzdem die Punkte des ersten Sprungs, und über das Nachrücken entscheidet dann allein die Höhe dieser Punktzahl, nicht der Ausgang des Duells.

Woraus die Punktzahl eines Sprungs besteht

Am K-Punkt der Schanze gibt es 60 Weitenpunkte. Landet ein Springer darüber, kommen Punkte hinzu, landet er darunter, werden welche abgezogen. Dazu bewerten fünf Richter die Haltung, wobei die höchste und die niedrigste dieser Noten gestrichen werden und die drei übrigen zusammengezählt. Und weil Wind und Anlauflänge mitbestimmen, wie weit ein Sprung wird, kommt für beides eine Kompensation in die Gesamtpunktzahl, die genau diesen Unterschied verrechnet.

Aus diesen drei Größen entsteht die Zahl, die am Ende neben dem Namen steht. Der weiteste Sprung eines Durchgangs ist deshalb nicht zwingend der bestbewertete, und zwei Springer, die gleich weit landen, können mehrere Punkte auseinanderliegen.

K-Punkt und Hillsize sind zwei rote Linien auf dem Aufsprunghang, beide vom Schanzentisch aus gemessen. Die Hillsize markiert das Ende des Bereichs, in dem normalerweise gelandet wird, der K-Punkt liegt ein Stück davor. Eine erlaubte Höchstweite ist sie nicht. Weiter zu springen ist möglich, und der kürzeste Anlauf einer Schanze ist nur so bemessen, dass ein guter Springer bei schneller Spur und vier Metern Gegenwind in der Sekunde nicht darüber hinauskommt. Beide Maße sind an den vier Stationen nicht überall gleich, und die 60 Punkte hängen damit am K-Punkt des jeweiligen Orts und nicht an einer festen Weite.

Telemark, Jury und die Anlauflänge

Telemark heißt die Landung mit gebeugten Knien und versetzten Füßen, und sie gehört zu dem, was die fünf Richter mit den Haltungsnoten bewerten. Über die Anlauflänge entscheidet die Jury, und solange die Kompensation angewendet wird, darf sie den Anlauf auch innerhalb eines laufenden Durchgangs verändern. Der Anlauf ist dann für zwei Springer desselben Durchgangs verschieden lang, und die Differenz wird über die Kompensation verrechnet, statt einem von beiden als Weite angerechnet zu werden.

Welche Wettarten gibt es auf die Vierschanzentournee

Tageswertung und Gesamtwertung sind sportlich zwei verschiedene Endstände, und daran hängt, wann eine Wette entschieden ist. Die eine steht nach dem Finaldurchgang eines einzelnen Springens fest, die andere erst nach dem letzten Sprung an der vierten Station.

Wette

Gewonnen, wenn

Tourneesieg (Gesamtsieger)

dein Springer nach vier Stationen die höchste addierte Punktzahl hat

Tagessieg

dein Springer im benannten Einzelspringen die höchste Punktzahl aus beiden Durchgängen hat

Podium oder Top-Platzierung

dein Springer im festgelegten Rangbereich landet, je nach Wette in der Tageswertung oder in der Gesamtwertung

Head to Head Wette

der von dir getippte Springer im festgelegten Zeitraum vor dem anderen liegt, auch wenn die beiden im ersten Durchgang gar nicht gegeneinander springen

Wette auf einen einzelnen Springer

dieser Springer die genannte Marke erreicht, etwa eine Platzierung oder eine Weite

Angenommen, dein Springer gewinnt das Auftaktspringen in Oberstdorf und verliert beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen sein Duell, ohne als Verlierer nachzurücken. Die Siegwette auf den Tagessieg in Oberstdorf ist damit gewonnen und bleibt es, unabhängig davon, was danach passiert. Für die Gesamtwertung fehlt ihm dagegen der zweite Sprung in Garmisch-Partenkirchen, und dieser Rückstand steht bis zum Schluss in der Summe. Derselbe Springer, dieselbe Ausgabe, zwei Vierschanzentournee Wetten mit entgegengesetztem Ausgang. Damit unterscheidet sich die Wette auf einen Tag komplett von der Langzeitwette auf den Gesamtsieger.

Termine, Schanzen und Orte der Tournee 2026/27

Gesprungen wird in der Reihenfolge Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck, Bischofshofen. Für die beiden deutschen Stationen liegen Tag und Uhrzeit der kommenden Ausgabe vor, für Innsbruck und Bischofshofen bisher kein datierter Termin. Wer auf die Gesamtwertung tippt, weiß damit noch nicht, an welchem Tag seine Wette entschieden wird.

Station

Schanze

K-Punkt / Hillsize

Termine 2026/27

Oberstdorf

Schattenbergschanze

120 / 137 Meter

Qualifikation 28. Dezember 2026, 17.45 Uhr; Wettkampf 29. Dezember 2026, ab 16.30 Uhr

Garmisch-Partenkirchen

Große Olympiaschanze

125 / 142 Meter

Qualifikation 31. Dezember 2026, 16.30 Uhr; Wettkampf 1. Januar 2027, 16.30 Uhr

Innsbruck

Bergiselschanze

120 / 128 Meter

noch nicht datiert

Bischofshofen

Paul-Außerleitner-Schanze

125 / 142 Meter

noch nicht datiert

Die vier Schanzen sind unterschiedlich groß, und das schlägt direkt auf die Weitenpunkte durch. In Oberstdorf und Innsbruck liegt der K-Punkt gleich hoch, in Garmisch-Partenkirchen und Bischofshofen fünf Meter höher. Dieselbe Weite bringt an diesen beiden Orten also weniger Weitenpunkte als am Auftakt und in Innsbruck. Innsbruck fällt zusätzlich aus der Reihe: Zwischen K-Punkt und Hillsize liegen dort acht Meter, an den drei anderen Stationen jeweils 17. Weil sich die Kompensation für Wind und Anlauf nach der Geometrie der einzelnen Schanze richtet und von der Weite genau in der Mitte zwischen beiden ausgeht, unterscheidet sie sich von Schanze zu Schanze. Derselbe Gegenwind ergibt in Innsbruck deshalb andere Kompensationspunkte als in Oberstdorf.

Wer 2026/27 zum engsten Favoritenkreis zählt

Die Tournee 2025/26 gewann Domen Prevc vor Jan Hörl und Stephan Embacher, dahinter folgten Ren Nikaido und Ryoyu Kobayashi. Daniel Tschofenig wurde Siebter, Philipp Raimund Achter und Anže Lanišek Neunter. Im Weltcup fiel die Reihenfolge anders aus, und im Sommer gewann noch einmal ein anderer Springer. Für Vierschanzentournee Wetten bilden Prevc, Kobayashi und Tschofenig den engsten Kreis, dahinter stehen Nikaido und Embacher.

Domen Prevc als Titelverteidiger

Prevc gewann die Tournee 2025/26 mit zwei Tagessiegen und 42,3 Punkten Vorsprung. Den Ski Weltcup derselben Saison entschied er nach allen 33 Wettbewerben mit 2148 Punkten für sich, fast doppelt so vielen wie Kobayashi dahinter. Für eine Wette auf den Gesamtsieg wiegt das schwerer als jedes andere Argument im Feld, weil genau diese Konstanz über vier Stationen zählt. Für eine Tageswette taugt es weniger, denn zwei der vier Einzelspringen gingen trotz dieses Vorsprungs an andere Springer.

Ryoyu Kobayashi und die Lücke zwischen Saison und Tournee

Kobayashi kam im Weltcup 2025/26 auf 1194 Punkte. Bei der Tournee reichte es dagegen nur zu Rang fünf, und zwar hinter Embacher und Nikaido, die über die ganze Saison hinter ihm lagen. Wer auf ihn setzt, wettet also darauf, dass er die Form der ganzen Saison in genau diesen vier Springen abruft.

Daniel Tschofenig, Tagessieger im Winter und Doppelsieger im Sommer

Tschofenig gewann das Springen in Bischofshofen und schloss den Weltcup mit 1159 Punkten ab, nur 35 hinter Kobayashi. Im Sommer gewann er beide Männerwettbewerbe des Sommer Grand Prix in Courchevel, beide Male vor Philipp Raimund. Gegen ihn spricht die Tournee selbst, denn in ihrer Gesamtwertung kam er nur auf Rang sieben, und ein Tagessieg an der letzten Station zählt darin nicht mehr als einer am Auftakt.

Nikaido, Embacher und Raimund im erweiterten Kreis

Ren Nikaido gewann das Springen in Innsbruck, wurde Vierter der Tournee und beendete den Weltcup mit 1109 Punkten. Stephan Embacher stand bei der Tournee als Dritter noch vor ihm, im Weltcup dagegen mit 992 Punkten hinter Anže Lanišek, der dort 1009 Punkte holte und bei der Tournee nur Neunter wurde. Diese Spanne zeigt, wie wenig sich vom Saisonrang auf die Tournee schließen lässt. Philipp Raimund wurde Achter der Tournee und kam im Weltcup auf 967 Punkte, im Sommer stand er in Courchevel zweimal hinter Tschofenig. Bis zum Winterstart bleibt er damit ein Name zum Beobachten und kein gesetzter Kandidat.

Was du vor einer Vierschanzentournee Wette prüfen solltest

Zwischen der Qualifikation am Vortag und dem Finaldurchgang am nächsten Nachmittag ändern sich Startliste, Paarungen und Anlauflänge. Ein Tipp am Vormittag und einer kurz vor dem zweiten Durchgang beruhen deshalb auf ganz verschiedenen Informationen.

  • Auf welchen Endstand deine Wette läuft. Vierschanzentournee Wetten können auf die Qualifikation, auf einen einzelnen Durchgang, auf das Tagesergebnis oder auf die Gesamtwertung lauten. Wer auf die Gesamtwertung tippt, bindet seinen Einsatz über alle vier Stationen, wer auf einen einzelnen Durchgang tippt, weiß nach wenigen Minuten Bescheid.
  • Qualifikationsrang und Gegner im Duell. Die Startliste zeigt vor dem Wettkampf, gegen wen dein Springer im ersten Durchgang antritt. Weil sich die Paarungen vom besten bis zum letzten Qualifikanten durchziehen, treffen zwei starke Namen genau dann aufeinander, wenn einer von ihnen die Qualifikation schwach abgeschlossen hat, und der Unterlegene erreicht den Finaldurchgang dann nur noch als einer der punktbesten Verlierer.
  • Welche Schanze als Nächstes an der Reihe ist. Mit dem Ort wechselt der K-Punkt und damit die Weite, ab der Punkte addiert statt abgezogen werden. Eine Weite, die an einer Station weit vorne lag, kann an der nächsten unter dem K-Punkt liegen.
  • Wind, Anlauf und Kompensation im laufenden Wettkampf. Wer während des Wettkampfs tippt, sieht die Weite sofort, die Punktzahl aber erst, wenn Haltungsnoten und Kompensation verrechnet sind. Ein optisch kürzerer Sprung kann nach dieser Verrechnung vor einem weiteren liegen, und die Anlauflänge kann sich innerhalb des Durchgangs noch ändern.
  • Ob die Startliste überhaupt steht. Solange die Qualifikation nicht gesprungen ist, steht weder das Teilnehmerfeld noch eine einzige Paarung fest. Eine Wette auf ein Duell oder auf eine Platzierung im Finaldurchgang setzt dann auf eine Startliste, die es noch nicht gibt, und die lässt du besser liegen.

Was aus der Geschichte der Tournee bis heute nachwirkt

Die erste Tournee führte über dieselben vier Orte wie heute, nur in anderer Reihenfolge: Sie begann mit dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, Oberstdorf kam als zweite Station, und am 11. Januar 1953 fiel die letzte Entscheidung in Bischofshofen. Gegenüber heute sind allein die beiden ersten Stationen vertauscht, und in Bischofshofen endet auch die kommende Ausgabe. Die Idee zu diesem Wettbewerb war schon im Sommer 1949 formuliert worden, gesprungen wurde erst dreieinhalb Jahre später, und gezählt werden deshalb die Ausgaben ab 1953 und nicht die Jahre seit der Idee. Die abgelaufene Tournee war die 74., die kommende ist die 75.

In der Ausgabe 2007/08 musste das Springen in Innsbruck wegen eines Föhnsturms abgesagt werden, nachgeholt wurde es am 5. Januar in Bischofshofen. Die Gesamtwertung entstand trotzdem aus vier Springen, nur eben nicht an vier Orten. Für einen Tipp auf ein einzelnes Springen heißt das, dass der Wettbewerb feststeht, sein Ort und sein Tag aber nicht in jedem Fall.

Der Gesamtsieger bekommt den Goldenen Adler, und wer vom Adler spricht, meint damit die addierte Punktzahl nach vier Stationen, nicht einen einzelnen Tagessieg. Grand Slam heißt der Sonderfall, dass ein Springer alle vier Einzelspringen einer Ausgabe gewinnt. Sven Hannawald gelang das 2001/02 als Erstem, Kamil Stoch folgte 2017/18 und Ryoyu Kobayashi ein Jahr darauf. In 74 ausgetragenen Ausgaben fielen damit drei Grand Slams. Der Goldene Adler gehört dabei zwangsläufig dazu, denn wer jedes der vier Springen gewinnt, hat auch die höchste Gesamtpunktzahl.

Vier Springer gewannen je drei der vier Einzelspringen einer Ausgabe und bekamen den Goldenen Adler trotzdem nicht, der letzte dieser Fälle in der Ausgabe 1975/76. Drei Tagessiege und der Gesamtsieg hängen damit nicht am selben Tipp, und wer bei Vierschanzentournee Wetten auf den Gesamtsieger setzt, kann mit einem Springer verlieren, der an drei von vier Tagen der Beste war.

Der größte Abstand zwischen dem Ersten und dem Zweiten lag bei 104,4 Punkten, 2000/01 zwischen Adam Malysz und Janne Ahonen. Malysz kam in dieser Ausgabe auf 1045,9 Punkte und überschritt als erster Skispringer überhaupt die Marke von 1000 Punkten, und sein Vorsprung entsprach damit fast genau einem Zehntel seiner eigenen Gesamtpunktzahl. Prevc lag zuletzt nicht einmal halb so weit vorn.